wbg Podcast - Was sagen Sie dazu? #48: "Wie werden wir gelebt haben?" mit Harald Welzer

Rebekka Reinhard • 15 April 2022
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Was sagen Sie dazu? – der Wissens-Podcast der wbg

Zeitgespräche mit Autoren. Weil Bücher verbinden. 

Folge 48: "Wie werden wir gelebt haben?" mit Harald Welzer

Rebekka Reinhard spricht mit dem Soziologen Harald Welzer über das gestörte Verhältnis unserer Kultur zur Endlichkeit und zur Geschichte. Außerdem sprechen sie über Verantwortung, Ernsthaftigkeit und Inkonsequenz, was eine bessere Zukunft auf diesem Planeten für alle Menschen betrifft.

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Harald Welzer ist einer der streitbarsten Intellektuellen in Deutschland. Mit Witz und scharfsinnigen Argumenten engagiert er sich für eine bessere und offene Gesellschaft, für Nachhaltigkeit und Demokratie. Er ist Direktor von Futurzwei - Stiftung Zukunftsfähigkeit und Professor für Transformationsdesign an der Universität Flensburg. Daneben lehrt er an der Universität St. Gallen und an der ETH Zürich. In den Fischer Verlagen sind von ihm u.a. erschienen: »Selbst denken« (2013), »Die smarte Diktatur. Ein Angriff auf unsere Freiheit« (2016) und »Alles könnte anders sein. Eine Gesellschaftsutopie für freie Menschen« (2019). Seine Bücher sind in 21 Ländern erschienen.

 

 

 


 

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Bestseller-Autor Harald Welzer stellt fest, dass unsere Kultur kein Konzept vom Aufhören hat. Deshalb baut sie Autobahnen und Flughäfen für Zukünfte, in denen es keine Autos und Flughäfen mehr geben wird. Und sie versucht, unsere Zukunftsprobleme durch Optimierung zu lösen, obwohl ein optimiertes Falsches immer noch falsch ist. Damit verbaut sie viele Möglichkeiten, das Leben durch Weglassen und Aufhören besser zu machen. Diese Kultur hat den Tod genauso zur Privatangelegenheit gemacht, wie sie die Begrenztheit der Erde verbissen ignoriert.
Harald Welzer zeigt in einer faszinierenden Montage aus wissenschaftlichen Befunden, psychologischen Einsichten und persönlichen Geschichten, wie man aus den Absurditäten dieser gesellschaftlichen Entwicklung herausfindet. Man muss rechtzeitig einen Nachruf auf sich selbst schreiben, damit man weiß, wie man gelebt haben will.

Kommentare (5)

Lara Hitzmann

Liebe Frau Reinhard, lieber Herr Welzer,
Ich bin noch ganz platt von Ihrem Gespräch. Es hat mich sehr bewegt, denn ich fühle mich ganz und gar zwischen Ihnen beiden hin und hergerissen. Auf der einen Seite kann ich Ihren Optimismus sehr gut nachvollziehen, Frau Reinhard, aber mit der Perspektive hinsichtlich unseres Planeten und den harten, aber wahren Worten, die Sie gewählt haben, Herr Welzer, beschäftigen wir uns alltäglich. Besonders haben mich aber Ihre Aussagen über das nicht aufhören können in unserer unsterblichen Illusion zum Nachdenken angeregt. Ich danke Ihnen für dieses energetische, nachhaltige Gespräch. Es war eine besondere Freude, Ihnen beiden zuzuhören!

Nico Jendral

Eine sehr spannende Diskussion! Auch wenn ich Ihrer Meinung zu Strickkunst nicht voll und ganz zustimmen kann, so hoffe ich, dass Ihre Unterhaltung einige Menschen zum Nachdenken animieren kann. Sie sprechen über sehr wichtige Themen. Vermutlich ist vielen der Verlust durch den übertriebenen Konsum durch Amazon und co. gar nicht wirklich bewusst, abgesehen von den ökologischen Folgen.

