Zum 98. Todestag von Franz Kafka

Lara Hitzmann • 3 Juni 2022
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Zum 98. Todestag von Franz Kafka

 


Kafka»Wir brauchen Bücher, die auf uns wirken wie ein Unglück, das uns sehr schmerzt, wie der Tod eines, den wir lieber hätten als uns, wie wenn wir in die Wälder verstoßen würden, von allen Menschen weg, ein Buch muss die Axt sein für das gefrorene Meer in uns.«


Franz Kafkas Werke waren ungewöhnlich absurd, grotesk und voller Ohnmacht und Schmerzen. Sie waren ein Novum der Literatur. 


Der spätere Literat wird am 03. Juli 1883 als Sohn einer deutschsprachigen jüdischen Kaufmannsfamilie in Prag geboren. Seine Mutter, Julie Kafka, war eine gebildete Frau aus einer wohlhabenden Familie, die mit ihrem Ehemann Hermann Kafka ein Galanteriewarengeschäft betrieb. Trotz, dass die Familie in Prag lebte, wurde zuhause deutsch gesprochen. Die Familie wurde von sechs Kinder vervollständigt, doch war Franz der einzige, der das Jugendalter überlebte. Seine Brüder starben bereits im Kindesalter und seine Schwestern wurden später in Konzentrationslager deportiert und kamen nie zurück. 


Kafka besuchte in Prag die Deutsche Volks- und Bürgerschule, in der sein Talent als Schriftsteller bereits früh erkannt wurde. Im Anschluss daran begann er ein Jura-Studium an der Prager Deutschen Universität, wo er seine Begabung weiter ausbauen konnte. Während seines Studiums lernte Kafka seinen lebenslangen Begleiter Max Brod kennen, der nach Kafkas Tod für die Veröffentlichung seiner Texte verantwortlich war. Nach der erfolgreichen Promotion arbeitete Kafka zunächst als Versicherer. In dieser Tätigkeit war er so gut, dass man ihm einige Jahre später verbot an die Front zu gehen, als er sich im Zuge des Ersten Weltkrieges freiwillig meldete. 


Neben der Arbeit für die Versicherungsgesellschaft begann Kafka seine Texte zu publizieren. Die erste dieser Publikation war ein kleines Prosastück namens »Betrachtungen«, welches in der Zeitschrift »Hyperion« im März 1908 veröffentlicht wurde. Vier Jahre später wurde dieses Prosastück als erstes von Kafkas Werken als Buch veröffentlicht. Und trotz, dass Kafka in Prag lebte und arbeitete und fließend tschechisch sprach, verfasste er alle Texte auf Deutsch.


Kafka schrieb unerbittlich an seinen Werken. Im Jahr 1912 entstanden so nicht nur »Die Verschollenen«, sondern auch »Das Urteil« und »Die Verwandlung« -  Kafkas bekanntestes Werk. Andere seiner Texte, die schließlich doch nicht seinen Ansprüchen entsprachen, zerstörte er wieder.

 

Brief
Ein Brief Kafkas an seinen Vater

Es sollte dann auch die erste öffentliche Lesung von »Das Urteil« sein, welches ihm den Durchbruch als Schriftsteller ermöglichte. In diesem literarischen Werk geht es um eine problematische Vater-Sohn-Beziehung, welche bei Kafka auch in vielen anderen Texten zum Vorschein kommt. Kafka fällt wegen seiner absurden und grotesken Texte auf und sticht so sehr aus der Literatur seiner Zeit heraus. Ein Zeichen der zunehmenden Beliebtheit Kafkas war seine Auszeichnung mit dem Fondante-Preis, den er für »Die Verwandlung« im Jahr 1915 erhielt. »Die Verwandlung« erzählt die Geschichte eines Handelsreisenden, der in ein Ungeziefer verwandelt wird und dadurch unfähig ist, sich mit seinem Umfeld und seiner Familie zu verständigen, woraufhin er als untragbar geachtet wird.

 


»Du kannst dich zurückhalten von den Leiden der Welt, das ist dir freigestellt und entspricht deiner Natur, aber vielleicht ist gerade dieses Zurückhalten das einzige Leid, das du vermeiden könntest.«

 

Gasse
Die Alchemistengasse auf dem Hradschin

In den folgenden Jahren arbeitete Kafka vor allem in der sog. Alchemistengasse auf dem Hradschin, einer kleinen verträumten Gasse des Prager Schlosses. Heute sind dort die Notizen und die Einrichtung des Autors ausgestellt. 


