Wissen (mit-)teilen / Wissen weiter denken

Rüdiger Eduard Böhle • 7 September 2021
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#####Wissen (mit-)teilen / Wissen weiter denken

Mit dem Wissen ist das so eine Sache: „im Prinzip: bestens! – Aber … wehe, wehe, wenn ich auf ein besonderes Wissen und dessen Anwendungen sehe!“
Einerseits bekundet Wagner: „zwar weiß ich viel, doch möchte ich alles wissen!“ Andererseits kommentiert Faust – etwas pathetisch von oben herab und höflicher Weise auch nur für sich – dieses Bekenntnis zum Wissen: „Wie nur dem Kopf nicht alle Hoffnung schwindet, / Der immerfort an schalem Zeuge klebt, / Mit gierger Hand nach Schätzen gräbt / Und froh ist, wenn er Regenwürmer findet!“ Und doch: „dem ärmlichsten von allen Erdensöhnen“, gelingt, einen Homunkulus zu ‚er-zeugen‘, der, kontradiktorisch zu Faust, seine schützende Hülle am Wagen der Galatea zerschellen wird und dieser Weise, am Ende der klassischen Walpurgis-Nacht gleichsam ‚sinngebend‘, das Weltall erotisch in Brand setzen: „Und ringsum ist alles vom Feuer umronnen; / So herrsche denn Eros, der alles begonnen!“
Und dann geistert da ja auch noch Francis Bacon virulent mit seinem moralischen Skandalon, „scientia podestas est“!, durch das abendländische Selbstverständnis von Metaphysik und dem Anspruch von ‚höheren Werten‘.
Also erst einmal ‚Grund-legend‘: etymologisch repräsentiert das Wort „Wissen“ die Substantivierung eines Partizip perfekt passiv: ich habe gesehen. Weil ich gesehen habe, wie’s geht, darum weiß ich, wie’s geht und kann, wohl begründet, handeln, um meine Intention effektiv einzulösen: eine Gegenwart, an der ein gewisser Mangel sich zeigte, auf eine gesteigerte Zukunft hin zu bewirken, indem der gegenwärtige Mangel wissender Weise, und also förderlich, aufgehoben wird. Wissen zeigt sich so, ein taugliches Mittel oder Instrument zu Zwecken zu sein. Aktuell: Corona und das Wissen der Vakzine!

#####Das Wissen
Wissen entspringt der empfindungskonditionierten Erfahrung, daß die gegebene Welt mannigfach dem Menschen nicht behagt und sein Leben nicht effektiv hinreichend gewährt: die Welt zeigt sich mal mehr, mal weniger als eine Anstößigkeit, die einfordert, eine Aufhebung der erfahrenen Dissonanzen zu leisten. Die gegebene Welt stößt das Bewußtsein zur Intention an, den sinnlich wahrgenommenen Mangel effektiv und ‚Grund-legend‘, und also ‚für alle Zukunft‘, aufzuheben.
Wissen, und also das Mittel zum Zwecke, leistet die Arbeit des Geistes, die wir gemeinhin „Erkenntnis“ nennen: sie spiegelt die Intention, die gegenwärtig gegebene Welt in toto wie en détail auf eine gesteigerte, das Leben überhaupt und das Leben des Menschen im Besonderen auf eine vergewisserndere Zukunft hin zu gestalten. Wissen stellt daher Mittel zu Zwecken zur Verfügung; ein Arsenal an Werkzeugen zum Zwecke der Weltgestaltung auf eine Welt des Menschen hin: doppelter Genitiv!
Wie jedes Werkzeug immer nur einen Potentialhorizont avisiert, dessen Fortgange von der Potenz zum Akt eines Anderen, Äußerlichen, Fremden bedarf, so auch das Werkzeug „Wissen“: des Menschen und dessen Autonomie, Zwecke zu setzen. Ganz richtig sagen wir daher: der Zweck heiligt die Mittel! Wer einen Zweck will, muß – innerlogisch stringent – auch die Mittel wollen, die zum Zwecke taugen, und muß die tauglichen Mittel zweckmäßig anwenden, um den Zweck effektiv zu erfüllen.
Wie ein Werkzeug ‚sinn- und zwecklos‘ herumliegt, wenn es zu keiner Intention taugt, zu keiner Intentionseinlösung angewandt wird, so auch das spezifische Werkzeug „Wissen“. Die Logik des Werkzeuges: Keinem Werkzeug, auch nicht dem spezifische Werkzeug „Wissen“, eignet Autonomie; sondern bedarf eines Anwenders, um zu dessen Zwecken zu wirken oder ‚wirklich‘ zu werden!
Conditio sine qua non des Werkzeuges, Setzer eines Zweckes und Anwender des tauglichen Mittels zum Zwecke, terminiert – für die Moral – dessen Ambivalenz und Problematik. Die Logik der Sache offenbart ein kontradiktorisch Anderes.

