Rationalismus im 21. Jahrhundert

Hendrik Fleischmann • 16 Januar 2022
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„Gott will, dass alle Menschen gerettet werden,

und zur völligen Erkenntnis der Wahrheit kommen“ (1. Timotheus 2:4)

I

Markus Gabriel wird immer wieder gerne damit zitiert, dass die Einsicht in objektive moralische Werte in der Philosophie seit jeher – abgesehen von „der Postmoderne“ – einen Konsens darstellt, der dem in der Mathematik analog ist, dass zwei plus zwei vier ergäbe. Das ist in mehrfacher Hinsicht eine bemerkenswerte Aussage. Erstens ist sie philosophiehistorisch grob, denn sie abstrahiert von allen faktischen Schattierungen; zweitens ist der Vergleich zur Mathematik mindestens irreführend, denn in der Arithmetik folgt die erwähnte Proposition aufgrund einer Menge von Axiomen – etwa (wie heute üblich) den Peano Axiomen oder einer mengentheoretischen Axiomatik wie in der altehrwürdigen Principia Mathematica (die diese „occasionaly useful proposition“[1] immerhin erst nach stolzen 379 Seiten zu beweisen schafft) –, welche naturgemäß vorausgesetzt werden müssen und nicht, wie philosophische Propositionen, etwa prominent nach Platons Auffassung, unbedingt gelten. Der ontologische Status mathematischer Propositionen ist immerhin ja auch eine philosophische Frage. Moralische Objektivisten wie Gabriel nehmen an, dass moralische Aussagen auf moralische Tatsachen referieren, welche als Wahrmacher fungieren; wie bei allen korrespondenztheoretischen Überlegungen, ist diese Bezugnahme hier natürlich erklärungsbedürftig. Moralische Intuistionisten nehmen deshalb zusätzlich an, dass moralische Subjekte über eine Art Sinn dafür verfügen, was moralisch gut oder schlecht ist; Gabriel sieht das, wie einem anderen Interview zu entnehmen ist, ähnlich einer Art meditativer Übung[2]. Die Wertvorstellungen verschiedener Völker, verschiedener Gemeinschaften, verschiedener Individuen und selbst die eines identischen Individuums innerhalb verschiedener Zeitpunkte unterscheiden sich oft beträchtlich; aus rein logischen Gründen kann aber nur ein Wert, da sich diese[3] material widersprechen, wahr sein. Glücklicherweise sind das nun gerade diese Werte, die Gabriel als die „universalen Werte für das 21. Jahrhundert“ bzw. universale Werte überhaupt erkannt hat: im Wesentlichen also die Werte der liberalen Demokratie. Zum Nachteil der Weltgeschichte, kommt erst unser Jahrhundert in den Genuss dieser frohen Kunde; hätten die Azteken schon von Gabriels immergültigen Wertekanon gewusst, hätten sie sich die Opferung von Menschen, etwa zu Ehren des Feuergottes Huehueteotl, wofür die Auserwählten im Übrigen lebendig verbrannt wurden, auch sparen können. Schließlich fällt der mutwillig zugefügte barbarische Feuertod aller Wahrscheinlichkeit nach in die Kategorie der „bösen“ Taten, also hat die moralische Eigenschaft, böse zu sein; ein Teil der Trinität des Gabrielschen Wertealphabets neben „neutral“ und „gut“. Nun wollen wir uns mit Gabriels Modell moralphilosophisch nicht weiter beschäftigen[4]; nur möchte ich es mir dennoch nicht nehmen lassen, auch noch rasch auf die politische Dimension einzugehen. John Stuart Mill wies schon damals, in der Auseinandersetzung mit dem Intuitionisten Sir Walter Hamilton (und folgendes gilt, denke ich, gleichsam für Intuitionismus überhaupt) auf die Gefahren einer Philosophie hin, „welche die Erklärung von Gefühlen und moralischen Tatsachen aus den Umständen und der Assoziation zu verhindern sucht und sie lieber als letzte Elemente der menschlichen Natur behandelt – einer Philosophie, welche geneigt ist, in Lieblingsdoktrinen intuitive Wahrheiten zu erkennen, die mit weit höherer Autorität sprechen als unsere Vernunft […] und diese Tendenz ist ein Haupthindernis für die rationale Behandlung sozialer Fragen, eines der stärksten Hindernisse für den menschlichen Fortschritt“[5]. In jedem Versuch einer Ontologisierung moralischer Tatsachen besteht, Kraft des notorisch kontigenten Charakters sittlicher Auffassungen, die Gefahr, eigenen Vorstellungen eine generöse ethische Superposition zuzuweisen. Mill zumindest hätten sich gewiss die Haare beim Gabrielschen Vorschlag aufgestellt, einen solchen verpflichtenden Ethik-Unterricht bereits im Grundschulalter ins staatliche Schulsystem zu implementieren[6].

Ich will einen Gegenvorschlag machen, der keinesfalls neu, aber im Kontext dieses Essays vielleicht  ausreichend ist. Die obigen Probleme haben einige Schwierigkeiten offenbart, mit denen moralische Objektivsten sich herumschlagen müssen. Ich bin nicht der Ansicht, dass moralische Tatsachen eine eigene ontologische Realität haben; das heißt aber nicht, dass moralische Aussagen per se subjektiv sind oder nur emotiven Charakter haben. Das Einzige, das im Kontext der Ethik Objektivität beanspruche kann, ist womöglich die performative Methodik ihrer Urteile, die Handlungen relativ als geboten auszeichnen kann. Prominent kommt das in John Stuart Mills Ethik zum Tragen, dessen Argument ich hier folgen werde[7]: Wir können induktiv darauf schließen, dass Menschen etwas begehren, wenn sie es wiederholt zu begehren scheinen. Nun scheinen beinahe alle Menschen letztlich auf gewisse Art und Weise – und zwar mindestens ihre eigene – Glückseligkeit anzustreben. Daraus kann man folgern, dass dieses Begehren ein Indikator für das Gute ist – genauso wie das Sehen eines Gegenstandes ein Indikator dafür ist, dass ein Gegenstand tatsächlich vor mir ist, wenn keine guten Gründe dagegen sprechen. Stellen wir uns nun zwei Welten vor, wobei in der einen Welt, eine Person mehr glücklich ist als in der zweiten Welt; ein göttliches Wesen würde nun, wenn es wählen müsste, welche der beiden Welten erschaffen werden soll – wir möchten voraussetzen, dass wir von allen anderen Faktoren abstrahieren –,wohl die Welt erschaffen, in der jene eine glückliche Person beheimatet ist: denn diese Welt  ist besser. Nun ist es aber nicht relevant, welche Person (ob ich oder mein Nachbar oder der Papst) glücklich sind, sodass die Welt insgesamt besser wäre; das heißt: Glückseligkeit ist ein allgemeines Gut – und wenn das gilt, dann ist es zu befürworten, dieses allgemeine Gut, also die allgemeine Glückseligkeit, zu befördern. Nun könnte man allerdings geltend machen, dass Menschen neben der eigenen Glückseligkeit auch andere Faktoren in ihren Handlungen berücksichtigen. Aristoteles etwa ist dagegen der Auffassung, dass jede Handlung zuletzt der eudaimonia dient, den nur diese ist es, die um ihrer selbst gewollt wird[8]; Mill argumentiert psychologischer, beispielhaft an dem Drang einiger Menschen, sich zu bereichern[9]: Ursprünglich diente Geld als Tauschmittel, um Waren von äquivalentem Wert zu erwerben, mit denen das eigene Glück (in welcher Hinsicht auch immer) befördert werden sollte. Mit der Zeit assoziierte man Geld an sich mit Glück, wodurch dessen eigentlicher Hintergrund verschwand. Angenommen, dass das auf alle Handlungen zuträfe, so würde aus allem schließlich folgen, dass die Vermehrung der eigenen und der allgemeinen Wohlfahrt das einzige Kriterium für die moralische Bewertung von Tatsachen darstellt. Anstatt handfeste moralische Tatsachen zu präsupponieren, genügt die ontologisch sparsamere Variante, die Wahrheit über die Folgebeziehung bestimmter Handlungen und ihren glücksfördernden oder glücksmindernden Konsequenzen anzunehmen.