Neben einer unglücklichen Beziehung zu Felice Bauer machte Kafka nun mit Mitte Dreißig seine Gesundheit immer mehr zu schaffen. Der Schriftsteller erkrankt zunächst an Tuberkulose und im Jahr darauf an der Spanischen Grippe.

Die darauffolgenden Jahre waren gezeichnet von ständigen Kuren, wenig fruchtbaren Heiratsplänen mit verschiedenen Auserwählten und intensiver Schreibtätigkeit. Leider erholte sich Kafka weder von seinen Lungenerkrankungen noch von seinem gebrochenen Herzen. Gepflegt von seinen engsten Freunden starb er schließlich am 03. Juni 1924 und wurde später auf dem jüdischen Friedhof bestattet. Sein Freund und Verleger Max Brod veröffentlichte in den darauffolgenden Jahren posthum und gegen Kafkas ausdrücklichen Willen einige Romanfragmenten. 


 


Leseempfehlungen


 

Buch Zeichnungen
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Kafka, Franz

Franz Kafka: Die Zeichnungen

Die Weltsensation: Kafkas neu aufgetauchte Zeichnungen

Wenige wussten von Franz Kafkas besonderer zeichnerischer Begabung. Nach seinem Tod blieb ein Großteil seiner Zeichnungen unveröffentlicht und wurde bis 2019 unter Verschluß gehalten. Nach dem Ende eines jahrelangen Rechtsstreits lässt sich nun ein neuer Kafka entdecken. »Franz Kafka: Die Zeichnungen« zeigt erstmals sämtliche Zeichnungen des Schriftstellers. Eine Weltsensation! Entdecken Sie ein überraschendes künstlerisches OEuvre - mal realistisch, mal phantastisch, manches auch unheimlich oder grotesk. Kommentiert von erstklassigen Kunst- und Literaturexperten. In einer wunderschönen Leinenausstattung.

 

  • Ein internationales Ereignis: Die Erstveröffentlichung der neu aufgetauchten Zeichnungen Franz Kafkas
  • Der andere Kafka: Das künstlerische OEuvre des weltberühmten Schriftstellers
  • Erstmals sämtliche Zeichnungen Franz Kafkas einschließlich der neu entdeckten Blätter
  • Wissenschaftlich erschlossen von Andreas Kilcher, Pavel Schmidt und Judith Butler
  • Erstklassige Reproduktionen und eine besonders schöne Ausstattung

»Du, ich war einmal ein grosser Zeichner... Jene Zeichnungen haben mich in seiner Zeit, es ist schon Jahre her, mehr befriedigt, als irgendetwas.« Franz Kafka an Felice Bauer

Erst 2019 tauchten über 100 Zeichnungen von Franz Kafka auf, die jahrzehntelang in einem Zürcher Banksafe unter Verschluss gehalten wurden: eine Sensation. Vor allem in seinen frühen Jahren, zwischen 1901 und 1907, hat Kafka intensiv gezeichnet. Ein ganzes Heft mit Zeichnungen ist nun erst neben Dutzenden von Einzelblättern zu Tage getreten. Es sind fragile, haltlose und zugleich rätselhaft-faszinierende Gestalten, die einem hier begegnen. Kafkas Zeichnungen kippen vom Realistischen ins Phantastische, ins Groteske, manchmal auch Unheimliche oder Karnevaleske. Zusammen machen sie einen zweiten Kafka neben dem Schriftsteller sichtbar. In diesem Band »Franz Kafka: Die Zeichnungen« mit seinen brillanten Reproduktionen und erhellenden Erläuterungen ist er zum ersten Mal vollständig zu entdecken.

Zur Ausstattung von »Franz Kafka: Die Zeichnungen« Fast alle Zeichnungen in Originalgröße. Zwei Lesebändchen - Hochwertiger Leinenband - Format 21 x 29 cm

Leseprobe unter »Weitere Informationen«

Inhaltsübersicht Einleitung von Andreas Kilcher 7ff.; Die Zeichnungen 29ff.: 1. Einzelblätter, 2. Das Zeichnungsheft, 3. Zeichnungen in den Reisetagebüchern, 4. Zeichnungen in Briefen 1909-1921, 5. Zeichnungen in Tagebüchern und Notizheften 1909-924, 6. Manuskripte mit Mustern und Ornamenten 1913-1922; Zeichnungen und Schreiben bei Kafka 211ff. von Andreas Kilcher; "Aber was für ein Boden! was für eine Wand!" von Judith Butler 277ff.; Beschreibendes Werkverzecihnis von Pavel Schmidt 295ff.

