Senegal – viele Vögel, wenige Großtiere

Bernd-J. Seitz • 27 Januar 2022
1 Kommentar
Gesamtanzahl der Likes 1 gefällt

Senegal – viele Vögel, wenige Großtiere

Reiseblog von wbg-Autor Bernd-Jürgen Seitz


Der Mount Kenya war der Schlusspunkt und einer der Höhepunkte meiner neunwöchigen Afrikareise. Danach habe ich Afrika aber nicht verlassen, sondern bin von Nairobi nach Dakar geflogen, um die Familie meiner Tochter zu besuchen, die etwa zwei Fahrstunden nordöstlich der senegalesischen Hauptstadt in Mboro wohnt – etwa 1 km vom Atlantik entfernt. Durch die Zwischenlandung in Abidjan, der knapp nördlich des Äquators liegenden Hauptstadt der Elfenbeinküste, verlief der Flug von Ost- nach Westafrika ungefähr entlang des Äquators, wodurch ich aufgrund der teilweise guten Sichtverhältnisse einen guten Querschnitt durch Afrika erhielt – vom Viktoriasee über das Ruwenzori-Gebirge, mit bis zu 5109 m das dritthöchste Gebirge Afrikas, eine lange Flugstrecke über die im Dunst verborgenen Regenwälder des Kongo, dann Kamerun mit dem höchsten Berg Westafrikas (4095 m), dem aktiven Vulkan Kamerunberg.


Seitz 01
Blick auf das Ruwenzori-Gebirge

Im Nordwesten von Dakar liegt Cap Vert, der westlichste Punkt des afrikanischen Kontinents. Senegal liegt im Übergang der kargen Vegetation der Sahelzone im Norden zu den Tropen im Süden. Im Norden besteht die natürliche Vegetation aus Dornbuschsavanne mit Akazien und Affenbrotbäumen (Baobab), die meisten Flächen werden aber landwirtschaftlich genutzt. Mit Bewässerung gedeihen zahlreiche Gemüsesorten und Obstbäume, vor allem Mango und Zitrusfrüchte. Die naturnahen Inseln bilden zusammen mit den landwirtschaftlich genutzten Flächen eine sehr strukturreiche Kulturlandschaft, in der vor allem viele Vogelarten anzutreffen sind. Einige westafrikanische Vogelarten tragen Senegal in ihrem Namen, da sie entweder hauptsächlich dort anzutreffen sind oder zuerst im Senegal wissenschaftlich beschrieben wurden: Senegalkiebitz, Senegaltriel, Senegaltoko, Senegalpapagei, Senegalracke und Senegalamarant.


Seitz 02
Kulturlandschaft im Senegal

Seitz 03
Zwei Senegaltokos

Seitz 04
Der Senegalpapagei

Früher wurden die Savannen Westafrikas ebenso von großen Säugetieren bevölkert wie in Ostafrika, sie wurden aber durch die hohe Bevölkerungsdichte weitgehend verdrängt. Auch der Nationalpark Niokolo Koba im Südosten Senegals weist nur noch Restbestände der einstmals reichhaltigen Großtierfauna auf. Der Löwe ist vom Aussterben bedroht, am bedeutendsten ist der letzte wildlebende Bestand der Westlichen Riesen-Elenantilope.


Seitz 06
Eine Westliche Riesen-Elenantilope. Die Aufnahme stammt aus dem Réserve de Bandia in der Nähe von Dakar, wo etliche afrikanische Großtiere ausgewildert wurden.