Damit ist das Wesen der Glückseligkeit aber noch unterbestimmt geblieben; dessen Qualität ist aber ganz entscheidend. Angenommen, man hätte die Möglichkeit, sich in ein Schwein verwandeln zu lassen, mit der sicheren Aussicht, ein erfülltes Schweineleben zu führen. Würden Sie zustimmen? Wer zögert, zögert vielleicht deshalb: Die intellektuellen Fähigkeiten des Menschen erlauben ihm nicht nur den Zugang zu potenziell erfüllenden Tätigkeiten, die für Schweine unerreichbar bleiben, sondern sie ermöglichen auch, sinnliche Genüsse reflektierter und damit ungleich erfüllender wahrzunehmen, als sie nur auf sich hereinprasseln zu lassen[10]. Zweifellos können Schweine zufrieden sein, aber womöglich nur deshalb, weil sie eines höheren Sinns für Genuss gar nicht fähig sind und einen solchen auch nie kennen gelernt haben oder jemals hoffen kennenlernen zu können. Und zweifellos sind Menschen, aufgrund ihrer geistigen Kapazitäten, auch mehr und nicht zuletzt einer vielfach größeren Menge verschiedener Arten an Leid und Marter ausgesetzt; aber würde man darauf verzichten wollen, wenn man im Gegenzug der Eigenschaft verlustig ginge, dieses Leid prinzipiell überhaupt erst derart reflektiert empfinden zu können? Mill schließt: „Kein intelligenter Mensch möchte ein Narr, kein gebildeter Mensch ein Dummkopf, keiner, der feinfühlig und gewissenhaft ist, selbstsüchtig und niederträchtig sein – auch wenn sie überzeugt wären, dass der Narr, der Dummkopf oder der Schurke mit seinem Schicksal zufriedener ist als sie mit dem ihren“[11]. Und solange Menschen nicht Dritte in deren vernünftigen Eigeninteressen behindern, soll jeder – nach seinem Gutdünken – seine individuellen Eigenarten derart ausleben, sodass er ein erfülltes Leben führt[12].

Ich will, aufbauend auf dem, was wir oben entwickelt haben, dafür argumentieren, dass der Wahrheitssuche unter den menschlichen Werten eine überragende Rolle zukommt. Dafür gibt es mindestens drei Gründe. Erstens ist die Wahrheitssuche selbst eine intellektuelle Fähigkeit, die dem Menschen eigen und als solche prinzipiell anstrebenswert ist, wenn sie der eigenen Glückseligkeit dient und, bei entsprechender Begabung, einen veritablen Teil der eigenen Lebensführung auszufüllen vermag, was angesichts der Entfaltung jedermanns spezifischer Fähigkeiten nur zu befürworten ist. Dazu kommt die soziale Funktion der Wahrheit: Beinahe jeder intersubjektive Bereich des menschlichen Lebens ist darauf angewiesen, dass bestimmte Sätze als wahr zumindest angenommen werden und obgleich es wohl illusorisch wäre zu behaupten, dass das eine Bedingung für funktionierendes soziales Handeln darstellt, so ist es gewiss des heutigen Menschen kaum würdig, sich Ansichten zu unterwerfen, deren Wahrheitsgehalt prinzipiell nicht als beurteilbar vorausgesetzt wird, denn das „kann nicht offene, furchtlose Charaktere heranbilden, logisch unerschütterliche Geister, wie sie einst die denkende Welt zierten“[13]. Nicht nur erweisen sich wahre Meinungen auch in alltäglichen Kontexten ausgesprochen oft als sehr nützlich, etwa wenn man davon ausgeht, dass es objektiv wahr ist, dass bestimmte Pilzgattungen nicht ohne daraufhin folgendes körperliches Ableben genossen werden können, sondern die Entfaltung jedes menschlichen Lebens bedarf eines Rahmens, nach dem überhaupt feststellbar ist, inwieweit eigenes Handeln andere in ihrem Lebensvollzug beeinträchtigt oder nicht. Gibt es einen solchen Rahmen nicht – der im Übrigen auch politisches Handeln usw. erst kritisierbar macht[14] –, wäre das folglich der allgemeinen Glückseligkeit, aufgrund der allgemeinen Unberechenbarkeit, durchaus abträglich[15]. Und drittens hat sich die Suche nach Wahrheit, aus der die heutige Mannigfaltigkeit an technischen Gerätschaften erst resultieren konnte, als überaus nützlich erwiesen, menschliches Leid in einem enormen Ausmaß zu verringern; nie zuvor war der Mensch weniger ungeschützt den unzähmbaren Kräften der Natur ausgesetzt, die uns stets umgab und nie zuvor konnte menschliches Leben in so vielfacher Hinsicht derart vielgestaltig und frei gedeihen, wie in unserem Jahrhundert. Wir werden am Ende wieder darauf zurückkommen.

Es sei zuletzt erwähnt: Alle Argumente dieses Abschnittes sind empirischer Natur und hängen als solche stark von der Wahrheit ihrer empirischen Prämissen ab; und es ist keinesfalls klar, ob diese gegeben ist. Womöglich ist aber das noch die stärkste Möglichkeit, ethische Sätze zu begründen, ohne sich allzu sehr in höchst fraglichen theoretischen Gefilden zu verheddern. So oder so: Wir wollen ihre Geltung annehmen und uns folgend fragen, was sich daraus ergeben könnte.

II

Die systematisierte Suche nach Wahrheit ist wissenschaftliche Forschung. Wahrheit werde ich hier als logisch primitiven Term voraussetzen: Ich gehe davon aus, dass wahre Sätze (bzw. deren propositionaler Gehalt, siehe unten) mit Tatsachen korrespondieren, die vom Menschen prinzipiell unabhängig sind[16]: Veritas est adaequatio rei et intellectus (Thomas von Aquin). Auch nur dann lässt sich annehmen, sich „der Wahrheit“ – dann meist nomologisch verstanden – durch Wissenschaft in irgendeiner Art und Weise anzunähern. Den Rationalismus, den ich im Folgenden verteidigen möchte, hat wenig mit der begriffsgeschichtlichen Bedeutung gemein, in deren Sinne Leibniz, Descartes, Malebranche oder Spinoza als Rationalisten bezeichnet wurden; was man spätestens daran erkennt, dass der schon erwähnte J.S. Mill, der radikale Empirist, zeitlebens als der "Heilige des Rationalismus“ galt. Die rationalistische Maxime dieses Essays kommt pointiert in folgendem Diktum Russells zum Ausdruck: 

„It is undesirable to believe a proposition when there is no ground whatever for supposing ist true“[17]

Wir wollen das zuerst weiter differenzieren. Nehmen wir den Satz: „Alle Schwäne sind weiß“. Durch Beobachtung können wir feststellen, dass dieser Satz nicht zutrifft; denn in der Tat gibt es auch schwarze Schwäne (Cygnus atratus). Dennoch haben wir guten Grund anzunehmen, dass der Satz „Alle Schwäne sind entweder schwarz oder weiß“ der Wahrheit eher entspricht, als der Satz „Alle Schwäne sind Säugetiere“ – denn noch wurde kein Schwan gefunden, der die Eigenschaft hat, ein Säugetier zu sein, doch bedeutend mehr Schwäne, die entweder schwarz oder weiß sind (nämlich in der Tat die aktuelle Menge aller Schwäne). Wir können sagen, dass sich dieser Satz bisher induktiv bewährt hat; er wurde häufiger bestätigt, als sein Widerstreiter. Wir können folgern:

(1) Wenn ein Satz mehr Evidenz für sich beanspruchen kann, als ein Satz, der diesem widersprecht, so ist es rationaler, die Wahrheit des ersteren (vorerst) anzunehmen.