Die Geschichte von Franz Kafkas neu entdeckten Zeichnungen Kafkas Freund Max Brod hatte Kafkas außerordentliches Zeichentalent erkannt. Während Kafka nach seinem Tod auch seine Zeichnungen vernichtet wissen wollte, rettete Brod sie zusammen mit dem literarischen Nachlass.1939 floh Brod mit Kafkas Zeichnungen und Manuskripten im Gepäck vor den Nationalsozialisten nach Palästina und rettete sie so ein zweites Mal. Als Israel 1956 durch die Suezkrise bedroht wurde, deponierte Brod Kafkas Nachlass in vier Safes einer Zürcher Bank. Die Zeichnungen vermachte Max Brod seiner Sekretärin Ilse Ester Hoffe. Nach ihrem Tod entbrannte ein jahrelanger Rechtsstreit um den Nachlass, der zugunsten der israelischen Nationalbibliothek entschieden wurde. Im Jahr 2019 erblickten über 100 praktisch unbekannte Zeichnungen Franz Kafkas das Tageslicht, 95 Jahre nach seinem Tod. In »Franz Kafka: Die Zeichnungen« wird nun erstmals das gesamte grafische Werk Franz Kafkas gezeigt.

Das Buch erscheint fast zeitgleich in sieben Ländern.


Kafka der ewige Sohn
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Alt, Peter-Andre

Franz Kafka

Der ewige Sohn

Franz Kafka ist der wirkungsmächtigste Schriftsteller des 20. Jahrhunderts. Sein Werk gilt bis heute als Inbegriff des Dunklen, Mehrdeutigen, faszinierend Unheimlichen: als Musterfall der ästhetischen Moderne. Diese Biographie stellt Kafkas Leben und seine literarische Arbeit in den Zusammenhang der großen kulturellen Strömungen der Zeit zwischen 1880 und 1920. Kafkas künstlerische Individualität wird aus ihrer spannungsreichen Verbindung mit europäisch-jüdischen Traditionen neu verständlich - als Besitz eines ewigen Sohns, der sich selbst am Anfang und am Ende aller Überlieferungen stehen sieht. Franz Kafka hat Leben und Schreiben als Einheit betrachtet, die seine Identität begründete. Sein zerbrechlicher Selbstentwurf blieb gebunden an die Höhen und Tiefen der literarischen Arbeit. Peter-André Alts Biographie verknüpft die Lebenserzählung mit umfassenden Interpretationen, die Kafkas Werk und dessen psychologische Voraussetzungen durchdringen. Sie zeigt den Autor als Beobachter seiner Zeit, indem sie sein Verhältnis zur Prager deutschen Literatur und zur europäischen Moderne, zu Psychoanalyse und Zionismus, Philosophie und jüdischer Geistestradition, Anthroposophie, Naturheilkunde, Kino und Theater untersucht. Sie präsentiert den Flaneur und den Einsamen, den Reisenden und den Ängstlichen, den Asketen und den Liebenden, den Ekstatiker und den Skeptiker, den Spezialisten des Schreckens und den Meister der Ironie. Kafkas Vita wird dabei nicht als Quelle, sondern als Spiegel der literarischen Arbeit gedeutet. Die Welt seiner Erzählungen und Romane gewinnt auf diese Weise in den Linien des Lebensentwurfs eine ebenso fesselnde wie unheimliche Konsequenz.


Buch
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Liebrand, Claudia (Hrsg.)

Franz Kafka

Neue Wege der Forschung

Kafka ist einer der herausragenden Autoren der klassischen Moderne. Gleichzeitig gelten Kafkas Texte jedoch als schwierig, weil sie sich einem unmittelbaren Verständnis entziehen. Gerade in ihrem hermetisch-esoterischen Wesen und in ihrer Widersprüchlichkeit haben sie aber immer wieder theoretisch ambitionierte und innovative Deutungen hervorgebracht. Dieses Buch versammelt eine Auswahl der wichtigsten Kafka-Interpretationen, die zumeist in den letzten 30 Jahren entstanden sind. Alle Beiträge zählen zu den Meilensteinen der Forschungsgeschichte. In der Summe ergeben sie einen repräsentativen Überblick, der jederzeit einen schnellen und fundierten Einstieg ins Thema ermöglicht. Ein vergleichbarer Band, der die wichtigsten Strömungen der Forschung dokumentiert, ist nicht auf dem Markt.

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