Der stärkste Bund des Lebens

Luca Rosenboom • 14 Mai 2022
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Freundschaft.

Freundschaft ist nicht irgendeine Sozialbeziehung, Freundschaft ist eine Tugend und allen anderen Konstrukten gegenüber erhaben. Wahre Freundschaft ist unbegrenzt, Freundschaft ruht nicht im Geringsten auf Nützlichkeit!

Wie groß die Bedeutung der Freundschaft ist, kann man besonders daraus ersehen, dass aus der von der Natur selbst gestifteten Gemeinschaft des Menschengeschlechts das Verhältnis so eng beschränkt wurde, dass volle Zuneigung nur zwei oder nur sehr, sehr wenige Menschen umspannt. Es ist nämlich die Freundschaft nichts anderes als die (vollkommene) Übereinstimmung in allen Absichten und Meinungen in Verbundenheit mit Zuneigung und Liebe, die Menschen füreinander spüren. Kann man also viele 'echte Freunde' haben?

Freundschaft hängt eng mit der Treue zusammen und bindet zwei Menschen eng aneinander, was wiederum zu einer herben Enttäuschung führen kann, wenn eines dieser beiden ehrwürdigen Dinge verletzt worden ist. Denn in einer wirklichen Freundschaft gibt es weder Heucheln noch Verstellung; alles ist wahrhaftig und entspringt aus eigenem Wunsch. Daher ist das Wort Freundschaft (amicitia) auch von Liebe (amor) abgeleitet, die einen ersten Impuls gibt, ein Band der gegenseitigen Zuneigung zu knüpfen. Ein ehrwürdiger und schöner Grund, der in der Menschennatur selbst vorkommt, wie Cicero in seinem Brief über die Freundschaft schreibt.

Doch wenn dies nicht der Fall ist, kann aus Freund(-schaft) also (in-)direkte Feind(-schaft) entstehen, was dem einen oder anderen sicherlich vorgekommen sein dürfte. Doch kann man dann im Vornhinein von wahrer Freundschaft sprechen, wenn doch schon Aristoteles schrieb: Freundschaft bedeutet, dass eine Seele in zwei Körpern haust.

Genau dieser Gedanke – auch wenn es sich um einen Text menschlicher Beziehungen handelt – hat mich auf Grund der engen Parallelen nochmals darin bestärkt, dass es keine größere Freundschaft geben kann als zu seinem Haustier, das man bedingungslos liebt – auch wenn man in Sachen Erziehung und Willen nicht immer einer Meinung ist. ;-)

Zur Weiterempfehlung zweier ohnehin begnadeter Werke:

Cicero, Laelius. De amicitia - Über die Freundschaft

Aristoteles, Nikomachische Ethik

Kommentare (33)

Gabriele Jung

Ein schöner Text, Herr Rosenboom, mit einer überraschenden Pointe. Sie haben mich zum Schmunzeln gebracht. Ihre Literaturempfehlungen nehme ich gerne auf. Und man sieht: Freundschaft ist ein immer währendes Thema. Herzlichen Dank für Ihren Beitrag.

Luca Rosenboom

Liebe Frau Jung, vielen herzlichen Dank für den Kommentar – ich habe mir gedacht, dass das etwas für Überraschung sorgen wird, weil ich auch selbst quasi „überrascht“ war von dem Gedanken, schien er mir doch erst abwegig, aber doch so plausibel.

Merchan Agaricus

Lieber Luca, auch ich finde Deinen Text sehr schön und mindestens eine Deiner Empfehlungen (der Aristoteles) befindet sich bereits in meiner Sammlung.
Die Pointe auf die Tiere zu lenken, die stets loyal sind und Dir niemals in den Rücken fallen, was Freund-Feinde durchaus tun können, auch wenn es nur üble Nachrede sein sollte, finde ich stark.

Ich persönlich gehe auch davon aus, dass Freundschaft von er selben Energie wie Liebe getragen wird, keine erotische zwar, doch eine Form von Agape ist sie.

Vielen Dank für Deinen Beitrag.