#####Wissen (mit-)teilen
Wie jedes Resultat der Arbeit des Geistes genügt auch das Wissen nicht sich selbst, sondern vollendet sich dann und nur dann, wenn es sich ‚allgemein offenbart‘; und also das wissende Bewußtsein sich dem Bewußtsein überhaupt mitteilt – um eine Antwort zu evozieren, die primär das Wissen, in kritischer Distanz bedacht, bestätigt wie auch verwirft, fundamental aber das wissende Bewußtsein über sich selbst auf eine Weise hinaustreibt, wie es Solches gerade nicht in sich entwickeln konnte. Dem anderen Geiste sich mitzuteilen spiegelt, umgangssprachlich formuliert: das ganz egoistische Vorteilsstreben des sich mitteilenden Geistes, an dieser Stelle für sich selbst nicht weiterzukommen und darum an einen Anderen das Wort zu richten oder einem Anderen sich mitzuteilen und so eine Antwort (anti-Wort) zu evozieren, um die eigene und expressis verbis geäußerte Grenze seines aktuellen Denkvermögens per Anstoß seitens des anderen Geistes zu transzendieren, und also für sich selbst in der Sache ‚weiter zu kommen‘!
Auf das Spezifikum „Wissen“ bezogen, evoziert, Wissen mitzuteilen, die Reflexion seiner selbst sowohl des sich mitteilenden wie des angesprochenen Bewußtseins und fordert diese in den Ausweis ihrer Autonomie. (Nur die Blödigkeit beharrt auf ihrem mentalen Minimalstatus und behauptet diesen als allem Anderen überlegene absolute Position.) Wissen erhält daher per Mitteilung keinen Wert, schon gar nicht „einen viel größeren Wert“, sondern wird dem Bewußtsein überhaupt und seinem Ursprunge, der Arbeit des Geistes, entsprechend zu dem, was es an und für sich ist: ein allgemein verfügbares mentales Mittel zum Zwecke der Weltgestaltung im Anspruche, das Leben des Menschen gesteigerter Weise zu vergewissern.
Auf der Stufe der Logik des Wissens – nicht auf der Stufe der Moral – resultiert, das Wissen an Andere mitzuteilen, in die gesteigerte Potenz des Bewußtseins überhaupt und des interessierten Bewußtseins im Besonderen, Intentionshorizonte zu eröffnen, die bis dato gar nicht im Fokus stehen konnten, vielleicht in der Phantasie irgendwie ‚erwünscht‘ waren, nicht aber in concreto auch einlösbar. Wissen eröffnet wie jedes Werkzeug innerlogisch notwendig dem Bewußtsein charakteristische, sachlich präzis terminierte Intentionshorizonte der Weltgestaltung und die Gewähr, diese auch so adäquat wie effektiv einzulösen: wohl fundiert in der Erkenntnis eine bessere, eine so lebenstauglich wie lebensvergewissernd gesteigerte Zukunft zu bewirken.
Auf der Stufe des Begriffes, das Wissen intentional an der Welt zu eruieren und in concreto zu instrumentalisieren, resultiert alles Wissen stringent in die kritische Distanz gegenüber sich selbst, den eigenen Intentionen, dem eigenen Handeln und Verhalten zum Zwecke der Weltgestaltung überhaupt – und also zur Verantwortung: wie alle Arbeit des Geistes – wenn Moral seitens des Bewußtseins ins Schweigen verortet wurde!
Bacon expliziert hinreichend die Logik des Wissens und dessen Vollendung in der Verantwortung; die sich konkret in der Sprache, dem Ort des Geistes und der Ursprung des Menschen, offenbart. In der Sprache, diese subtile Einladung zum Verstehen durch Mit-Denken [Humboldt; Sprache und Denken], teilen die Menschen sich einander mit [„ein Gespräch wir sind / und hören voneinander!“ (Hölderlin; Friedensfeier)]. Die Arbeit des Geistes, das Wahre zu erkennen und im Wissen zur Macht der Weltgestaltung – zum Zwecke der Vergewisserung des Menschen und seines Daseins in der Spannweite von trivial bis Kultur – zu terminieren, bringt den Menschen an und für sich oder auf der Stufe seines Begriffes sich zum Bewußtsein: Zweck an sich selbst. [Kant; GMS / KpV]
Umgangssprachlich salopp: eigentlich ganz einfach oder trivial!

