Leseempfehlung: "Sternenstaub im Wind - Mit Franziska Davies und Katja Makhotina in Osteuropa"

Norbert Reichel • 6 Mai 2022
Blogbeitrag in der Gruppe Geschichte
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Leseempfehlung

"Sternenstaub im Wind - Mit Franziska Davies und Katja Makhotina in Osteuropa"

von Dr. Norbert Reichel


Wir haben immer nach Westen geschaut, selten in den Osten. Bis heute fehlt vielen von uns das Verständnis der Leiden, die Deutsche im Zweiten Weltkrieg über Osteuropa gebracht haben. Bis heute wissen viele kaum etwas vom „Holocaust by bullets“, der dem Holocaust in den Vernichtungslagern vorausging. Der Zweite Weltkrieg war ein Vernichtungskrieg. Die Rote Armee befreite, aber sie besetzte auch. Jüdinnen und Juden gerieten zwischen die Fronten.

Die Osteuropahistorikerinnen Katja Makhotina und Franziska Davies haben am 28. April 2022, dem diesjährigen Yom HaShoa, ihr Buch „Offene Wunden Osteuropas“ vorgestellt. Sie haben mit Zeitzeug*innen gesprochen, Tagebücher und Archive ausgewertet, Friedhöfe und Gedenkstätten in Belarus, Litauen, Polen, Russland und in der Ukraine bereist. Sie dokumentieren staatliche und oft aus der jeweiligen Geschichte motivierte Versuche und Strategien, bestimmte Erinnerungen zu kodifizieren und andere auszuschließen. An jedem Erinnerungsort konkurrieren Erzählungen. Welchen Mythen, welchen Legenden, welchen Voids begegnen wir? Was geschah in Leningrad, Stalingrad, im Wilner Ghetto, in den beiden Warschauer Aufständen, die so oft miteinander verwechselt werden? Welches Erbe schufen Stalinismus und der Zerfall des sowjetischen Imperiums?

Die beiden Autorinnen fragen nach dem Sinn und der Zukunft von Erinnerung, auch im Kontext des 24. Februar 2022, sie schaffen Verständnis für die Geschichte Osteuropas und fragen: kann Erinnerung Gerechtigkeit schaffen? Im Internetmagazin „Demokratischer Salon: Argumente zur historisch-politischen Bildung“ wird ihr Buch unter dem Titel „Sternenstaub im Wind“ ausführlich besprochen. Der Titel des Essays zitiert einen Vers des Poeten Lajser Ajchenrand aus Czernowitz. Texte von Joseph Roth und Lajser Ajchenrand rahmen den Essay.

Den vollständigen Essay finden Sie hier: https://demokratischer-salon.de/beitrag/sternenstaub-im-wind/


Franziska Davies

Dr. Franziska Davies ist in Düsseldorf geboren. Sie wurde an der Ludwig-Maximilians-Universität München promoviert, wo sie Osteuropäische Geschichte lehrt. Zu ihren Forschungs- und Publikationsschwerpunkten zählt die moderne Geschichte Russlands, Polens und der Ukraine.

 

 

 


Katja MakhotinaDr. Katja Makhotina ist in St. Petersburg geboren, promovierte in München und lehrt Osteuropäische Geschichte an der Universität Bonn. Mit ihren Studierenden erforscht sie seit Jahren lokale Erinnerung an die osteuropäischen Opfer in Deutschland und engagiert sich in der Gedenkstättenarbeit.

 

 

 


Buch
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Offene Wunden Osteuropas

Reisen zu Erinnerungsorten des Zweiten Weltkriegs

Das Erinnern an die Verbrechen des 2. Weltkriegs ist Fundament unseres freien, geeinten Europa – aber woran erinnert sich Deutschland, woran hingegen Osteuropa? Denn obwohl Deutschland als »Weltmeister« der Erinnerungskultur gilt, erweist sich unser Erinnern an den Vernichtungskrieg im östlichen Europa bei näherem Hinsehen als deutlich lückenhaft.

In zehn Essays, die eigentlich Reisereportagen sind, machen die Autorinnen Franziska Davies und Katja Makhotina diese deutschen Erinnerungslücken anschaulich: Lwiw, Wilnaer Ghetto, Malyj Trostenez – was wissen wir über die zweieinhalbjährige Blockade Leningrads? Was über die Ereignisse in Belarus oder im Baltikum? Und welche Orte von Leid und Tod – außer Auschwitz - gab es in Polen noch? Sehr persönlich und anschaulich, auch unter Rückgriff auf die eigenen, unterschiedlichen Familiengeschichten, und mit Besuchen vor Ort und Gesprächen mit Zeitzeugen weisen sie überraschende Wege zu einem gemeinsamen Erinnern und zu gegenseitigem Respekt in Europa.

Kommentare (2)

Gabriele Jung

Herzlichen Dank für Ihre lesenswerte und informative Rezension, aber auch für den Hinweis auf das Internetmagazin „Demokratischer Salon: Argumente zur historisch-politischen Bildung“. Eine sehr interessante Plattform!

Marcin Lupa

Erinnerungsorte an die Gräuel des zweiten Weltkriegs müssen gelehrt werden, damit diese Gräuel nicht vergessen werden und nicht wiederkommen.
Allerdings reicht es nicht nur die Nachfahren der Täter für diese Erinnerungen sensibel zu machen. Auch die vermeintlichen Befreier sollten die Geschichte dahinter kennen, damit so etwas, wie die Invasion der Ukraine durch die kremlhörige russische Armee in Zukunft nicht mehr möglich ist.

Es ist dies ein Krieg, den wir uns aus umweltpolitischen Gründen gar nicht erst leisten können (Precht).


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