Licht und Schatten

Leliliah Leloli • 6 Dezember 2020
12 Kommentare
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Licht und Schatten 

Es umfängt dich so leicht wie ein Nebel, 
Kaum sichtbar und nicht zu umgeh'n.
Es vermag es durch Türen zu gehen,
die eigentlich verschlossen erschien'. 

Es zeigt sich in schöner Gestalt,
lässt Hoffnungen erstmal entsteh'n,
doch nimmt es Besitz von dir, deinem Sein,                                                                                        wird Stück für Stück untergeh'n.

Es glitzert, es klingt wohl, es bindet,
es flüstert "Es ist nichts dabei",
doch wenn es sein wahres Gesicht zeigt,
ist Freude und Leben in Stücken, manchmal gar ist es vorbei.

Nichts dieser Welt ist so taktisch,
versucht alles so zu verdrehen,
dass das, was aufrichtig versucht wird, 
zerstört wird, anstatt zu ensteh'n:

Das Böse.

Lass dich nicht vom Bösen überwinden!

 

Es liegt im Verborg'nen und wächst dort,
es sammelt die Kraft, hält sie fest,
um später bestehen zu können,
im rauhen Wind, jedem Test. 

Wenn es ein bisschen gewachsen,
wird sichtbar, was sich dort regt,
im Herzen, desjen'gen der zulässt,
dass Innere Schönheit entsteht. 

Es wächst als etwas, 
das nicht dem eigenen Wollen sich beugt,
sondern als etwas, das Kraft hat, 
and'ren zu dienen, Liebe zu Menschen nicht scheut.

Es scheint oftmals schwerer zu leben, 
zu pflegen, zu kultivier'n, 
und dennoch ist es im Ergebnis, 
das was Leben erblüh'n lässt, statt zu zerstör'n. 

Manchmal da kostet es alles, 
mit Herzlicht das Dunkle zu bann'. 
Doch glaub mir, du wirst erleben es lohnt sich,
wenn du einst siehst, wie das Licht den Kampf gegen die Schatten gewann.

Das Gute.

Überwinde das Böse mit Gutem!

Kommentare (12)

Michael Bellinger

wow, ich habe nunmehr schon einige Beiträge hier gelesen (unter anderem von einer völligen Relativierung und Subjektivierung von Gut und Böse - wie bitte?!?!), da kommt mir das Gedicht unter die Augen - und sofort, mit Leichtigkeit erreichen mich die Worte, in die Tiefe des Herzens dringen sie vor, erobert dasselbe im Sturm. Ganz WUNDERBARE Metapher. Vor allem echt, nicht pseudowissenschaftlich rational gebogen. Ein Bild, das jeder versteht! Gratulation! - ließe sich jedoch diskutieren: was ist das tertium comparationis?

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  • Leliliah Leloli

    Vielen Dank für diese tolle Rückmeldung, ich freue mich sehr darüber!! Über das tertium comparationis müsste ich noch mal eine Weile nachdenken - so ganz spontan würde ich sagen: Vielleicht ist es der Mensch selbst. Denn in ihm liegt das Potenzial sowohl Gutes als auch Böses zu tun / zu entwickeln bzw. sich davon einnehmen zu lassen. Was meinen Sie?

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  • Hannes Angelstein

    Ein wunderbarer Beitrag. Das müssten viele lesen, die sich dem Bösen tagtäglich hingeben. An das Gute zu glauben kostet eben Kraft, das zu begreifen, ist in unserer heutigen Welt sehr viel wert. Vielen Dank!👍

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  • Wolfgang Hammer

    Bilderreich zieht das Gute in dem wertvollen Gedicht den Leser in seinen Bann. Doch dann stört ein Wort das schöne Gewebe: Kampf. Erzeugt nicht Kampf Sieger und Besiegte? Oder gibt es in der Weltgeschichte einen Zustand, der „nach dem letzten Gefecht“ eine „klassenlose“, also gute Gesellschaft entstehen ließ?

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  • Leliliah Leloli

    Vielen Dank für Ihre Rückmeldung!
    Ich hatte beim Schreiben einige alltägliche Situationen vor Augen, bei denen ich tatsächlich davon sprechen würde, dass sie sich wie ein Kampf anfühlen: Kampf zwischen Zuwendung und Ablehnung, zwischen Bemühung und Abweisung, zwischen Freude und Depression, letztlich zwischen Gutem und Zerstörerischem. Und in diesen Situationen wünscht man sich ja geradezu "Sieger und Besiegte" - nicht personell, sondern inhaltlich: Das, was zerstört, soll verlieren. Insofern kam das Wort "Kampf" automatisch auf und ich empfand es als passend. Dank Ihrer Anfrage habe ich nun intensiv darüber nachgedacht und mir fiel auf, dass zumindest im Bild von Licht und Dunkelheit gar kein Kampf stattfindet - Wo Licht ist, ist keine Dunkelheit mehr, wo das Licht hinfällt, weicht das Dunkle automatisch. Das hat wenig von Kampfgeschehen. Auch wenn Sie das vielleicht gar nicht direkt meinten: Mir hat dieser nachdenkliche Exkurs gut getan - ich würde gerne direkt einen neuen Text aufsetzen :-) Danke für diese Inspiration!

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  • Wolfgang Hammer

    Der Titel des Gedichts lautet: Licht und Schatten. Das Licht produziert Schatten, wenn ein Objekt vom Licht bestrahlt wird. Hier ist also eindeutig das Licht Ursache für den Schatten, ist also vor dem Schatten da. Aber welche Funktion hat das Objekt?
    Die Entstehung des Bösen in christlichen Lehren wird Luzifer ("Lichtträger") zugeschrieben. Dieser rebellierte gegen Gott und wurde Herr der Bösen, der Hölle. Auch hier ist Licht (das Gute, Gott) vor dem Bösen existent. Inwieweit dies eine Rolle für die Einschätzung von Gut und Böse spielt, müsste man durchdenken.
    Was die Auseinandersetzung (Kampf) betrifft, würde ich gerne mal "Kampf" durch "Wandlung/Verwandlung" ersetzen und untersuchen, ob die Form nicht eine weniger militärische ist. Vielleicht könnte hierbei Ovid helfen oder auch manche Märchen.

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