Kulturtechniken im öffentlichen Raum

Andreas Müller • 28 März 2020
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„Als ich mich kürzlich nach Hause zurückzog, entschlossen, mich künftig soweit wie möglich mit nichts anderem abzugeben, als das Wenige, was mir noch an Leben bleibt, in Ruhe und für mich zu verbringen, schien mir, ich könnte meinem Geist keinen größeren Gefallen tun, als ihn in voller Muße bei sich Einkehr halten und gleichmütig mit sich selbst beschäftigen zu lassen – hoffte ich doch, daß ihm das nunmehr, da er mit der Zeit gesetzter und reifer geworden ist, leichter fallen werde. Nun aber sehe ich, daß umgekehrt
der Geist, vom Müßiggang verwirrt,
zum ruhelosen Irrlicht wird;

wie ein durchgegangnes Pferd macht er sich selber heute hundertmal mehr zu schaffen als zuvor, da er für andre tätig war; und er gebiert mir soviel Schimären und phantastische Ungeheuer, immer neue, ohne Sinn und Verstand, daß ich, um ihre Abwegigkeit und Rätselhaftigkeit mir mit Gelassenheit betrachten zu können, über sie Buch zu führen begonnen habe.“

Aus: Michel de Montaigne, Essais, Erstes Buch, „8 Über den Müßiggang.“, Erste Moderne Gesamtübersetzung von Hans Stilett, Eichborn Verlag, Frankfurt am Main, 1998, S. 20. Übrigens lebte Montaigne danach noch 20 Jahre.

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