Video-Lesungen - Eine Übersicht

Thorsten Jacob • 28 August 2021
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Liebe Community, liebe Autor:innen,

die wbg betreibt mit dieser Sach- und Fachbuch-Plattform www.wbg-community.de eine Website zum Austausch über gesellschaftsrelevante Themen aus den Geisteswissenschaften.

Das Hauptziel der Seite ist es, einen geschützten und thematisch moderierten Diskursraum für Gespräche über Bücher und Inhalte anzubieten. Neben Hinweisen auf Veranstaltungen, Gewinnspiele und Debatten zur ganzen Breite der von der wbg abgedeckten Forschungsbereiche liegt die Attraktivität für Nutzer:innen wie für Autor:innen bei weiteren Inhalten zu Büchern sowie genau über diese Bücher ins Gespräch zu kommen.

Wir bieten Ihnen deshalb an, die Plattform als Ort der virtuellen Begegnung zu nutzen und Ihre Bücher und Ihre (Forschungs-)Themen zu präsentieren und haben hierzu ein neues Format geschaffen: kompakte Video-Lesungen, bei denen die Autor:innen in der Gestaltung derer selbstverständlich völlig frei sind. Ob Wohnzimmer-Lesung, ob gesprochene Präsentation, ob 5-Fragen-5-Antworten-Interviews oder eine Mixtur aus allem, in der Gestaltung sind Sie, liebe Autor:innen, frei.


Sehen Sie hier eine Übersicht aller bisherigen Video-Lesungen 2021.


Politik trotz Globalisierung
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Gesine Schwan

Politik trotz Globalisierung

Die Zukunft der Politik: Kommunen bändigen den Kapitalismus

Politikverdrossenheit gehört schon fast zum guten Ton: Für viele steht Politik für Unredlichkeit, Undurchsichtigkeit und Mangel an Sachkenntnis. Dieser Zustand ist mehr als beunruhigend, schließlich ist Politik notwendig, um das Zusammenleben in der Gesellschaft friedlich zu ermöglichen.

Die SPD-Politikerin und Politikwissenschaftlerin Gesine Schwan hat analysiert, welche Lösungen demokratische Politik angesichts der Herausforderungen durch die Globalisierung bieten kann.

Ein hoffnungsvoller Ausblick: so können wir die Krise der Demokratie überwinden


Hermeneutik
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Helmut Danner

Hermeneutik

Zugänge, Perspektiven, Positionen

Helmut Danner eröffnet mit seinem Buch einen Zugang zur Hermeneutik. Diese erhellt das Zusammenspiel des Sinns von Wort und Satz, von Satz und Text, von Text und Welt. Hermeneutisch fragen wir, wenn wir verstehen wollen, was Andere meinen und wie dies durch Sprache vermittelt wird. Eine zentrale hermeneutische Aufgabe ist, darzustellen, was sich beim Verstehen ereignet. Verstehen möchte den jeweiligen Sinn des Gesagten erfassen, mit einem augustinischen Gedanken: das „innere Wort“. Man kann das Übersetzen von einer Sprache in eine andere als Modellfall dieses Verstehensvorgangs ansehen. Dieser zeigt sich als ein zirkelhaftes Hin- und Hergehen zwischen Gemeintem und Verstandenem. In jüngerer Zeit wurden vor allem die Positionen von Schleiermacher, Dilthey und Gadamer wegbereitend für die hermeneutische Fragestellung. Diese konkretisiert der Autor beispielhaft mit der Auslegung des Romans Die Wohlgesinnten von Jonathan Littell sowie mit dem Versuch, kulturell Fremdes zu interpretieren.


Migration
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Dirk Hoerder

Menschen und Welten in Bewegung

Der Ostalpen- und Donauraum von den Anfängen bis zum 16. Jahrhundert

Aus der Perspektive der globalen Migrationsgeschichte erzählt diese Studie die Geschichte des Ostalpen- und Donauraums bis zum Ende des Mittelalters völlig neu. Im Vordergrund stehen die Männer, Frauen und Kinder und ihre Lebenswelten, die sich aus der materiellen Kultur im kritischen Dialog mit den Schriftquellen erschließen lassen. Sie haben ihre natürliche Umwelt - Wasserläufe, Ebenen, Hügel und Gebirge - genutzt, gestaltet und dabei komplexe Fähigkeiten entwickelt. Ihre gelebte Mikroregion verbanden sie mit der Makroregion durch Zu- und Abwanderungen sowie durch Handelsgüter aus weiter Ferne. Zwischen Gemeinschaften wanderten Händler*innen und Produzent*innen, später bildeten sich Handelsverbände und Fernkauf-Familien. Heere und Haufen der eigenen und fremder Herrscherfamilien zerstörten Lebens-Mittel. Neuanfänge erforderten Initiativen. Mit Fokus auf die Alltagsgeschichte entsteht ein komplexes Bild einer Kulturlandschaft im großräumigen Gefüge.


