Marcin´s Betrachtungen: Thales und der Begriff der Arche

Marcin Lupa • 4 September 2021
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Der Vorsokratiker Thales sagte, Wasser sei der Ursprung aller Dinge. Alle Elemente hätten sich aus Wasser gebildet und seien im Grunde stets Wasser.
Dieses bezeichnete er als Arché. 

Dadurch ging er einen gewaltigen Schritt über das vorherrschende mysthische Weltbild hinaus: der Anfang des Weltprozesses verlegte er nicht mehr in einen Willensakt einer mit menschlichen Zügen ausgestatteten Gottheit, sondern in ein unpersönliches Prinzip. 

Die Interpreten seiner Deutung schlossen daraus, dass die Erde aus dem Wasser in ähnlicher Weise auftaucht, wie die Nil-Landschaft nach der jährlichen Überschwemmung.

Somit war Thales mit diesem zugegeben tastenden, primitiven Versuch ein Wegbereiter der Naturwissenschaft und Mathematik.
Seine „naturphilosophische“ Konzeption war eine Leistung der formalen Rationalisierung mythischer Vorstellungen, sozusagen deren Verkleidung mittels abstrakter Begriffe. 

Außerstande einen natürlichen Kausalzusammenhang einzusehen suchten Menschen bisher Zuflucht zu mythischen Deutungen, während Thales sich bemühte, Naturtatsachen durch Annahme von Kausalbeziehungen zu erklären, auch da, wo der Zusammenhang zwischen Ursache und Wirkung nicht offen zutage trat. 

Thales nahm auch an, dass die Welt als Gesamtheit der Dinge in ständiger Veränderung begriffen sei, und daß dieser Prozeß einen Anfang gehabt habe. 
Damit nahm man ihn als Begründer der naturphilosophischen Denkweise wahr.
Seine Frage nach dem Ursprung bzw. Grund der Wirklichkeit überhaupt, nicht seine Antwortversuche, laßen ihn als der ersten Philosophen erscheinen. 

Die Philosophie verdankt ihm vier Implikationen:

1. Den Gedanken der Einheit in der Vielheit der Dinge.
2. Den Gedanken, daß Werden als Veränderung eines beharrlichen Substrats aufzufassen ist.
3. Den Gedanken vom Wesen und Erscheinung
4. Den Gedanken eines ersten Grundes

Die Annahme eines unwandelbaren Grundes für die Wirklichkeit eröffnete die Entwicklung der europäischen Philosophie. 
Thales postulierte mit seinen Einsichten einen bleibenden Grund, der nicht nur der Ursprung alles Werdens ist, sondern in den auch alles Werden wieder zurückführt. Und diesen fand er in seinem Begriff der Arché. 

Kommentare (2)

Luca Rosenboom

Passend zu meinem neulich veröffentlichten Beitrag, dass wir den Griechen (und den Römern) so einiges zu verdanken haben. Interessant auch der Blick in das Denken von damals, wie man versuchte, naturwissenschaftlich zu rationalisieren.

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  • Marcin Lupa

    Das geht mit Pythagoras und den Pythagoreern wunderbar weiter. Daran setze ich mich als nächstes. Bei ihnen interessant ist, die Tatsache, dass sie die Elementelehren ihrer Vorgänger fortsetzten und davon ausgingen, dass Arche und Substanz sich zusammensetzen zu Lebewesen und diese in bestimmte Aggregatzustände ihrer Existenz münden, dabei die Entwicklung von Säuglingen - falls Säugetiere - durchlaufen, dann Kinder werden, Adoleszente, junge Erwachsene, schließlich Mittelalte Leute, Alte Leute, Greise und nachdem sie sterben, ihre Seelen weiterwandern, um zu reinkarnieren und die gleichen Zyklen von Vorne zu erleben. Dabei vertraten sie die Meinung, dass guten Leuten Gutes widerfährt, auch posthum und schlechten Leuten schlechtes. So mal grob vereinfacht. Man erntet sozusagen was man säht. Daher gilt es zeitlebens vortrefflich zu sein und nicht zu viele Unschuldige zu ruinieren beispielsweise. Denn dieses Verhalten recht sich, auch abseits der Gerechtigkeit und der juristischen Gewalten. Klar, dass es nicht immer einfach ist abzuwägen, welches Verhalten gut oder übel ist. Wegzuschauen, wenn ein Kind verdurstet, während man einen vollen Krug Wasser hat, wäre bestimmt auch im Sinne der Pythagoreer ein fragwürdiges Verhalten.

    Ein Mensch der wütete und anderen das Leben schwer machte oder unbegründet nahm, soll zu einem niederen Tier werden und einem Löwen gleich in der Wildnis ewig Hunger leiden und sich Nahrung suchen müßen, ehe ihm ein jüngerer Konkurrent irgendwann den Schädel einschlägt. Wahrlich ein trauriges Leben, ohne Frieden, ohne tiefere Sinnhaftigkeit. Eine Bestrafung.

    Wie gesagt, dazu komme ich noch ...

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