Wissen teilen und weiter denken als Grundlage gesellschaftlichen Zusammenlebens

Marie Sophie J. • 24 Oktober 2021
8 Kommentare
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Als ich das Thema des aktuellen wbg-Schreibwettbewerbes „Wissen teilen und weiter denken“ das erste Mal las, dachte ich bei mir, dass ich dies doch jeden Tag tun würde. 
Ich bin seit nun mehr zehn Jahren Lehrerin für Latein, Geschichte und PGW (Politik-Gesellschaft-Wirtschaft) an einem Hamburger Gymnasium und Kern meines Berufes ist es, jungen Menschen Wissen für ihr Leben mitzuteilen und sie im täglichen Unterrichtsgeschehen zum Weiterdenken anzuregen. Das funktioniert, je nach Unterrichtsthema und Interessensgebiet der SchülerInnen natürlich mal besser und mal schlechter, aber dennoch ist es das Ziel jeder Unterrichtsstunde.

Zugleich ist es aber auch die Motivation, aus der heraus ich Lehrerin geworden bin. Jungen Menschen etwas mit auf den Weg zu geben und sie durch das eigene Handeln und das Teilen von Wissen im besten Fall über die Schulzeit hinaus prägen zu können. Es erfüllt mich immer wieder mit großer Freude, in den Gesichtern der SchülerInnen zu sehen, wie sie die Unterrichtsinhalte durchdringen und neue Zusammenhänge erkennen. Zugleich ermutige ich sie natürlich immer wieder, ihre Gedanken, Ideen und Überlegungen in den Unterricht und die Diskussion hineinzutragen und sich und ihr Wissen mitzuteilen Insbesondere der Geschichts- und PGW-Unterricht leben von der intensiven Diskussion.

Nach Schulschluss tragen die SchülerInnen dann im besten Fall die Diskussionsinhalte aus dem Unterricht oder ihre neu gewonnen Erkenntnisse nach Hause, um dort ihr Wissen, z.B. mit anderen Familienmitgliedern, zu teilen und zu diskutieren.  Auf diese Art und Weise entsteht ein Kreislauf des immerwährenden Teilens von Wissen und des Weiterdenkens. 

Meines Erachtens ist dieses Teilen von Wissen mit Anderen, der Austausch und die Diskussion dieses Wissens der Grundstock einer funktionierenden Gesellschaft. Über den Schulunterricht hinaus bedeutet dies für mich, egal ob auf wissenschaftlicher Ebene oder nicht, dass nur durch den ständigen Diskurs und das Sprechen miteinander, der Zusammenhalt sowie die Weiterentwicklung der Gesellschaft möglich sind.

Die großen Herausforderungen des 21. Jahrhunderts sind nur zu bewältigen, wenn wir stetig Wissen teilen und weiter denken.    

 

Kommentare (8)

Marcin Lupa

Ein sehr schöner Text, Frau Jacob. Und ich dachte mir gleich am Anfang, als das Thema bekannt wurde, es sei ein Thema speziell für Lehrer und Dozenten. Nun bestätigen Sie diesen meinen Gedanken.

Aber auch andere Leute als Lehrer teilen sich mit und nehmen am Wissenstransfer teil. So ganz gewöhnliche Eltern, wenn sie ihren Kindern die Welt erklären, oder wenn Kinder den Eltern Dinge erklären, die sie selber nicht mehr oder gar nicht wissen.

Ein Beispiel bei dem junge Schüler älteren Senioren die Welt erklären können, sind solche organisierten Treffen, bei denen die Jugendlichen den Senioren die Handynutzung oder die Nutzung eines Tablets erklären können.

So geschieht es, dass wir ständig von einander lernen können.

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  • Marie Sophie J.

    Genau! Und durch solche Beispiele zeigt sich, dass unsere Gesellschaft eigentlich aus einem ständigen Miteinander besteht und wir diesen Austausch auch brauchen und er uns bereichert. Auf ganz vielen Ebenen.

