Niklas Holzberg, Vergil. Der Dichter und sein Werk

Luca Rosenboom • 14 März 2022
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Professor em. Niklas Holzberg ist eine wahrhaftige Koryphäe auf dem Gebiet der Klassischen Philologie. Nicht nur seine Übersetzungen (Sammlung Tusculum bspw. Ovid Metamorphosen) vermögen dem geneigten Leser einen Zugang zur Antike zu geben, sondern auch seine zahlreichen Studien zu Autoren wie Werken. Vorgestellt werden soll hier ein Buch zu dem Dichter des Abendlandes, Publius Vergilius Maro, kurz: Vergil.

Mit dem Buch „Vergil. Der Dichter und sein Werk“ versucht Holzberg ein einführendes Werk darzulegen, welches Zugänge zur Zeit des Vergil, vor allem aber zur Sprache eröffnet. Vergil selbst gehört neben den klassischen altgriechischen Autoren um Homer und Platon zu den meistrezipiertesten Dichtern, was vor allem an seinem Nationalepos „Aeneis“ liegt, welches bis heute Faszination ausübt. Zu Anfang bietet Holzberg eine Einführung zur Person Vergil selbst. Dabei verknüpft er die politische Konstellation der späten Republik und frühen Kaiserzeit geschickt mit literarischer Kenntnis der Werke. Vergil selbst inszeniert sich in seinen Werken als eine Art Kosmologe und galt somit für die Bevölkerung als Vermittler zwischen Götter- und Erdenwelt. Dabei wurde er freilich in der Spätantike schon als Universalgelehrter angesehen, der diese Rolle perfekt verkörperte und so zu einem Vorbild für die ganzen Literaten avancierte. Ein Teil seines Werkes (Bucolica/Eklogen), wo es um einen göttlichen Jungen geht, sogar von späten christlichen Autoren vereinnahmt, um eine Vorabkündigung des Messias hineinzudeuten. Dass dies angesichts des Todesdatums, der auf 19 v.Chr. datiert wird, unlogisch erscheint, bedarf keiner weiteren Erwähnung. Allerdings dürften die christlichen Autoren mit der Aeneis eine heidnische Version der Messias-Botschaft gefunden haben, insofern Aeneas hier zum Gründer des auserwählten Volkes, nämlich der Römer, stilisiert wird.

Das zweite Kapitel, in dem es um die Bucolica, sog. Hirtengedichte, geht, behandelt teils den Inhalt derselben und lässt immer wieder die Hintergründe miteinfließen. Interessant sind sie insofern, als man hier Informationen zum Leben des Vergil herausfiltern könnte, welche aber in der Forschung stark umstritten sind. Thematisch geht es hier vorrangig um die Landvertreibungen nach der Schlacht von Philippi 42 v.Chr., die primär die Bauern betraf, zu denen auch Vergil zählte. Wenn man in dem Hirten „Tityrus“ Vergils Alter Ego vermuten darf, so sei er davon nicht betroffen, weil ein Gott ihm das Land übriggelassen habe (Augustus?).

Das dritte Kapitel handelt von den „Georgica“ (über den Landbau) und beschreibt den Inhalt der einzelnen Werke. Dabei werden immer wieder die Mythen eingebunden, die in den Werken erscheinen. Besonders spannend war hier die Darstellung der Bienenkunde. Vergil sieht im Gemeinwesen der Bienen das perfekte Staatssystem. Sie sind nämlich loyal, fleißig und organisiert – wie die Römer es sein sollen.

Das letzte Kapitel handelt vom Epos Aeneis und nimmt den größten Stellenwert im Buch ein. Dabei wird das Werk auf verschiedene Art und Weise aufgezogen: Nicht nur Inhalt, sondern auch Vorlagen wie z.B. Homers Ilias werden thematisiert. Galt Aeneas als römischer Odysseus? Und: inwiefern werden historische und mythische Komponenten verknüpft, sollte die Aeneis doch eine Botschaft an all die Leser vermitteln, zumal an seinen princeps Augustus, von dem das Werk beauftragt worden ist. Wie gedachte Vergil den Inhalt durch literarische Mittel schmackhaft zu machen? All dies wird im Buch beantwortet.

Es lässt sich daher nicht nur mit großem Gewinn lesen, wenn man – was das Ziel des Autors war – eine kompakte Einführung zu Vergil und seinen Werken möchte. Auch Literaten – ihnen sei Vergils Aeneis besonders ans Herz gelegt! – werden auf ihre Kosten kommen, zumal die Analysen kurz, aber detailliert sind. Dabei braucht man weder Vorwissen, noch Lateinkenntnisse, weil die eingeflochtenen Texte zugleich übersetzt werden. Für all diejenigen, die sich daher mit Vergil beschäftigen wollen, stellt dieses Buch einen super Einstieg dar.

Kommentare (1)

Merchan Agaricus

Tolle Rezension. Vielen Dank an dieser Stelle an die Intelligenz des Rezensenten, ein so für den laienhaften Beobachter unergründliches Thema, derart verständlich anzubieten.

Meine Stieftochter nahm gerade die Aeneis im Latein Unterricht dran. Gerne würde ich ihr das vorgestellte Buch schenken, leider beschäftigt sie sich nicht gerne mit dem Lesen.


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