Zum 102. Todestag von Max Weber

Lara Hitzmann • 14 Juni 2022
Blogbeitrag in der Gruppe Geschichte
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Zum 102. Todestag von Max Weber


Max Weber gilt als Vater der deutschsprachigen Soziologie. Seine Theorien sind heutzutage nicht mehr aus den Geschichts-, Sozial- und Kulturwissenschaften wegzudenken. Am 14. Juni 1920 starb der Soziologe nach einer langwierigen Lungenentzündung. 


Im April 1864 wurde Maximilian Carl Emil Weber in Erfurt als Sohn einer bürgerlichen Juristenfamilie geboren. Weber war bereits in jungen Jahren an großen Geistern der Literatur wie Arthur Schopenhauer, Immanuel Kant und Goethe interessiert.
Im Zuge seines Studiums der Jurisprudenz nutzte Weber die Chance, an diversen Studienorten zu lernen und hierbei auch die Wissenschaft der Philosophie, Theologie, Geschichte und Nationalökonomie kennenzulernen. 
1892 wurde Weber mit einer Arbeit zur römischen Agrargeschichte und ihre Bedeutung für das Staats- und Privatrecht habilitiert. Schon im Alter von 29 Jahren konnte Weber auf eine erfolgreiche Karriere als Jurist an der Universität zurückblicken. Einen wesentlichen Anteil an seinem Erfolg hatte seine Ehefrau Marianne Weber, die sich später als Schriftstellerin, Politikerin und Frauenrechtlerin brillierte.
 

Die nächsten Jahre waren von wechselnden Lehrtätigkeiten gezeichnet, da Weber den Rufen verschiedener Universitäten folgte. In dieser Zeit hatte Weber unter anderem Lehrstühle für Nationalökonomie in Freiburg und Heidelberg inne. Aber bereits 1898 war Weber gezwungen, seine Lehrtätigkeit vorerst wegen Überarbeitung und einem damit einhergehenden Nervenleiden zu pausieren. 
Nach einer kurzen Auszeit begann Max Weber vermehrt Texte zu publizieren. Gemeinsam mit Edgar Jaffé und Werner Sombart arbeitete Weber für die Zeitschrift Archiv für Sozialwissenschaft und Sozialpolitik.
Nach einer längeren Reise nach Amerika und ausgiebigen Gesprächen mit dem Wissenschaftler W. E. B. Du Bois beschäftigte sich Weber vermehrt mit der Widerlegung rassistisch orientierter Erklärungsmuster für gesellschaftliche und geschichtliche Ereignisse, welche laut Weber veraltet und rassistisch seien. Dafür sprach sich Weber auch bei dem Frankfurter Soziologentag 1920 öffentlich aus.

Durch Gründungen verschiedener soziologischer Gemeinschaften, im Besonderen die Deutschen Gesellschaft für Soziologie (DGS), die sich primär mit theoretischen Fragen beschäftigte, konnte Weber die soziologische Forschung weiter voranbringen.

Marianne Weber schreibt zur DGS: „Die Soziologie war noch keine Spezialwissenschaft, sondern auf ein Ganzes der Erkenntnis gerichtet (…).“

Der Erste Weltkrieg brach über Europa hinein und wie breite Teile der Bevölkerung war Weber zunächst voller Euphorie. Nach Ende des Krieges setzte sich Weber in als Teil einer links-liberalen Partei ein, eine neue Verfassungsgebende Nationalversammlung zu suchen, denn er stellte eine bedenkliche rechte Radikalisierung in der Gesellschaft fest. 
Daneben war Weber als Berater unter der Leitung von Graf Brockdorff-Rantzau an den Friedensverhandlungen von Versailles beteiligt.


Aufgrund seiner liberalen Einstellung fühlte sich Weber nach Kriegsende immer unwohler. Zum Teil gingen die Auseinandersetzungen mit den Rechten so weit, dass sie seine Vorlesungen störten. Bevor diese Feindseligkeiten sich jedoch weiter zunahmen, starb Weber am 14. Juni 1920 schließlich an einer Lungenentzündung, die ihn bereits längere Zeit zu schaffen gemacht hatte. 