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  • Jürgen Germann

    Aus Erfahrung und grundsätzlich kann ich Ihnen vollständig zustimmen, Frau Jacob.
    Zwei selbstkritische Fragen möchte ich anschließen:
    1. immer wieder suche ich nach "den Besten", von denen ich Sachkunde und Kritik erfahren, Wichtiges lernen und mit ihnen in Dialog treten kann. Wer sind die? Habe ich die richtigen gesprochen und studiert?
    2. Wird manches oder vieles wirklich besser, wenn wir uns selbst auch darum kümmern, selbst wenn wir weniger Einblicke, Kompetenz und Einfluss haben als die Experten und Repräsentanten?
    Analog zur Tatsache: Es gibt genügend gute Köchinnen und Köche und Rezepte - warum tun es die meisten Zeitgenossen ihnen nicht nach?
    Also im Ergebnis und in der Wirkung: tun wir und tun genügend Zeitgenossen genug für den notwendigen gegenseitigen Austausch all der wichtigen Dinge?
    Ich hoffe mit Ihnen ...
    JG

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  • Marie Sophie J.

    Das sind in der Tat große Fragen, die sie da aufwerfen. Ich bin mir auch nicht sicher, ob wir tatsächlich genug tun für diesen notwendigen Austausch. Sicherlich ist immer mehr möglich, aber auch schon ein bisschen Teilhabe an Diskussion und Austausch ist schon ein Anfang.
    Gleichzeitig denke ich auch, dass der Austausch von jedem, Experte oder nicht, grundsätzlich in einer Demokratie notwendig und sinnvoll ist. Nur auf diese Weise kann Meinungsbildung und eine aktive Zivilgesellschaft entstehen und vor allem bestehen.

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  • Norbert KNOLL

    Sehr geehrte Frau Jacob,
    mit Ihrem Titel bringen Sie eine fundamentale Voraussetzung des Lebens und Überlebens von Individuen und Gesellschaften zum Ausdruck.

    Es gibt nicht nur in der konkreten, tätigen Auseinandersetzung mit der physisch-materiellen Welt eine Arbeitsteilung zwischen den Mitgliedern eines Kollektivs, sondern auch in der Gewinnung, Verbreitung und Anwendung von Wissen. Ja und auch diese Arbeitsteilung ist erforderlich um das Überleben des Kollektivs und der mit ihm verbundenen Individuen zu sichern.

    Was wäre einem menschlichen Individuum möglich, lebte es allein auf einer Insel wie Robinson Crusoe?

    Ich meine, es würde entgegen dem von Daniel Defoe geschaffenen Mythos, dass da einer 25 Jahre völlig auf sich allein gestellt sein Auskommen findet, nicht überleben.

    Wenn Robinson dieses Kunststück gelang, dann nur weil er auf zahlreiche Artefakte zurück greifen konnte, die durch Arbeitsteilung in einem Kollektiv geschaffen wurden und auf die er in seinem Inseldasein zurückgreifen konnte.

    Da war eine Zimmermannskiste mit allerlei Werkzeug, ein Rest von Hühnerfutter, das sich als Samen für den Anbau von Getreide nutzen ließ, Kleider von Matrosen, die es für die ersten Jahre seines Aufenthalts taten, Wildziegen, die wohl auch nicht vom Himmel gefallen oder von Robinson selbst auf die Insel gebracht worden sind, eine Bibel als Lesestoff in schwierigen Momenten und als Anregung zur Auseinandersetzung mit seiner eigenen Existenz ... alles Dinge, die in arbeitsteilig organisierter Weise in Kollektiven von Individuen entstanden und die sich für Robinsons Überleben als hilfreich - ja ich würde sogar sagen notwendig - erwiesen.

    Erkenntnisse über die physisch-materielle Welt und die soziale Mitwelt zu gewinnen ist nun mindestens so wichtig, wie das Schmieden eines Pfluges oder einer Axt, das Weben von Stoffen und das Nähen von Kleidern, das Säen, Ernten, Lagern, Verarbeiten, Verkaufen von Getreide ... also all jener Aktivitäten, die am besten arbeitsteilig und von mit speziellen Kenntnissen und Fertigkeiten ausgestatteten Individuen durchgeführt werden.

