Pressehinweis: Amerindian Research, Vol. 16, 1(2021), Nr. 59 - Rezension zu "Die Welt der Himmelsscheibe von Nebra – Neue Horizonte"

wbg Redaktion • 8 Februar 2021

Pressehinweis: Amerindian Research, Vol. 16, 1(2021), Nr. 59 - Rezension zu "Die Welt der Himmelsscheibe von Nebra – Neue Horizonte"


Was Stonehenge für England oder Notre Dame für Frankreich bedeuten, das dürfte mittlerweile die Himmelsscheibe von Nebra für Deutschland sein. Das unschätzbare Artefakt aus der Bronzezeit wurde 2002 erstmalsder Öffentlichkeit vorgestellt. Die intensiven Forschungen zum Alter, zur Herkunft oder zur Bedeutung halten bis heute an. Deswegen konnte eine neue Ausstellung konzipiert werden, die den Besucher mitnimmt in die Welt der Bronzezeit. In Kooperation mit dem BritishMuseum in London zeigt die geplante Ausstellung die Beziehungen Mitteldeutschlands und der dort gefundenen Himmelsscheibe zu anderen Objekten derselben Epoche. Dadurch wird ein weitgespanntes Handelsnetz dokumentiert, das bis nach Assur im heutigen Irak reicht.

Bis zum Beginn der Ausstellung, die vom 4. Juni 2021 bis zum 9. Januar 2022 geplant ist, wird die Himmelsscheibe in Halle nicht zu sehen sein. Aufgrund der derzeitigen Corona-Pandemie ist das Museum zwar sowieso geschlossen.

Aber die neue Ausstellung musste dadurch schon verschoben werden. Da alle anderen Arbeiten planmäßig verlaufen sind, ist der Ausstellungskatalog bereits fertig. Das gibt einer interessierten Öffentlichkeit die Möglichkeit, sich bereits vorab in den Bann der Himmelsscheibe ziehen zu lassen. Der Katalog (von dem es dann auch eine Museumsausgabe geben wird) präsentiert eine überzeugende Darstellung weitreichender Kontakte in der Bronzezeit.

Im Anschluss an die Hallenser Exposition wird dann das British Museum eine Sonderausstellung zeigen, in deren Mittelpunkt Stonehenge stehen wird, wo man aber auch die Himmelscheibe in London zeigen wird. Dafür wird man vorher in Halle das frühbronzezeitliche Cape von Mold (gefunden in Wales) sehen können, ein goldenes Obergewand, welches wohl rituellen Zwecken gedient hat.

Am Beginn des Katalogs steht eine hervorragend gestaltete, kreisförmige chronologische Übersicht, in der man die im Katalog vorgestellten Fundstücke und Orte auf einen Blick erfassen kann.

Im ersten Kapitel geht es um das Ende der Steinzeit und die Besiedlung Mitteldeutschlands mit Einwanderern aus der eurasischen Steppe. Dabei werden auch genomweite Daten vorgestellt, eine Methode, die erst in den letzten Jahren zahlreiche neue Erkenntnisse hervorgebracht hat.

Die Vorstellung verschiedener bronzezeitlicher Schmuck- und Ritualobjekte aus Spanien, England, Wales und Griechenland zeigt die europaweite Verbreitung religiöser Ideen. Die Himmelsscheibe von Nebra, das Fürstengrab von Leubingen (Thüringen), ein Grab aus Helmsdorf (Harz) oder der Fürstengrabhügel Bornhöck im Saalekreis sind Beispiele der Aunjetitzer Kultur und zeigen deren Verbreitung im mitteldeutschen Raum. Ebenso werden das Ringheiligtum von Pömmelte und die sakrale Landschaft von Stonehenge vorgestellt. Diese zwei Beispiele stehen für viele ähnlich angelegte sakrale Orte in ganz Europa.

Besonders interessant ist die Beschreibung der Suche nach dem Ursprungsort für das bei der Herstellung der Himmelsscheibe verwendete Gold. Es stellte sich heraus, dass dieses aus Cornwall in England stammen muss. Damit wiederum werden Handelsrouten sichtbar, die bereits vor etwa 4000 Jahren in Europa genutzt wurden. Das gilt auch für in Sachsen-Anhalt gefundene Glasperlen, deren Ursprung in Mesopotamien nachgewiesen werden konnte. Globalisierung ist also kein Phänomen der heutigen Zeit.

Am Ende des empfehlenswerten Katalogs werden die für die Ausstellung geplanten Objekte mit Bild und kurzem Begleittext vorgestellt. Dabei gibt es für jedes dieser Objekte noch Literaturverweise. Den Abschluss bildet eine fiktive Bildgeschichte über "Reiseimpressionen aus der Welt der Bronzezeit". Dabei geht es von Dieskau (bei Halle) bis nach Babylon bzw. nach Theben (Ägypten).

Der Band weckt großes Interesse auf die kommende Ausstellung und vermittelt viele neue Erkenntnisse, die zeigen, wie global vernetzt die Beziehungen der Menschen bereits in der Bronzezeit gewesen sind. MK


Den Podcast zu Harald Meller sehen Sie hier: 💬


  


1Prof. Dr. Harald Meller, provinzialrömischer Archäologe, Prähistoriker und Landesarchäologe von Sachsen-Anhalt, ist Direktor des Landesamts für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt/Landesmuseum für Vorgeschichte. Unter seiner Führung wurde das Landesmuseum in Halle zu einem der wichtigsten Ausstellungshäuser für Prähistorische Archäologie in Europa.

 


1Die Welt der Himmelsscheibe von Nebra - Neue Horizonte

Einer der wertvollsten Funde der Menschheit: die Himmelsscheibe von Nebra

Die frühe Bronzezeit zeichnet sich durch eine reiche Kultur aus. Das bezeugen vielfältige archäologische Fundstücke aus ganz Europa. Doch die Entdeckung der Himmelsscheibe von Nebra ist bis heute eine Sensation. Sie ist ein mächtiges Symbol der Aunjetitzer Kultur und zugleich die älteste konkrete Himmelsdarstellung der Menschheitsgeschichte.


NebraDie Himmelsscheibe von Nebra

Der Schlüssel zu einer untergegangenen Kultur im Herzen Europas

Beschreibung

Raubgräber entdeckten die Himmelsscheibe von Nebra auf der Spitze des Mittelbergs in Sachsen-Anhalt, der Archäologe Harald Meller rettete sie für die Öffentlichkeit. Seither koordiniert er die Erforschung ihrer Geheimnisse. Gemeinsam mit dem Historiker und Wissenschaftsjournalisten Kai Michel entwirft er das Panorama des sagenhaften Reichs von Nebra. Dessen Kontakte reichten von Stonehenge bis in den Orient, seine Fürsten ließen sich unter gewaltigen Grabhügeln beisetzen. Es war eine Zeit, in der die Vorstellungen von Göttern, Macht und Kosmos revolutioniert wurden. Die Himmelsscheibe liefert uns den Schlüssel zu einer verschollenen Welt, der wir die Grundlagen unserer modernen Gesellschaft verdanken.