Weber gilt heute als einer der Väter der Soziologie. Seine Deutung der ökonomischen Vorgänge als gesellschaftliche Phänomene und seine Interpretation der „äußeren Güter dieser Welt“ als „schicksalsvollste Macht unseres modernen Lebens“ werden meist als Gegensatz zum „Historischen Materialismus“ von Karl Marx angesehen. 


„Das für die verstehende Soziologie spezifisch wichtige Handeln nun ist im speziellen ein Verhalten,
welches

  1. dem subjektiv gemeinten Sinn des Handelnden nach auf das Verhalten anderer bezogen,
  2. durch diese seine sinnhafte Bezogenheit in seinem Verlauf mitbestimmt und also
  3. aus diesem (subjektiv) gemeinten Sinn heraus verständlich erklärbar ist.“, schrieb Weber auf der Suche nach Grundmustern und Regeln des Handelns.

 


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Müller, Hans-Peter

Max Weber

Eine Spurensuche

Max Weber gilt heute vielen als der bedeutendste Kultur- und Sozialwissenschaftler überhaupt, das Genie mit eigener Briefmarke ist weltweit in aller Munde. Warum? Was macht seine Größe aus? Wie hat er es in seiner Disziplin auf ein Niveau gebracht, das mit dem Goethes in der Literatur und Kants in der Philosophie vergleichbar ist? Zu Webers 100. Todestag begibt sich Hans-Peter Müller auf die Spurensuche nach der Botschaft des herausragenden Soziologen und stellt fest: Seine Genealogie der Moderne lässt uns begreifen, wie wir wurden, was wir sind – warum die von Weber beschriebenen Probleme des Kapitalismus, der Demokratie und des Individualismus also auch heute noch die unsrigen sind. Mit anderen Worten: Wer Weber liest, wird sein Leben in der Moderne besser verstehen.


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Weber, Max

Gesammelte Aufsätze zur Religionssoziologie 1

Max Webers zentrale Frage, auf die man alle seine religionssoziologischen Untersuchungen beziehen kann, ist: warum haben wir bei uns im Abendlande Kapitalismus? Das ist die Frage, die in eminentem Sinne die gegenwärtige Existenz begreifen will. (…) Vor allem das Religiöse als einen gestaltenden und bewegenden Faktor auch des Wirtschaftlichen hat er zum Gegenstand seiner Analyse gemacht; aber weiter suchte er alle nur erkennbaren Beziehungen, ohne eine von ihnen zu verabsolutieren. Seine Soziologie sollte dieses ganze verwickelte System kausaler Beziehungen hinstellen. So wurde er auf die Gesamtheit menschlicher Existenz gewiesen, ganz von selbst universal in seiner Betrachtung. Diese Betrachtung ist eine so noch nicht dagewesene Vereinigung von Historie und Systematik.


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Müller, Hans-Peter / Siegmund, Stefan (Hrsg.)

Max Weber-Handbuch

Leben – Werk – Wirkung

Max Weber, einer der Begründer der modernen Soziologie, hat ebenfalls ökonomische, historische, rechts- und religionswissenschaftliche Werke verfasst und wird – neben der Soziologie – in allen Geistes- und Kulturwissenschaften breit rezipiert. Etliche von Weber geprägte Begriffe haben in den verschiedensten Bereichen ein vielfältiges Echo gefunden (z.B. Charisma, Entzauberung, Gesinnungs- und Verantwortungsethik, Lebensführung, Wertfreiheit etc.) – diese Begriffe werden im zweiten Teil des Handbuchs erklärt. Es setzt ein mit einem Kapitel über Leben und historischen Kontext. Der Hauptteil präsentiert alle Werke Webers sowie alle relevanten Werkgruppen. Ein Schlussteil diskutiert, in welchen Bereichen das Werk Webers heute noch aktuell ist (Arbeit, Lebensstil, Bürgerlichkeit etc.). – Für die zweite Auflage wurde der Band durchgesehen und aktualisiert sowie einige Beiträge ergänzt, z.B. Askese, Demokratie, Freiheit, Geltung, Intellektuelle, Individualismus, Tragik und Weltbild.

Kommentare (1)

Merchan Agaricus

Das Handbuch setze ich auf meine Liste.


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