Niemand kann alle Schwäne zählen; und niemand hat die Zeit, ihre Farbe zu bestimmen. Wer sich der Wahrheit dieses Satzes versichern will, der ist gezwungen, entweder einen großen Teil seiner Zeit in Vogelkunde zu investieren oder Ornithologen und ihren Ergebnissen zu vertrauen, die freiwillig Vogelkunde betreiben. Im Falle weitaus komplexerer Sätze, ist die Möglichkeit einer Eigenprüfung, aufgrund mangelnder Fähigkeiten, Ressourcen etc., praktisch (wenn auch nicht theoretisch) ausgeschlossen; deshalb ist das Vertrauen in die betreffenden Experten notwendig – im Übrigen auch Wissenschaftler desselben Faches, da beinahe jede Wissenshaft heute derart ausdifferenziert ist, dass es aus praktischen Gründen nicht möglich ist, jedes ihrer Teilgebiete hinreichend zu beherrschen. Das Vertrauen in die eigene Vernunft bedarf in diesen Fällen einem vernünftigen Vertrauen derjenigen, welche in ihrem Gebiet wissenschaftliche Autorität beanspruchen können. Ein großer Teil der Produktivität heutiger Forschung ergibt sich aus ihrer Arbeitsteilung.

Es gibt Sätze, die logisch möglich sind – das heißt: sie widersprechen sich nicht intern – , aber von denen niemand annehmen würde, dass sie wahr wären: etwa, dass unsichtbare und unerkennbare Einhörner die Milchstraße umkreisen. Die Wahr- oder Falschheit solcher Sätze ist vernünftigerweise unentscheidbar; sie sind alle gleich wahrscheinlich, aufgrund dessen, dass es keinen positiven Grund zu ihrer Annahme gibt, doch sie prinzipiell wahr sein könnten. Bei Erfahrungstatsachen ist es logisch unmöglich, einen Negativbeweis zu führen; keiner kann (in einem hinreichend starken System) formal (und, aufgrund des Wesens der Induktion, schon gar nicht empirisch) nachweisen, dass keine unsichtbaren und unerkennbaren Einhörner existieren.

(2) Wenn die Wahrheit eines Satzes unentscheidbar ist, so ist es rational, sich eines Urteiles über dessen Wahrheitsgehalt zu enthalten.

Der Logische Empirismus scheiterte insbesondere auch daran, dass dessen Voraussetzungen für die Sinnhaftigkeit von Wörtern und Sätzen bedeutend zu knapp gefasst waren[18]; anderseits werden wir nicht umhinkommen, Regeln aufzustellen, denen eine wohlgeformter Satz genügen muss, denn: Die Bedeutung eines Satz ist seine Wahrheitsbedingung[19]. Das heißt: Nur dann ist ein sprachlicher Ausdruck etwas, dessen Wahr- oder Falschheit sinnvoll beurteilt werden kann. Dann kann man von einer Proposition sprechen – und von ihrem propositionalen Gehalt, der wahrheitsfähig ist. Da hierüber große Uneinigkeit herrscht, soll uns folgende grobe Bedingung ausreichen:

Ein Satz ist dann und nur dann wohlgeformt, wenn ein Unterschied daraus folgt, ob er oder dessen Negation wahr ist[20].

Flew drückt sich wie folgt aus: „Wenn daher eine vermeintliche Behauptung nichts verneint, dann behauptet sie auch nichts: Und damit ist sie in Wirklichkeit gar keine Behauptung“[21]. Ich denke, dass alles, was wir zu wissen beanspruchen können, mindestens entweder von Maxime (1) oder (2) erfüllt werden muss. Die Gültigkeit der obigen Maximen selbst zu „beweisen“ ist schwierig; zumindest auf der Metaebene kann man aber festhalten, dass sie sich in der Gewinnung von wissenschaftlichem Wissen seit John Locke in einem großen Ausmaß bewährt haben; ganz im Gegensatz zu anderen Methoden der „Wissensgewinnung“[22]. Entscheidend hierbei: Emotionen oder verwandte Phänomene mögen uns dazu leiten, manche Propositionen als wohltuender zu bewerten als eine ihrer Negationen; nur sind diese, aufgrund ihrer mangelnden intersubjektiven Gültigkeit, nicht beweisfähig, da sie nicht überprüfbar usw. sind. Man mag deshalb zusammenfand sagen: „Whatever knowledge is attainable, must be attained by scientific methods; and what science cannot discover, mankind cannot know“[23].

Die zureichenden Belege bzw. Indizien, von denen Russell oben spricht, dürfen nicht zu eng gefasst werden. Erstens ist „empirisch“ nicht mit „beobachtbar“ identisch: Innerhalb des prinzipiell Empirischen gibt es Entitäten, für deren Annahme gute Gründe sprechen (etwa deren Wirkung auf beobachtbare Systeme), die aber selbst nicht beobachtbar sind – etwa das unbeobachtbare Teil des Universums, dessen Existenz vernünftigerweise angenommen werden kann. Zweitens gibt es Propositionen, die an sich nicht empirisch, sondern (wie ich denke) apriorisch sind: etwa mathematische und logische Propositionen. Drittens hat die Philosophie hier – als nicht-empirische Wissenschaft – eine entscheidende, und zwar in sich eine (mindestens) zweifache Rolle: Erstens ist Philosophie hinreichende Bedingung für jede empirische Forschung im Sinne eines ontologischen, epistemologischen und wissenschaftstheoretischen Rahmens, in dem Evidenz erst auf ihre Geltungslogik hin begründet werden kann; denn naturgemäß kann man Empirie nicht wiederum selbst empirisch rechtfertigen. In Gefilden, welche prinzipiell empirischem Zugriff unterliegen und mag dieser gegenwärtig auch noch nur zukünftig sein – was ein Großteil der Arbeitsgebiete sein dürften, welche Philosophen seit Uhrzeiten beackert haben; das hat auch die bisherige Wissenschaftsgeschichte umfassend bestätigt –, kann Philosophie richtungsweisend wirken, solange empirische Daten noch zu grob oder zu vieldeutig sind, um damit eine wesentliche explanatorische Funktion ausüben zu können. Der Unterschied zwischen Philosophie und Wissenschaft ist dann in diesem Kontext nur ein gradueller – Beispiele mögen die kosmologische Eschatologie[24] oder Teile der Philosophie des Geistes sein. Ich halte es – um ein Beispiel zu nennen – für einen Aberglauben der Philosophen, dass etwa das Bewusstsein nicht letztlich nur durch physikalische Prozesse erklärt werden; doch gegenwärtig ist die Neurowissenschaft, trotz beträchtlicher Erfolge insbesondere in den vergangen zwei Jahrhunderten, noch kaum bereit, eine umfassende Theorie für die Entstehung des Bewusstseins zu liefern, weshalb philosophische Modelle, gegenwärtig (zumindest in mancher Hinsicht) in ihren theoretischen Anwendungsmöglichkeiten überlegen bleiben. Das ist übrigens keine Bemerkung, die sich rein auf die Rechtfertigbarkeit von Philosophie bezieht: Auch in der klinischen Psychologie werden neurologische Ergebnisse immer bedeutender, doch man ist weit davon entfernt, wirkliche materielle Korrelate im Gehirn von psychisch Erkrankten festzumachen, die in Verbindung zu ihrer Erkrankung stehen – bei vielen Störungen existieren Ansätze, doch noch erweist sich  der psychologische Zugriff als immer noch besser geeignet: sowohl theoretisch, wie praktisch.

Die Umsetzung dieser Maximen, als gelebte intellektuelle Redlichkeit würde unser Leben revolutionieren[25]; noch – und insbesondere auch – heute. Ein beträchtlicher Teil der alltäglichen Lebensbereiche wäre davon betroffen; einige seien im Folgenden angerissen. Die Applikation auf die gegenwärtige (Stand: Januar 2022) Corona-Situation ist dem Leser überlassen, da ich annehme, dass die Argumente alle hinlänglich bekannt sein dürften und es kaum sinnvoll ist, sie hier nochmals aufzurollen.

