Wege zur Erkenntnis

Merchan Agaricus • 17 März 2022
4 Kommentare
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Um sich der Philosophie zu nähern, gibt es verschiedene Möglichkeiten. Das eigene Denken ist der Königsweg. Dieses begleitet von der Empirie schließt uns die Welt auf, was wir an ihr erkennen und wie wir es tun.
Dazu mischt sich Psychologie und Wahrnehmung. Natürlich auch die Bildung des Erkenntnisapparats, die uns die Schule vermittelt, bereits zuvor das Elternhaus, verschiedene Gespräche und immer wieder Bücher.

Vier Bände der Philosophiegeschichte von Richard David Precht leisten ihren Beitrag dazu, sofern man sie sich vornimmt.
Das habe ich getan, bisher sind allerdings nur drei erschienen, der vierte läßt noch auf sich warten. 

Fabelhaft alleine schon ihre Titel, der Reihe nach: 

 

  • Erkenne die Welt – der Leser wird angesprochen und aufgefordert zu lesen und sich Gedanken zu machen, über das Gelesene, das ihm die Geschichte der Philosophie vorstellt. Wie waren die Anfänge? Offenbar gab es da in Griechenland die Vorsokratiker, die Precht in diesem Band abhandelt und minutiös erklärt. Wir werden mitgenommen in die Antike, dürfen die Gedanken der klugen Köpfe dieser Zeit betrachten. 
     

  • Erkenne dich selbst – Zentrum des Nachdenkens über die Welt, bedingt stets die eigene Person, diese zu beobachten ist eine der essentiellen Tätigkeiten, sofern man diese kognitive Fähigkeit erworben und kultiviert hat. Die Geschichte der Philosophie von Precht schreitet gemächlich zur Aufklärung voran.
     

  • Sei du selbst – nach der Selbsterkenntnis kommt das selbstbewußte Auftreten. Precht rät uns uns selber treu zu sein, authentisch zu bleiben, dennoch flexibel für Veränderungen an unseren Fertigkeiten zu arbeiten. Hier steuert die Philosophiegeschichte aus der Feder des Autors auf die Philosophie der Moderne und Neuzeit zu. 
     

Precht hat eine faszinierende Art zu erzählen. Nicht nur die Inhalte, die er zu kennen scheint. Als Laie kann ich das nicht beurteilen, bin aber schwer beeindruckt von dem Wissen, das er präsentiert. Nein, auch der Sprachfluß und wie Precht den Leser abholt, als kommunizierte er mit uns auf Augenhöhe. Precht der Kumpeltyp aus dem Ruhrpott, der Dir die schwierigsten, komplexesten und emotiongeladensten Inhalte der Philosophiegeschichte vermittelt. 

Es ist alles austariert, blendend verfasst, und selbst wenn jemand wie ich keine Ahnung von den Dingen hat, die er bespricht, so findet man sich darin wieder. Sind doch die Gedanken, der großen Philosophen der Vergangenheit zum Teil die ureigensten Überlegungen. Dies aus manigfaltigen Gründen, zunächst weil wir uns schon immer mit diesen Themen beschäftigen, wenn wir uns für die Philosophie begeistern, zum Teil weil wir darauf sozialisiert sind, sofern wir Bildungsbürger sind, kognitiv erfahrene mündige Menschen. 

Sapere aude – habe Mut weise zu sein, nachdem Du Dich erkannt hast, Du selbst gewesen bist, die Welt verstehst, teile Dich mit, vermittle Inhalte und Erfahrungen, sei weise. Wird so der letzte Band aus dieser Reihe heißen? - ich bin gespannt darauf. Erscheinen wird er vermutlich nächstes Jahr im September. Genauer weiß ich es nicht, Google wird es uns verraten.

Precht kennt seine Leser genau, er weiß wen er anspricht, wem er etwas mitteilen, erzählen möchte. So ist er ein großer Erzähler, der seine Klientel bezaubert. Er selbst der höfliche und vornehme Zauberer, kein Deut zu radikal, niemals böswillig. Ein Mann von Format, mit Charme und Witz. Für manche Frau, gar ein philosophierender Adonis, vielleicht? 