    Wer in der Runde würde sich zutrauen, alle notwendigen Verarbeitungsschritte zur Herstellung eines seetauglichen Bootes oder irgendeines zur üblichen Grundausstattung einer Küche/Speisekammer gehörigen Gegenstandes/Nahrungsmittels vom ersten Vorprodukt bis zum nutzbaren Endprodukt in einer "annehmbaren" Zeitspanne umzusetzen?

    Genauso wie die Eingriffe in die physisch-materielle Umwelt und in die soziale Mitwelt beruht sogar die Erzeugung von wissenschaftlichem Wissen auf Arbeitsteilung.

    Ich möchte nur jenen Punkt relativieren, wo Sie abschließend sagen:

    "Die großen Herausforderungen des 21. Jahrhunderts sind nur zu bewältigen, wenn wir stetig Wissen teilen und weiter denken."

    Ich würde "Herausforderungen des 21. Jahrhunderts" nicht als "besonders groß" herausstreichen. Wer sich mit irgendeiner Periode der Menschheitsgeschichte auseinandersetzt - etwa mit der industriellen Revolution, der Zeit zu Anfang des 20. Jahrhunderts, in der Zwischenkriegszeit, in der Aufbauphase der Nachkriegszeit etc. - wird schnell feststellen, dass es zu "jeder Zeit" besondere Herausforderungen gab, die arbeitsteilig organisiertes, kollektives Handeln und Denken erforderlich machten. Wir spüren es halt im direkten Erleben der Gegenwart unmittelbar, weil wir in diesem Boot sitzen. Gewaltige Stürme hat es auf dieser Welt aber zu allen Zeiten gegeben.

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  • Marcin Lupa

    Lieber Herr Germann,

    die Auseinandersetzung mit den Vorsokratikern hilft mir zu Begreifen, dass Impulsivität kein guter Weg ist, um mit Schwierigkeiten oder Herausforderungen fertig zu werden. Vielmehr lehren sie mich Besonnenheit und Geduld, auch eine Art von Verzicht, von dem ich sehr profitieren kann, wenn ich meiner Zerstreuung Einhalt gebiete. Sie sind mir also nützlich.

    Lieber Herr Knoll, das 21. Jahrhundert ist noch sehr lang und gesellschaftlich bereiten wir gerade eine massive Katastrophe vor, mit der wir uns zurück in die Steinzeit katapultieren könnten. Wovor Einstein schon warnte.

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  • Norbert KNOLL

    Lieber Herr Lupa,
    als ich noch zur Schule ging, warnte man uns vor den potenziell greifbaren Folgen des kalten Krieges und der Möglichkeit eines Knopfdrucks, der eine nukleare Katastrophe auslösen könnte. Ja, diese Gefahr bestand und die vielfältigen Möglichkeiten zur Auslöschung der Menschheit werden wohl eher mehr und nicht weniger.

    Und dennoch glaube ich, dass angekündigte Katastrophen nie stattfinden. Wenn es aber die Menschheit nicht anders verdient (ich will mich da gar nicht ausnehmen), dann werden uns - wie ich in einem anderen Beitrag einmal erwähnte - die Ameisen, die schon vor über 100 Mio. Jahren die Erde bevölkerten doch um geraume Zeit überleben.

    Was die bisherige Menschheitsgeschichte betrifft, so halte ich von der Zivilisiertheit der Menschen keine großen Stücke. Je größer die Fortschritte, die in Naturwissenschaften und Technik gefeiert werden, umso größer und widerlicher erscheint mir der Missbrauch derselben. Aktuelle gesellschaftliche Entwicklung und Realpolitik sind tagtäglich wiederholte Verhöhnungen jener Vision, die auf den Trümmern des 2. Weltkriegs - und in frischer Erinnerung an barbarische Gräuel - im ersten Artikel der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte von 1948 eine dem Geist der Aufklärung verpflichtete Formulierung fand:

    "Alle Menschen sind frei und gleich an Würde und Rechten geboren. Sie sind mit Vernunft und Gewissen begabt und sollen einander im Geiste der Brüderlichkeit begegnen."