(1) Das betrifft erstens das Schulsystem. Sowohl dessen Struktur (die Aufteilung der Schulen in Förderschulen und Regelschulen, die nicht nur gegen die UN-Behindertenrechtskonvention von 2011, sondern auch gegen jede Erkenntnis verstößt, dass Kinder mit psychischen oder körperlichen Einschränkungen in einem Umfeld mit „begabteren“ Schülern, bedeutend besser lernen) als auch dessen Form: Der einseitige Fokus auf Wissensvermittlung deckt kaum das ab, was der heutigen Zeit und ihren Herausforderungen angemessen ist.

(2) Das betrifft das wirtschaftliche System. Durch digitale Technik – die mittlerweile, durch die flächendeckende Verfügbarkeit von Smartphones und verwandten Geräten, ubiquitär geworden ist – sind dezentralisierte, demokratisierte Arbeitsstätten denkbar, die nach Maßgabe der tatsächlichen Nachfrage produzieren, welche digital ermittelt wird. Ein solches System könnte möglicherweise mit der Effektivität mithalten, die der Signalwirkung des Preisniveaus in einem marktwirtschaftlichen System gleichkommt und dennoch nicht die lähmende und freiheitsberaubende Wirkung haben, wie die Planwirtschaften des sogenannten „Realsozialismus“. Das Scheitern des Profitmotives, die dem Kapitalismus inhärente Neigung zu Monopolisierung und zur Krisenbildung, hat sich insbesondere auch wieder in der jüngeren Zeit bestätigt; die Dringlichkeit des Klimawandels und die manifeste Unfähigkeit des Kapitalismus, mit diesem rational umzugehen, dürfte drastische Schritte in dieser Hinsicht noch notwendiger werden lassen, angesichts der drohenden totalen Vernichtung des menschlichen Lebens innerhalb der folgenden Jahrhunderte. Und auch der Wissenschaftsbetrieb wäre davon direkt betroffen.

(3) Das betrifft spirituelle Auffassungen jeder Couleur: Es gibt keine Gründe, das Weiterleben und/oder die Unsterblichkeit der Seele anzunehmen: weder in ihrer personalen (Platon, Augustinus, Descartes usw.) noch in ihrer a-personalen Form (Aristoteles, Kant, Jaspers usw.). All die bisherige Forschung weist darauf hin, dass Gehirnvorgänge fundamental an ein Substrat – gegenwärtig das Gehirn, obgleich es denkbar ist, dass andere Materialitäten womöglich hinreichend für ein Bewusstsein sein könnten (Mind Uploading) – gebunden sind. Wenn zukünftige Forschung hier zu anderen Ergebnissen kommen mag, was unwahrscheinlich aber – wie gesagt – prinzipiell nicht unmöglich ist, so ist diese Sachlage freilich eine andere; allerdings ist es eher unwahrscheinlich, dass sich die unsterbliche Seele so lange vor den Wissenschaftlern hätte verstecken können.  Es ist folglich irrational anzunehmen, nach dem Tode in ein wie auch immer geartetes Himmelreich aufzusteigen oder in einem neuem (menschlichen oder nichtmenschlichen) Körper wieder geboren zu werden; weitaus wahrscheinlicher ist, dass das Bewusstsein – wie jede andere emergente Funktion des Körpers (seltsamerweise hat sich nach meinem Wissen bisher niemand ein unendliches Weiterleben der Verdauungstätigkeit gewünscht) – nach dem Versagen aller vegetativen Funktionen erlischt und nicht mehr von uns übrig bleibt, als leblose Materie, welche sich Stück für Stück zersetzt. Analog gibt es keine rationalen Gründe an Astrologie, das Eingreifen oder überhaupt die Existenz von Schutzengeln oder verwandten übernatürlichen Gattungen, die Wirksamkeit von Homöopathie, bestimmten Steinen mit entsprechender „energetischer“ Beladung, „Wunderheilern“ oder Artefakten, jenseits des Placebo Effektes, der richterlichen Funktion des Karmas als universales Weltprinzip und der entsprechenden Vorherbestimmtheit aller Prozesse (was im Übrigen logisch daraus folgt) etc. zu glauben.

(4) Und letzten Endes betrifft das insbesondere auch den Glauben an (den einen) Gott. Zurecht werden die Kirchen heute kritisiert; angesichts des furchtbaren Leids, dass sie der Menschheit auferlegt haben und noch immer tun, ist das gewiss auch zu befürworten. Allerdings darf man hier nicht steckenbleiben. Auch wenn Glaube gewiss immer weniger institutionalisiert betrieben wird, beschreibt sich ein großer Anteil der deutschen Bundesbürger noch (von spirituellen Ansichten abgesehen, derer wir uns gerade gewidmet haben) immer noch als religiös, weshalb wir – angesichts der enormen Bedeutung, die Religiosität spielen kann – nicht umhinkommen, auch hier eine rationale Prüfung zu versuchen.

Es gibt mindestens drei Möglichkeiten, in welcher Form religiöse Sätze vertreten werden können. Erstens derart, dass sie überhaupt keine Propositionen in einem strengen Sinne sind; ihre Verhandlung ist einer rationalen Diskussion nicht zugänglich, was möglicherweise auch gerade der Sinn ist. Küng schreibt: „Schon dieses vertrauende Sich-Einlassen auf einen letzten Grund, Halt und Sinn der Wirklichkeit – und nicht erst das Sich-Einlassen auf den christlichen Gott – wird im allgemeinen  Sprachgebrauch zu Recht als ‚Glauben‘ an Gott bezeichnet: als ‚Gottesglaube‘“[26]. Insofern der „letzte Grund“ keine Metapher ist – und das zu entscheiden will ich mir nicht anmaßen – so bleibt uns Küng einen positiven Beweis für diesen letzten Grund und Sinn alles Strebens schuldig (siehe unten); insofern diese Aussage jedoch nicht wörtlich zu verstehen ist, dann stellt diese Rede von Gott eine semantische Verschiebung dar, die keinen zusätzlichen Gehalt hat. Solche Verschiebungen scheinen sich heute größerer Beliebtheit zu erfreuen. Man kann auch Gott mit der Tätigkeit des Staubsaugens identifizieren; ändert sich damit irgendwas daran, dass Menschen staubsaugen? Oder würden Menschen auch dann noch staubsaugen, wenn sie damit keinen Gottesdienst betreiben würden?