Luca Rosenboom

Lieber Marcin,
Du sprichst einen wesentlichen Punkt an, nämlich die Loyalität, worin auch zugleich die starke Dichotomie liegt: ich bin der Auffassung, dass Menschen im Gegensatz zu Tieren einen immer auf eine Weise verraten können – und damit meine ich wahrhaftigen Verrat. Tiere indes nicht, denn ihre Loyalität gilt stets dem Charakter der Person. Bist du herzlich, so ist es herzlich zu dir. Mal abgesehen davon, wenn andere Leckerlis hervorzaubern und dein Tier sich von dir abwendet. ;-)
Allerdings glaube ich nicht, dass Freundschaft von derselben Energie wie die Liebe getragen wird – es kann sein, dass ich es missverstehe; so bitte ich im Voraus um Verzeihung. Freundschaft nämlich – als eine stabile, immer fortwährende Beziehung – erwächst quasi aus dem natürlich vorhandenem „amor (Agape)“. Aus der Liebe kann Freundschaft erwachsen, muss aber freilich nicht. Liebe ist von vornhinein da, wie die Liebe zu seinem Kind oder vice versa. Für Freundschaft ist die Liebe eine Bedingung, die daraus hervorgeht, dass man salopp formuliert sehr „gleich“ ist. Es ist ein schwieriges Thema, aber doch sehr spannend. Herzlichen Dank für deinen Kommentar und die Überlegungen!

Merchan Agaricus

Luca Rosenboom, ich gehe da von einer Abstufung aus: erst ist es wohl Sympathie, die man für Menschen empfindet. Dabei ist das Geschlecht egal. Wenn daraus Freundschaft erwächst, so ist die Anziehung und die Wertschätzung für einander stärker, als bei bloßem Gefallen.

Und Liebe, ja, das ist etwas ganz anderes, weil da auch schnell eine erotische Komponente im Spiel ist.
Liebe fühle ich für meine Frau. Ich kann natürlich auch Menschen und Dinge lieben, ohne erotische Gefühle zu haben. Darauf wollte ich nicht hinaus. Den Voltaire, den ich gerade lese, liebe ich für seinen Geist, für seine bestechende Intelligenz und die Diplomatie, die er mich lehrt. Mag ihn aber nicht, weil ich ihn erotisch anziehend finde. Aber es ist schon eine große Sympathie für Literatur und Literaten aller Zeiten und Couleur, die ich empfinde. Ebenso ergeht es mir bei guter Musik, z.B. Martha Argerich, ihre Chopin oder Schumann Interpretationen lassen mich erschaudern vor Ergriffenheit.

Die Liebe ist etwas anderes, auch wenn man einen sehr guten Freund auch lieben kann. Nur eben auf eine Weise, die keine erotische Bindung anstrebt.

Luca Rosenboom

Du hast natürlich recht, dass es da Unterscheidungen gibt. Wenn wir von anderen, fremden Menschen ausgehen, ist es vermutlich die Sympathie, die Auswirkungen auf ein freundschaftliches Verhältnis hat. Das zeichnet sich eben durch "Übereinstimmung in (fast) allen Absichten und Meinungen" aus.
Aber Liebe empfinde ich als etwas viel 'Höheres', etwas Unbeschreibliches, ein Empfinden, das weit über allem steht - außer vielleicht die "Tugend", die ich aber nicht hier mit rein bringen möchte (antike Auffassung). Ich denke, die erotische Komponente ist nur ein ganz kleiner Teilaspekt, der der Liebe untergeordnet ist - denn das, so bin ich zumindest der Auffassung, spiegelt mehr die voluptas bzw. die Lust oder das Vergnügen wieder.
Deine Beispiele finde ich sehr passend; aber kann man da von Liebe sprechen? Ist es nicht eher die Sympathie für Literatur und Literaten als die Liebe? Man spricht umgangssprachlich ja gerne von Liebe zu jemandem (bzw. zu Voltaire), aber ist es das, trifft es das?
Bei Musik gehe ich da wiederum eher mit, weil es mehr die Gefühlslage involviert. Musik kann einen tief ergreifen oder erschaudern lassen. Aber ich weiß nicht, ob wir vielleicht zu sehr in einem Denken verhaftet sind, welches "Liebe" bei allmöglichen Dingen anwendet, wo es eigentlich gar nicht angemessen ist. Beispielsweise hege ich eine Liebe zum Sport; für Sport würde ich alles stehen und liegen lassen, außer Personen natürlich; ohne Sport würde ich vermutlich in eine tiefe Depressionen fallen, weil er mir sehr viel gibt und ein Ventil ist in allen Zeiten. Hier würde ich von "Liebe" sprechen. Aber auch wenn ich "Literatur" umgangssprachlich "liebe", gibt mir Literatur ebendieses Gefühl nicht. Daher ziehe ich Sport bzw. das Krafttraining immer vor, weil es eine Ausflucht ist. Literatur indes mag ich sehr gerne, aber nicht so, dass ich von Liebe sprechen würde.

