Der Nikolaus – ein Überbleibsel der Antike

Lara Hitzmann • 6 Dezember 2021
0 Kommentare
Gesamtanzahl der Likes 2 gefällt

Der Nikolaus – ein Überbleibsel der Antike


Lasst uns froh und munter sein und uns recht von Herzen freun!
Lustig, lustig, traleralera! Bald ist Nik'lausabend da,
bald ist Nik'lausabend da! Dann stell' ich den Teller auf, Nik'laus legt gewiss was drauf.
Lustig, lustig, traleralera! Bald ist Nik'lausabend da, bald ist Nik'lausabend da!
Wenn ich schlaf', dann träume ich: Jetzt bringt Nik'laus was für mich. Lustig, lustig, traleralera! Bald ist Nik'lausabend da, bald ist Nik'lausabend da! 
Wenn ich aufgestanden bin, lauf' ich schnell zum Teller hin. Lustig, lustig, traleralera! Bald ist Nik'lausabend da, bald ist Nik'lausabend da!
Nik'laus ist ein guter Mann, dem man nicht genug danken kann. Lustig, lustig, traleralera! Bald ist Nik'lausabend da, bald ist Nik'lausabend da!
Volksgut 

 


Am 5. Dezember stellen Kinder ihre geputzten Schuhe vor die Tür, denn der Nikolaus kommt vorbei und bringt ihnen Nüsse, Schokolade und Geschenke. Am Morgen des 6. Dezember werden diese Gaben dann von freudigen Kindern gefunden. Ein uralter Brauch.
Aber wussten Sie, das unser Nikolaus auf eine antike Gestalt zurückgeht?  


Nikolaus von Myra lebte Ende des 3. Jahrhunderts n. Chr. bis Mitte des 4. Jahrhunderts n. Chr. und war der Bischof von Myra, einer Stadt im kleinasiatischen Lykien, in der Nähe des heutigen Antalya. 
Über das Leben des Bischofs ist kaum etwas bekannt. Es lässt sich nicht mehr feststellen, was mythologisches Konstrukt und was tatsächliches Geschehen ist

Vermutlich wurde Nikolaus mit 19 Jahren zum Priester geweiht und erlangte schließlich das Amt des Abtes im Sionklosters in der Nähe von Myra. 310 n. Chr. wurde Nikolaus im Zuge der Christenverfolgung unter Maximinus Daia inhaftiert und gefoltert. Zuvor soll er aber große Teile seines Vermögens an Bedürftige gestiftet haben. Die Folter endete für Nikolaus allerdings nicht tödlich und er setzte seine kirchliche Laufbahn fort. 


Eine Geschichte wird immer wieder in Bezug auf den Bischof erzählt: Beim Konzil von Nicäa 325 n. Chr., bei dem das nicäische Glaubensbekenntnis (heute Grundlage des ökumenischen Dialogs) beschlossen wurde, ohrfeigte Nikolaus den Presbyter Arius, auf den der Arianismus zurückgeht (der Arianismus spricht sich gegen die Dreifaltigkeit aus). Leider ist Nikolaus nicht auf der Liste der Unterzeichner des Konzils aufgeführt, was auch darauf zurückzuführen ist, dass dieses Dokument nicht mehr vollständig erhalten ist.

Dreizehn Wunder soll Nikolaus vollbracht haben. Diese Wunder, das möchte ich ausdrücklich betonen, sind historisch nicht belegt. Die Forschung konnte bislang auch nicht aufklären, ob diese Wunder alle auf Nikolaus von Myra zurückgehen, oder ob der Kult mit dem des Bischofs Nikolaus von Pinare (gestorben 564) verschmolzen ist.
Ikonografisch wird Nikolaus von Myra immer mit drei Goldklumpen dargestellt. Diese Goldklumpen geben einen Hinweis auf sein erstes Wunder: Es handelt sich hierbei um eine Mitgiftspende. Nikolaus warf diese Goldklumpen wohl drei Nächte hintereinander in das Schlafzimmer dreier Jungfrauen, um zu verhindern, dass ihr verarmter Vater sie in die Prostitution zwingt. 
Nikolaus ist Ihnen sicher aber auch schon als Patron der Seefahrer begegnet. Eine seiner Wundererzählungen berichtet davon, dass Nikolaus betenden Seeleuten in einem fürchterlichen Sturm erschien und sie rettete. 
Der 6. Dezember wird traditionell als der Tag gefeiert, an dem Nikolaus heilig wurde, also seinem Todestag. Ob er das Martyrium dafür durchlitt, ist zwar anzunehmen, aber nicht mehr festzustellen. 