In der Tat ist das auch nicht die Art und Weise, wie christliche Theologen und Philosophen den Großteil bis vor wenigen Jahrzehnten (im Falle der Katholischen Kirche) bzw. wenigen Jahrhunderten (im Falle der protestantischen Strömungen) über Gott und religiöse Propositionen sprachen. Maria war noch tatsächlich Jungfrau; der Garten Eden, das Paradies und die Hölle existieren alle (gewissermaßen) raumzeitlich konkret; Josua hatte wirklich die Sonne stillstehen lassen (Josua 10,13); Jesus war tatsächlich nach drei Tagen von den Toten wieder auferstanden und hatte wahrhaftige Wunder bewirkt: Tote erweckt, Besessene geheilt, Blinde sehen und Gelähmte wieder gehen lassen; Gott existierte als Entität, dessen Wesen durch philosophische Argumente zumindest stützbar wäre, auch wenn (wie z.B. bei Thomas von Aquin) die Offenbarung die höherwertige Quelle blieb: „Gottes Weisheit habe es so eingerichtet, dass sie den Menschen die Wahrheit ihrer Lehre mit passenden Argumente beweise“[27]; Gott hatte das Universum ex nihilo erschaffen (creatio), erhielt es im Sein (conservatio) und war als Primärverursacher (in der Spätscholastik und teilweise noch in der frühen Neuzeit) bei jeder Handlung zugegen (concursus divinus); und Jesus, der Sohn Gottes und der zweite Teil in dessen Dreifaltigkeit, würde wiederkehren um die Lebendigen und die Toten zu richten. Die christlichen religiösen Lehrmeinungen beanspruchten Wahrheit in einem handfesten Sinne: Nisi solus colatur, iste non colitur (Augustinus). Es war dieser Anspruch auf letztgültige Wahrheit (natürlich verbunden mit den konkreten sozialen und kulturellen Kontexten), der sich für viele Menschen äußerst negativ auswirken sollte. In den Kreuzzügen starben hunderttausende Menschen; unzählige „Hexen“ wurden verbrannt – „Eine Hexe sollst du nicht am Leben lassen“ (Exodus 22, 17) –, Häretiker und Kritiker gefoltert, gemartert, getötet; über Jahrhunderte lang blockierte die Kirche wissenschaftlichen Fortschritt: den Heliozentrismus, die Evolutionslehre, den Blutkreislauf usw. und sah sich berufen, derartige Vorstellungen aus der Welt zu schaffen. Die katholische Kirche rechtfertigte außerdem den Sklavenhandel, verdammte den Sozialismus, kooperierte mit dem Faschisten Franco bis zu dessen Ableben und bekräftigte mit der Humanae vitae vor einigen Jahrzehnten noch das Verbot von „unnatürlichen“ Verhütungsmitteln. Diese Liste ließe sich noch lange fortführen.

Mit der Zeit verloren die Theologen mehr und mehr ihrer Argumente. Nirgendswo in der beobachtbaren Welt fand sich ein Himmel oder eine Hölle oder ein Garten Eden; die historisch-kritische Methode der Bibelauslegung machte der Kirche ihr Monopol der wahrhaftigen Exegese strittig und meldete Zweifel an historischen Überprüfbarkeit der elementarsten Glaubenssätze an (woraufhin Papst Leo XIII. noch 1902 die „Bibelkommission“ gründete, um ihre Wahrheiten vor dem Zugriff der Skeptiker zu bewahren[28]); die Biologen entdeckten Prozesse, die einen Eingriff Gottes in die Entwicklung der Arten bis hin zum Menschen nicht mehr notwendig machten; das Alter der Erde schien, so zeigte es zuerst die Geologie, bedeutend größer zu sein, als es die Theologen behauptet hatten; die Astronomen raubten zuerst die zentrale Stellung der Erde in unserer Galaxie, dann die zentrale Stellung unserer Galaxie im Universum; und spätestens seit Immanuel Kants Kritik der dogmatischen Metaphysik waren (zumindest für protestantische Theologen) auch die klassischen Gottesbeweise (der kosmologische, der ontologisch und der teleologische Gottesbeweis) dahin. Insofern religiöse Propositionen als wahrheitsfähig und als faktisch wahr angesehen werden, wie es im Falle der christlichen Religion den überwältigenden Teil ihres Bestehens nun mal Sitte gewesen ist, so muss man konstatieren, dass die Wissenschaften und die wissenschaftliche Methode den Streit um die Wahrheit bisher überragend gewonnen haben.

Aufgrund der betrüblichen Aussicht auf den Nachweis der Wahrheit Gottes in der Außenwelt, wandten sich Theologen anderen Strategien zu. Eine verlockende Möglichkeit ist es, Gott als unerkennbar und rational nicht zugänglich, aber doch als erlebbar in der Innerlichkeit zu definieren. Wieder Küng: „Die Wirklichkeit Gottes aber wäre auch gar nicht Gottes Wirklichkeit, wenn sie so sichtbar, greifbar, empirisch konstatierbar, wenn sie experimentell verifizierbar oder mathematisch-logisch deduzierbar wäre“[29]. Hier liegt ein Satz vor, dessen Wahr- oder Falschheit prinzipiell beurteilbar ist. Anders als die obigen Propositionen, ist sie aber weder verifizierbar noch falsifizierbar; ihre Wahrheit ist nicht entscheidbar. Das heißt aber nicht, dass es deshalb sinnvoll wäre, ihre Wahrheit anzunehmen (etwa aufgrund des „Vertrauens auf Gott“ – müsste Gott, von allen anderen logischen Defekten mal abgesehen[30], dafür nicht vorher bereits existieren?). Insofern eine Proposition so zurechtgestutzt ist, dass sie nicht mit positivem Wissen in Konflikt kommen kann (das würde dann im Übrigen auch heißen, dass Gott nicht mehr mit der „materiellen Welt“ kausal interagieren könnte, dann das würde den Energieerhaltungssätzen widersprechen) und logisch mit ihm verträglich ist, kann sie alles behaupten, was an sich logisch möglich ist. Auch die Existenz des Zeus ist, hinreichend bearbeitet, derart möglich; die des Jupiters, des Mot, des Ba’al, des Abpua, des Buluc-Ahau, des Hel usw. Es spricht an sich nichts dagegen, eine ontologische Seins-Ebene einzuführen, in der solche Wesenheiten beheimatet sind[31]. Küng hat recht damit, dass niemand die Nichtexistenz Gottes beweisen kann; das haben wir ja schon oben festgestellt. Allerdings kann Küng auch den Gott, der ihm hier jetzt noch übriggeblieben ist (wenn es ihn gäbe, ein äußerst schwaches Wesen) auch nicht als wahrscheinlicher ausweisen, als die Existenz des Weihnachtsmannes – da allerdings Küng kaum an den Weihnachtsmann geglaubt haben dürfte (wäre das nicht häretisch?), scheint ihm das entgangen zu sein. Man möchte mit Freud fragen: „Soll ich verpflichtet werden, jede Absurdität zu glauben? Und wenn nicht, warum gerade diese?“[32]. Solange es keinen positiven Beweis für die Existenz von etwas Unerkennbarem gibt, ist es – gemäß unserer Maxime (2) – rational, sich eines Urteiles über dessen Existenz zu enthalten und sie so lange nicht anzunehmen, bis nichts dafür spricht. Gerade in Kontexten, in denen man sich im Besonderen wünscht, dass sie wahr wären, wie es für eine so große Zahl der Menschen bei der Gottesthematik der Fall ist[33].

Aus dem Gesagten folgt, dass es keine rationalen Gründe gibt, die Existenz des christlichen (oder irgendeines anderen) Gottes anzunehmen und damit, da jeder Bestandteil des Credo davon betroffen ist, auch nicht, Christ zu sein. Von allen logischen Argumenten gegen die Existenz insbesondere des christlichen Gottes – etwa, dass ein dreifaltiges Wesen nicht dem Satz der Identität entsprechen kann[34], Gottes Eigenschaften in ihrer klassischen Form logisch unverträglich sind[35] und es keine rationale Lösung für das Theodizeeproblem gibt, wenn man nicht bedeutenden Prämissen so stark aufweicht, dass aus ihnen alles gefolgert werden kann[36] etc. – wollen wir gar nicht erst beginnen: Prorsus credibile est, quia ineptum est. Wenn es Gott gibt, so hat er offenbar nicht sonderlich darauf geachtet, seine Botschaft logisch kohärent in diese Welt zu bringen.