Precht hat mit seiner Art in mir einen Leser gefunden, den er unbewußt aus seiner temporären selbstverschuldeten Unmündigkeit hinausgeleitet hat und ihn wieder zurück herangeführt hat, an das Wesentliche seiner eigenen Auseinandersetzung mit der Welt. Ans Denken, ans Bewußtsein, an die Erzählung mit ihren vielfältigen Narrativen. 
Dank Precht habe ich wieder Lust bekommen auf die Philosophie und bediene mich nunmehr befreit, zahlreicher anderer Werke, schreite voran im Wissenserwerb und feiner Beschäftigung. Das macht eine Freude. Precht machte mir mit seiner Philosophiegeschichte eine Freude, ohne dass es direkt seine Absicht gewesen ist. Ich sagte Precht kennt uns Leser, nicht jedoch uns Individuen, unsere Erlebnisse und Geschichten, vielmehr die divergenten Persönlichkeiten, den modernen Mensch, der in der Neuzeit seinen Weg sucht. Vorbei an Terror und Abgeschiedenheit, vorbei an Gewalt und Tücke, ans Licht der Erkenntnis. An den Hof der Philosophie.

Dafür möchte ich ihm an dieser Stelle danken. Zugleich empfehle ich wissbegierigen Lesern, die ohnehin gerne und viel lesen, sich aber auch mit der Philosophie und Philosophiegeschichte beschäftigen wollen, gerade diese Bücher, gerade diesen Autor. Weil er so verständlich schreibt, mit Witz und Charme, warmherzig, offen, niemals von oben herab und dennoch gelehrsam, bewußtseinserweiternd, ich spreche es aus: systemrelevant (sic!).

Prechts Geschichte der Philosophie ist ein wunderbares Werk für unerfahrene Einsteiger in die Beschäftigung mit der Philosophie und dem eigenen Denken. Für mich, der niemals in den Vorzug kam, ein geisteswissenschaftliches Studium anzufangen, genau das richtige auf meinem autodidaktischem Pfad.

Wohlan, lieber Leser, greife zu diesen Büchern und überzeuge Dich selbst. 

Am Ende noch die Verlinkung zum online Shoppen: https://www.buecher.de/shop/philosophiegeschichte/erkenne-die-welt-eine…

Kommentare (4)

Gabriele Jung

Man merkt in jedem Satz dieser Rezension, dass Sie große Freude bei der Lektüre hatten. Und diese Freude schwappt auch auf mich als Leserin Ihrer Buchkritik über.
Ich persönlich halte es für eine hohe Kunst komplexe Themen so auszudrücken, dass sie allgemein verständlich sind. Nur so können Ideen und Gedanken überhaupt fruchten.
Man bekommt nach Ihren Ausführungen in der Tat Lust auf diese Bücher, auf die Auseinandersetzung mit Philosophie und deren Bedeutung für das Verstehen der Welt und seiner selbst.
Herzlichen Dank lieber Herr Lupa für diese sehr lesenswerte und inspirierende Rezension.

Merchan Agaricus

Liebe Frau Jung,

vielen Dank Ihnen für diesen wohlmeinenden Kommentar. Er zaubert mir ein Lächeln ins Gesicht, während ich beim Morgenkaffee sitze und ins Handy gucke.
Einen schönen Freitag Ihnen!

Gesine Hitschler

Lieber Herr Lupa,
ich kann mich dem Kommentar von Frau Jung nur anschließen. Ich habe von Philosophie überhaupt keine Ahnung, aber Ihre Rezension macht mehr als neugierig. Sie haben diese Bücher von Precht mit großem Genuss gelesen und können sie bedenkenlos empfehlen. Daher habe ich die Bücher vorgemerkt und danke Ihnen für Ihre überzeugende Rezension.

Merchan Agaricus

Liebe Frau Hitschler,

ich gehe davon aus, dass jeder Mensch für sich philosophieren kann. Prechts Bücher liefern einen möglichen Zugang zur Geschichte der Philosophie und eignen sich, als gut erzählte Lesebücher.
Sie werden sich ein Gefallen tun, wenn Sie sich diese Bücher zu Gemüte ziehen. Eine Ahnung von der Philosophiegeschichte hätten dann auch Sie.


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