Kunst diskutiert

Marie Kocsa • 13 März 2022
Diskussion in der Gruppe Foto-Beiträge
7 Kommentare
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Bei meinem fast täglichen Gang durch die Stadt, wird mir die Wegbetrachtung selbst zur Kunst, indem ich fotografierfähiges Smartphone und Notizbuch mitnehme, gewissermaßen Street Art — allerdings betrachte ich auch die Straßen, Häuser, Menschen wie Kunstwerke, und manche sind es vielleicht auch: So sehe ich viel Graffiti auf Hauswänden, Mauern, im Fahrradtunnel — Schmiererei?, Verewigung?, Statement?, Kunst? (!?) — Fragt uns Kunst nicht immer gerade das: "Was ist Kunst?" bzw "Bin ich Kunst?" Kunst diskutiert selbst am Diskurs mit. So sehe ich ein Graffiti auf einer balkontragenden Säule, das treffenderweise fragt: "Can you feel me?" — macht aufmerksam auf die Beziehung zwischen Betrachter und Betrachtetem, auf entstehende Emotionen (welcher Art auch immer), auf das Fragen selbst.

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Kommentare (7)

Merchan Agaricus

Interessante Methode. Trägt offensichtlich Früchte.

Michaela N.

Ich erlaube mir zu korrigieren das das keine Street Art ist.

Das ist eine von Menschenhand animalische Reviermarkierung. Sogenanntes writing.

Kunst will mitteilen. Aber alles was mitteilt, ist eben dann doch nicht Kunst.

Michaela N.

Für das allgemeine Verständnis ist noch hinzuzufügen, daß sich diese Kürzel-Sprays ""Tags" nennen.

Deshalb habe ich auch erwähnt das es sich hierbei nicht um Street Art handelt.

Ein "Tag" bedeutet, daß durch den Kürzel mitgeteilt wird, daß derjenige hier an diesen Ort war.
Und in dieser sogenannten Szene zählt die Quantität des Tags und somit erhoffen sie sich "gesehen" zu werden.

Aber für mich ist das keine Kunst, denn Street Art trägt zur Verschönerung bei und kann in der Tat als Kunst bezeichnet werden.

Wer schon mal Berlin besucht hat, hat sicher schon einige interessante Bilder gesehen die z. B. großformatig an Hauswandseiten platziert werden.

Von der Eastsidegallery ganz zu schweigen. Einige sind wirklich beeindruckend.

Merchan Agaricus

Ich habe meinen Kommentar bezogen, auf die Art und Weise wie die Beitragende mit dem Fotoapparat Spaziergänge durch die Stadt macht und sie im gewissen Sinne als drittes Auge gebraucht - mit der Möglichkeit, die gesammelten Daten zu speichern und sie dann weiterzuvermitteln.

Die sogenannten "Tags" der Szene empfinde ich persönlich als Verschandelung und in vielen Fällen sogar als Vandalismus.

Die Methode der Beitragenden die Welt zu betrachten, gefällt mir. Daher der Like.

Michaela N.

Ich halte es auch für wichtig darauf aufmerksam zu machen.

Und ich glaube, vielen in der Bevölkerung ist nicht bewusst, wie viel Planung und Kosten in diversen Bauwerken steckt. Egal ob Wohnhaus oder historische Gebäude und genauso diese zu erhalten.

Würde das Jugendlichen in den Schulen auch mal erklärt werden, wenigstens in Rahmen von AGs, würde sich sicher bei vielen das Bewusstsein wenigstens etwas ändern.
Allein was ein Fassadenstein kostet oder ein einzelner Pflasterstein. Wie sie produziert werden oder wie aufwendig es ist, sie von tags zu befreien.

Die Wertschätzung ist wegen Unwissenheit denke ich verloren gegangen.

Vorallem im Bezug auf den Krieg, sollte es ein jeden bewusst sein wie wichtig ein Dach über unseren Kopf ist. Wer sein Heim liebt und dankbar dafür ist, würde es nicht verschwanden.

Vielleicht ändert sich das Bewusstsein auch in der jungen Bevölkerung wenn sie verstehen lernen, wie wichtig ein Zuhause ist und wie dankbar wir dafür sein müssen.

Marie Kocsa

Danke für die Kommentare und den einen Like!
Allerdings muss ich berichtigen: Ich habe lediglich meine Weise, mir die Stadt zu ergehen und zu erschreiben, sie zu betrachten, als "Street Art" bezeichnet — an keiner Stelle diese Graffitis bzw. noch genauer "Tags". Ich stelle lediglich die Frage danach, was diese Art Graffitis sein sollen: eben z.B. auch Schmiererei (so empfinde ich diese im Übrigen auch meistens, aber darum geht es hier nicht) — hier im Fragen (im TEXT) werden sie jedoch: Metapher für Kunst und ihren Diskurs. Was die Betrachtung meiner Stadt anbelangt: So gehören sie nunmal zum Erscheinungsbild dazu, und als neutraler genauer Betrachter übersieht man sie nicht in der eigenen Betrachtung.
Für mehr Bewusstsein und Achtung vor Gemäuer und Gebäuden, vor allem auch im Sinne: vor dem Eigentum anderer Leute, wären spezifische Kurse an Schulen durchaus eine gute Idee. Da gäbe es allerdings noch eine Menge mehr, was Menschen jeden Alters lernen könnten, z.B. die "Jugend" nicht für allgemein blöd, ungebildet, unwissend zu halten. Es gibt auch Jugendliche, die ihren Großeltern zuhören, was sie aus ihrem Leben zu erzählen haben — zu denen gehöre ich zufälligerweise, weswegen mich der letzte Kommentar doch auch persönlich trifft, denn mir stehen die alten Geschichten in mein Blut geschrieben und ich werde sie auch meinen Enkelkindern so weitergeben, wie meine Oma sie mir weitergegeben hat, als hätte man sie selbst alle erlebt (und das sind keine rosigen Geschichten). Es ist eine Minderheit, die achtlos an Häuserwände schmiert, und das muss immer auch bedacht werden.

Michaela N.

Ja das stimmt leider. In Schulen wird nur noch Wissen vermittelt. Aber die Dinge des Lebens habe ich in 13 Jahren Schule von keinen Lehrer vermittelt gekriegt. Was ich sehr traurig finde. Allerdings habe ich gemerkt, daß das auf Schulen in ländlichen Regionen nicht der Fall ist und das finde ich schon etwas hoffnungsbringend.


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