Oft hört man, dass es doch letztlich nur darauf ankäme, ob der Gottesglaube einem Menschen darin hilft, in seinem Leben zurechtzukommen und sich wohlzufühlen. Darauf möchte ich zweierlei erwidern: Erstens denke ich nicht, dass eine religiöse Person damit zufrieden wäre, ihren Glauben nur aufgrund von Nützlichkeitserwägungen als wahr anzunehmen – er soll tatsächlich, in welcher Weise auch immer, wahr sein. Außerdem würde Gott jene, die aufgrund gewissermaßen spieltheoretischer Gründe an ihn glaubten, wohl noch mit größter Freude in die Hölle werfen, wie William James gegenüber Pascal Wette anmerkte. Zweitens wäre es, ohne jeden Zweifel, despotisch Menschen vorzuschreiben, an was sie glauben dürften und an was nicht (insofern das überhaupt möglich ist); aber das heißt nicht, dass es deshalb auch ethisch angeraten ist, alles zu glauben, was man möchte. Ich denke, dass das Gegenteil der Fall ist. Es ist hier von entscheidender Wichtigkeit, sich klarzumachen, dass der Glaube an Gott, an Jehova, an Allah, an Feen und Elfen, an Geister und Hexen, an die unbedingte Wahrheit der Arbeitswertlehre, an einen fliegenden, beleibten und bärtigen Mann, der auf einem Schlitten um die Welt kreist und am Nordpol wohnt, an Menschen, die im Erdinneren hausen, an Osiris und Anubis, oder auch nur (wie heute weit verbreitet) daran, dass es zwar nicht den Gott der Bibel, aber doch „irgendwas“ gäbe, das dem Menschen prinzipiell unerkannt bliebe etc. alle die selbe logische Form haben: Sie alle bestimmen eine Proposition als wahr, wobei sie gegen mindestens eine der beiden obigen Maximen verstoßen. Nehmen wir an, ich besäße einen älteren grünen Kleinwagen mit einer auffälligen Beule im Heck. Eines Tages ist der Wagen verschwunden – er wurde wohl gestohlen. Ich bin untröstlich. Einige Wochen später sehe ich einen grünen Kleinwagen – offenbar bereits älter – mit einer Beule, die genau an derselben Stelle ist, wie bei meinem vermissten Fahrzeug und der ihm auch sonst bis auf das letzte Atom zu gleichen scheint, vor einem Haus am anderen Ende der Stadt herumstehen. Ich kann nicht direkt beweisen, dass es sich um mein Fahrzeug handelt; noch kann ich die Möglichkeit ausschließen, dass ein exaktes Duplikat aufgrund eines Wunders wortwörtlich vom Himmel gefallen ist. Was würden Sie mir raten? Und falls sie mir raten würden, den wahrscheinlichen Schluss zu ziehen, dass es sich in der Tat um mein Auto handelt: Warum soll ich nun gerade hier (nur) der Evidenz zu vertrauen und nicht dann, wenn die Annahme Gottes auf dem Spiel steht? Ich sehe keinen Grund, meinen Gefühlen in dem einen Falle mehr Gewicht zu geben als im anderen; die allgemeine Nützlichkeit der Wahrheit überwiegt die privaten Freuden meiner Leugnung. Es ist niemals rational, sich vor den Beweisen zu verschließen. Eine solche Auffassung ist die eines Feiglings, welcher der Wahrheit nicht ins Auge blicken möchte[37]. Und zwar in ausnahmslos jedem Falle.

III

Am Anfang war (vermutlich) das supersymmetrische Vakuum. Aufgrund seiner Instabilität zerfiel es, virtuelle Teilchen materialisierten sich (womöglich Kraft des quantenphysikalischen Tunneleffekts) und es „folgte“ der sogenannte Urknall, die Anfangssingularität. Aufgrund der extremen Raumkrümmung, „begann“ erst jetzt die Zeit – nach der Quarkära, der Hadronenära, der Leptonenära entstanden die leichtesten Elemente: Wasserstoff, Helium, womöglich Bor und Lithiumisotope. Etwa 70 000 Jahre später: Die Strahlungsära. Hier entkoppelten sich Strahlung und Materie, die ersten Helium und Wasserstoffatome bildeten sich, die Materie kühlte sich immer beständiger ab, wodurch sie auch immer mehr der Gravitation unterworfen war, und die Stern- und Galaxienbildung setzte ein. Durch Kernfusion bildete sich Kohlenstoff, Sauerstoff und Eisen, Uran usw. Irgendwann – nach zwei Vorgängersonnen – war unsere Sonne geboren; nach einiger Zeit entstand Leben auf dem Gesteinsklumpen, der wohl von einer der Vorgängersonnen abgesprengt worden war: der Erde. Zuerst in den Tiefen der Ozeane, später auf dem Land. Vor ca. 300 000 Jahren resultierten aus dem Selektionsdruck, der unzählige Generationen geformt hat, der Homo sapiens; heute beherrschen die Menschen die ganze Welt, doch in kosmischer Perspektive sind sie unfassbar unbedeutend. Im beobachtbaren Universum gibt es ca. eine Billion Galaxien, 70 Trilliarden Sterne und eine noch weit größere, kaum seriös berechenbare Menge an Planeten. Der Platz des Menschen ist in keinster Weise ausgezeichnet, die menschliche Perspektive ist nicht bedeutender als jede andere; methodologisch ist das als das „Kosmologische Prinzip“ verankert. Das Universum ist vermutlich unendlich groß; der Mensch unendlich verschwindend in der Mannigfaltigkeit an Dingen, die jenseits jedes Zugriffes liegen. Wir werden umgeben von einer beinahe umfassenden Leere.

Es ist noch nicht sicher, wie das Universum enden wird. Aus dem zweiten Hauptsatz der Thermodynamik folgt, dass die Entropie eines abgeschlossenen Systems niemals ab- sondern nur zunehmen kann. Auf das Universum im Gesamten angewendet, bedeutet das (von der Gravitationsentropie abgesehen und angenommen, dass das Universum ein thermodynamisch abgeschlossenes System ist[38]), dass die Langzeitentwicklung hin zu einem Zustand führt, in dem sich, wegen der immer größeren Entropie, die Temperatur dem absoluten Nullpunkt immer weiter annähert und jede Möglichkeit der komplexen Strukturbildung mehr und mehr verunmöglicht wird, bis unausweichlich irgendwann eine unendliche und unbelebte Ödnis folgt[39]. Natürlich könnte der Mensch, wie die meisten Tierarten, die irgendwann auf der Erde wandelten, auch vorher schon längst ausgestorben sein; das ist in der Tat auch sehr wahrscheinlich.

Wie auch immer man es drehen und wenden mag: Alles Leben, das im Universum geherrscht hat (wie womöglich auf dem Mars oder auf den Jupitermonden), herrscht oder herrschen wird, ist mit an Sicherheit angrenzender Wahrscheinlichkeit notwendigerweise vergänglich. Es gibt keinen vernünftigen Grund, irgendeinen versteckten objektiven Sinn anzunehmen. Jeder Heroismus, jede Auflehnung gegen die kosmische Sinnlosigkeit ist von keinem Nutzen. Alles, was jemals passiert ist, die Geschichte aller Völker und Kulturen, jede Sprache und jede Entdeckung, jeder Gedanke und jedes Gefühl, jeder Lebensschritt und jede Entscheidung und alles was noch kommen mag – alles wird der Zerstörung anheimfallen, alles wird vergessen werden, alles zerfällt, wird vernichtet und zermalmt von der sich immer weiter und weiter wälzenden Materie, und zwar unwiderruflich, ohne jede kühne Hoffnung auf Errettung, auf Unsterblichkeit oder Erlösung, ohne die Wärme eines kommenden Paradieses. Unsere gesamte materielle Realität ist nicht daraufhin ausgerichtet – weil sie auf Garnichts ausgerichtet ist –, auch nur irgendwie unseren Wünschen, Träumen oder Bedürfnissen zu entsprechen: „Aus der großen Nacht da draußen bricht ein eisiger Windhauch in unser Refugium; die ganze Einsamkeit des Menschen inmitten feindlicher Gewalten konzentriert sich auf die Seele des Einzelnen, der mit all dem Mute, der ihm zu Gebote steht, allein gegen das ganze Gewicht des Universums ankämpfen muss, das seinen Hoffnungen und Ängsten gegenüber gleichgültig bleibt“[40]. Alles Leben endet. Jedes Herz wird gebrochen.