#####Ein Blick in die Realität
Wissen, das nicht gemeinhin mitgeteilt wird, wird für sich selbst schal. Wissen, das nicht seitens des Wissenden an Andere mitgeteilt, sondern im Verschweigen verortet wird, mutiert an sich selbst und innerlogisch stringent zur contradictio in se; konkret: zur Waffe. Das hermetische Wissen muß als Mittel zum Zwecke der Dominanz über Andere introvertiert sich selbst befriedigen und seine Potenzen, Lebenshorizonte zu eröffnen, zu gestalten und zu vergewissern, bis hin zur Nichtigkeit – in Anlehnung an Heidegger formuliert: bis hin zum Nichtenden – ruinieren: contradictio in se!
Doch schon die oberflächliche Beobachtung der Realität – ab ovo ad dato – erzählt in epischer Breite vom gemeinen Selbstverständnisse dieser Pervertierung des Wissens! „Wissen ist Macht“ resultiert, innerlogisch stringent, zur Verantwortung, eine zur Gegenwart gesteigerte, lebenstauglichere Welt zu gestalten, und also zu einer Welt der gesteigerten Vergewisserung des Menschen und seines Daseins – in toto wie ebenso en détail. Ebenso innerlogisch stringent resultiert die Pervertierung von „Wissens ist Macht“ zur effektiven Domination über den Menschen und zur effektiven Vermeidung von Verantwortung: nicht „Wissen ‚ist‘ Macht“, sondern „Wissen ist Mittel zum Zwecke der Macht!“ Ein subtiler Unterschied!
Zur Perversion des Wissens gehören neben den subjektiv konnotierten Handlungs- und Verhaltensweisen wie etwa Verleumdung, Intrige, Mobbing … die geschäftlich konnotierte Intention der Domination wie etwa Datensammlungen zum Zwecke der Manipulation und der Überwachung, und also die Inszenierung von Zwang. – Vor der Folie der Gegenwart und der intendierten Instrumentalisierung des Wissens zum Zwecke der Domination zeigen „1984“ und „Brave new World“ geradezu harmlose bis naive Idyllen.
Und so stellt sich die Frage: Wer pervertiert die Logik des Wissens, die sich in der Verantwortung vollendet, zur Perversion der Daten-Kraken zum Zwecke der Manipulation, Überwachung, Lüge, Spionage, Schädigung … bis hin zum Terror?
Die Pervertierung des Wissens von der Verantwortung vor dem Menschen zur Vorteile auf Kosten Anderer gewährenden Verantwortungslosigkeit, die wir besser „Menschenverachtung“ nennen, fundiert die Moral – bis hin zur Stufe der Sittlichkeit: Der – werte-konditionierte – Wille zur Domination in allen ihren Schattierungen! Wobei die harmlosen und als Anleitung zur Lebenstauglichkeit auftretende Fundierungen dieses Bewußtseinsstatus in der Gestalt der Weisheitssprüche auftreten: Bei Zeiten krümmt sich, was ein Haken werden will! Nach oben buckeln, nach unten treten! Eine Hand wäscht die andere! Reden ist Silber, Schweigen ist Gold!

Hast Du was, bist Du was! …

Rüdiger E. Böhle

Kommentare (8)

Marcin Lupa

Lieber Herr Böhle,

ich habe Ihnen für Ihren Beitrag einen schönen langen Kommentar geschrieben und nun ist er weg. Das macht mich jetzt traurig. Es ist nämlich für mich sehr schwer überhaupt die Zeit zu finden, diese Kommentare zu schreiben.

Ihr Text gefiel mir jedenfalls sehr. Sei es drum.

Schöne Grüße
Marcin Lupa

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  • Rüdiger Eduard Böhle

    Sehr geehrter Herr Lupa
    diese besondere Eigenart von PC und Ähnlichem kenne ich.
    Zu früheren Zeiten, da ein PC noch nicht eine 'eierlegende Woll-Mich-Sau' war, konnte ich derart verschwundene Texte auf irgendeine Weise wieder rekonstruieren; heute reicht meine PC-Kompetenz hierzu nicht mehr hin. Also gehorche ich den uralten 3 Sicherungsanweisungen, bevor ich weitere Aktionen unternehme: sichern, sichern, sichern! - Hat immer geklappt, bis auf so manche Lässigkeiten!
    Ärger und Trauer ist allerdings hier untauglich; aus eigener Erfahrung: bei Gelegenheit fällt das Passende schon wieder ein!
    ich grüße Sie
    Rüdiger E. Böhle

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  • Marcin Lupa

    Vielen Dank, Herr Böhle. Meine eigenen Textentwürfe speichere ich in der Tat immer ab, bevor ich sie hochlade. Allerdings ist es mir bei Kommentaren manchmal zu viel Mühe. Aber, da man sich bei Ihren Texten stets besonders Mühe geben muss, werde ich in Zukunft längere Kommentartexte - wie den verlorengegangenen - zuerst sichern und dann posten.

    Ihnen einen schönen Abend wünschend ...

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  • Marcin Lupa

    Nun hat Herr Jacob von der wbg meinen alten Kommentar gefunden:

    Lieber Herr Böhle,

    es ist immer wieder eine Freude sie zu lesen und dabei zu erfahren, wie wenig man weiß (oder versteht).
    Dann nimmt man die Herausforderung an, schlägt Vokabeln nach, prüft ihre unterschiedlichen Bedeutungen und glaubt zu wissen, wie Sie sie anwenden. Der Rest ist Interpretation.

    Dass Wissen mit Macht zu tun hat und dass diese mißbraucht wird, lehrt uns spätestens unsere eigene Erfahrung; die Empirie.
    Wir setzen uns alltäglich mit Gewalt und Betrug auseinander und leider haben auch die Dummen qua ihres perfiden Wissens um die Manipulationspsycholgie auch die Macht über uns. Sie ihnen zu entreißen, ist unser Kampf, um nicht zu sagen, unser täglich Brot. So lebe ich beispielsweise stets den Widerstand. Allerdings auch gegen das Unwissen. Das ist mir der Prozess des Lernens, des Wissenserwerbs.