Vielen herzlichen Dank aber für den Input, der zum Nachdenken anregt!

Merchan Agaricus

Luca Rosenboom, ich kann Dir folgen. Und denke zugleich, dass man eben unterschiedliche Vorlieben hat.
Auch ich "liebe" den Sport, ziehe aber Literatur als "Objekt der Begierde" deutlich vor. Auch bin ich eher der passive Sportgucker, als ein aktiver Sportler. Das war vor zehn Jahren noch anders. Damals war auch die Aufteilung was die Faszination, um den Bergriff "Liebe" nicht allzu inflationär zu gebrauchen, für Sport und Literatur angeht, umgekehrt. Doch mit dem Alter kommt auch eine gewisse Übersättigung mit Beweglichkeit und daher auch eine körperliche Müdigkeit hinzu. Das jedenfalls meine Empfindung. Wohingegen die konzentrierte kognitive Auseinandersetzung an Reiz zunimmt.

Vielleicht kann man das nicht verallgemeinern, dann aber spätestens gilt der zweite Satz mit den unterschiedlichen Vorlieben.

Gabriele Jung

Wenn ich mich einmischen darf: ich glaube, es gibt verschiedene Schattierungen der Liebe. Da ist zum einen die Liebe, die man gegenüber Menschen empfindet. Sie kann mit Erotik, Leidenschaft, aber auch tiefer Seelenverwandschaft verbunden sein (PartnerIn) , sie entspringt dem ursprünglichen Verhältnis zwischen Eltern und Kindern oder sie kann gegenüber Menschen empfunden werden, denen man sein Herz geöffnet hat (FreundInnen).
Jede dieser Formen der Liebe ist für mich anders.
Dann gibt es die Liebe, die man gegenüber Tieren empfindet. Das beschreiben Sie Herr Rosenboom sehr schön. Sie ist sehr ursprünglich und kompromisslos. Sie ist einfach da, weil das Tier einen irgendwie mit einem tiefen Urvertrauen beschenkt.
Und letztlich ist da die Liebe zu Dingen. Da würde ich wieder das Wort Leidenschaft verwenden, auch wenn ich nicht ganz glücklich damit bin, weil diese Liebe keine Leiden schafft, sondern glückliche, zufriedene Momente. Das sind Dinge, die man nicht missen möchte, die einem innere Ruhe und Glücksgefühle schenken.
Das kann wie bei Ihnen Herr Rosenboom der Sport sein oder bei Ihnen Herr Lupa die Literatur. Bei mir ist es wie bei Ihnen Herr Lupa die Liebe zu Büchern, aber auch die Liebe zur Natur und meine „Seelenverwandschaft“ zu Pflanzen aller Art.
Liebe ist es aber für mich auch Immer dann, wenn im Umgang mit Dingen „Herzblut“ im Spiel ist, beim Hören bestimmter Musikstücke, bei Theaterstücken, die mich berühren, Büchern, die mich ergreifen, Bildern, die mir nicht mehr aus dem Kopf gehen, weil sie irgendetwas in mir ausgelöst haben oder dem Duft einer Blüte, der mich in andere Sphären versetzt.
All diese Momente der Liebe und Leidenschaft machen für mich das Leben lebenswert und sie schenken mir Kraft für das Leben.
Ich glaube tatsächlich, dass die Fähigkeit zu lieben und Liebe zu empfinden der Grundpfeiler für ein glückliches, zufriedenes Leben ist. Deshalb schön, dass Sie beide den Gedanken aufgegriffen haben und es zu einem Thema dieses Schreibwettbewerbs gemacht haben. Denn es gehört für mich inhaltlich tatsächlich dazu.

