Zum 273. Geburtstag von Edward Jenner

Lara Hitzmann • 17 Mai 2022
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Zum 273. Geburtstag von Edward Jenner

 

Edward Jenners Erfindung hat unser Gesundheitssystem revolutioniert. Seine Beobachtung rettete unzählige Menschenleben vor den Pocken und er gilt jeher als der Erfinder der massentauglichen Schutzimpfung.

Der Landarzt wurde am 17. Mai 1749 geboren und da seine Eltern schon früh verstarben, wurde er von seinen älteren Geschwistern aufgezogen. In seiner Kindheit überlebte er eine schwere Pockenerkrankung. Vielleicht war es diese Erfahrung, die ihn im Alter von 13 Jahren dazu motivierte, bei dem Wundarzt Daniel Ludlow in die Lehre zu gehen. Später konnte er auch noch Einblicke in andere Fachgebiete, wie die Chirurgie, gewinnen. 1772 beschloss der nun erwachsene Jenner, in seine Heimat Berkeley zurückzukehren und dort eine Praxis zu eröffnen.

 

Die Pocken

Die Pocken, ihr lateinischer Name lautet Orthopox variolae, gilt als eine der für den Menschen gefährlichste Viren, da sie einerseits eine hohe Infektiosität und andererseits eine hohe Letalität aufweisen. Sie ist jedoch nur von Mensch zu Mensch übertragbar.  

 

Pockenpartys werden in England salonfähig

Seit dem 15. Jahrhundert nutzte man im Orient aktiv das immunologische Gedächtnis des Menschen, um schlimmere Infektionen mit den Pocken zu verhindern. Die erste Erwähnung eines immunologischen Gedächtnisses liefert uns übrigens Thukydides:

„ …zweimal nämlich ergriff [die Krankheit] denselben, so dass sie ihn auch getötet hätte, nicht.“ Thuk. 2, 51, 6.

Thukydides beobachtete dieses Phänomen während der Attischen Seuche im 5. Jahrhundert v. Chr. 

 

Das Wissen um die Pockenpartys, die gut 2000 Jahre später in Konstantinopel gefeiert wurden, brachte schließlich Lady Mary Wortley Montagu nach England, die als Frau des britischen Botschafters ein gern gesehenes Gast in der konstantinischen Oberschicht war. Sie setzte sich für die Pockenpartys in England ein, da sie von diesem Konzept überzeugt war.
Durch ihre Anstrengungen wurde es in England eine übliche Praxis, die Flüssigkeit von Pocken in zuvor geschnittene Wunden von gesunden Menschen einzuführen, wie es bei diesen Partys im Orient bereits seit längerem praktiziert wurde. Es gilt als ein Wunder, dass sich der aktive Pockenvirus so nicht viel schneller verbreiten konnte. Außerdem war bei dieser Praktik zwar die Wahrscheinlichkeit geringer, einen schlimmen Verlauf zu haben, doch immer noch hoch.

 

Edward Jenner und die Kuhpocken

Edward Jenner, der wie bereits erwähnt, als Landarzt tätig war, erachtete diese Methode der Ansteckung zum Schutz vor schlimmeren Verläufen als zu risikoreich. Und er machte während seiner Tätigkeit als Landarzt die entscheidende Entdeckung:

Diejenigen, die sich beim Melken der Kühe mit den deutlich harmloseren Kuhpocken ansteckten, schienen gegen die gefährlichere Pockenvariante immun zu sein. 1796 vollzog Jenner das für ihn entscheidende Experiment: Er infizierte den 8-jährigen Sohn seines Gärtners James Phipps absichtlich mit den Kuhpocken, die er aus dem Sekret der Pocken einer Milchmagd entnahm. Nachdem der Junge die Krankheit überstanden hatte, infizierte er ihn sechs Wochen später mit der gefährlicheren Pockenvariante, die bei ihm jedoch keine Wirkung zeigten. Jenner war sich sicher: Sein Experiment hatte die These bestätigt.

Dieses Verfahren ist uns übrigens noch in unserem Begriff „Vakzination“ erhalten geblieben, da der Begriff „vakka“ im Lateinischen "Kuh" bedeutet.

 

Die Impfgegner des 19. Jahrhunderts

Als Jenner seine Entdeckung vor der Royal Society vorstellte, lehnten sie seine Impfung ab. Zunächst sei dies nur an einem Menschen getestet worden, weshalb seine These keinesfalls als belegt gelte und zudem sei das Verfahren zur Erkenntnisgewinnung unethisch gewesen, denn Kinder sollten nicht als Versuchsobjekte gelten.

Aber nicht nur die Royal Society stellte sich gegen Jenner: Die katholische Kirche verurteilte Jenners Erkenntnis, denn sie richte sich gegen den Willen ihres Gottes. Jenners Einwurf, Gott habe ihm schließlich die Möglichkeit gegeben, die Pocken zu besiegen, lehnten sie ab.

Außerdem missfiel einigen Menschen, sich etwas von einer Kuh injizieren zu lassen – Karikaturen von Mischwesen aus Mensch und Kuh machten in den Medien die Runde. Die Angst, dass einem Hufe wachsen würden, hatte in einigen Gesellschaftskreisen hartnäckig bestand.

Aber schließlich setzte sich Jenners Methode durch – auch zu guter Letzt, da Jenner auf das Patent für seine Erfindung verzichtete. Sein restliches Leben verschrieb Jenner seiner Forschung. Er beendete die Tätigkeit als aktiver Arzt und arbeitete fortan an der Vakzination. 

 

 

Um Zwischenfällen bei Impfungen entgegenzuwirken, wurde kurz darauf ein Arzneimittelgesetz ins Leben gerufen, um die Qualität der Medikamente zu gewährleisten. In vielen Ländern setzte sich zudem eine Impfpflicht durch: In Bayern beispielsweise war es seit 1807 verpflichtend, sich gegen die Pocken zu impfen.

Und die Impfpflicht hatte Erfolg: Seit dem 26. Oktober 1979 gelten die Pocken als ausgestorben. Dies ist einerseits Edward Jenner und andererseits den hartnäckigen Impfgesetzen zu verdanken.

 


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With Illustrations of His Doctrines, and Selections from His Correspondence

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Written by his friend, the physician John Baron (1786-1851), this laudatory two-volume biography of Edward Jenner (1749-1823) appeared between 1827 and 1838. It illuminates Jenner's professional and personal life by drawing heavily on his correspondence, providing also a thorough explanation of the facts of vaccination.

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