    Um ein konkretes Beispiel zu nennen: ich lebte in meiner Jugend ein Leben, das Aldous Huxley`s "Pforten der Wahrnehmung" zu entspringen schien. In der Zeit meiner Manneswerdung wurde daraus das Szenario von "Schöne neue Welt" - die Halluzinogene wurden verdrängt, durch Psychopharmaka und die Natur wurde gefangenen genommen durch Kontrollapparate, wie zum Beispiel die Fernsehindustrie, die Computertechnologie, aber auch in Konkreta durch Programme der Bestandsreduktion (wirtschaftlichen Wissenstransfer und die Erfassung von Ressourcen als Rohstoffe der Produktion, zum Zwecke des Warenverkehrs und Handels). Ich ging den Weg der Anpassung. Gab mich aber noch nicht geschlagen.
    Heute lebe ich ein Leben mitten in George Orwells "1984". Die totale Überwachung - einzig die Gedanken sind frei. Bis zu einem gewissen Grad, da sie sich äußern und sichtbar werden. Meine Handlungen werden mehr oder weniger kontrolliert und so kann ich nur begrenzt freies Verhalten an den Tag legen.
    Aber es gibt gewisse Lichtblicke. Manchmal stehe ich auf einem Berggipfel und werde am nächtlichen Feuergelage dort oben der Unendlichkeit über meinem Haupte gewahr zu der sich meine Seele emporhebt. Spätestens mit dem Ableben werde ich meinen "Nachtflug zur Venus" antreten, vorbei an Kontrollgeräten und allem Menschlichen allzu Menschlichem.
    Wahrscheinlich wird mich unser Zentralgestirn wieder gefangen nehmen und mir die Richtung weisen, in die mein Ego münden muss. Und damit Schluß.

    Ich grüße Sie herzlich
    Marcin Lupa

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  • Rüdiger Eduard Böhle

    Sehr geehrter Herr Lupa
    gestern (08.09.) antwortete ich Ihnen auf Ihre Anmerkung hier im Forum, (allerdings weiß ich jetzt nicht mehr: wo!), die Ihnen verschütt gegangen war; da Ihre Anmerkung von Ihnen bzw. von Herrn Jacob, wieder gefunden wurde: daher also nochmals meine Antwort!
    Umgangssprachlich: doppelt genäht, hält besser!

    ##### Herausforderung des Verstehens:
    Sprache ist „die Einladung zum Verstehen durch die mentale Leistung des Mit-Denkens“, wie wir seit Vico und Humboldt wissen können. Sprache ist die Einladung, geführt von der – in den Worten gefaßten – Bedeutung das Denken des Denkens zu denken, dem ein Sachgehalt, eine Sache, ein Gedanke … entsprungen.
    ##### Wissen ist Macht / Mißbrauch
    Wissen hat nicht „mit Macht etwas zu tun“, sondern „ist“ Macht, und zwar präzise die Macht, die uns die Sache selbst von sich mitteilt, wenn wir in der Anstrengung des Geistes, die wir gemeinhin „Erkenntnis“ nennen, auf die Sache hinhören: „wir beherrschen die Natur dann, wenn wir uns ihren Gesetzen streng unterwerfen“! (Bacon; Nov.Org.)
    Ein kontradiktorisch Anderes zeigt sich, wenn das Wissen nicht Macht „ist“, die uns von der Sache selbst avisiert wird, sondern zum Zwecke der Domination über den Menschen instrumentalisiert wird. Daher möchte ich auch nicht von einem „Mißbrauch“ sprechen, der immerhin noch den Irrtum einschließt, sondern von „pervertieren“; denn solches Handeln und Verhalten entspringt der clare et distincte terminierten Intention, Menschen ‚klamm heimlicher Weise‘ zu Marionetten zu ruinieren: Resultat eines Grund-legenden Selbstverständnisses der Menschenverachtung – in Moral und Sittlichkeit bene fundatum!
    ##### Gewalt, Betrug, Manipulation
    Na ja, so dumm sind die Menschen nicht, die „qua ihres perfiden Wissens“ die Macht der Manipulation ausüben: um so effektiv zu manipulieren, muß man schon recht wissend sein und ziemlich clever handeln.
    Wobei für mich ein solches Handeln und Verhalten beiläufig oder sekundär ist; primär ist für mich die Frage nach dem Grunde: was begründet oder nötigt ein Bewußtsein, sein Handeln und Verhalten zur eigenen Daseinsfürsorge innerhalb seines sozialen Kontextes vom Selbstverständnisse der Menschenverachtung her zu terminieren?
    Von der Erkenntnis des Menschen selbst her, Zweck an sich selbst zu sein oder ein unwiederholbares Individuum, kann sich das Bewußtsein der Menschenverachtung nicht begründen; wohl aber in der Moral und Sittlichkeit, die ab ovo ad datum den Menschen ‚von Grunde auf‘ als böse und schlecht abwertet und ein Domestikationsregelwerk terminiert, diese Bestie unter Kontrolle zu halten. Antigone spricht gegenüber Kreon die Bedenkenlosigkeit dieses Selbstverständnisses von ‚gut und böse‘ radikal aus: „… niemand weiß, von wannen sie (die Regeln und Normen der Moral und Sittlichkeit; REB) stammen – und darum sind sie heilig!“
    Was „die Macht über uns“ seitens der „Dummen qua ihres perfiden Wissens um die Manipulationspsychologie“ betrifft, so wäre diese Macht allein schon dadurch konterkariert, daß deren Mechanismen, – die nur wirken, wenn und solange sie der Wahrnehmung und dem Bewußtsein verborgen bleiben –, von Ihnen ja durchschaut und bewußt geworden sind: ein erkannter Trug zerfällt zur Nichtigkeit! Daher erübrigt sich auch ein Kampf; und schon gar als „täglich Brot“. Gegen Dummheit, belehrt uns ein bekannter Weisheitsspruch, kämpfen selbst Götter vergebens; weshalb die Götter auf diesen Kampf sich erst gar nicht einlassen, sondern so stringent wie erbarmungslos die Dummheit mit einem nichtenden (Heidegger) – und darum nichtigen – Leben bezahlen lassen. Man könnte diese ‚selbstverschuldete Vermeidung von Leben‘ des Dummen / der Dummheit auch „die List der Vernunft“ nennen!
    Sie ihnen zu entreißen, ist unser Kampf, um nicht zu sagen, unser täglich Brot. So lebe ich beispielsweise stets den Widerstand. Allerdings auch gegen das Unwissen. Das ist mir der Prozess des Lernens, des Wissenserwerbs.
    ##### „der Prozeß des Lernens [und] des Wissenserwerbs“ eröffnet dann und nur dann eine gesteigerte Zukunft, wenn eine Leben eröffnende Intention eingelöst werden können soll; ansonsten resultiert alles Lernen und aller Wissenserwerb in das Wolkenkuckucksheim eines Glasperlenspieles! – Weshalb ganz richtig Knecht, als er das Glasperlenspiel vollendet beherrschte, es wertlos beiseitelegte, seine Klausur verließ – und in die Welt ging! Das Kriterium für ‚wahr / lebenstauglich‘ ist die Empirie (Kant). Weshalb auch nur an der Auseinandersetzung mit der empirisch gegenwärtigen, und also der wirklichen, Welt, die wir auch „Realität“ nennen, eine Lebensfreude entspringen kann – bis hin zur Fülle des Genusses! (Dionysos)
    Mit freundlichen Grüßen
    Rüdiger E. Böhle