Was könnte es in dieser Lage Erhabeneres geben, als sich den ewigen Wahrheiten hinzugeben, zwischen denen wir uns wiederfinden? Wissenschaftliche Erkenntnisse gelten überall gleich; ob in einem Dorf in Indonesien oder in einer westlichen Großstadt. Im Geist sind wir alle frei: frei von den materiellen und sozialen Umständen, die uns quälen und beherrschen, vom ewig „wiederkehrenden Zyklus von Tod und Geburt“[41], der uns hervorbrachte und schließlich wieder aufnehmen wird; frei von niederen Emotionen und den kontingenten, immer wechselnden und niemals endenden Begehrungen des Körpers, von denen wir unentwegt mal hier mal dorthin, mal an den Rande der Verzweiflung und mal an die metaphorische Grenze zum Himmel geschubst werden; frei letztlich von uns selbst: innerhalb der ungetrübten Vernunft sind wir nicht auf uns, auf unsere kleine Existenz als vereinzelte Primaten zurückgeworfen, sondern alle gleich, alle vereint im unpersönlichen Aufstieg in den schimmernden, ewigen Kosmos der Tatsachen. Wie der junge Russell schreibt: „[I]n der Welt der reinen Vernunft aber gibt es keine Kompromisse, keine praktischen Unmöglichkeiten, keine Schranken für die schöpferische Aktivität, in deren großartigen Gedankengebäuden sich das leidenschaftliche Streben nach Vollkommenheit manifestiert [….] Abseits vom Drang der menschlichen Begierden und abseits von all diesen erbärmlichen Naturtatsachen ist hier über Generationen hinweg ein wohlgeordneter Kosmos geschaffen worden, in dem das reine Denken sich zuhause fühlt“[42]. Die Suche nach Wahrheit vermag ein ganzes Menschenherz auszufüllen.

Und was könnten wir mehr tun, als unser Leben dadurch angenehmer zu gestalten, dass wir die Natur, zu der auch wir gehören und der unsere Vorfahren so hilflos ausgeliefert blieben, Stück für Stück wissenschaftlich beherrschbar machen? Die Rationalisten mögen die Welt entzaubert haben; aber gewiss haben sie aus ihr auch eine bessere gemacht. Ich kann nur einige Beispiele nennen. Die moderne Medizin hat den Körper Stück für Stück entschlüsselt: kein Mensch muss heute mehr an den Pocken oder an Tuberkulose, aufgrund versagender Organe, aufgrund von Verblutung oder der, wegen der Unkenntnis der Blutgruppen, fehlerhaften Behandlung von selbiger usw. sterben, muss wegen fehlender Betäubung fürchterliche Qualen durchstehen, muss von den Methoden der Quacksalber und Wunderheiler ein kurzes Leben lang geschädigt bleiben. Innerhalb von 140 Jahren hat sich die Lebenserwartung in Deutschland beinahe verdoppelt, die Kindersterblichkeit sank auf unter 1% - noch vor zwei Jahrhunderten war dieser Anteil 40-mal so groß. Heute sind Frauen den Männern in der westlichen Welt zumindest rechtlich gleichgestellt; erst vor hundert Jahren erhielten sie das Wahlrecht und in einer Zeit, die noch nicht lange vergangen ist, waren sie zu einer sklavischen Existenz im Haushalt ihrer männlichen Despoten verdammt, aufgrund dessen, dass man sie dazu von Natur aus als bestimmt ansah. Die psychologische Forschung hat geistige Krankheiten als das erkannt, was sie sind: Erkrankungen des menschlichen Gehirns – und keine dämonischen Okkupationen, denen man durch eine Teufelsaustreibung Herr werden könnte. Schizophrene können heute oft ein vergleichsweise normales Leben führen; bis vor einigen Jahrzehnten, brachten sie oft ihr ganzes Leben in Nervenheilanstalten zu, ohne jemals wieder zu annähernder geistiger Klarheit gekommen zu sein. Die moderne Justiz fällt Urteile, zumindest im besten Falle, auf Basis überprüfbarer Regeln, was ihr die erbarmungslose Willkür früherer Zeiten genommen hat. Gleiches gilt für den Strafvollzug, in welchem Gefangene (überwiegend) nicht mehr wie wilde Tiere behandelt werden. Niemand glaubt heute mehr, dass Endemien die Folge von Sternkonstellationen oder eine Strafe übermächtiger Götter sind; niemand opfert mehr Menschen oder Tiere, um magische Wesen zu beruhigen; niemand ermordet heute noch „Hexen“, da sie eine Mitschuld an den misslichen Lebensumständen tragen sollen. Der Mensch hat sich als fähig erwiesen, sich seiner Umwelt Stück für Stück zu ermächtigen; und es nicht abzusehen, dass der noch kommende Fortschritt begrenzt sein könnte. Doch jeder Fortschritt beginnt erst beim Individuum. „Der Welt etwas offenbaren, was sie im tiefsten berührt und was ihr bis dahin noch unbekannt war, ihr beweisen, dass sie im Irrtum über einen lebenswichtigen Punkt von weltlichem oder geistlichem Interesse war, ist der wichtigste Dienst, den ein Mensch seinen Mitmenschen leisten kann“[43].

Eine wie oben beschriebene Rationalisierung der Lebensverhältnisse darf keinesfalls durch staatlichen oder anderweitigen Zwang erreicht werden; im Gegenteil droht dann – wie ich denke – die Dystopie einer totalitären, wissenschaftlichen Technokratie nur noch bedeutend mehr. Rationalität in diesem Sinne ist genauso Anschauung wie Lebensform; nur durch einen Wechsel in der Moralität und Mentalität der Menschen – das heißt: in der fortwährenden Kultivierung einer wissenschaftlichen Weltauffassung im beschriebenen Sinn –, lässt sich auch genuiner Fortschritt in ihren Verhältnissen erzielen. Ich denke nicht, dass das nur verschiedene Seiten derselben Medaille sind, wie wohl Marx annahm. Eine rationale Sicht auf die Dinge entsteht bei jedem Einzelnen und sollte auch schon in der Erziehung bei den Kleinsten beginnen, welche ohne einen Hang dazu aufwachsen sollen, in diesen Fragen ihren Affekten und Wünschen mehr zu vertrauen als ihrer Vernunft.

Mögen die kommenden Generationen ohne den Schrecken der Götter dieser Welt aufwachsen: ohne der Verzweiflung an der eigenen unvermeidlichen doch nur vermeintlichen Sündhaftigkeit, ohne die Qualen an der Furcht vor den ewigen Höllenfeuern, welche sie bestialisch martern sollen, ohne den beständigen Terror von Regeln, Gesetzen und Sitten, die von den primitiven und unterwürfigen Gesellschaften von grausamen, antiken Kameltreibern abstammen; mögen sie die Irrationalitäten dieser Welt mit allen Fasern abschütteln und die Erde von all dem Übel, was durch sie entkeimt und gedeiht, reinigen und befreien; mögen sie der Welt so ins Auge blicken, wie sie ist ohne sich in tröstende metaphysische Illusionen zu flüchten. Mögen sie dem Kosmos seine Maske entreißen und in das Antlitz seiner Wahrheiten sehen, ohne an ihnen zu erschaudern, in der „freimütige[n] Unerschrockenheit, mit der wir die Dinge so sehen sollten, wie sie sind“[44]. Auf diese Weise wird menschliches Leben sich zu perfektionieren lernen, es wird „reich, mannigfaltig und belebend“[45] und die Welt eine erfülltere werden, für all die, die auf ihr leben und das allgemeine menschliche Glück in unendlicher Weise befördert werden, auch wenn es wohl niemals ewig währen wird. Aber das macht es nicht weniger wahr[46].

[1] Whitehead and Russell (1910: 379).

[2] Erhard (2020).

[3] Abgesehen von einer basalen Grundmenge an Werten – wie etwa, dass man Mitglieder der eigenen sozialen Gruppe nicht mutwillig bestehlen oder gar töten soll – , die aber auch ontologisch sparsamer erklärt werden dürften, als mit der Annahme objektiver moralischer Tatsachen.

[4] Siehe hierzu: Weidemann (2020).

[5] Mill (1873/2011: 223-24).

