Die Ungarn von Paul Lendvai

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In seinem jüngsten Werk über die Ungarn zeichnet der in Wien lebende Publizist, Paul Lendvai, ein scharfes Bild von einem bereits in den Anfängen der Nation gespaltenem Ungarn. Dieses steht zwischen Hammer und Amboss, zwischen den Habsburgern im Westen und den Osmanen im Süden. 
Aber auch im Inneren des Landes ist die Spaltung groß, so liegt der hohe Adel, die einflußreichen Magnaten, ständig im kriegerischen Streit um die Herrschaft über das Land.

Während Siebenbürgens Städte von deutschtämmigen Bürgern bevölkert werden, ist das Land in den Händen verschiedener widerstreitender ungarischer Dynastien, die sich mit den umliegenden Nationen konsolidieren. 
Ungarn sucht ständig nach einem nationalen Epos, den es gleichsam einem Narrativ mit seinen Helden füllen kann.
Das Land strebt in den Jahren des Mittelalters und der Renaissance nach einer Eigenständigkeit, die es auf die gemeinsame Wurzel in der Kultur und Sprache der urstämmigen Bevölkerung der Magyaren vermutet. Auch in der Neuzeit.

Der Autor zeigt uns den Weg dieser Nation durch die Geschichte in der mal ein Ungar auf dem Thron von Polen sitzt, mal ein Pole der Fürst von Siebenbürgen ist. 
Darüber hinaus herrscht Krieg, im Außen sowie Innen.

Betrachtet man diese Geschichte der Magyaren, versteht man besser, dass ein multiethnischer Staat seine Eigenständigkeit erst finden und seinen nationalen Charakter erst bewahren muss, bevor er sich über den herrschenden Populismus hinwegsetzen und Europa gegenüber öffnen kann.
Die Grundlagen für die Nation Viktor Orbans liegen weit in der Vergangenheit dieser bunten und stolzen Nation, die auf der anderen Seite voller Melancholie und Wehmut auf zahlreiche Kapitel des nationalen Scheiterns zurückblickt, so wie es heute an einer Politik der Abkapslung zu scheitern droht.

Überaus lesenswert, diese Zusammenfassung der Geschichte unserer im Südosten lebenden Freunde.

Kommentare (2)

Frank Zarrentin

Klingt sehr interessant, gerade, so wie es scheint, die ganze ost- bzw. südosteuropäische Geschichte mit den vielen Völkern und unterschiedlichsten Machtbestrebungen behandelt werden. Ohne zuviel "spoilern" zu lassen: bis zu welcher Epoche geht das Buch? Danke für die Empfehlung :-)

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  • Marcin Lupa

    Es geht bis zur Epoche Orban, also der Gegenwart. Allerdings bin ich nach einer Woche täglich lesen, erst im 18 Jahrhundert angekommen, behandle gerade die Habsburgermonarchie und muss rückblickend sagen, das Wissen des Autors und die mit diesem verbundene Information sind gewaltig.

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