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  • Marcin Lupa

    Sehr geehrter Herr Böhle,

    mit der Zuschreibung des Attributs der Dummheit all jenen Manipulanten war ich in der Tat etwas voreilig. Worauf ich abzielte war, dass diese Manipulation eben von mir und auch anderen durchschaut und aufgedeckt wird und das läßt die Manipulanten in einem zumindest perfidem Licht erscheinen.

    Wobei es noch nach wie vor all jene Gerissenen gibt, die tatsächlich intelligent genug sind, auch mich hinters Licht zu führen und satt zu betrügen. Das kommt gelegentlich noch bei mir vor. Zum Beispiel auf dem Feld der Freundschaft.
    Da ich von Freundschaften viel halte und mich selber gemäß der Maxime, der Mensch sei ein soziales Tier, als von ihnen abhängig verstehe, fühle ich mich des öfteren hintergangen. Für Sie belanglose Beispiele könnten folgen.

    Was die niederen Beweggründe dieser Manipulanten angeht, gehe ich davon aus, dass vieles in der Konditionierung dieser Menschen begründet liegt. Während ich von meinen Eltern und auch im Umfeld von Schule, sowie Studium und auch im späteren Leben immer wieder aufs neue gelehrt wurde, dass ich im Umgang mit meinen Nächsten redlich und voller Zuneigung sein soll, werden gewisse Leute von Anfang an geschult, dass nur der Gerissenere und vermeintlich "Stärkere" sich durchsetzt und per se nur er das Recht auf Leben hat. Somit auch das Recht andere zu verletzten, auszubeuten oder gar zu vernichten. Erneut könnte ich Beispiele vor allem aus der Politik anbringen, doch auch diese sind zu ungefähr.

    Bleibt für mich die Ausrichtung, mein Handeln sozial und nach Möglichkeit gerecht zu gestalten, um in der von Ihnen beschriebenen "Realität" voranzukommen. Wobei ich zugeben muss, dass ich mir meine eigene Realität stets erschaffen habe, die aus Geschichten, Anekdoten und sehr wenig realen Treffen mit echten Menschen bestand.
    Ich bin da eher der einsame "Steppenwolf", der notgedrungen zu einer Familie kam, weil wie oben bereits ausgeführt, die totale Einsamkeit auf Dauer jedenfalls für mich unerträglich erscheint.
    Dennoch ist mein Freundes - und Aktionskreis sehr klein und wird mit zunehmenden Alter immer kleiner.

    Früher kannte ich an die 100 Leute, mit denen ich je nach Interesse etwas unternahm. Aus diesen 100 Leuten sind nun zehn übriggeblieben, die ich noch frequentiere und echte Freunde gibt es darunter nur ein paar.

    Ich bin über diese Entwicklung nicht traurig, zumal ich es für wichtiger erhalte, dass man innerhalb der gesellschaftlichen Begegnungen eine Konvention aufrecht erhält, die den Umgang mit Menschen würdevoll gestaltet. Ich bin also aufrichtig und freundlich, gegenüber all den Interaktionspartnern, die mir in der Alltäglichkeit begegnen. Diesen Anspruch stelle ich in erster Linie an mich, erwarte ihn aber von den anderen in Bezug auf mich ebenso.
    Hier möchte ich nun doch ein Beispiel nennen: ich bin von Geburt Pole, einige meiner Nachbarn sind bekennende Nazis (obschon die Bekenntnis je offizieller die Sache wird, bei ihnen umso geringer ausfällt). Dennoch grüße ich diese Menschen höflich und wünsche ihnen einen guten Tag. Und das obwohl ich weiß, dass für sie ein Tag erst gut wird, wenn sie Nachrichten von sterbenden Polen und anderen Ethnien hören.
    Hier ist die Auseinandersetzung subtil. Man erwartet quasi, dass der jeweilige andere mit seinen Ansichten scheitert. Und das Resultat sieht man, spätestens beim Ableben. Dabei kenne ich zweierlei Maß: wer lebte qualitativ hochwertiger und wer länger. Ich denke nicht, dass ein Leben in Hass ein qualitatives sein kann.

