Was ist Demokratie für einen selbst

Kommentare (9)

Thorsten Jacob

Interessante Frage. Platon bezeichnete die Demokratie als die zweit-schlechteste Staatsform, da jeder (also aus der antiken Sicht jeder, d.h. außer Frauen, Sklaven usw.) Mensch den Staat forme unabhängig von seiner Befähigung dazu. Diese Unfähigkeit mit sich führende Form führe dann zweifelsohne direkt in den Schlund der schlechtesten Staatsform, der Tyrannei. Die Freiheit der Demokratie selbst wäre also nach Platon ihr eigener Untergang, außer man beschneidet die Idee der Demokratie, um sie zu schützen, womit dieses keine Demokratie mehr wäre. Carlo Schmid sagte in seiner Rede im Parlamentarischen Rat am 8. September 1948 „Ich für meinen Teil bin der Meinung, daß es nicht zum Begriff der Demokratie gehört, daß sie selber die Voraussetzungen für ihre Beseitigung schafft. Ja, ich möchte weiter gehen. Ich möchte sagen: Demokratie ist nur dort mehr als ein Produkt einer bloßen Zweckmäßigkeitsentscheidung, wo man den Mut hat, an sie als etwas für die Würde des Menschen Notwendiges zu glauben. Wenn man aber diesen Mut hat, dann muß man auch den Mut zur Intoleranz denen gegenüber aufbringen, die die Demokratie gebrauchen wollen, um sie umzubringen.“ (https://de.wikiquote.org/wiki/Carlo_Schmid).

Joy Hofmann

Immer mehr Länder wollen heutzutage Demokratien sein. Auch autoritäre Regime berufen sich auf die Demokratie. Für mich zeigt das, dass es keine einheitliche Vorstellung von Demokratie und ihrer Werte gibt. Demokratie ist meiner Meinung nach geleitet von vorherrschenden Werten in der Gesellschaft. Da jede Gesellschaft andere Werte und Normen hat, ist es schwierig ein einheitliches Bild von Demokratie zu vermitteln, das die „Weltgesellschaft“ (sofern man von dieser sprechen kann) vertritt. Daher ist es auch schwierig Demokratie eins zu eins nach dem eigenen demokratischen Verständnis umzusetzen. Die Frage ist ja auch, ob man universelle Werte herstellen kann, so dass jeder das gleiche Verständnis von Demokratie hat, und diese dann eins zu eins umgesetzt werden kann.

Frank Schwarzer

Ich kann mir gut vorstellen dass es universelle Werte gibt, nur möchte ich zu bedenken geben, wenn jeder das gleiche Verständnis von Demokratie hat, setzt dieser Punkt nicht eine Gleichschaltung voraus ?
Der Mensch neigt doch dazu, den Maßstab der Demokratie bei sich anders anzusetzen, als bei der nächsten Person.

Thorsten Jacob

Was wären denn "universelle Werte"? Gibt es diese überhaupt? Sind denn nicht Werte nur persönlich bzw. subjektiv? Oder sind Werte allgemeingültig?

Thomas Wendle

Ich glaube nicht, dass es universelle Werte gibt, weder im Laufe der Zeit noch in einem einzigen Moment der Zeitgeschichte. Dafür sind wir Menschen "zu" unterschiedlich...

Oliver Beck

Hallo zusammen, hallo Herr Schwarzer. Danke für diese Frage, ich hab mich auch schon mit der Frage beschäftigt, aber auch ich komme zu keinem klaren Ergebnis, nur so ne Richtung... Wo fängt denn bei Ihnen Demokratie an und wo hört sie auf?

Frank Schwarzer

Hallo Herr Beck bitte entschuldigen sie meine Verspätete Antwort, Bei uns in der Behörde ist zur Zeit sehr viel (Bürgerschaftswahl HH ) Demokratie fängt bei mir an , den anderen respektieren, man muß ja nicht der gleichen Meinung sein,, wo hört sie auf ?, die eigene Meinung dem anderen mit allen Mitteln aufzuzwingen. und bei ihnen wo fängt und hört bei ihnen Demokratie an und auf ?

Thorsten Jacob

Im neuen Buch von Lesch wird Verfassungsrichter Böckenförde zitiert: "Der freiheitliche, säkularisierte Staat lebt von Voraussetzungen, die er selbst nicht garantieren kann", heißt, er muss das Wagnis der Freiheit eingehen, um nicht zum totalitären Staat zu werden.

Frank Schwarzer

Auch das bewusste Überschreiten der Legalität um den nächsten Punkt oder das Ziel zuerreichen ?


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