Weinberg
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Georg Rainer Hofmann,

Das Weinberg-Paradoxon

Kann es gutes Fehlverhalten geben? Ein Essay über nicht-normative Ethik

Dieser Essay der nicht-normative Ethik handelt von solchen guten Taten, die sich nicht durch Normen, Gesetze und Gebote regeln lassen. „Gutes Fehlverhalten“ zeigt sich in der Parabel von den Arbeitern im Weinberg als Paradoxon: Das kulante Zahlen gleichen Lohns auch für zu spät gekommene Arbeiter ist für den Betrieb ruinös - und ruft zudem den Protest der regulären Arbeiter hervor.

Das Phänomen der nicht-normativen Ethik war schon in der antiken griechischen Tragödie bekannt und ist von zentraler Bedeutung in der jesuanischen Ethik. Moderne nicht-normative Ethik ist z. B. die Gewährung von Gnade und Kulanz. Die Aktualität und Brisanz des Themas zeigt sich angesichts des politischen Protests gegen „falsche“ Wohltaten, wenn es etwa um die humanitäre Rettung und Versorgung von Migranten geht. Daher will dieser Essay über das Paradox des guten Fehlverhalten nachdenken und Hinweise zur Lebenspraxis der nicht-normativen Ethik geben.


Sterbenswille
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Norbert Groeben

Sterbenswille

Verteidigung des rationalen Suizids und Sterbebeistands

Und es gilt doch: das Recht auf ein selbstbestimmtes Sterben. Es folgt aus dem Recht auf freie Persönlichkeitsentfaltung und der Menschenwürde (Art. 2 u. 1 Grundgesetz), so das Bundesverfassungsgericht im Jahre 2020. Damit ist dieses Recht nicht auf die Situation eines unerträglichen, zum Tode führenden Leidens beschränkt. Deshalb gehören der Präventiv-, Bilanz- und Symbiose-Suizid ebenfalls zu den Möglichkeiten eines rationalen Suizids. Rational, weil in freiem Willensentschluss dem eigenen Leben ein Ende gesetzt wird, das von den existenziellen Werthaltungen der Person aus keinen Sinn mehr besitzt. Neben historisch-biographischen Beispielen für diese vier Suizid-Formen lässt sich zeigen, dass die Warnungen vor negativen Folgen einer Legalisierung der Sterbehilfe empirisch unbegründet sind. Das eröffnet die Möglichkeit des ärztlich-assistierten Sterbebeistands, für den sich aus der Willensfreiheit des rationalen Suizids konkrete Verfahrensregeln ableiten lassen.


Bismarcks ewiger Bund
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Oliver F. R. Haardt

Bismarcks ewiger Bund

Eine neue Geschichte des Deutschen Kaiserreichs

Es war kein festgefügtes Machtgebilde, sondern ein »ewiger Bund von Fürsten«: Oliver Haardt stellt die Geschichte des deutschen Reichs von 1871 bis 1918 unter einem völlig neuen Blickwinkel dar. Ein loser Bund von 22 Fürstenstaaten und drei Hansestädten bildete einen Staatenbund unter preußischer Führerschaft und ohne Zentralregierung.

Wie konnte sich aus diesem heterogenen Konglomerat ein straff zentralisierter Staat entwickeln, der wirtschaftlich und militärisch so schlagkräftig wie keine andere europäische Macht war? Oliver Haardt schlägt in dieser umfassenden Studie erstmals einen Bogen zwischen den Teildisziplinen der Rechts- und Politikgeschichte.


