Kunst als Leiden

Martin Gelland • 13 März 2022
Diskussion in der Gruppe Foto-Beiträge
5 Kommentare
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Gerade in der aktuellen politischen Lage dürfte Kunst, die das Tragische vermittelt, ihren Platz haben. Eine Pietà wäre das Symbol für enormes Leiden, für unsäglichen Schmerz. Religiöse Kunst wurde damals in der Renaissance und dem Barock in der Kontemplation unmittelbar erlebt. Es ging so weit, dass in Bußübungen und Selbstkasteiungen der Betrachter die Leiden als Akteur am eigenen Körper nicht nur erleben sollte, sondern sich die Schmerzen sogar aktiv zuführte, um sich dadurch mit den Inhalten vereinigen zu können.

DIese Pietà aus der schwäbischen Barockkirche Betenbrunn fotografierte ich aus einer speziellen Perspektive heraus. Ich wollte damit nur Teile aufzeigen, die Gestik Marias, ihre Qual zeigend, und der Leichnam, quasi als Torso.

Pietà

 

Kommentare (5)

Merchan Agaricus

Sehr geehrter Herr Gelland,

wie ich finde, ist es eine gelungene Aufnahme. Sie vermittelt das Leiden, dass hier symbolisiert wird und dem jeder Mensch auf seine individuelle Weise teilhaft wird.
Da ist es gerade gut, dass die Figuren kein "Gesicht" haben. Wir wissen, es handelt sich um christliche Elemente, doch der Betrachter kann sich so selber besser hereininterpretieren. Schließlich dienen ihm diese Figuren als Spiegel. Auch unsere Mütter, sahen uns sprichwörtlich tausend Tode sterben und starben sie mit uns mit, in ihrem Elend, den Söhnen Schutz zu bieten.

Aktuell sterben unzählige Söhne in der Ukraine und es sind Mütter, die sie zu Grabe tragen. Dabei ist für Eltern das Schlimmste und schlimmer noch als der eigene Tod, seine Kinder zu verlieren. Jedenfalls empfinde ich so. Daran erinnert Ihre Fotographie.

Einen schönen Sonntagabend Ihnen
Marcin Lupa

Martin Gelland

Sehr geehrter Herr Lupa,
vielen herzlichen Dank für Ihre liebevollen Reflektionen. In der Tat, seitlich (auf dem Foto sind es die runden Kreise) sind zehn Tafeln, jeweils mit dem Namen eines Gefallenen des 1. Weltkrieges angebracht. Diese Pietà-Figur, die selbst aus der Barockzeit stammt, wird hier zu einem doppelten Symbol.

Merchan Agaricus

Egal welche Nation und welcher Krieg. Keine Eltern sollten ihre Kinder überleben müssen.

Gesine Hitschler

Lieber Herr Gelland,
diese Perspektive der Pietà hat eine unglaublich starke Aussagekraft. Die Aufnahme drückt genau das aus, was Sie uns vermitteln möchten. Herzlichen Dank für diesen Beitrag.

Mechthild Kersken

Danke für diese beeindruckende Aufnahme! Es gibt gerade in der Volkskunst sehr beeindruckende Plastiken der Pieta. Ja, und sie haben viel mit der Kriegssituation zu tun. Ich wünschte, die russischen und ukrainischen Mütter und würden mehr gehört werden.


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