wbg Podcast - Was sagen Sie dazu? # 32 - "Was ist die Wahrheit über das Prachtboot Luf?" mit Götz Aly

Rebekka Reinhard • 2 September 2021
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Was sagen Sie dazu? – der Wissens-Podcast der wbg

Zeitgespräche mit Autoren. Weil Bücher verbinden. 

Folge 32: "Was ist die Wahrheit über das Prachtboot Luf?" mit Götz Aly

Im Gespräch zwischen Rebekka Reinhard und dem Historiker Götz Aly geht es u.a um die Brutalität des deutschen Kolonialismus in der Südsee, um die Rolle heutiger Museen in der Frage der Restitution und um die Debatte der Vergleichbarkeit zwischen Holocaust und Kolonialverbrechen.

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Götz Aly
Götz Aly
Copyright: Andreas Labes 

Götz Aly ist Historiker und Journalist. Er arbeitete für die »taz«, die »Berliner Zeitung« und als Gastprofessor. Seine Bücher werden in viele Sprachen übersetzt. 2002 erhielt er den Heinrich-Mann-Preis, 2003 den Marion-Samuel-Preis, 2012 den Ludwig-Börne-Preis. Bei S. Fischer erschienen von ihm u.a. 2011 »Warum die Deutschen? Warum die Juden? Gleichheit, Neid und Rassenhass 1800-1933« sowie 2013 »Die Belasteten. 'Euthanasie' 1939-1945. Eine Gesellschaftsgeschichte«. Im Februar 2017 erschien seine große Studie über die europäische Geschichte von Antisemitismus und Holocaust »Europa gegen die Juden 1880-1945«. Für dieses Buch erhielt er 2018 den Geschwister-Scholl-Preis.


Aly
Zum Buch

Aly, Götz

Das Prachtboot

Wie Deutsche die Kunstschätze der Südsee raubten

Neben Denkmälern und Straßennamen zeugen zauberhafte Museumsobjekte von den einstigen Kolonien - doch wie sind sie zu uns gekommen und woher stammen sie? Götz Aly deckt auf, dass es sich in den allermeisten Fällen um koloniale Raubkunst handelt, und erzählt, wie brutal deutsche Händler, Abenteurer und Ethnologen in der Südsee auf Raubzug gingen. So auch auf der Insel Luf: Dort zerstörten sie Hütten und Boote und rotteten die Bewohner fast vollständig aus. 1902 rissen Hamburger Kaufleute das letzte, von den Überlebenden kunstvoll geschaffene, hochseetüchtige Auslegerboot an sich. Heute ist das weltweit einmalige Prachtstück für das Entree des Berliner Humboldt Forums vorgesehen.

Götz Aly dokumentiert die Gewalt, Zerstörungswut und Gier, mit der deutsche »Strafexpeditionen« über die kulturellen Schätze herfielen. Das Publikum sollte und soll sie bestaunen - aber bis heute möglichst wenig vom Leid der ausgeraubten Völker erfahren. Ein wichtiger Beitrag zur Debatte über Raubkunst, Kolonialismus und Rassismus und zugleich ein erschütterndes Stück deutscher Geschichte.

 

Kommentare (1)

Marcin Lupa

Was für ein schöner Podcast. Erschütternd schon allein das Thema. Dabei strahlt der Vortragende, Götz Aly, eine Ruhe aus, antwortet mit einer bestechenden Sicherheit. So dass er sein eigenes Thema entschärft. Er schwingt nicht die Moralkeule sondern referiert lösungsorientiert. Das gefällt mir.

Um sich dem Thema der durch den Kolonialismus geraubten Kunstschätze anzunähern, sicherlich eine sehr gute Möglichkeit.

Ich stelle mir immer die Frage, wie sollten wir uns heute verhalten? - In der Vergangenheit hatten die technisch und kulturell weiter entwickelten Nationen oder Reiche den Anspruch alle "Naturvölker" zu unterwerfen. Daher konnten sie sich ihrer Errungenschaften ohne ethisch in Verruf zu geraten, zumindest vor sich selber, bedienen. Wie würden wir heute mit unserem derzeitigen Wissen entscheiden? - Wir würden Kulturen nicht berauben. Und das ist die richtige Verhaltensweise.

Schön, wie Herr Aly argumentiert, dass wir ruhig abwarten können, bis aus den Reihen der beraubten Völker Forderungen der Rückgabe gestellt werden. Wir sind Treuhänder, die Kunstschätze verwalten, die uns nicht gehören, die wir zurückgeben werden, wenn die Zeit und die Reife dazu gekommen sein wird.

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