Merchan Agaricus

Gabriele Jung, Sie schreiben: "Ich glaube tatsächlich, dass die Fähigkeit zu lieben und Liebe zu empfinden der Grundpfeiler für ein glückliches, zufriedenes Leben ist." - Wie Ihrem gesamten Kommentar kann ich besonders diesem Satz zustimmen. Ohne dieses Gefühl für die lebendigen aber auch amorphen Dinge (Bücher sind dabei geladen mit dem Geist ihrer Autoren), könnte ich nicht existieren. Und ich glaube, dass auch der Automechaniker diese Liebe zu den Autos, seinem Werkzeug, auch seiner Werkstatt und den Ersatzteilen empfindet, sonst könnte er nicht mit dieser Präzision und Hochwertigkeit seine Dienstleistung/sein Werk verrichten.

Vielen Dank Ihnen für Ihre schöne Erklärungen.

Wir empfinden nicht so sehr Leid bei unseren Begehrlichkeiten, als wie Sie sagten, ein glückliches Gefühl und Dinge, auch lebendige, machen uns glücklich. Sachverhalte und Sentenzen aber auch und schließlich lieben wir Tiere, weil wir den Respekt in uns spüren - so geht es jedenfalls mir - für ihre Leistung am Leben zu sein, sie selbst zu sein, ein Bewußtsein und eine Strategie fürs Leben zu haben.

Was die Pflanzen angeht, so haben wir da eine Gemeinsamkeit, denn ich liebe die Flora und Funga, die Pilze und die zu ihnen gehören Wirtsbäume. So ist ein Austerseitling im Dezember nicht ohne Wirtsbaum Buche denkbar. Erst wenn die stolze Buche stirbt und umfällt, kann ich meine Austernseitlinge alsbald ernten.

Gesine Hitschler

Ein schönes Bild, da geht einem das Herz auf. Die Freundschaft und die Liebe eines Hundes ist ein wahres Geschenk. Sie fordert nicht, stellt keine Bedingungen - einmal gegeben, währt sie ein Leben lang. Herzlichen Dank, auch für die Literaturempfehlungen.

Luca Rosenboom

Liebe Frau Hitschler,
auch Ihnen herzlichen Dank. Das ist das, was eine innige Beziehung zu Tieren ausmacht – es gibt keine Bedingungen, sie ist bedingungslos und damit auch überhaupt nicht anfällig für irgendwelche ‚Störereignisse‘, wie sie beim Menschen auftreten kann!

Michaela N.

Die Pointe trifft mitten ins Herz und koennte nicht wahrer sein. Sehr schöne philosophische Erzählung. Von einer Mensch - Haustier Beziehung kann man eine Menge lernen.
Ich finde nirgends funktioniert gegenseitige Toleranz besser. Vorausgesetzt man lässt den Charakter des Tieres auch ein wenig gewähren und macht daraus nicht eine funktionierende Marionette.

Luca Rosenboom

Vielen lieben Dank für den Kommentar; auch Sie sprechen einen wichtigen Punkt an: den Charakter eines Tieres sollte man gewähren lassen. Da kann ich auch aus eigener Erfahrung sprechen, denn mein Hund – obgleich er schon 15 Jahre alt ist – ist immer noch eine „Wildsau“, das war er schon immer und wird es auch immer sein. Er ist super energisch und egal wo er hinkommt, da spielt sich der Trubel ab. Auch wenn es manchmal nervenaufreibend sein kann, ist es doch schön, wenn man weiß, dass sein bester Freund glücklich ist und so sein kann, wie er sein will oder ist. Ich persönlich freue mich immer, wenn ich am Wochenende nach Hause fahre, um dann mit viel Gebell und Trubel begrüßt zu werden; umso schwerer fällt es mir aber auch, wenn ich dann wieder sonntags wieder losmuss und ihn nicht sehe.

