wbg Podcast #46 - Podcast-Spezial: Der wbg Dialog Nr. 4 mit Richard David Precht & Joe Kaeser

Rebekka Reinhard • 18 März 2022
7 Kommentare
Gesamtanzahl der Likes 6 gefällt
1

Was sagen Sie dazu? – der Wissens-Podcast der wbg

Zeitgespräche mit Autoren. Weil Bücher verbinden. 

Podcast-Spezial: Der wbg Dialog Nr. 4 mit Richard David Precht & Joe Kaeser 

Rebekka Reinhard spricht mit dem Philosophen Richard David Precht und dem Ex-Vorsitzenden der Siemens AG Joe Kaeser über den Angriffskrieg auf die Ukraine, die Zukunft der Arbeit, soziale Ungleichheit und die Frage, welche Aufgabe Philosophen und Unternehmer heute wirklich haben.  

Was sagen Sie dazu? Schreiben Sie uns!

Wir freuen uns über Ihre Kommentare



Über Richard David Precht

Richard David Precht, geboren 1964, ist Philosoph, Publizist und Autor und einer der profiliertesten Intellektuellen im deutschsprachigen Raum. Er ist Honorarprofessor für Philosophie an der Leuphana Universität Lüneburg sowie Honorarprofessor für Philosophie und Ästhetik an der Hochschule für Musik Hanns Eisler in Berlin. Seit seinem sensationellen Erfolg mit »Wer bin ich - und wenn ja, wie viele?« waren alle seine Bücher zu philosophischen oder gesellschaftspolitischen Themen große Bestseller und wurden in mehr als vierzig Sprachen übersetzt. Seit 2012 moderiert er die Philosophiesendung »Precht« im ZDF.


buch precht
Zum Buch im Shop

Precht, Richard David

Freiheit für alle

Das Ende der Arbeit wie wir sie kannten

Wie werden wir in Zukunft arbeiten? Und warum eigentlich?

Nichts, was die Arbeit anbelangt, ist heute mehr selbstverständlich. Das zweite Maschinenzeitalter selbstlernender Computer und Roboter revolutioniert unseren Arbeitsmarkt. Es definiert neu was »Arbeit« ist, und wozu wir eigentlich noch arbeiten. Schon seit einiger Zeit arbeiten wir in den westlichen Industrieländern nicht mehr, um unsere Existenz zu sichern. Wir arbeiten, um zur Erwerbsarbeitsgesellschaft dazuzugehören.

 

Doch wenn »Vollbeschäftigung« nicht mehr der Jackpot ist, den es zu knacken gilt, sondern »Selbstverwirklichung«, dann ändern sich die Lose in der Tombola: Arbeit zu haben wird nun nicht mehr automatisch als Glückszustand bewertet, denn es kommt immer stärker auf die Qualität und die genauen Umstände des Arbeitens an. Aus der Erwerbsarbeitsgesellschaft, wie wir sie bisher kannten, wird eine Sinngesellschaft. Eine gigantische Transformation, und sie ist längst im Gange.

Richard David Precht zeigt uns, wie die Veränderung der Arbeitswelt unser Leben, unsere Kultur, unsere Vorstellung von Bildung, und letztlich die ganze Gesellschaft verändert - und welche enormen Gestaltungsaufgaben auf die Politik zukommen, insbesondere der Umbau unseres Sozialsystems hin zu einem bedingungslosen Grundeinkommen.


Über Joe Kaeser

Joe Kaeser ist Vorsitzender des Aufsichtsrats der Siemens Energy AG, einem globalen „Powerhouse“, das den Übergang zu nachhaltigeren, zuverlässigen und bezahlbaren Energiesystemen vorantreibt. 

Siemens Energy ist global nahezu in der gesamten Energie-Wertschöpfungskette tätig. Das Unternehmen hat weltweit rund 91.000 Mitarbeiter. Zu den Produkten gehören Gasturbinen, Dampfturbinen, Generatoren, Transformatoren und Verdichter. Mit einer Beteiligung von 67 Prozent an Siemens Gamesa Renewable Energy ist Siemens Energy Weltmarktführer im Bereich der erneuerbaren Energien. Bis Februar 2021 war Herr Kaeser der Vorstandsvorsitzende der Siemens AG.