Exil
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Magali Nieradka-Steiner

Exil unter Palmen

Deutsche Emigranten in Sanary-sur-Mer

Ein Fischerdorf bei Toulon war einst die ›Hauptstadt der deutschen Literatur‹. So jedenfalls sah es Ludwig Marcuse. Nach Hitlers Machtergreifung flohen zahlreiche deutsche Literaten an die Côte d’Azur. In Sanary-sur-Mer trafen sich Ernst Toller und Bert Brecht am Hafen, hier besaß Lion Feuchtwanger ein Haus am Meer. Thomas Mann mit Frau besuchte die Kirmes, während Sohn Klaus am ›Mephisto‹ schrieb. Doch das Exil unter Palmen wurde bald zur Mausefalle. Bei Kriegsbeginn erklärte Frankreich die Deutschen zu feindlichen Ausländern. Wer nicht rechtzeitig nach Übersee emigrieren konnte, wurde interniert, deportiert und ermordet. Magalie Nieradka-Steiner hat lange an der Cote d’Azur gelebt. Sie konnte bisher nicht bekannte Dokumente nutzen und mit den letzten Zeitzeugen sprechen. Ihr Buch erzählt eindringlich, wie sich universale Katastrophe und individuelles Schicksal in Sanary kreuzen.


Schumann
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Imgard Knechtges-Obrecht

Clara Schumann

Ein Leben für die Musik

Clara Schumann (1819-1896) war Konzertpianistin, Ehefrau und Mutter. Ihren Mann, den romantischen Komponisten und Musikschriftsteller Robert Schumann, überlebte sie um 40 Jahre. Er war die Liebe ihres Lebens, erkrankte jedoch früh an einem schweren Nervenleiden. Grandiose Erfolge und schwere Rückschläge begleiteten den Weg vom Wunderkind zur Künstlerlegende. Irmgard Knechtges-Obrecht schildert Clara als eigenständige Künstlerin und faszinierende Persönlichkeit, die hart arbeitet, um den Lebensunterhalt für acht Kinder und eine wachsende Enkelschar zu bestreiten. Sie erhellt das Verhältnis zum tyrannischen Vater ebenso wie die enge Beziehung zu Brahms, die noch immer Rätsel aufgibt. Erst jüngst veröffentlichte Briefe und Tagebücher widerlegen Vorurteile und Klischees. Bisher ungedruckte Fotografien zeigen ein für die damalige Zeit ganz und gar ungewöhnliches Frauenleben im Bild.


Tolstoj
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Martin Tamcke

Tolstojs Religion

Wie lebe ich richtig? Was bringt mich zu mir selbst? Wie handle ich im Einklang mit mir und meiner Umwelt? Diese Fragen prägten Tolstojs Suche nach einem religiösen Lebensentwurf, dem alle seine anderen Anstrengungen unterworfen waren: sein Schriftverständnis, seine Ethik und seine Auseinandersetzung mit Kirche, Staat und Gesellschaft. Ihn beschäftigte der Schutz religiöser Minderheiten und der achtsame Umgang mit der Natur genauso wie Fragen nach Besitz, Ehe und Macht. Tolstojs unangepasste Religiosität hatte großen Einfluss: Gandhis gewaltloser Widerstand erhielt Impulse durch sie, Albert Schweitzer war von Tolstojs unmittelbarer Aufnahme biblischer Lehre fasziniert. Mit seiner Biografie führt Martin Tamcke ein in Tolstojs Gedanken- und Lebenswelt und zeigt die Aktualität seiner religiösen Botschaft.


Demokratie
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Christian Jansen / Marianne Zepp (Hg.)

Kann es demokratischen Nationalismus geben?

Über den Zusammenhang zwischen Nationalismus, Zugehörigkeit und Gleichheit in Europa von 1789 bis heute

Die Nation ist immer noch das dominierende Ordnungssystem in Europa. Ihr inhärent ist das demokratische Versprechen von Gleichheit, sozialer und politischer Teilhabe. Zudem garantiert sie die Sicherheit ihrer Mitglieder. Zugleich führte Nationalismus regelmäßig zu Kriegen, Vertreibungen und Ausgrenzungen bis hin zu Ausrottungen. Das Buch präsentiert historische Entwicklungspfade und eine Systematik heutiger Nationalismen und fragt nach dem Ort der Frauen in der Nation. Anhand der Entwicklung in Frankreich, Spanien, Schweden, Israel sowie der Weimarer Republik, Ost- und Westdeutschland wird analysiert, ob und wie Demokratie und Nation vereinbar waren und sind, welche Folgen der Rückgriff auf nationalistische Begriffe und Denkweisen hat. Bis heute prägt die Ambivalenz zwischen Inklusion und Exklusion die europäischen Gesellschaften. Auch in modernen Demokratien ist die dunkle Seite des Nationalismus gegenwärtig und das demokratische Gleichheitsversprechen nur eingeschränkt verwirklicht.

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