Kira Geiger

Lieber Herr Welzer, mir ist nicht bewusst, weshalb es ein Zeichen von Dummheit ist, das man Dinge, die man meint zu verstehen, an andere weiter geben möchte. Könnten Sie das eventuell noch erläutern?
Die Podcastfolge war großartig, schade, dass Sie das Gespräch nicht noch länger geführt haben! Ich würde mich über Herrn Welzer im wbg Dialog sehr freuen.

Marcin Lupa

Liebe Vorkommentatoren, liebe Leute im Dialog,

ich fand das Gespräch gut und Herr Welzer war mir immer schon sehr sympathisch. Alleine schon, weil er in seiner Argumentation eine ruhige und entspannte Art hat ohne da, wo man ihm nicht zustimmen würde, grob oder verletzend zu werden. In unserer heutigen Zeit zeugt diese Tatsache bereits von bestimmter Größe.

Asfa Wossem Asserate - übrigens eine klare Empfehlung an dieser Stelle für einen weiteren Podcast der wbg - schreibt darüber in seinem sehr vornehmen Buch über Manieren.

Daher wünsche ich Herrn Welzer vor allem viel Gesundheit für sein Herz. Und ruhigen Blutdruck. Infarkte und Schlaganfälle haben mit der Ermangelung an Ausgeglichenheit zu tun. - ich weiß, leicht gesagt, schwer getan. Ich persönlich gehe da eine enge Beziehung zu meiner Yogamatte ein. Sie verfeinert sich im laufe der Jahre, bekommt mittlerweile Fell. Probiere es mal mit Gemütlichkeit, würde Balu sagen.

Ich sehe kein Problem darin, wenn die Unvernünftigen den Planeten verwüsten. Auch Thomas Elliot schrieb eine durchaus interessante Lyrik. Sollte uns Putin verbrennen, freue ich mich auf den posthumen atomaren Winter. Welches Lebewesen wird es dann sein, dass selbstreflexiv genug sein wird, unsere Egos zu beherbergen? Die Evolution wird eine Lösung finden, auch wenn das Tempo gerade schrecklich hoch ist, in dem wir die endlichen Ressourcen erschöpfen und das Althergebrachte vergessen. Als ob all die Innovationen frei von Schuld und Sühne wären und stets die wahre, einzig richtige Lösung brächten.

Ich kann mich wahrlich nicht entscheiden zwischen AKW's und Holzfeueröfen. Beides tut der Flora und Fauna weh, und so lange der Mensch lebt, konsumiert er. Ob ich auf Wasserstoff zu meinen Morchelplätzen komme, oder betrieben von Benzin, meinem Gewissen ist es einerlei. Besser wäre es die Menschheit schüfe sich ab, wie Herr Lesch es einmal schrieb, doch was ist die Alternative zum Homo Sapiens, der Tyranosaurus Rex etwa?

Ich glaube, es ist für jede Spezies eine Zeit. Und wenn wir gerade das Jura in unseren Verbrennungsmotoren verfeuern, um vorwärtszukommen und mobil zu sein, wird man die Legierungen aus dem Anthropozän irgendwann in ein paar Jahrtausenden einer anderen Anwendung zuführen. Und wieder werden unsere Knochen gefragt sein. So wie eh und je, seitdem es den Dienstag gibt.

Gabriele Jung

Herzlichen Dank für das Gespräch. Ich werde einige Aspekte im Kopf behalten, so z.B. die Ausführungen zu den Prinzipien des Konsumkapitalismus oder die Überlegungen zu Menschen wie Georg Elser. Und ich werde auch Robert Musil wieder zur Hand nehmen. Besonders lohnend war für mich ganz persönlich der Hinweis auf die Plattform Futurzwei.org. Über die Projekte anderer Menschen die eigene Handlungsfähigkeit wieder zu entdecken, Anregungen und Ideen zu bekommen und die Kraft des gemeinsamen Handelns zu erleben, diese Gedanken und Gefühle haben mich bereits beim ersten Anlesen der einzelnen Artikel erfasst. Herzlichen Dank auch dafür.


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