    Wir zeigen mit Fingern auf Diktatoren und schämen uns nicht für die Politik in unseren eigenen - sogenannten entwickelten - Demokratien westlichen Zuschnitts? Nennen Sie mir einen Politiker (egal welchen biologischen Geschlechts), dem Sie zutrauen würden, dass er diesen Text ernsthaft und mit Engagement auf seine Fahnen heften wollte.

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  • Marcin Lupa

    Liebe Herr KNOLL,

    das was Sie eben geschrieben haben, kann ich so nur unterschreiben. Und selbstverständlich gibt es keinen Politiker, dem ich mein Vertrauen schenken würde. Auch wenn ich wählen gehe. Dies tue ich nur, damit ich die "besseren" Parteien gegenüber den de facto schlechten stabilisiere. Ich denke, das tun sehr viele Menschen so wie ich. Ansonsten weiß ich, dass Politiker Karrieren machen und Parteiprogramme für die Katz geschrieben werden.

    Ich bin zwar ein sehr offener Mensch, kann meine Bekanntschaften aber an zwei Händen abzählen. Früher war das nicht so. Früher hatte ich hunderte von Bekannten, musste aber auf einige von Ihnen verzichten, weil sie sich gegen mich gestellt haben. Die anderen Bekanntschaften verliefen sich im sprichwörtlichen Sand. Und mittlerweile bin ich mit neuen Bekanntschaften vorsichtig, weil ich eben jene Menschen in meiner Gegenwart wünsche, die sich nach dem von Ihnen zitierten Auszug aus dem Grundgesetz ernsthaft ausrichten. Wie Sie offenbar.

    Wir haben hier auch einen Rechtsstreit, den wir seit sechs Jahren gegen den Vater meiner Stieftochter führen. Er bemüht das Gericht, um sie zu ZWINGEN die Umgänge bei ihm einzuhalten. Sie will das nicht. Der Zwang des Vaters und die Entscheidungen des Gerichts für seine Seite, so dass er seine Ansprüche durchsetzen kann, ist selbstverständlich verfassungswidrig. Nur interessiert es niemanden, dass Gerichte in der bayrischen Provinz sich verfassungswidrig verhalten.
    Meine Stieftochter will von ihrem Vater nichts wissen, weil sie bei den Umgängen bei ihm nach eigenen Worten "verletzt" wird und wie wir bei den letzten Umgang festgestellt haben, psychotisch wird. Eine Behandlung verbietet der Vater selbstverständlich und das Gericht gibt ihm statt, auch wenn wir das Gericht um eine Ersetzung der Erlaubnis zur Behandlung bitten. Dann wird von der Gegenseite und dem Gericht ein Sachverhalt fingiert, die von einer stationären Psychiaterin festgestellte Diagnose der Psychosen, wird unter den Teppich gekehrt. So arbeiten die Familiengerichte in unserem schönen Deutschland. Für mich ist das Hochverrat und Kindesmißbrauch.

    Nocheinmal, meine Stieftochter fleht uns Erwachsene an, sie nicht zu ihrem Vater zu schicken, sie kriegt Nervenzusammenbrüche, wenn die Umgänge in ein paar Tagen anstehen. Sie findet es schrecklich bei ihm und seiner Ehefrau, ihren jüngeren Halbgeschwistern und will da nicht hin. Artikel 1 des Grundgesetzt kennen Sie ja wie oben geschildert, besser als ich.
    Vor Gericht wird uns Kindeswohlgefährdung unterstellt, wenn wir die Umgänge auf Grund der psychiatrischen Problematik vereiteln. Und so werden wir nach und nach immer mehr abgestraft.

    Da kann ich nur mit Ihnen d´accord sein. Alles was Sie über den Zustand der Welt und der Menschheit schreiben, findet meine Zustimmung.
    Sie sind ein weiser Mann, so einen Richter würden wir uns wünschen, der das Kind auch anhört und ihm nicht unterstellt, es sei manipuliert. Wir wünschen uns keine befangenen Richter mehr. Und keine korrupten Gerichte, die Kindern die Mütter wegnehmen, und Fälle konstruieren.

    Hochachtungsvoll
    Ihr Marcin Lupa

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