Zusammen mit der Familie besuche ich einen ganz besonderen Lebensraum: das Delta du Saloum an der Atlantikküste nördlich des fingerartig in den Senegal ragenden Gambia. Das ausgedehnte Delta der Flüsse Saloum und Sine umfasst einen der bedeutendsten Mangrovenbestände in Westafrika und wurde 1976 als Nationalpark ausgewiesen. Seit 1980 ist es auch Biosphärenreservat, seit 1984 Ramsar-Schutzgebiet, seit 2011 gehört es zum UNESCO-Weltkulturerbe. Obwohl es nach wie vor Beeinträchtigungen gibt wie z. B. durch die Ausbreitung von Reiskulturen und die übermäßige Waldnutzung, spielen die im Delta liegenden Dörfer eine wichtige Rolle bei der Wiederaufforstung von Mangroven und der Kombination von moderner mit traditioneller Fischerei zur Erhaltung des Ökosystems. Die Dörfer profitieren auch vom Tourismus, beliebt sind Ausfahrten mit den bunt bemalten Pirogen zur Naturbeobachtung, zum Fischen oder zum Besuch der Inseldörfer. Ich bin gleich zweimal bei einer Ausfahrt dabei und kann viele interessante Beobachtungen machen, wie z. B. gemeinsame Gruppen aus Rötelpelikan und Rosapelikan. Beim Flug von Abidjan nach Dakar konnte ich das Delta auch aus der Luft bewundern.


Seitz 07
Mangroven im Delta du Saloum, im Vordergrund ein Silberreiher.

Seitz 08
Ausfahrt im Delta mit einer typischen Piroge. Im Hintergrund ein Baobab.

 


Seitz 09
Eine Gruppe aus Rötel- und Rosapelikanen. Bei der kleineren Art handelt es sich um den Rötelpelikan.

Seitz 10
Das Delta du Saloum aus der Luft.

SeitzDr. Bernd-Jürgen Seitz ist promovierter Biologe und war Leiter des Referats Naturschutz und Landschaftspflege im Regierungspräsidium Freiburg. Seine beruflichen Schwerpunkte bzw. Forschungsschwerpunkte liegen auf dem Biotop- und Artenschutz, der Geobotanik und der Landschaftsgeschichte.

 

 

 


Deutschland
Zum Buch im Shop

Das Gesicht Deutschlands

Unsere Landschaften und ihre Geschichte

Vom Trockenrasen zur Alm, vom Torfmoor zum Kiefernwald, von der Heide zur Ackerfläche: Heute zeigt sich unser Land als vielfältiges Mosaik unterschiedlichster Landschaften. Doch eines ist klar: Ohne menschliches Zutun wäre Deutschland weit überwiegend von Wald bedeckt. Denn all die Landschaften, die wir heute sehen, sind vom Menschen beeinflusst - auch wenn sie uns noch so natürlich erscheinen mögen.

In diesem reich bebilderten und verständlich geschriebenen Werk führt uns Bernd Seitz durch die Geschichte unserer Landschaften. Er zeigt uns, warum unsere Landschaften so aussehen, wie sie aussehen, und was sie dabei geprägt hat, er erklärt, wie, wann und warum der Mensch in die Natur eingegriffen hat, und macht deutlich, dass Naturschutz in erster Linie den Schutz und die Erhaltung historisch gewachsener Kulturlandschaften bedeutet.

Daneben bietet er Landschaftsgeschichte zum Anfassen und gibt viele Hinweise, wo wir die Geschichte unserer Landschaften vor Ort erleben können.


Europa
Zum Buch im Shop

Das Gesicht Europas

Die Vielfalt unserer Landschaften

Bezaubernde Wiesen, rauschende Flüsse und mystische Moore - der europäische Kontinent ist ein Mosaik unterschiedlichster Landschaften und ökologischer Nischen. Ob Lüneburger Heide oder spanische Wüste, die Natur Europas präsentiert sich unendlich reich und wunderschön.

Wie vielfältig das Gesicht unseres Kontinents ist, zeigt Bernd-Jürgen Seitz in einer Mischung aus Reiseführer, Bildband und populärem Sachbuch der Landschaftskunde. Von den Azoren bis zum Ural stellt er die verschiedenen Naturräume vor und beschreibt, wie natürliche und politische Grenzen, Geologie und Klima Europa formten und welche Rolle der Mensch dabei spielt.

 


Kommentare (1)

Ulrike Mack

Lieber Herr Seitz,
da haben Sie nun ja eine beispiellose Reise hinter sich. Trotz Corona konnte Sie anscheinend relativ ungehindert reisen. Wieviele Fotos haben Sie mitgebracht? Von Ihren Eindrücken ganz zu schweigen. Ich danke Ihnen für Ihre Einblicke in diese wunderbare Welt.


Please anmelden or sign up to comment.