    Und natürlich bin ich quasi meiner inhärenten Menschlichkeit niemals ohne Fehl. Doch wenn ich Fehler mache und auf sie aufmerksam werde, dann versuche ich aus ihnen zu lernen und mein Verhalten zu modulieren.

    Mit morgendlichem Gruß
    Marcin Lupa

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  • Rüdiger Eduard Böhle

    Sehr geehrter Lupa

    Wieder mal ein paar Anmerkungen:

    ##### Manipulation
    Primär ist „manipulieren / Manipulation“ nicht ‚böse – schlecht – trügend …‘
    manipulus ~ manus + plere ~ Hand + füllen: eine Hand voller z.B. Ingredienzien, um etwas, z.B. Nahrung, auf ein Bestimmtes hin, z.B. daß die Nahrung schmeckt, zu beeinflussen, verändern, behandeln … In profaner Realität zeigt sich die Trivialität von manipulieren / Manipulation!
    conditio sine qua non, alltäglich bis besonders zu handeln und sich zu verhalten, um die aktuell gegebene Welt lebenstauglich zu gestalten: manipulieren / Manipulation.
    manipulieren / Manipulation zeigt sich in realitate, ein ziemlich nützliches bis äußerst lebenstaugliches Werkzeug zu sein; weh dem, der es nicht geschickt handhaben kann!
    Die Crux an der Sache: ein Mittel zum Zwecke bedarf, um ‚wirkliches‘ Mittel zu sein, eines Zweckes, woraufhin es intentional instrumentalisiert wird. Ohne Zweck liegt ein Mittel / Werkzeug / Instrument / Fähigkeit … einfach nur vor; basta! Erst der Zweck setzt ein Mittel in seine Wirkung.
    Ein Zweck fällt nicht vom Himmel, spuckt uns kein Gott in’s Gehirn …, sondern entspringt der subjektiv konditionierten Setzung, und also: dem Menschen! und repräsentiert / offenbart eine spezifische, wohl intendierte zukünftige Lebenssituation. Intention und Intentionseinlösung / wer den Zweck will, muß notwendig auch die einlösenden / effektiven Mittel wollen und anweden: der Zweck heiligt die Mittel und deren Anwendung!
    Also erhebt sich die Frage nach den Konditionen oder dem Grunde oder dem Kriterium, dieses und nicht jenes zu setzen. Hier ist der Ort, worin das, was wir gemeinhin „gut / böse, human / menschenverachtend …“ nennen, differenziert wird. Was wir gemeinhin „gut / human / fürsorglich / verantwortlich …“ nennen, erweist sich, innerlogisch stringent, widerspruchlos; was wir gemeinhin „böse / menschenverachtend / verantwortungslos …“ nennen, erweist sich, innerlogisch stringent, widersprüchlich bis contradictio in se. – Und jeder, der sich dieser Weise widersprüchlich bis contradictio in se verhält und gemäß diesem Widerspruche handelt, weiß das auch; weshalb er das Wahre oder die Intention seines Verhaltens und Handelns vor der Sozialität wohl zu verbergen trachtet; würde seine Intention, Vorteile auf Kosten Anderer zu erreichen, der Sozialität offenkundig und in concreto nachweisbar, zerfiele seine Intention nicht nur zur Nichtigkeit, sondern er selbst würde von der Sozialität, wie man umgangssprachlich sagt, ‚abgestraft‘.
    Was, so stellt sich die weitere Frage, motiviert jemanden, sich derart absurd zu bestimmen? – und zumeist auch noch recht erfolgreich! Meine These, die Ihnen ja aus anderen Kontexten her bekannt sein dürfte: Moral und Sittlichkeit / Ideologie und Glauben …; und also alles in sich selbst Widersprüchliches! Leibniz: aus Widersprüchlichem läßt sich Widersprüchliches folgern!
    Worin gründet dieser Widerspruch? Im Fundament diese Bewußtseinsstatus: Wertung! Wie allen Maßstäben, eignet der Wertung das Charakteristikum, gegenüber allem Gewerteten absolut zu sein und von dem Gewerteten nicht eingeholt / eingelöst werden zu können. Daher etwas plakativ formuliert: Werten heißt in realitate immer Ab-Wertung! Also offenbart alle Wertung eo ipso, daß nur die absolute Position eine ‚werte‘-Position ist. Die absolute Position zeigt sich in der Macht der Domination über Andere. Also motiviert Moral, Sittlichkeit, Ideologie, Glaube, Meinung …, zur absoluten Position, zur Domination – mit allen Mitteln!
    Lieber in diesem Bergdorf der Erste als in Rom der Zweite! (Caesar)
    Gegenstand des Maßstabes ‚Moral, Sittlichkeit; Ideologie, Glauben, Meinen …: der Mensch! Der Mensch erweist sich im Verdickt dieses Maßes eo ipso schon immer als das Übel schlechthin; weshalb der Mensch ja auch dieser Maßstäbe (Du sollst …!) bedarf, um überhaupt das werden zu können, was er denn sein soll: Mensch!
    plakative Aktualität: Fundamentalismus, Rassismus, Nationalismus …
    Daher denn auch ganz richtig das Charakteristikum jeden Maßes, und also auch von Moral, Sittlichkeit, Ideologie, Glauben, Meinen …: das Eigene in die absolute Position hypostasieren; alles Andere in die negativ Position abwerten – bis hin zur Dämonisierung. Also gilt es, die Subsumption unter ein Maß zu vermeiden. Solches gelingt dann und nur dann, wenn das Eigene zum Maße für alles Anderen gesetzt wird. Eine solche absolute Position läßt sich dann und dann in Geltung setzen und in Geltung halten, wenn diese Setzung im sozialen Kontext gemeinhin nicht wahrgenommen, nicht bewußt wird. Sollte Solches bewußt werden, muß eine derart umfassende Gewalt bis hin zum Terror inszeniert werden, daß sie die Sozialität zu vorauseilendem Gehorsam, zur Unterwürfigkeit motiviert.
    Plakativ: Diktatur, Mafia, Clan …