Herr Kaeser verfügt über mehr als 40 Jahre Erfahrung bei Siemens, wo er eine Vielzahl von führenden Managementpositionen in den Bereichen Finanzen und Strategie im In- und Ausland innehatte. Er begann seine Karriere bei Siemens 1980 im Bereich Komponenten und Halbleiter, wo er auch in Malaysia und den USA tätig war. Im Jahr 1999 trat er in die Abteilung Corporate Finance ein. Im Jahr 2001 wurde er zum Chief Financial Officer des Bereichs Information and Communication Mobile ernannt. Von 2004 bis 2006 war er Chief Strategy Officer der Siemens AG und von 2006 bis 2013 war er Finanzvorstand des Unternehmens, bevor er die Rolle des Vorstandsvorsitzenden übernahm. 

Herr Kaeser ist außerdem Vorsitzender des Aufsichtsrats der Daimler Truck Holding AG und Mitglied im Aufsichtsrat bei Linde plc und NXP Semiconductors. Ferner engagiert sich Herr Kaeser im Board of Trustees des World Economic Forums und dem Advisory Council der Münchner Sicherheitskonferenz.
 

Kommentare (7)

Nico Jendral

Eine großartige Folge! Besonders spannend: Die Diskussion über das bedingungslose Grundeinkommen. Im Privaten führen wir diese Diskussion des Öfteren und es war sehr erfrischend, sie nun auf eine fachlich und philosophisch fundiert verfolgen zu dürfen. Ich danke Ihnen!

Lara Hitzmann

Liebe Frau Reinhard, lieber Herr Precht, lieber Herr Kaeser,
vielen Dank für diesen Dialog und dass Sie uns an diesem höchst spannenden und zeitgemäßen Austausch teilhaben ließen.

Merchan Agaricus

Mir hat diese Folge auch gefallen. An dieser Stelle noch einmal die Empfehlung von allen bisherigen Folgen des Podcast "Lanz & Precht". Die beiden nunmehr weisen Herren, palavern über zahlreiche kontemporäre Themen und tun dies auf eine sehr freundliche, einfühlsame Art. Man hört diesem Gespräch sehr gerne zu.

Gabriele Jung

Vielen Dank für dieses sehr intensive, themenreiche Gespräch. Ich werde es mir ein zweites Mal anhören müssen, um annähernd alle formulierten Gedanken zu erfassen und für mich zu reflektieren. Zwei Aspekte waren beim ersten Hören für mich zentral. Zum einen die Frage nach den Gründen für das Zögern der Politik, die gesellschaftlich „unproduktive“ Finanzwirtschaft stärker zu besteuern und damit eine Gegenfinanzierung für zahlreiche, (gesellschaftlich/ politisch ) notwendige Projekte sicherzustellen. Dass es allein die Sorge um eine mögliche Schwächung des Finanzstandorts Deutschland ist bzw. nur ein gesetzliches „Hinterherhinken“ leuchtet mir nicht ganz ein. Interessant war für mich aber auch der Gedanke, dass wir in Zukunft bei der Bewältigung aller anstehenden Aufgaben wieder mehr Generalisten statt Spezialisten brauchen und das hier den sogenannten Geisteswissenschaften eine besondere Rolle zukommen könnte. Alle drei Gesprächspartner spiegeln in ihrer Persönlichkeit für mich genau diesen Ansatz und gerade das hat das Gespräch für mich auch so hörenswert gemacht.

Merchan Agaricus

Den Ansatz mit den Generalisten habe ich auch so verstanden, wie Sie, Frau Jung. Für dieses in Erinnerung rufen, bedanke ich mich. Im Grunde ist die Philosophie so etwas wie die Beobachter-Instanz, möchte vielleicht auch Einfluß nehmen, auf die Steuerung gesellschaftlicher Prozesse. So verstehe ich die Geisteswissenschaften überhaupt, als reflektierende Fächer. Die Information wird in den jeweiligen empirischen Disziplinen gesammelt und durch die Geisteswissenschaften ausgewertet, verständlich gemacht, festgehalten und erinnert.

Die Spezialisierung wird weiterhin von Nöten sein, so wird jeder Generalist der Zukunft noch zusätzlich zu seinem Allgemeinverständnis, das ihm eine Allgemeinbildung heranträgt, auch ein Spezialgebiet haben, auf dem er seine Dienste anbieten kann, von dem er einen Verdienst bezieht.