[6] Schmidt (2020).

[7] Siehe: Mill (1863/2006: 105-23). Ich folge bei der Darlegung des Arguments der Interpretation von Kuenzle und Schefczyk (2009: 50-58). Vergleiche auch: Sayre-McCord (2001).

[8] Aristoteles, Nikomachische Ethik, I5, 1097a15-1097b8.

[9] Mill (1863/2006: 111).

[10] Kuenzle and Schefczyk (2009: 37-43).

[11] Mill (1863/2006: 29).

[12] Mill (1859/2009: 161, 213-15).

[13] Mill (1859/2009: 97).

[14] Grundmann (2019: 11).

[15] Für den Wert der Wahrheit siehe auch: Lynch (2004).

[16] Für eine moderne Verteidigung dieser Auffassung siehe: Grundmann (2019).

[17] Russell (1970: 9).

[18] Williams (1985: 206).

[19] Grundmann (2019: 24). So auch der junge Wittgenstein im Tractatus: „Einen Satz verstehen heißt, wissen was der Fall ist, wenn er wahr ist“ (4.024).

[20] Williams (1985: 204).

[21] Flew (1985: 214).

[22] Dass sich kein seriöser Wissenschaftler mit Einhornkunde befasst, hat also nichts damit zu tun, dass jeder mit der Erwerbung des Dr. rer. nat. auch einen „Eid auf den Materialismus“ abzulegen hat, wie manche religiösen Autoren vermuten; im Gegenteil gibt es gute Gründe, dass solche ontologischen Entitäten in keiner rationalen Theorie mehr vorkommen, da sie nicht gerechtfertigt werden können, ohne gegen wesentlich verifiziertere Sätze zu verstoßen. Siehe: Kanitscheider (1995: 108-09).

[23] Russell (1974: 234).

[24] Kanitscheider (1984: 330).

[25] Russell (1970: 10).

[26] Küng (1983: 626).

[27] Flasch (2015: 65).

[28] Flasch (2015: 59).

[29] Küng (2015: 20).

[30] Albert (2006).

[31] Kanitscheider (1984: 452-58).

[32] Freud (1927/2017: 23).

[33] Kanitscheider (2008: 57).

[34] Kanitscheider (2008: 62).

[35] Dawkins (2007: 63).

[36] Streminger (1992: 319-27); Mackie (1985: 221-45).

[37] Russell (1952/1997: 546).

[38] Falls nicht, so droht der kosmische „Kältetod“. Viel wäre also nicht gewonnen.

[39] Kanitscheider (1984: 328-35; 1995: 59-60).

[40] Russell (1903/2000: 346).

[41] Russell (1986: 60). Meine Übersetzung.

[42] Russell (1973: 218).

[43] Mill (1859/2009: 83).

[44] Russell (1973: 219).

[45] Mill (1859/2009: 179).

[46] Ich bin Jakob Altemüller für einige bedeutende Hinweise zu Dank verpflichtet.

 

 

Literatur:

Albert, Hans. 2006. 'Hans Küngs Rettung des christlichen Glaubens. Ein Mißbrauch der Vernunft im Dienste menschlicher Wünsche', Aufklärung und Kritik, Heft 1: 7-39.

Aristoteles. 2018. Nikomachische Ethik (Rowohlt: Hamburg).

Dawkins, Richard. 2007. Der Gotteswahn (Ullstein: Berlin).

Erhard, Dominik. 2020. "'Die Leitidee der aktuellen Marktwirtschaft ist böse'. Gespräch mit Markus Gabriel." In Philosophie Magazin, 16-19. Berlin: Philomagazin Verlag.

Flasch, Kurt. 2015. Warum ich kein Christ bin: Bericht und Argumentation (C. H. Beck: München).

Flew, Antony. 1985. 'Die Forderung nach Falsifizierbarkeit.' in Norbert Hoerster (ed.), Glaube und Vernunft: Texte zur Religionsphilosophie (Reclam: Stuttgart).

Freud, Sigmund. 1927/2017. Die Zukunft einer Illusion (Create Space: North Charleston).

Grundmann, Thomas. 2019. Philosophische Wahrheitstheorien (Reclam: Stuttgart).

Kanitscheider, Bernulf. 1984. Kosmologie: Geschichte und Systematik in philosophischer Perspektive (Reclam: Stuttgart).

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———. 2008. Entzauberte Welt: Über den Sinn des Lebens in uns Selbst. Eine Streitschrift (Hirzel Verlag: Stuttgart).

Kuenzle, Dominique, and Michael Schefczyk. 2009. John Stuart Mill zur Einführung (Junius: Dresden).

Küng, Hans. 1983. Existiert Gott? Antwort auf die Gottesfrage der Neuzeit (Piper Verlag: München).

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Lynch, Michael P. 2004. True to Life: Why Truth Matters (The MIT Press: Cambridge/ London).

Mackie, John L. 1985. Das Wunder des Theismus: Argumente für und gegen die Existenz Gottes (Reclam: Stuttgart).

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Sayre-McCord, Geoffrey. 2001. 'Mill's 'Proof' of the Principle of Utility: A More than Half-Hearted Defense', Social Philosophy and Policy, 18: 330 - 60.

Schmidt, Ina. 2020. ''Wider den moralischen Analphabetismus'', Netzwerk Ethik heute. https://ethik-heute.org/wider-den-moralischen-analphabetismus/.

Streminger, Gerhard. 1992. Gottes Güte und das Übel der Welt. Das Theodizeeproblem (Tübingen).

Weidemann, Christian. 2020. 'Markus Gabriels Ethik-Bestseller zu Corona-Krise: Ein Verriss ', Ruhr-Universität Bochum, Accessed 14.01.22. http://www.kath.ruhr-uni-bochum.de/aktuelles/ph-th/news01017.html.de.

Whitehead, Alfred North, and Bertrand Russell. 1910. Principia Mathematica: Volume I (Cambridge University Press: Cambridge).

Williams, Bernard. 1985. 'Der unverzichtbare Gehalt des christlichen Glaubens.' in Norbert Hoerster (ed.), Glaube und Vernunft: Texte zur Religionsphilosophie (Reclam: Stuttgart).

Wolf, Ursula. 2007. Aristoteles Nikomachische Ethik (Wissenschaftliche Buchgesellschaft: Darmstadt).

Kommentare (2)

Eva Fleischmann

Von verschiedenen Seiten betrachtet, mit einem fundierten Wissen unterlegt, mit einem Schlusswort, das zu Herzen geht.

Wolfgang Hammer

Respekt: Sie haben die hohen Werte mit beiden Beinen (Nein, Werte haben keine Beine, sie schweben doch) auf die Erde gestellt. Noch ein Schritt und wir haben es;
Wo bleibt der Körper?
Der Bau des Gefängnisses beginnt mit der Geburt: Man muss gewaschen werden, um dem Ideal der Sauberkeit und Reinheit gerecht zu werden, dann kommt das Häppchen für die Mami, eines für den Papi, für das Hundi. Mach schön deine Hausaufgaben. Bring gute Noten nach Hause. Fang nichts mit Mädchen an. Heirate endlich bis –kümmere dich um deine Beerdigungskosten. (Sperrkonto anlegen für das Beerdigungsinstitut). Im Grab ist dann Ruhe verordnet. Auferstehung gibt es nicht. Vorerst wenigstens.
Was geschieht, wenn jemand etwas von mir verlangt und ich das ausführe? Ich spüre die Nähe eines Menschen und fühle mich wohl. Das gute Gewissen wärmt mich innerlich. Umgekehrt, verlässt ein Karrenschieber seine Position, entfernt es sich von anderen, hat er ein schlechtes Gewissen und erkaltet innerlich.
So belohnen Werte, als Verhaltensweisen, die von anderen bewertet werden, ´Gehorsam mit einem körperlichen Wohlbefinden. Werte sind Signale des Körpers.
Ohne Körper ist halt alles nichts,
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