    ##### hinters Licht geführt werden
    Es gehört zur trivialen Lebenstauglichkeit zu vermeiden, ‚hinters Licht geführt zu werden‘; es gehört ebenso trivial zur Lebenstauglichkeit, Ereignisse dieser Art zu Zukunft eröffnenden Erfahrungen zu ‚machen‘ – also zur effektiveren Lebenstauglichkeit. Ohne die Aufmerksamkeit und das Training eines Gespüres für das, was – sachlich wie persönlich – entspricht, eröffnet sich für Lug und Trug ein weites Feld.

    ##### niedere Beweggründe der Manipulanten
    s.o.: Moral, Sittlichkeit … und deren ‚Grund-legenden‘ Anspruch, daß nur die absolute Position, die Position des Dominierens, überhaupt ‚von Wert‘ ist.

    ##### Steppenwolf
    Na ja: einerseits die Araukarie auf dem Treppenabsatz samt Duft des Bohnerwachses und andererseits die Hybris, Autofahrer abzuknallen!

    ##### Früher 100, heute 10 bis keine Freunde
    Könnte das weniger an den Anderen liegen und mehr an Ihnen?
    Vielleicht auch daran, daß im Verlaufe der gemeinsamen Zeit sich – seit eh und je vorhandene – Dissonanzen klarer bestimmten und so bewußt wurden?
    Ein weiterer Hinweis: Individuen differenzieren sich aneinander; wodurch ein je spezifisches Verhältnis sich zur Entsprechung bestimmt: heute entspricht die Nähe; späterhin zeigt sich eine gewisse Distanz als entsprechend.
    Allerdings: wenn Sie werten, zerfällt die Entsprechung; und so haben Sie eh schon alles verloren!

    ##### Konvention
    Konventionen regeln primär den Umgang der Menschen auf einer sachlich terminierten Umgangsebene zum Zwecke der Intentionseinlösung; genauer: geschäftlich. Unter dem Verdikt der Konventionen können Menschen bestens und erfolgreich miteinander handeln / auskommen, die sich qua Individuum gar nicht entsprechen; umgangssprachlich: nicht auf’s Fell sehen können.
    Die subtilere Bedeutung der Konvention zeigt sich in deren Anleitung zu einer distanzierten Eröffnung zum Zwecke eines persönlichen Zuganges zueinander – ohne bei einem Mißlingen zu verletzen! Konventionen repräsentieren Kultur – auf der Stufe der abstrakten Alltäglichkeit; umgangssprachlich: nützlich.

    ##### Nazis
    Wie die Geschichte ab ovo ad datum in epischer Breite erzählt, scheitert alles Bemühen um Humanität auf der Stufe von Ideologie, Meinung …, wegen des hier fundamentalen Selbstverständnisses, streng alle Denkresistenz heilig zu halten bis hin zur Apotheose.

    ##### Erwartetes Scheitern
    Warum werten? Was wert, was unwert ist, bestimmen doch Sie – gegenüber Anderen. Also stehen Sie in der Konfrontation der Werte; wodurch die Domination geklärt wird, und also die Legitimation des Rechtes des Stärkeren!
    Haß entspringt dem absoluten Willen zur Selbstruinierung, die sich jedoch nur dann erfüllen kann, wenn die Intention Andere in den Fokus des eigenen Bewußtseins, Handelns und Verhaltens positioniert – und gerade nicht eingelöst wird. Wenn Haß gemäß seiner Intention sich erfüllt, mutiert er zur Leere, weil seiner Vehemenz kein Gegenstand mehr entgegensteht. Diese Leer aber kann der Haß gerade nicht aushalten und so richtet er sich wider die sich selbsterstellte Leere; und also wider sich selbst.