Luca Rosenboom

Ich erlaube es mir mal, einen neuen Kommentar zu öffnen, weil es sonst so sperrig erscheint.

Liebe Frau Jung,
mit Ihren Bemerkungen haben Sie natürlich recht; ich habe das natürlich auch nur aus meiner Warte betrachtet. Auch ich könnte nicht ohne Literatur, denn was wollte ich sonst den ganzen Tag machen? Allerdings gibt es da noch gewisse Abstufungen, wie Herr Lupa oben dargestellt hat. Jeder hat da so seine unterschiedliche Sichtweise darauf; jeder kann seine „Liebe“ zu irgendwem oder einer Sache hegen, wie er sie auslegt. Es ist jedenfalls spannend, wie sie von unterschiedlichen Menschen interpretiert wird. Natürlich gibt es hier keine allgemeingültige bzw. endgültige „Wahrheit“ – wie es sie vermutlich nirgends gibt, außer bei Naturgesetzen.
Mit dem Begriff Herzblut haben Sie ein schönes Wort gefunden, welches mir gefehlt hat. Das trifft es weitaus besser als Leidenschaft, welches zwar auch in gewisser Hinsicht treffend ist, aber auch etwas ausdrückt, dass von der Vernunft nicht gesteuert werden kann und man eben körperlich oder seelisch gequält wird; wobei man es ja mitunter eben auch für eine heftige Neigung für etwas benutzt. Von der Wortetymologie her gesehen würde ich es aber eher vermeiden.
Ich hätte aber beim Verfassen des Beitrages nie darüber nachgedacht, dass wir so sehr über etwas nachdenken würden; daher freut es mich umso mehr, dass wir uns hier darüber etwas austauschen.

Lieber Marcin,
ich verstehe die Gedanken vollkommen. Besonders gelungen und einprägsam fand ich den Satz mit den „Büchern, die geladen sind mit dem Geist ihrer Autoren“. Irgendwie nimmt man das immer so hin aber macht sich das gar nicht so richtig bewusst. Bücher bzw. die Gedanken darin sind stets immer „ingenium“ (wortwörtlich: das Eingeborene// das Vermögen) des Autors. Die Gedankengänge sind nachvollziehbar und haben meine Sicht auf jeden Fall erweitert. Die „Liebe“ zu etwas oder einer Sache spiegelt sich auch im Berufsleben wider. Man merkt, wer sein „Handwerk“ liebt oder wer davon begeistert ist. Ein sehr gutes Beispiel mit dem Automechaniker; man merkt, wenn jemand seine Liebe (in Kombination mit Spaß und ‚Lust‘) auslebt und viel tüftelt und mit höchster Präzision arbeitet, als einer der – ich spreche aus eigener Erfahrung – keine Ahnung davon hat und es machen bzw. reparieren muss.
Insgesamt merke ich auch, wie schwer es auf einmal ist, Begrifflichkeiten zu verwenden, um hier zu antworten. Man überlegt vorher erst 10-mal, ist sich aber dann doch unsicher, ob es denn nun treffend ist. Vorher war ich mir darüber gar nicht im Klaren.

Daher noch einmal herzlichen Dank für die kleine, lebendige Diskussion über die Begrifflichkeiten, die ich jetzt 'vorsichtiger' verwenden werde.

Merchan Agaricus

Lieber Luca,

dafür ist Dir Dein Kommentar aber sehr gelungen. Du hast die Begrifflichkeit noch einmal schön zusammengefasst.
Bei "Herzblut" würde ich persönlich von Begehren sprechen. Aber es ist in der Tat so, dass ich meinen Alltag mit einem gewissen Grundgefühl der starken Sympathie für manchen Dinge erlebe. Und dazu gehört auch der Handwerker, der mir den Reifenwechsel macht, dann aber steigere ich diese Empfindung für die Dinge, bis hin zur Liebe für sie. Wie zum Beispiel für mein Bücherregal und seine Inhalte, auch die eingeborenen (Sic!).

Wertschätzung, Ehrfurcht und Liebe spüre ich sonst natürlich vor allem für meine Frau und für Stieftochter.

