wbg Podcast - Was sagen Sie dazu? #52: "Was heißt Krieg?" mit Mirsada Simchen-Kahrimanović

Thorsten Jacob • 27 Juli 2022
5 Kommentare
Gesamtanzahl der Likes 5 gefällt
1

Was sagen Sie dazu? – der Wissens-Podcast der wbg

Zeitgespräche mit Autoren. Weil Bücher verbinden. 

Folge 52: "Was heißt Krieg?" mit Mirsada Simchen-Kahrimanović

Über die Frage "Was ist Krieg?" spricht Rebekka Reinhard in der 52. Ausgabe des wbg Podcasts mit der Zeitzeugin und Bosnien-Krieg-Überlebenden Mirsada Simchen-Kahrimanović. Im Rahmen des Podcasts berichtet Frau Simchen-Kahrimanović darüber, wie sie als 13-Jährige ein Konzentrationslager überlebte und wie sie nun mit ihrer Vergangenheit umgeht. Außerdem sprechen sie darüber, weshalb die Balkan-Kriege in Deutschland eine so untergeordnete Rolle einnehmen.

Was sagen Sie dazu? Schreiben Sie uns!

Wir freuen uns über Ihre Kommentare



Buch
Zum Buch im wbg Shop

Simchen-Kahrimanović, Mirsada

Lauf, Mädchen, lauf!

Mein Dorf in Bosnien, der Krieg und mein neues Leben

»›Rennt, rennt‹, riefen uns die Soldaten von draußen in unser Versteck zu, während sie mit den Fäusten an die Fenster hämmerten. Wir rannten aus unserem Keller - direkt in die Hölle: das Konzentrationslager von Trnopolje.«

1992: Krieg kehrt nach Europa zurück: ein brutaler, ethnischer Krieg auf dem Balkan. Gleich beim Angriff auf ihr bosnisches Dorf wird Mirsadas Vater ermordet, sie selbst mit Mutter und Schwester in Trnopolje inhaftiert, wo sie Terror und sexuellen Missbrauch der gefangenen Frauen durch serbische Soldaten erlebt.

Nach ihrer Flucht nach Deutschland baut sie sich erfolgreich ein neues Leben auf - und kann die Erinnerung an den geliebten Vater und den Krieg doch nicht abschütteln. Bis heute rennt sie: jeden Morgen zehn Kilometer. Und 30 Jahre nach dem Krieg schreibt sie ein Erinnerungsbuch: sehr persönlich, emotional und getragen von dem Willen zu Verständigung. Ein ungewöhnlich berührendes Plädoyer für Toleranz zwischen Völkern und Religionen und gegen Gewalt.

 


AutorinMirsada Simchen-Kahrimanović

Mirsada Simchen-Kahrimanović wurde 1979 in Kozaruša bei Prijedor in Bosnien-Herzegowina geboren. Im Alter von 13 Jahren brach der Jugoslawienkrieg aus, ihr Vater wurde ermordet, und sie selbst kam in ein serbisches Gefangenenlager. Ihr gelang die Flucht nach Deutschland. Mit bewundernswertem, größtem Engagement tritt sie dafür ein, dass dieser Krieg wieder in das öffentliche Bewusstsein rückt.

Kommentare (5)

Lara Hitzmann

Liebe Frau Simchen-Kahrimanović, liebe Frau Reinhard,
ich danke Ihnen vielmals für dieses Gespräch. Ich kann gar nicht in Worte fassen, was ich bei dem Lauschen Ihres Gespräches gefühlt habe. Ich Entsetzen, Wut, Trauer und eine unbeschreibliche Hoffnung. Ihr Buch sollte eine Pflichtlektüre werden.

Nico Jendral

Ich stimme Frau Hitzmann zu. Frau Simchen-Kahrimanović, mein herzliches Beileid zu allem, was Sie erlebt haben.

Es ist unfassbar, wie Ihre Traumata - und die Traumata unzähliger weiterer - so unter den Tisch gekehrt werden, weil hierzulange die Erneuerung in der Luft lag. Und dadurch ändert sich die Geschichte? So funktioniert es nicht. So darf es nicht funktionieren.

Erst durch Ihr Buch, die Werbung der wbg in den sozialen Medien und den Podcast bin ich auf den Bosnienkrieg gestoßen. Ihre Arbeit ist ungemein wichtig und ich wünsche Ihnen von Herzen alles Gute!

Nico Jendral

Ich möchte noch etwas ergänzen: Als Kinder waren wir in Kroatien im Urlaub und sind dann auch durch das Landesinnere und in Richtung Bosnien und Herzegowina gefahren. Mir war damals aufgefallen, dass die Schere zwischen dem Landesinneren und der von Tourismus geprägten Küste gänzlich absurd war. Die Armut, die Zerstörung - das waren die Überreste vom Krieg.

Kira Geiger

Vielen Dank für diese Podcast-Folge. Ich habe daraufhin sogleich Ihr Buch gekauft, Frau Simchen-Kahirmanović und verfolge Ihre Aufklärungsarbeit in den sozialen Medien. Es hat mich sehr berührt. Die Ähnlichkeiten zu Zeitzeugenberichten aus den KZs der Nationalsozialisten sind erschreckend. Aber die Hoffnung und Zuversicht, die im Buch und auch während Ihres Gespräches mitschwingen, tragen einen durch diese düsteren Zeilen.

Ann-Kathrin Schneider

Liebe Frau Simchen-Kahirmanovic, ebenso nochmal Danke für Ihren Bericht und die Aufklärungsarbeit; und wie beschrieben, ist es wirklich verblüffend, wie bei Ihnen und vermutlich überall unter Kriegs-Inhaftierten, trotz abringendster Umstände, noch ein Zeichen Hoffnung und Zuversicht besteht... .
Es stimmt, dass das Übergehen und Vergessenlassen eines regionalen Krieges sicher nicht zu größeren Veränderungen in der Gesellschaft führen kann. Es ist u.a. diesbzgl. erschreckend, wie verengt im "Land der Bildung" der Lehrplan des Unterrichtsfaches "Geschichte" doch immer war (, welcher nicht einmal den Nationalhelden unseres Nachbarlandes Polens erwähnte, der sich freiwillig zu Aufklärungs-zwecken ins KZ der Nationalsozialisten inhaftieren liess).

Sehr geehrte Frau Simchen-Kahirmanovic, was ich auch interessant fände: gab es denn in Ihrem Fall, für sie Opfer des Bosnien-Krieges in der relativ jungen Vergangenheit, irgendwann eine staatlich organisierte psychologische Unterstützung?

Mit freundlichen Grüßen und weiterhin umfangreichen Anteilnahmen überall, an diesem/Ihrem Schicksal!


Please anmelden or sign up to comment.