Noch nicht

Tina Zahabi • 28 Februar 2022
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Ich will in eine Zeit zurück, in der Corona ein Fremdwort war. Ich will in eine Zeit zurück, in der es hieß „make love not war“.Ich will in eine Zeit zurück, in der Menschen keine Angst haben mussten, Freunde und Familie vor ihrer Tür tot aufzufinden, in der Menschen sich nicht in Bunkern befinden. Ich will in eine Zeit zurück, in der Frieden nicht nur eine Utopie war, in der man Sicherheit als Selbstverständlichkeit sah. Ich will in eine Zeit zurück, in der „Frohes Neues Jahr“ keinen faden Beigeschmack hatte und das größte Problem der Schüler war Mathe. Ich will in eine Zeit zurück, in der Menschen wohnen konnten, wo sie wollen und nicht ihre Staatsangehörigkeit sagt, wo sie hinsollen. Ich will in eine Zeit zurück, in der das Wort Krieg mir nicht die Luft zum Atmen nahm und kein Herzrasen hervorkam. Nun stelle ich fest, ich will in die Zeit vor, denn die Zeit gab es nicht. Noch nicht.

Kommentare (1)

Merchan Agaricus

Bereits bei den ersten Zeilen dachte ich an Ihre Auflösung. Es gab diese Zeit noch nicht, und wir streben diese Zeit erst an. Seit Jahrhunderten, seit den Beginn der Aufklärung, wollen wir starre Hierarchien auflösen und dem Menschen Handlungsfreiheiten garantieren.

Wie Sie richtig erkannt haben, ist das eine Welt, die in der Zukunft erstrahlen kann, wenn genügend rechtschaffene Akteure zusammenkommen, denen der Nachbar von Bedeutung ist, die verstehen, dass auch die Kinder fremder Menschen ein Recht auf Leben haben, nicht nur die eigenen, so dass auch ihr Problem endlich Mathe werden kann, nicht das Streben nach eigener Unversehrtheit oder genügend Nahrung für den Alltag.

Momentan erfahren wir einen erschreckenden Rückstoß, weil ein Teufel mit einer Wodkanase unsere Sicherheit bedroht, woanders, in der Nähe, das Leben von jungen Männern, auch Kindern fordert, für seinen unersättlichen Hunger zum Tribut.
Doch auch Teufel sind nicht ewig siegreich, man schickt sie in die Hölle zurück und läßt sie die Schmerzen der von ihnen Gefolterten spüren, auf dass sie erwachen und nach Linderung verlangen.

So war es schon zu allen Zeiten und auch in einer säkularen Zukunft wird es Rechtsstaatlichkeit geben, die kommt ohne jegliche Metaphysik, mit Vernunftssinn und Nüchternheit.

Schöner kurzer Beitrag von Ihnen, Frau Zahabi. Danke schön.


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