Luca Rosenboom

Lieber Marcin,

vielen Dank für den Kommentar. Ich merke, wir bringen immer mehr Begrifflichkeiten hierein, aber all diese passen sicherlich zum großen Begriffsfeld Liebe, was eben sehr vieles umspannen kann. Es kommt eben auch vieles auf die Auslegung der Person selbst an. Anbei kann ich noch empfehlen das Digitale Wörterbuch der Deutschen Sprache, welches viele Semantiken erhellen kann (jedenfalls weitaus besser als der online-Duden, den ich persönlich sehr ungünstig finde):
https://www.dwds.de/wb/Ehrfurcht

Ich habe jetzt einmal den Begriff Ehrfurcht eingegeben, weil mich interessiert hat, wie das Wort früher verwendet wurde bspw. im Mittelalter.

Merchan Agaricus

Luca Rosenboom , das ist höchst interessant. Dieses Wörterbuch werde ich mir in den Favoriten speichern, weil wir oft Wörter/Begriffe etymologisch untersuchen. Das macht uns Spaß.

Danke also für diese Verlinkung.

Es ist ein großer Vorteil einen Philologen unter den Bekannten zu haben.

Für mich hat es sogar noch eine nostalgische Komponente, weil mein Vater Sprachen studiert hat, als ich zur Welt kam und er oft mir die Herkunft, nicht nur die Bedeutung von Worten anhand seine großen Wörterbücher erklärte. Das waren schöne Momente auf die ich gerne zurückblicke.

Luca Rosenboom

Lieber Marcin,
das Wörterbuch ist sehr gut, das stimmt. Es gibt auch noch weitere für Griechisch und Latein, die einem immer weiterhelfen - bei Interesse kann ich sie mal raussuchen, da ich mir das irgendwo notiert habe. Es macht in der Tat Spaß, sich mit Sprache zu beschäftigen. Sprache an sich ist auch das Werkzeug eines jeden Historikers, um Semantiken zu erhellen und scharfe Analysen anzufertigen - ohne Sprache keine Differenzierung, das haben wir auch in diesem Beitrag bzw. in den Kommentaren gemerkt, wie schwer es ist, sprachlich treffende Formulieren zu finden.

Vielen Dank auch für die geteilten Erinnerungen; dafür leben und "lieben" wir. Welche Sprachen hat er denn studiert?

Merchan Agaricus

Luca Rosenboom , Du bringst es auf den Punkt.
Mein Vater hat Polnisch und Deutsch studiert.

Luca Rosenboom

Sehr interessant! Ein Sprachenstudium hat viel an sich; man lernt vor allem, in verschiedenen Sprachen zu denken - das macht es so faszinierend. Man denkt anders und benutzt, auch wenn man vielleicht das gleiche ausdrücken will, unterschiedliche Wörter (mit verschiedenen Semantiken). Das macht es natürlich auch umso schwieriger, was mir in Latein immer auffällt. Wie wurde ein bestimmtes Wort benutzt; passt das hier überhaupt, auch wenn die Bedeutung stimmt? Man kommt immer ins Grübeln und denkt nach - und das ist immer ein Gewinn. Ich denke auch noch darüber nach, weitere Sprachen zu lernen. Italienisch steht wegen der engen Verbindung zu Latein schon einmal im Vordergrund.

Merchan Agaricus

Ich habe dann auf meinen Reisen noch etwas Spanisch gelernt. Leider fehlt mir momentan die Motivation es aufzufrischen.
Das Schulenglisch reicht mir mich zu verständigen und englische Literatur zu lesen.
In anderen Sprachen zu lesen macht mir Spaß.
Ich lese grundsätzlich ein Buch in Polnisch und eines in Englisch zusätzlich zu den Deutschen Büchern parallel.