Der Kult des heiligen Nikolaus, der heutzutage einer der meistverehrten Heiligen des Christentums ist, fand seinen Anfang gut 200 Jahre nach seinem Tod in Griechenland. Von dort aus verbreitete sich der Kult über ganz Europa und wurde vor allem in Osteuropa.
Seine Bedeutung zeigt sich beispielsweise daran, dass Nikolaus im 8. Jahrhundert zum Landespatron Russlands erklärt wurde. Erst im 10. Jahrhundert ist der Nikolauskult schließlich auch in Frankreich, England und Deutschland nachweisbar. Im Laufe der Jahrhunderte schmolzen jedoch immer mehr lokale Bräuche in den Kult ein.

 
Eng verbunden mit der Heiligenverehrung ist Nikolaus' Funktion als Geschenkebringer. Dieses Ritual hat seinen Ursprung in einem mittelalterlichen Spiel, dem „Bischofsspiel“. Ein Kind durfte sich hierbei verkleiden und andere Kinder aufgrund ihres Verhaltens entweder belohnen oder bestrafen. Unklar ist allerdings, ob das Spiel nicht zuerst traditionell am 28. Dezember gefeiert wurde und erst später auf den 6. Dezember gelegt wurde. 
Weshalb gerade Nikolaus zum Geschenkebringer wurde, lässt sich aus seinen Wundern ableiten. Häufig werden in den Geschichten die Euergetismen des Heiligen betont, wie beispielsweise in dem aufgeführten Wunder von den drei Goldklumpen. Zudem ist die Wohltätigkeit des Nikolaus von Myra eines der wenigen historisch nachweisbaren Fakten über den Bischof. 
Heutzutage steckt der Nikolaus seine Geschenke in die Stiefel der Kinder. In anderen Ländern werden die Geschenke hingegen auf kleine Tellerchen drapiert oder auch in Söckchen gesteckt. Dieser Teil des Kultes hat seinen Ursprung ebenfalls im Mittelalter. Jedoch wurden die Geschenke früher nicht in Stiefel gesteckt, sondern auf kleine selbstgebastelte Schiffe. Hieran zeigt sich Nikolaus kultische Funktion als Patron der Seefahrt. 


Feiern Sie Nikolaus? 

 

Weiterführende Artikel:

Silke Ahrens, Ursprung des Nikolaustags: Woher kommt die Tradition? (2021).
Tobias Glenz, Nikolaus. Die harten Fakten (2019)
Ökumenisches Heiligenlexikon
 

 


Weitere Empfehlungen

 

WeihnachteDie wbg Weihnachtsverlosung

Weihnachten ist für Einige die Zeit der Besinnlichkeit und Liebe, der großen Familiendramen und Strapazen oder der Erholung und Schaffenspausen.

Was bedeutet die Weihnachtszeit bzw. Weihnachten für Sie?

Was ist Ihre schönste Weihnachtserinnerung? Wie haben Sie Weihnachten in der Vergangenheit zelebriert und welchen Wert würden Sie Weihnachten in Zukunft beimessen? Und wie verbringen Sie Weihnachten?

Beantworten Sie diese Frage hier in der Weihnachtsverlosung.


Schmiedt, Helmut

Weihnachten in der Literatur

Ein historischer Streifzug

 

BuchMit Weihnachten findet alljährlich ein Fest statt, das nahezu weltweit Menschen in seinen Bann zieht. Ein biblischer Text, die Weihnachtsgeschichte des Lukas-Evangeliums, markiert den Ausgangspunkt, danach wird Weihnachten mit seinen religiösen, kulturellen, politisch-sozialen und ökonomischen Facetten in unzähligen weiteren literarischen Werken zum Thema. Helmut Schmiedt entwirft eine Literaturgeschichte des Weihnachtsfests von der Bibel bis heute, in der - von Gryphius und Goethe über Dickens und Fontane bis Agatha Christie, Heinrich Böll und renommierten Literaten der Gegenwart - kaum ein prominenter Dichtername fehlt. Sie vermittelt einen anschaulichen Eindruck von der großen Vielfalt der Annäherungen an Jesu Geburt und ihre Folgen und stellt zugleich signifikante historische Entwicklungen heraus.

Noch wurde kein Kommentar hinterlassen.


Please anmelden or sign up to comment.