Marcin´s Betrachtungen: Wer war Bartolomé de las Casas?

Marcin Lupa • 2 September 2021
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Während der Eroberung Lateinamerikas vertraten, die im Dienste der spanischen Krone stehenden überwiegend kastilischen Spanier die Auffassung, dass die Indianer „natürlich unterlegen“ waren. Sie seien demnach Barbaren, ja geradezu nicht vernunftbegabte Halbtiere und daher nach der Lehre des großen Aristoteles von Natur selbst zu Sklaven bestimmt. 

Kritik an dieser Haltung äußerten die Dominikaner, die zur gleichen Zeit mit den Konquistadoren Lateinamerika missionierten. 

Ihnen schloß sich Bartolome de las Casas (1484 – 1566) an, ein Kleriker aber auch Soldat und Grundbesitzer, der nach eigenen Angaben bei der Lektüre von Sirach 34 (Blut vergießt, wer dem Arbeiter den Lohn entzieht) eine Bekehrung erfuhr und auf seinen Grundbesitz verzichtete. 

Er und seine Freunde unternahmen verschiedene Anläufe, um die Krone oder die verschiedenen Regenten jener Reiche für eine Revision der Indianerpolitik zu gewinnen. Jede persönliche Abhängigkeit von einzelnen Spaniern sollte verpönt sein und die Spanier über nichts als den Ertrag der eigenen Arbeit verfügen dürfen. 

Offenbar nahm las Casas seinen Gottesauftrag sehr ernst. 

Seine Überlegungen für die unvermeidliche Arbeit in Bergwerken afrikanische Sklaven einzusetzen, widerrief und bereute er später.

Seit 1522 widmete er sich als Mitglied des Dominikanerordens seiner selbstgestellten Lebensaufgabe, der Befreiung der Indianer als Voraussetzung ihrer friedlichen Christianisierung. 

Die Gerechtigkeit, die den Indianern widerfahren sollte, forderte las Casas auch persönlich bei Hofe in einer Unterredung mit Kaiser Karl V ein.

Dieser gab ihm zunächst freie Hand, ehe er seine Beschlüsse und Gesetzesänderungen, denn Einsprüchen der Eroberer folgend widerrief. 

Bartolome de las Casas blieb bis an sein Lebensende ein Verfechter der Sache der Indianer, seine Bemühungen ihnen Gerechtikgeit wiederfahren zu lassen bleiben in Erinnerung, ebenso seine Veröffentlichungen von denen auf Deutsch folgende Position erhältlich ist: https://www.buecher.de/shop/kolonialgeschichte/kurzgefasster-bericht-von-der-verwuestung-der-westindischen-laender/las-casas-bartolom-de/products_products/detail/prod_id/14121714/.

Meine Betrachtung fußt auf der Lektüre von: https://www.wbg-wissenverbindet.de/shop/35672/wolfgang-reinhard-die-unt… und: https://www.wbg-wissenverbindet.de/shop/35958/neue-fischer-weltgeschich….

Beide Bücher sind über die wbg erhältlich. 

Kommentare (2)

Luca Rosenboom

Sehr interessant, vielen Dank. Bartolomé de la Casas war einer der ersten Menschen - wenn nicht der Erste -, der unter universalen Ansprüchen eine Form von Selbstkritik auszuüben gedachte. Die Schuldzuweisung spielte dabei eine große Rolle - wie sie heute in 'postkolonialen' Zeiten (man sollte hier bedenken, dass wir aber noch Staaten haben, die aber mittlerweile brüchig werden) üblich ist, siehe z.B. die Milliarden an Afrika in jüngster Zeit. Jedenfalls möchte ich hier keine Debatte anfangen, ob gerechtfertigt oder nicht.
Diese Selbstreflexion ist jedenfalls von genuin europäischer Natur; zu nennen wäre in diesem Zusammenhang ebenso der Bischof Gregor von Nyssa im 4. Jh. n.Chr., der die Sklaverei als Schande gegenüber der gottgewollten Ordnung sah.

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  • Marcin Lupa

    Über Gregor von Nyssa werde ich gerne lesen. Zumal ich auch die in der Gegenwart stattfindende Sklaverei als Schande gegenüber jeglicher Art von moralischem Empfinden verstehe.
    Vielen Dank für Deinen Kommentar, Luca.

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