Bin ich ein Bücherwurm?😄

Luca Rosenboom

Spanisch ist auch eine sehr interessante Sprache, die ich ebenso lernen möchte - wäre man nur hochbegabt. Derzeit versuche ich auch Latein zu sprechen, was allerdings noch große Hürden bereitet. Leider machen wir das in der Uni auch nicht - man könnte sicherlich einwenden wozu das Ganze, wenn man "nur" Lehrer werden möchte oder Dozent an einer Uni und wir uns sowieso auf Deutsch unterhalten, aber mich reizt es enorm, zumal es das Sprachverständnis sehr erweitert. Die Lateiner sind bzw. waren ja auch genauer, wenn es darum geht, Zeitenfolgen einzuhalten etc. Ich weiß nicht, wie es sich im Spanischen und Italienischen verhält, allerdings sind wir hier zu Lande ja sehr ungenau.

Englisch muss man ja irgendwie können, zumindest so, dass man einfachere englische Literatur lesen und sich verständigen kann. Allerdings übt die Sprache keinen Reiz auf mich aus, ich finde sie spröde - das ist natürlich sehr subjektiv, es mag sicher welche geben, die Englisch schön finden.
Faszinierend finde ich es, dass du mehrere Bücher auf verschiedenen Sprachen liest - ich habe schon Probleme, mehrere auf einmal zu lesen, ich arbeite meistens das, was ich lese, ab, bevor ich ein Neues lese. Aber ich kann mir vorstellen, dass die Lerneffekte sehr hoch sind, Bücher auf verschiedenen Sprachen zu lesen.

Merchan Agaricus

Ich lese grundsätzlich auch erst einmal ein Buch fertig, vor allem dann, wenn ich damit arbeite. Aber viele Bücher fange ich erst einmal an, und lese sie dann zwischendurch. Und die Sprachen sollen dabei immer Berücksichtigung finden.

Gabriele Jung

Darf ich zum Thema noch ein schönes Zitat von Groucho Marx zum Schmunzeln anfügen: „Outside of a dog, a book is a man‘s best friend; inside a dog, it‘s too dark to read.“ Herzliche Grüße Ihnen beiden!

Merchan Agaricus

Das ist witzig und passt zum Thema, Frau Jung. Herzlichen Dank und schönen Gruß auch an Sie.

Maria Theodora Freifrau von Bottlenberg-Landsberg

Danke für den schönen Text und den ganz neuen Gesichtspunkt, der wie die Kommentare ja deutich machen, zu ganz neuen Aspekten des Denkens geführt hat. Herzlichen Glückwunsch

Luca Rosenboom

Hallo Frau Freifrau von Bottlenberg-Landsberg,
ich danke Ihnen für den Kommentar; in der Tat hätte ich auch nicht gedacht, dass man so viele Aspekte bei diesem Thema beleuchten kann. Ein Beweis dafür, welch Kraft in der wbg-Community steckt. ;-)

Merchan Agaricus

Liebe Freifrau von Bottlenberg-Landsberg,

wer mit Tieren aufwächst und später auch lebt, lernt dass sie verlässlicher sind, als viele Menschen.
Ihr Verhalten erscheint nach längerer Betrachtung auch konsequenter.

Herzliche Grüße
Merchan Agaricus

Luca Rosenboom

Wenn ich mich einschalten darf: das trifft es auf den Punkt. Ich finde es auch wichtig, dass Kinder mit Tieren aufwachsen - sie lernen nicht nur "Liebe" und "Freundschaft" in Verbundenheit mit Herzlichkeit richtig kennen, sondern auch, und das ist nicht zu gering zu veranschlagen, Verantwortung. Tiere bedürfen immer der Pflege und können nicht mal einen Tag ruhen, weil man "keine Zeit" oder sonstiges hat - die Verantwortung ist jeden Tag da. Das führt natürlich unweigerlich zu den ganzen Menschen, die sich der Tragweite nicht bewusst sind und sich einfach so Tiere anschaffen, ohne ihnen gerecht werden zu können. So zerbricht das Herz eines Tieres - vor allem wenn es hin und her gegeben wird wie ein Kleidungsstück; leider konnte man das zu Corona-Zeiten häufig in den Nachrichten lesen. Das führt dann auch wieder zu dem Kommentar, dass Menschen mitnichten verlässlich sind - im Gegensatz zu Tieren. Vielen Dank für den Kommentar!

