Vergil 5 - die dramatische Flucht aus Troja

Luca Rosenboom • 5 Mai 2022
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Es folgt nach der Jupiter Prophetie der restliche Inhalt des ersten Buches: Nachdem Aeneas in ein ihm unbekanntes Land – das im Aufbau befindliche Karthago – gelangt war, traf er eine punische Jägerin, die keine andere war als seine Mutter Venus, die sich verkleidet hatte.

Dese prophezeite ihm, dass er alle Schiffe bis auf eines wiedererlangen wird und verschwand schnell wieder. Unterdessen erscheint die Königin Dido – die in Buch 4 eine zentrale Rolle einnimmt – mit einem Gefolge, um Aeneas mit seinen Kameraden aufzunehmen. Dido lädt ihn und die Seinen zu einem Festmahl ein. Aeneas lässt als Dank seinen Sohn Ascanius ein Geschenk für Dido holen, welches später zum Unheil der Dido gereichen sollte.

Venus nämlich wandte einen listigen Trick an: Sie schob den Liebesgott Cupido (ihren Sohn Amor) unter das Geschenk, um Didos Herz zu gewinnen – man kann schon erahnen, was dadurch später passieren wird. Cupido jedenfalls sitzt beim Gastmahl auf Didos Schoß, ehe sie Aeneas bittet von den Erlebnissen seit der Eroberung Trojas durch die Griechen zu erzählen. Er irre ja schließlich schon im siebten Sommer umher.

Buch 2 und 3 – die Eroberung Trojas (Erzählung des Aeneas). Vorab muss gesagt werden, dass Buch 2 und 3 in einer ununterbrochenen Ich-Erzählung des Aeneas verfasst sind. Dieser erzählt aus Sicht eines allwissenden Erzählers mit dem Ziel, die Zuhörer Affekten auszusetzen. Beispielsweise spricht er von „unsagbarem Schmerz“ (infandum…dolorem), um gewisse Reize zu setzen.

Nach zehnjähriger erfolgloser Belagerung Trojas sind die Griechen weggefahren, wobei sie ein hölzernes Pferd am Strand zurückließen: das berühmt berüchtigte Trojanische Pferd, in dessen Inneren Krieger versteckt sind. Die Trojaner wissen nicht wirklich, was sie mit diesem anfangen sollen, doch Laokoon, ein Neptunpriester, weiß sich dieses Geschenkes zu erwehren. Es sei seiner Ansicht nach eine List: Was auch immer dies ist, ich fürchte die Griechen, auch wenn sie Geschenke bringen“ (quidquid id est, timeo Danaos et dona ferentis). Doch sie schenken ihm, der die Situation bereits antizipierte, keinen Glauben. Vielmehr ließen sie sich von Sinon, einem Griechen, hinreißen, der sagte, er sei vor den Griechen geflüchtet. Die Trojaner nehmen ihn freundlichen auf und fragen ihn, was es mit dem Pferd auf sich habe. Dieser antwortet, dass das Pferd deswegen so groß sei, damit sie es nicht in die Stadt ziehen könnten. Es sei ein Weihegeschenk an Pallas Athene; würden sie es aber verletzen oder gar zerstören, gereichte es ihnen zum Verderben. Die List war erfolgreich: sie hielten sich an Sinons Version. Dies wurde durch ein göttliches Zeichen untermauert: Zwei riesige unheilvolle Schlangen kommen und verschlingen Laokoon und seine zwei Söhne, was als Strafe für einen Frevler aufgefasst wurde. Nachdem die Trojaner das Pferd in ihre Stadt geholt hatten, verließen die Griechen in der Nacht ihr Versteck und metzelten alles nieder.

Aeneas selbst hat in dieser Nacht eine Traumvision vom toten Hektor, dem größten der Trojaner: Er mahnt ihn, Troja zu verlassen und eine neue Stadt zu gründen. Als Aeneas erwacht, sieht er, wie die ganze Stadt in Flammen steht… die Nyktomachie (Kampf in der Nacht) tobt. Aeneas lässt sich von furor (Wahnsinn) und ira (Zorn) leiten, will seine Heimatstadt bis aufs Äußerste, notfalls mit seinem Leben, verteidigen…

Er mahnt seine Gefährten und stürzt sich in den Kampf. „Sterben wollen wir, uns mitten in die Waffen stürzen“ (2,353: moriamur et in media arma ruamus),[1] untermauert durch das Paradox: Die einzige Rettung für die Besiegten liegt darin, nicht auf Rettung zu hoffen (2,354: una salus victis nullam sperare salutem). Bei dem Versuch, die Seherin Cassandra zu retten, fallen schließlich alle – außer der Heros, dem es ob seiner Verheißung nicht gestattet ist. Als dieser, verzweifelt wie er ist, eingedenk seiner Liebsten, Helena sieht – die Ursache des Trojanischen Krieges – will er sie töten. Doch da erscheint Venus, die ihrem Zögling die Aussichtslosigkeit vor Augen führt: Troja muss fallen.

Als er sich von Troja ab-, hin zu seinem Haus wendet, um seine Familie zu retten, weigert sich sein Vater Anchises plötzlich. Er möchte mit seiner Stadt fallen, als plötzlich ein erstaunliches Wunderzeichen auftauchte (cum subitum dictuque oritur mirabile monstrum), welches am Haupt des Iulus als ein wundersames Licht erschien (ecce levis summo de vertice visus Iuli fundere lumen apex): Das Flammenprodigium. Dieses wurde unterfüttert durch weitere göttliche Zeichen, nämlich die Sterne, die den Weg in die Zukunft weisen sollten. Da erst stimmt Anchises der Flucht zu.

Aeneas trägt seinen Vater auf den Schultern (pius Aeneas); gefolgt von seinem Sohn und seiner Gattin Creusa. Als sein Vater ihn antreibt, schneller zu gehen, verliert er seine Gattin plötzlich aus den Augen – für immer und ewig. Aeneas versucht, zurückzulaufen, um sie zu holen, doch er kann nur ein Traumbild erkennen: Creusa wurde durch die Schutzgöttin Cybele als Dienerin aufgenommen. Sie verheißt ihm ein neues Reich im Abendland (Hesperia) zu gründen und entschwindet beim Versuch, sie zu umarmen.

 

[1] Dieses Stilmittel ist das sogenannte Hysteron Proteron (das Spätere vor dem Ersteren); steigert die Dramatik.

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