Aber es ist doch schon jetzt zum Teil so, dass ein Erlebnisgastronom auch in Bereichen der Psychologie, vielleicht sogar Soziologie sich zumindest einliest. Möglicherweise interessieren ihn auch andere Dinge, profund genug, so dass sein Interesse über den reinen Wissenserwerb zum wissenschaftlichen tätig Sein heranreicht?

So gibt es auch in meinem Umfeld Filmvorführer, die über Biologie, Physik (liegt auf der Hand) aber auch Politik (politischer Film) Bescheid wissen und gerne querbeet lesen. Gebildete Menschen, vertraut mit einfachen Tätigkeiten, zu denen sie befähigt sind, von denen sie ihren Lebensunterhalt bestreiten, die aber allumfassend gebildet sind und sich auch ständig autodidaktisch fortbilden. Nicht um Scheine zu bekommen - der Schein trügt, auch das ist bekannt -, sondern um den eigenen Wissensdurst zu stillen.

Manche von ihnen via Social Media oder das Gespräch im Kaffeehaus, Nachtlokal, Bar, etc. auch am gesellschaftlichen Diskurs beteiligt.

Ich habe übrigens versucht, das Gespräch von Herrn Precht und Herrn Kaeser zu analysieren, mir viel notiert (ganze drei DIN A4 Seiten voll Notizen gemacht), müsste aber an sich eine Wiederholung des Inhalts vornehmen, wenn ich meine Notizen ordnen würde und hier referieren anfange. Darum lasse ich es jetzt lieber bleiben und freue mich auf ein Gespräch (äquivalent "Geschrieb") mit Ihnen.

Herr Kaeser sagt ja selbst, dass es in Zukunft auf die emphatische Intuition ankommen wird und der Einfluß der Geisteswissenschaften im Unternehmensmanagement zunehmen wird.
Die Beschäftigung mit der Welt bleibt dabei zentral, denn aus meiner Sicht leben wir nicht für die Wirtschaft, wie einige Unternehmen es gerne hätten: Arbeitskräfte für die Produktion, Konsumenten für den Absatz. Vielmehr ist die Wirtschaft uns ein Vehikel, wie wir uns besser fortbewegen können in einer global vernetzen Welt, in der wir unseren Platz suchen, im Fokus unsere Zufriedenheit im Verbund mit dem Allgemeinwohl.

Herr Kaeser spricht aus der Sicht der Unternehmer: "Ist das, was ich unternehme von gesellschaftlichen Wert? Ist es relevant?" - das ist der springende Punkt. Wem nutzt der Unternehmensgewinn und vorher schon die Unternehmenstätigkeit. Eine Bäckerei ist sinnvoll, weil sie Menschen mit Backwerk versorgt. Das gesellschaftliche Ziel sollte immer im Fokus stehen. Nicht nur die Systemrelevanz sollte geprüft werden, sondern die Auswirkungen der Unternehmenstätigkeit für das Wohl der Allgemeinheit, denke ich.

Das Ende des Gesprächs, dass Frau Reinhard gut moderierte, fand ich auch sehr nett. Was bedeutet uns Freiheit? - wirtschaftliche Grundversorgung für Alle Teilnehmer der Gesellschaft, bis hin zur Gewährleistung der grundsätzlichen Selbstverwirklichung (Precht). Oder unser Ideal einer ökologischen sozialen Marktwirtschaft, wie Herr Kaeser es anregt.

Für alle, die den Traum von Freiheit träumen, hier ein möglicher Einblick in die Tendenz zur Selbstverwirklichung, die gesellschaftlich zu etablieren wäre: https://www.youtube.com/watch?v=dV1e851sekg.
Durchaus auch kontrovers, das ist klar.

Übrigens erscheint der Augenblick in dem Prechts Buch über die Freiheit herausgebracht wird, als unangemessen, weil wir gerade einen "furchtbaren Rückfall" erleben. So klingt es jetzt womöglich zynisch von Freiheit für alle zu sprechen, da ja schon in Europa Menschen weniger Freiheit bekommen, als ihnen zusteht.
Meines Erachtens kann es keinen besseren Augenblick geben, da die Freiheit gerade jetzt mittels eines Kriegs und jeglicher ihn begleitender Diplomatie verhandelt wird. Gerade jetzt gilt es sich richtig zu entscheiden.

