Papst Gregor XIII. und sein Kalender

Lara Hitzmann • 7 Januar 2022
Blogbeitrag in der Gruppe Geschichte
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Papst Gregor XIII. und der gregorianische Kalender


Kaum ein Papst ist der Nachwelt durch seine Reformen so präsent geblieben wie Papst Gregor XIII. Anlässlich seines 520. Geburtstages am 7. Januar haben wir uns gefragt, wer Papst Gregor XIII. eigentlich war und was den gregorianischen Kalender ausmacht. 
1502 wurde der Papst mit dem bürgerlichen Namen Ugo Boncompagni im italienischen Bologna geboren. Ab 1558 bekleidete er das Amt des Bischofs von Vieste und stieg ein paar Jahre später zum Kardinal auf. Im Alter von 70 Jahren wurde Boncompagni schließlich zum Papst erhoben und er führte das Amt bis zu seinem Tod 1585 aus. 


Papst Gregor XIII. galt als Förderer der Wissenschaft, der Bildung, aber auch der Gegenreformation, die gegen die durch Luther initiierte Reformation vorging: Öffentlich unterstützte er die grausamen Ausschreitungen der Bartholomäusnacht vom 23. bis 24. August 1572, bei der im Zuge des Pogroms zahlreiche Hugenotten und französische Protestanten ermordet wurden. 


Heute ist uns Gregor XIII. aber primär als Begründer des gregorianischen Kalenders in Erinnerung geblieben. Ziel dieses neuen Kalenders war es, das astronomische Jahr an das gemessene Jahr anzugleichen. Zu diesem Zweck etablierte Gregor XIII 1578 die erste astronomische Forschungsstätte überhaupt, im torre die venti (Turm der Winde) im Vatikan, da sie zu der Berechnung des neuen Kalenders notwendig gewesen war. Schließlich passte Gregor XIII. das Jahr wieder der Frühlings-Tag-Nachtgleiche vom 21. März an und der zuvor vorherrschende julianische Kalender wurde Schritt für Schritt von dem gregorianischen abgelöst. 


Der julianische Kalender 
Der julianische Kalender ist einer der vielen Überbleibsel der Antike und wurde 45 v. Chr. von Gaius Iulius Caesar initiiert. Später wurde der Kalender übrigens rückwirkend in die Zeit vor der Zeitenwende angewandt. Caesar hatte den Kalender jedoch nicht grundlegend selbst entworfen, sondern auf bereits bestehende und für gut gefundene Bestandteile anderer Kalender zurückgegriffen. Das Jahr wurde in zwölf Monate eingeteilt. Dabei übernahm Caesar fast alle Monatsnamen des vorherigen römischen Kalenders, aber konnte es sich nicht nehmen, einen Monat nach sich selbst zu benennen, den Monat Julius. Auf ähnliche Weise gelangten wir durch Augustus an den Monat August. Vielleicht erkennen Sie unsere Monate auch in anderen römischen Monatsnamen wieder: 
Ianuarius, Februarius, Martius, Aprilis, Maius, Iunius, Iulius, Augustus, September, October, November, Dezember


Im Augenblick besteht zwischen den beiden Kalendern eine Differenz von 13 Tagen. Das bedeutet, dass heute, am 07. Januar, nach julianischem Kalender der 25. Dezember ist. 
Im Übrigen haben nicht alle den gregorianischen Kalender übernommen. In einigen orthodoxen Kirchen, beispielsweise dem Patriachart von Jerusalem und dem von Moskau, aber auch in Teilen der altorientalischen Kirche, wie z. B. den Syrer:innen und Kopt:innen, ist der julianische Kalender immer noch in Benutzung. 

 

Weiterführende Informationen unter: 

Kalender: Papst Gregor XIII. - Ordnungssysteme - Gesellschaft - Planet Wissen (planet-wissen.de)

24. Februar 1582 - Papst Gregor XIII. verkündet die Kalenderreform, Stichtag - Stichtag - WDR

 

Kommentare (4)

Marcin Lupa

Liebe Frau Hitzmann,

vielen Dank Ihnen für diesen schönen Beitrag. In einem meiner Notizblöcke steht eine Eintragung: worauf basiert der gregorianische Kalender - recherchieren!. Diese Eintragung ist alt und es folgten ihr schon unzählige andere.
Dennoch freut es mich, dass ich jetzt auf diese Weise eine Antwort auf meine Frage bekomme. Im Laufe der Zeit werden so viele solcher Fragen oder Aufforderungen an mich selbst, behandelt, offenbar dank der guten Arbeit der wbg Community und ihrer Dienstleister umso besser.

Schöne Grüße im Neuen Jahr 2022.

Lara Hitzmann

Vielen Dank Herr Lupa, das freut mich sehr!
Ja, solche Einträge habe ich auch ab und an in meinen Notizen, es ist dann immer so erfrischend, wenn sich manche Fragen dann ganz von alleine auflösen.

Luca Rosenboom

Vielen Dank für den Beitrag. Das erinnert mich an mein mittelalterliches Proseminar, Grundlagenwissen zur Chronologie. ;-) Diese Reform setzte sich zunächst nur in katholischen Ländern durch (Epoche der konfessionellen Spaltung, Gegenreformation). Die Einführung in nicht-katholischen Ländern waren z.B. England 1752 oder, besonders wichtig, Russland 1918. Daher ist die Oktoberrevolution "eigentlich" erst im November.

Lara Hitzmann

Ach wie witzig! Vielen Dank für diese Ergänzung. Ich stelle mir den Zeitpunkt auch nicht besonders vorteilhaft für eine Änderung in so etwas grundlegendem wie der Zeitrechnung vor, die katholische Kirche war ja schon länger im Begriff Gläubige zu verlieren.


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