Nebel

Anastasia Michailova • 12 Mai 2022
4 Kommentare
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Nebel

Ich sollte jemand anders sein,
der Mensch an deiner Seite.
Wenn ich schlafe träumen wir zu zweit,
ohne Angst und ohne Feinde.

Ich sollte jemand anders sein.
Ich bin nur einen Schritt entfernt.
Wenn ich träume, sind wir zwei vereint.
Nachts bist du der hellste Stern.

Doch unter freiem Himmel ist es trüb.
Du bist im Nebel steh’n geblieben.
Und weil ich nicht stehen blieb,
sind unsere Welten heut verschieden.

Ich sehe dich und reiche dir
in der Dunkelheit die Hand.
Doch du stehst im Nebel hinter mir.
In meinen Händen bist du Sand.

Deine Wärme, deine Nähe
rauschen durch mich durch.
Die Zeit bleibt stehen und ich sehe
zwischen Gefühlen nur noch Furcht.

Ich sollte jemand anders sein.
Ich sollte sein wie du.
Der Nebel um mich schließt mich ein,
doch ich sehe deine Spur.

Du raubst mir meine Stimme,
aber ohne dich bin ich blind.
Und ich spüre, ich beginne
zu verstehen, dass ich selbst der Nebel bin.

Kommentare (4)

Marcin Lupa

Den Nebel personifizieren und selbst zum Nebel werden. Stimmungsvoll und gelungen zugleich.

Anastasia Michailova

Vielen Dank für das positive Feedback!

Marcin Lupa

Gern geschehen. In unserem Haushalt ist meine Frau die Poetin und ich höre gerne ihre edlen Worte. Schön, wenn man hier in der Community während des Schreibwettbewerbs auf solche guten Beiträge stößt.

Michael Pfeiffer

Sehr gelungen ist die Übereinstimmung von Inhalt und Struktur: das Gedicht ist in Bewegung, genau so wie kreisende Nebel. Großartig!


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