Gabriele Jung

Ich gebe Ihnen Recht Herr Lupa und so hat es aus meiner Sicht auch Herr Kaeser formuliert: die Realwirtschaft muss der Gesellschaft dienen und sie tut es- im Idealfall-, indem sie Arbeitsplätze schafft, die sozialen Sicherungssysteme mit finanziert, Gewinn erwirtschaftet, Steuern zahlt etc. Die Realwirtschaft macht aber nur noch einen kleinen Teil der Wirtschaftskraft aus, viel größere Summen werden mittlerweile in der Finanzwirtschaft generiert und diese Gewinne haben - so verstehe ich es - so gut wie keinen Benefit für die Gesellschaft und werden zudem nicht ausreichend besteuert. Kaeser erwähnt, dass aus seiner Sicht der Steuersatz von 30% auf 70% erhöht werden müsste, damit die Gesellschaft einen Nutzen hätte. Warum sich die Politik so vehement dagegen sträubt, kann ich nur vermuten. Die Sorge um den Finanzplatz Deutschland allein, kann es aus meiner Sicht nicht sein.
Ich glaube in der Tat auch, dass viele Menschen in vielen Berufen eine breitgefächerte Bildung haben, allein aufgrund vielfältiger Interessensgebiete. Ich denke aber das von Herrn Precht in den Raum gestellte Modell, der Philosoph als Supervisor, als derjenige der beobachtet, Fragen formuliert und Zusammenhänge herstellt, setzt einen Menschen voraus, der noch ein Stück universeller gebildet ist. Und wenn ich noch einen Schritt weiterdenke: wenn durch zunehmende Automatisierung, durch den Einsatz künstlicher Intelligenz Menschen weniger in Arbeitsprozesse eingebunden sind, sondern diese quasi ggf. nur noch steuern, überwachen oder verbinden, benötigt man wieder Menschen mit großem Weitblick und wie Sie Herrn Kaeser zitieren „emphatischer Intuition.“
Aber lassen Sie mich das Ganze noch einmal anhören und überdenken. Das Gespräch hatte wirklich sehr viele interessante Aspekte und ich bin weit entfernt, ein klares Bild im Kopf zu haben.

Merchan Agaricus

Mir gefällt Ihre Interpretation ausserordentlich. Offenbar gibt es diese universal gebildeten Menschen, die eine Supervisor-Position einnehmen könnten schon.
Sie sind "unter den Lebenden", um ein altes Album einer amerikanischen Heavy-Metal Band zu bemühen.
Doch unter den Lebenden sind auch jene Gestalten, die Rechtschaffenheit für eine strategische Konditionierung halten, die die Herrscher den Beherrschten auferlegten, damit sie in Ruhe herrschen können und von den Beherrschten kein Widerstand erfolgt. Sind das womöglich jene Spitzen der Finanzwirtschaft von denen Sie sprechen? - Denn diese gibt es. Während ein gewöhnlicher Mensch ein Auto braucht, um zur Arbeit zu kommen, insbesondere in einer Welt, die eine schwache öffentliche Infrastruktur besitzt, brauchen diese Herren von der Finanzwirtschaft 20 teure Nobelautomobile, um morgens überhaupt in den Spiegel schauen zu können, denn so winzig und schwach ist ihr Ego, das sich ständig mit irgendwelchen übertriebenen Superlativen vergleicht. Natürlich brauchen sie dann auch noch den teuersten Braunrasierer für die alltägliche Rasur, ein gut gedecktes Bankkonto, ein luxuriöses Haus und ein paar Ausweichsdomizile, eine Wohnung in London, eine in New York City. Sprechen Sie von diesen schwachen Menschen, die so viel Kapital um sich herum bündeln und so viel Schaden an der Gesellschaft damit anstellen? Und wundern Sie sich über die Politik, warum sie dieses Spiel mit betreibt, entgegengesetzt den Interessen ihrer eigenen Wählerschaft? Wenn ja, dann wundere ich mich mit Ihnen.

So, wie ich mich über Gott wundere, der so ein Verhalten zuläßt, gut heißt, zum Beispiel und Muster für Durchsetzungsvermögen und Fähigkeit effizient zu wirtschaften macht.

Einen schönen Abend Ihnen, Frau Jung.


Please anmelden or sign up to comment.