Marcin´s Betrachtungen: die Ethik des Demokrits

Marcin Lupa • 19 Oktober 2021
3 Kommentare
Gesamtanzahl der Likes 2 gefällt

Es liegt auf der Hand, daß nicht jede Lust erstrebenswert ist. Nur der Tor orientiert sich an der unmittelbaren Empfindung der Lust bzw. der Unlust.
Was nicht bedeutet, dass es keine Lust bereitet, sich mit dem ethischen Denken des Demokrit zu befassen. Tatsächlich habe ich für mich erkannt, dass ich persönlich davon sehr beeinflußt bin. Ohne je gewußt zu haben, woher mein Denken diesbezüglich kommt. 

Das Ziel bei Demokrit ist dennoch das gute Befinden, das durch vernünftiges Verhalten zu erreichen ist, nämlich durch rechtes Denken, Reden und Tun. Ein Schelm der dabei an den edlen achtfachen Pfad des Siddharta Gautama, des Buddha, denkt. 

Man muß unter Umständen auf angenehme Gefühle verzichten, wenn sie sich nicht als zuträglich erweisen. Als zuträglich gilt also, was geeignet ist, die richtige Verfassung der Seele herbeizuführen oder aufrechtzuerhalten.

Im Hinblick auf die Erhaltung der Seele kann in objektiver Weise bestimmt werden, was zuträglich ist. Die auf die Erhaltung der Seele und ihrer Funktionen bezogene Zuträglichkeit ist unabhängig von den subjektiven Lustempfindungen und ihren individuellen Unterschieden. 
Mittleres Maß der Lust bzw. rechtes Maß im Leben sind Grund der Euthymie (= ausgeglichene Stimmung), Verfehlungen heben sie dagegen auf.
Eine Verfehlung wäre dabei z.B. ein ständiges Lustempfinden zu erlangen, durch den dauerhaften Konsum von Cannabis. So meine neuzeitliche Interpretation. 

Bezüglich Verfehlungen allgemein sagte Demokrit, so sollen sie nicht aus der Furcht unterlassen werden, sondern aus Pflichtgefühl. 

Das Gleichgewicht der Seele sei ein physikalischer Zustand, der durch physikalische Ursachen, wie heftige Affekte, gestört werden könne. Es käme daher darauf an, heftige Gemütsbewegungen zu vermeiden und in allem der Linie eines mittleren Maßes zu folgen. 
Dabei seien Gerechtigkeit und Großzügigkeit Garanten der Euthymie.
Rechtes Denken und pflichtgemäßes Tun seien nicht durch Gesetz und erzieherischen Zwang herbeizuführen, sondern nach Möglichkeit durch Überzeugung. 

Im rechtspolitischen Bereich ist eine Forderung nach unnachsichtiger Verfolgung von Verbrechen hervorzuheben, im gesellschaftlichen Bereich die Forderung sozialer Solidarität, namentlich der Hilfe für die Armen.

Den Rahmen für die Forderung des rationalen Verhaltens bildet die atomistische Weltdeutung, der zufolge alles Geschehen in der Welt notwendig ist. 

Kommentare (3)

Jürgen Germann

Mitunter dauert es sehr lange und ist nicht garantiert, aber mit "vernünftigem" Denken kommt man | jeder Denkende auf die ethische Grundformel: man kann von jedem Menschen erwarten, dass er *** "recht Denken, Sprechen und Tun" anstrebt. Denn zu dieser Einsicht gelangt man, sobald man nur die Mitmenschen als Wesen (an-)erkennt, die gleiche Grundanliegen und Würde in Anspruch nehmen können wie man selbst – auf Gegenseitigkeit – und dass genau dazu "Kommunikation", Dialog und Pflicht (samt regulierende Ordnungskräfte) erforderlich sind.
Und sicher ist es schön, zu entdecken, dass andere Menschen – schon lange Zeit vor einem – zu denselben Gedanken und Einsichten gekommen sind wie man selbst. Das spricht für die Kraft des (vernünftigen) Denkens, das übrigens zuhörfähig und lernbereit ist – was Sache der "Überzeugung" ist.
Was das*** nun im Einzelnen sei (und was nicht), ist das, was jeder als lebenslange Aufgabe auf sich nimmt.

  • Anmelden oder Registrieren, um Kommentare verfassen zu können
  • Marcin Lupa

    Ich denke auch, dass es eine lebenslange Aufgabe ist, das rechte Reden, Denken, Handeln zu kultivieren. Hat man es erkannt, muss man es erst anwenden und dann sollte man dabei bleiben, nicht wieder davon Abstand nehmen und den Kurs wechseln, bloß weil Unwägbarkeiten oder starke Winde uns davon abzuhalten trachten.

    Es gibt einige unter uns, die haben das schon in ihrer frühesten Kindheit verinnerlicht, noch ehe sich bei ihnen eine Ratio herausgebildet hat, ist ihre Empathie ein Teil ihrer eigenen Intuition. Und sie handeln freundlich, verhalten sich freundlich mit ihren Mitmenschen.
    Ein Beispiel: zwei Kinder haben die Aufgabe weiße Tischtennisbälle in einen weißen Korb und gelbe Tischtennisbälle in einen gelben Korb zu sortieren. Dazu werden die Bälle in die Mitte des Raumes geworfen.
    Nachdem die Kinder fertig sind, bekommen sie eine Belohnung. Das eine Kind bekommt 30 Schokotaller, das andere nur 5. Was passiert als nächstes? - Einige Kinder scheinen die Ungerechtigkeit bemerkt zu haben, reagieren auf die sichtliche Trauer des benachteiligten Kindes, mit einem gerechten Aufteilen der Teller. Während das traurige Kind nichts gegen die Aufteilung einwendet, nur einfach traurig ist, bemerkt es das Kind im Vorteil und versucht die Ungerechtigkeit zu verändern. Das ist ein sehr nobles Verhalten.
    Woher kommt es? - Ist es Erziehung oder hat der Mensch ein angeborenes Unrechtsempfinden in sich, das ihn stets dazu ermahnt, das Gefühl in ein harmonisches zu wandeln?

  • Anmelden oder Registrieren, um Kommentare verfassen zu können
  • Jürgen Germann

    Womöglich: beides. Ohne Erziehung bildet sich nur sehr schwer ein Gewissen bei jungen Menschen, und ohne eigene Erfahrung bildet sich kein Empfinden und Bewusstsein, wie weh Unrecht tut, das man | wenn man es selbst e r l i t t e n hat. Und aus beidem ergibt sich im Laufe der Jahre das Gefühl der Empathie und das Bedürfnis oder die Pflicht, Gerechtigkeit zu üben.

  • Anmelden oder Registrieren, um Kommentare verfassen zu können