wbg Podcast - Was sagen Sie dazu? # 36: "Welche Moral brauchen Organisationen" mit Lisa Herzog

Rebekka Reinhard • 29 Oktober 2021
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Herzog

Was sagen Sie dazu? – der Wissens-Podcast der wbg

Zeitgespräche mit Autoren. Weil Bücher verbinden. 

Folge 36: "Welche Moral brauchen Organisationen" mit Lisa Herzog

Im Gespräch zwischen Rebekka Reinhard und der Philosophin Lisa Herzog geht es u.a. um die Frage, wie Individuen und Organisationsstrukturen zusammenwirken können, damit mehr Moral in die Organisation, in das System, ins Unternehmen kommen kann, damit Organisationen am Ende Teil einer gerechten Gesellschaft sind.

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Lisa HerzogLisa Herzog lehrte Political Philosophy and Theory an der Hochschule für Politik München und ist seit 2019 Professorin an der Philosophischen Fakultät und dem Center for Philosophy, Politics and Economics der Universität Groningen. Ihre Arbeitsschwerpunkte sind die Ideengeschichte des politischen und wirtschaftlichen Denkens, die normative Bewertung von (Finanz-)Märkten sowie Fragen der Ethik in Organisationen. Von 2007-2011 war sie Rhodes Scholar an der University of Oxford und wurde 2019 mit dem Tractatus-Preis sowie dem Deutschen Preis für Philosophie und Sozialethik ausgezeichnet.

 


Das System zurückerobern
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Ist die Welt der Lohnarbeit eine seelenlose Maschine und sind Angestellte nur Rädchen im Getriebe des Systems?

Anhand empirischer Fallstudien analysiert Lisa Herzog die Natur von Organisationen aus einer normativen Perspektive: ihren regelgebundenen Charakter, die Art, mit geteiltem Wissen umzugehen, Organisationskulturen und ihre Beziehung zur Moral. Sie untersucht, wie individuelles Handeln und Organisationsstrukturen ineinandergreifen müssten, um moralische Fallgruben zu vermeiden, und entwickelt die Idee eines "transformativen Handelns" - eine kritische, kreative Art, sich auf die eigene Rolle in einer Organisation einzulassen und dabei grundlegenden moralischen Normen verpflichtet zu bleiben.

Weiter geht es um politische und institutionelle Veränderungen, die nötig wären, um Organisationen in eine gerechte Gesellschaft einzubetten. Ob wir uns dem "System" unterwerfen oder versuchen, es zurückzuerobern, ist eine Frage von größter politischer Wichtigkeit in unserer globalisierten Welt.

Kommentare (5)

Lara Hitzmann

Liebe Frau Reinhard, was für ein spannendes Thema! Frau Herzog, ich fand Ihre Schilderungen zur Unternehmensmoral sehr interessant, am besten gefiel mir doch der Einblick in die Arbeit eines Philosophen oder einer Philosophin, weil ich mir nie so recht vorstellen konnte, wie Sie arbeiten. Vielen Dank für diesen exklusiven Einblick!

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  • Uwe Seelinger

    Ich arbeite für einen großen DAX-Konzern im unteren Segment des mittleren Managements. Die Erfahrung ist sehr ernüchternd. Das Hierarchiedenken ist extrem stark ausgeprägt. Die Leiter wird nach außen auch hemmungslos gezeigt: Protzige Plug-in Hybride für Führungskräfte stehen auf reservierten Parkplätzen vor den Bürogebäuden. Geist und Bildung sucht man hingegen vergebens, bis hinein in den Top-Vorstand. Das Unternehmen wird kennzahlenorientiert geführt. Mithilfe von Excel-Tabellen erstellt man Rankings für alles erdenkliche. Das ist im Grunde schon alles. Nach außen hin ist man erfolgreich im "Greenwashing". Dort, wo niemand hinschaut, sitzen Mitarbeiter in zugigen Plattenbauten aus den 80er Jahren. Das ist sicherlich kein Ort für Philosophen.

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  • Marcin Lupa

    Lieber Herr Seelinger,

    bisher dachte ich, dass ich eine voreingenommene Meinung über die Struktur der Unternehmen habe. Doch ihre Schilderung, eines Insiders, stützt meine Beobachtungen. Ich habe für den Bayrischen Rundfunk gearbeitet. Da würde man meinen, dass Kultur und Bildung definitiv dazugehörig sind. Doch im Bereich Fernsehen, schmeichelt man sehr der Konsumgesellschaft und betreibt Werbung für Unternehmen.

    Vielen Dank für Ihre Schilderung der Unternehmensstrukturen in Ihrem Gewerbe. Das ist allerdings wirklich ernüchternd.

    Viele Grüße
    Marcin Lupa

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  • Uwe Seelinger

    Es geht nicht nur um Systemfragen und Organisationskulturen, wie Lusa Herzog schreibt. Institutionen sind besetzt von Menschen. Ein Detail: Die benannten SUV Plug in Dienstwagen werden nicht mit Strom betankt, wozu die Mühe, man hat die Tankkarte des Konzerns. Nach manchen Wochenenden prahlen Führungskräfte vom Besuch eines Spiels des FC Bayern, Luftlinie 300 km, einfach so gefahren, Klimaschutz, was ist das?. Man achte auf das Verhalten der Menschen. Ich bin nicht immer ein Freund von tiefgründigen abstrakten moralischen Analysen.

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  • Rebekka Reinhard

    Lieber Herr Seelinger, Lieber Herr Lupa, vielen Dank für Ihrer beider Kommentare! Ja, zwischen Theorie und Praxis, vorgeblicher "Purpose" und tatsächlichem Engagement klaffen oft Welten. Die amerikanische Philosophin Nancy Fraser hat für Phänomene wie Greenwashing, Pink Washing oder Social Washing einen treffenden paradoxen Begriff geprägt: "progressive neoliberalism"... herzlich, RR

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