    Mit freundlichen Grüßen
    Rüdiger E. Böhle

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  • Marcin Lupa

    Sehr geehrter Herr Böhle,

    ich danke Ihnen für Ihre Anmerkungen. Im Grunde haben Sie Recht, ein Leben in Hass ist selbstzersetzend. Lange hält man es nicht aus, entweder demontieren einen die anderen aus dem eigenen Umfeld, gerne auch Feinde genannt oder man beendet sein sinnbefreites Leben/Hassen selbst.

    Ein gutes Leben gelingt, wenn man sich wohlwollend öffnet, also in Liebe.

    In meiner Ausführung meinte ich eben jene Art von Manipulation, die eine Absicht verfolgt, mich für unlautere Zwecke zu instrumentalisieren. Mich auszubeuten und zu knechten.
    Vorteile auf Kosten anderer zu erhalten empfinde ich als nicht sozial. Auch wenn Ihnen Sittlichkeit als widersprüchlich erscheint, gilt sie mir bis zu einem gewissen Grad, so lange ich mich durch sie nicht selbst verletze, als Maxime.
    Und sicherlich ist Manipulation eine Frage der Macht und Dominanz. Wenn mir jemand begegnet, der mich zu dominieren versucht, schlage ich zurück, zunächst verbal, reicht es nicht folgt Gewaltanwendung. In unserer Welt ist die Justiz, die ultima Ratio der Gewalt.
    Einer Art von manipulativen Dominanz muss ich mich aber beugen: meinem Vorgesetzten gehorche ich. Jedenfalls so lange, wie es für den betrieblichen Ablauf von Relevanz ist.
    Darin bin ich gewiss despotisch. Ein despotisches folgen dem Gesetz meine Freiheit und Selbstbestimmtheit zu verteidigen. Das nenne ich widerstehen. Der Manipulation anderer zu widerstehen, wo das Machtverhältnis nicht vertraglich geregelt ist. Im Übrigen erkenne ich in meiner Selbstbestimmtheit keinerlei Autoritäten über mir an. Der Staat mit seinen Gewalten, gut dass es ihn gibt, wenn er mir hilfreich ist, wo er mich behindert, baue ich ihn vehement ab. Daher sterben auch Staatsdiener.
    Bei aller Liebe zur Moral und Ethik, die Existenz ist ein Schlachtfeld, zu Leben heißt sich im Kriegszustand zu befinden. Und Verbündete hat man auf Zeit, so lange bis sie fallen oder man selber fällt.
    Jedenfalls befreie ich mich gerne von der Umklammerung und wo man mich auszubeuten sucht, da kämpfe ich. In vielen Fällen bin ich aber der Unterlegene und meine Hände sind gebunden, die Fesseln zu stark. Zum Beispiel wenn es um die Tyrannei des Hungers geht. Da muss ich leider arbeiten gehen und mich in ein Untertanenverhältnis begeben, mich beugen, weil ich sonst nicht an Nahrungsmittel, und die zu ihrem Erwerb nötigen Zahlungsmittel, käme.

    ### Steppenwolf

    Klar, dass ich weniger radikal wurde mit der Zeit und auf Grund der beruflichen Situation das Fahrrad mit dem Auto vertauschte. Es galt sich zu arrangieren.
    Ich habe 30km Fahrweg zur Arbeit und hier in der Provinz wagt man vom Ausbau der Verkehrsmittel nicht zu träumen. Auch ich bemühe mich wenigstens Realist zu sein. Nicht immer gelingt es mir, da mich Irrationalität quält und plagt. Ich bin Autist. Autisten bauen sich Traumwelten auf, in denen sie zu leben hoffen und treten ungern nach Aussen in die Realität hinein, weil sie ihnen zu schrecklich, zu gewaltsam, zu grausam erscheint, ihre eigene Position zu schwach, um im Haifischbecken der Realität und seinen Hierarchien das Schwimmen zu lernen. Und doch müssen sie es immer wieder tun, nach Außen treten, hoffen, dass ihnen ein dicker Orca Geleit gibt.

    ### Freundschaft

    Zum Teil liegt es an mir selbst, da haben sie Recht. Zum Teil daran, dass wir uns besser über unsere Grundhaltung bewußt wurden. Vielerorts sind unsere Ansichten, aber auch Interessen verschieden. Auch das haben Sie richtig formuliert. Als alter Hase sind sie gewiss im Vorteil, kennen Sie das Leben doch um einiges besser als ich.
    Werten tue ich in diesem Fall nicht. Männer haben Interesse an Frauen und folglich widmen sie ihre freie Zeit verstärkt ihren Familien. Das passt für mich soweit, schließlich tue ich das auch. Manchmal trete ich aus dem familiären Kokon nach aussen und begegne einem alten Freund, einem Mitstreiter, einem Krieger in gemeinsamer Sache, für den Augenblick. Dann gehen wir gemeinsam in den Wald uns suchen Steinpilze, ein paar Mal im Jahr. Oder ich wandere mit einem anderen Freund einen Bergpfad hinauf und wir philosophieren unbefangen, auf sehr niedrigem Niveau. Beleuchten das Leben und die Entwicklung unserer gemeinsamen Bekannten. Manchmal nehme ich mir Zeit fürs Kino, einen Anruf, eine E-Mail an einen guten Menschen ...

    Ich grüße Sie herzlich und wünsche ein schönes Weekend,

    Marcin Lupa

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