Merchan Agaricus

Luca Rosenboom, der Aspekt mit der Verantwortung ist ein wichtiger. Pädagogisch ist Heimtierhaltung allzumal. So lernen Kinder Pflichten und Dienste kennen und verbinden sie mit Notwendigkeit und Verantwortung.

Cornelia Becker

Luca Rosenboom Das Thema Verantwortung in diesem Zusammenhang ist ein sehr, sehr wichtiges. Ein Hund ebenso wie andere Haustiere würde vor dem zugedrehten Wasserhahn verdursten. Er ist "der beste Freund des Menschen" wie es ja sehr oft so schön gesagt wird, aber er ist darauf angewiesen, dass wir unsere Verantwortung für ihn durch aktives Handeln auch wahrnehmen. Natürlich meine ich damit nicht nur, ihn mit Wasser und Nahrung zu versorgen, sondern wie weiter oben von Ihnen erwähnt, ihn, Freund Hund, zu erkennen, sein Wesen, seinen Charakter sich entwickeln lassen. Sich gegenseitig ein Stück durch's Leben zu begleiten - das größte Geschenk, das uns ein Hund macht. Denn es wird immer nur ein Stück sein. Ich hatte Glück, mein letzter Hund wurde sehr alt. Sein letztes Lebensjahr war sehr pflegeintensiv und hat mich an Grenzen gebracht, bevor mit seinem Tod eine Lücke entstand, die durch nichts zu füllen war, auch wenn ich nun "frei" war, vieles zu tun, auf das ich 14 Jahre verzichtet hatte, denn ich wollte mich nicht von ihm trennen, ihn nie längere Zeit alleine lassen oder gar in Pflege geben (schwimmen, Sauna, Städtereisen...). Längst habe ich wieder einen Hund - und er hat mich. Und auch er begleitet mich durch's Leben, er ist bei der Arbeit dabei, also ein Bürohund, ebenso ein Wanderhund, ein Agilityhund, ein Sport-, Spiel- und ein Couchhund... Eine Buchempfehlung kann ich gerne beisteuern: "Der Philosoph und der Wolf" von Mark Rowlands, ein Buch, mit dessen Hilfe ich den Tod meines damaligen Hundes bis in tiefste Tiefen aufarbeiten konnte - und das ich nicht verleihen kann, da ich durchweg Anmerkungen hineingekritzelt habe, etwas, was ich tatsächlich ansonsten niemals mache.

Luca Rosenboom

Merchan Agaricus, das ist sehr wichtig, dass auch in früheren Jahren schon eine Verantwortung erwächst. So wird man früh selbstständig oder entwickelt sich dahingehend, sein Leben selber in die Hand zu nehmen, wobei es sicherlich nur ein Teilaspekt ist.

Cornelia Becker das ist schön formuliert. Es ist ein Lebewesen mit Bedürfnissen, welches die Welt erkunden will und mit Sicherheit nicht ständig im Hause hocken will - daher ist es auch immer schade, wenn es Tiere bzw. in diesem Falle Hunde gibt, die im Hochhaus wohnen.
Ihr Verlust tut mir sehr leid; ich kann es nachvollziehen, denn vor meinem jetzigen Hund hatte ich auch einen, der allerdings sehr krank eingeschläfert werden musste. Ich hoffe sehr, dass ihr jetziger Hund ein von Krankheiten sorgenfreies Leben führen kann; mit ihm scheint man alles machen zu können. Mein Hund ist vor wenigen Wochen 15 Jahre geworden und immer noch fit (im Rahmen seines Alters) wie ein Turnschuh; ich werde mir das Buch aufschreiben, hoffe indes, dass ich es noch für lange Zeit nicht brauchen werde.

Vielen Dank für die Kommentare und herzliche Grüße Ihnen beiden

Luca Rosenboom

Liebe Frau Jung,
ich danke Ihnen herzlich für das wunderbare Zitat. Tatsächlich sind vorhin noch einige Bücher über die griechische und römische Mythologie angekommen, weshalb ich jetzt umso mehr schmunzeln muss. Ein sehr passender Spruch auf zwiefache Art; für mich spiegelt es - wie vermutlich für jedermann - die Beziehung zu seinem Haustier und den Büchern sehr gut wider.


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