Der Kulturbegriff und seine Bedeutung für den Einzelnen

Tim-Niklas Zimmer • 24 April 2021
Diskussion in der Gruppe Geschichte
7 Kommentare
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Bild: Runenstein von Skårby 1 vor dem Freilichtmuseum Kulturen in Lund (Schweden). Von spi516 - https://www.flickr.com/photos/spi/18081942/, CC BY-SA 2.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=4694629

 

Kultur: Ein Begriff, der vieles sein kann, ganz verschiedene Bereiche umfasst, von den verschiedensten Gruppen für sich reklamiert wird. Ob Esskultur, Sprachkultur, Rechtskultur, ob die Kultur eines Landes oder einer Region, einer Branche oder eines Systems, sie alle fallen unter den Kulturbegriff. Benutzt man den Begriff allein, ohne Erweiterung, so kommen zunächst Theater, Literatur, Film, bildende Kunst, Malerei und Musik in den Sinn. Geht man zu den Wurzeln des Begriffs, dem lateinischen „cultura“, so stößt man noch auf eine weitere Bedeutungsebene in der Landwirtschaft und inzwischen auch in der Biologie, wie beispielsweise beim Begriff „Zellkultur“. Grundsätzlich ist der Begriff positiv oder zumindest neutral besetzt, inzwischen wird er aber auch mit negativen Ergänzungen verwendet, etwa wenn von einer „Kultur der Angst“ gesprochen wird.

Dass sich dies alles in einer einzigen Bezeichnung verbindet, ist selbst Ausdruck unserer Kultur und unserer Kulturgeschichte. Zwar stand der Begriff nie für sich allein, bedeutete schon von Anfang an sowohl die Pflege des Bodens oder Ackerlandes als auch die Pflege des Geistes. Durch die Entwicklungen der Jahrtausende konnten wir aber immer mehr Teilgebiete ausmachen, Spezifizierungen finden. Kultur lebt mit und in der Zeit, wird immer wieder neu erfunden und neu gedacht, erweitert und anderswo reduziert. Sie wird teils aufgegeben, später wiederentdeckt und weiterentwickelt. Kulturen vermischen sich, ziehen Gewinn aus anderen Kulturen, passen sich an.

Was jede und jeder Einzelne als Kultur empfindet, kann schließlich nur auf eigener Überlegung beruhen. Ich bleibe stets auf der Suche und freue mich, wenn ich meinen persönlichen Kulturbegriff und meinen Horizont immer wieder erweitern kann.

Kommentare (7)

Marcin Lupa

Sehr knapp gehaltener, dennoch auch sehr zugtrefflicher Text. Chapeau. Sie haben in wenigen Worten erklärt, was Kultur für Sie bedeutet.
Gleichzeitig ergänzen Sie den Kulturbegriff durch eine negative Form. Das hat hier im diesmaligen Schreibwettbewerb noch niemand hervorgehoben, denken ich. Die "Kultur der Angst" wäre sie demnach eine "Unkultur"?

Mir gefallen Ihre Ausführungen und Ihren letzten Sätzen schließe ich mich gerne an.

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  • Tim-Niklas Zimmer

    Vielen Dank für die lobenden Worte. Wie die "Kultur der Angst" und ähnliche negativ konnotierte Wortbildungen zu bewerten sind, muss meines Erachtens ebenso dem und der Einzelnen überlassen werden - man kann dies als "Unkultur" betrachten, aber auch als eine der zahllosen Erweiterungen des Kulturbegriffs, wozu ich eher tendiere.

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  • Marcin Lupa

    Da abstrahiere ich. Fragmente der Kultur, die negativ anmuten nenne ich persönlich deren Gegenteil. Die Nazis, Pol Pot, Stalin, Mao, Idi Amin, Gaddafi, Putin, Erdogan, Assad, für mich persönlich sind das Leute ohne Kultur und jegliche Würde.

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  • Tim-Niklas Zimmer

    Ich bin Vertreter der Haltung, dass auch Menschen, die Schreckliches tun, ihre Menschenwürde nicht verlieren. Wenn man Kultur im Sinne von Anstand versteht - eine weitere Bedeutung, die dem Kulturbegriff innewohnt -, ist Ihre Position für mich nachvollziehbar. Da der Kulturbegriff jedoch so vielseitig ist, fällt es mir schwer, Menschen jede Kultur abzusprechen - so scheint es mir nicht unmöglich, dass Menschen gleichzeitig durch Morde u.ä. kulturelle Werte verleugnen, dabei aber etwa eine besondere Esskultur pflegen.

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  • Marcin Lupa

    So gesehen haben Sie Recht. Es gibt wohl das Paradox der kultivierten Bestien.
    Meiner bescheidenen Meinung nach verlieren diese aber ihre Würde eben durch ihr Verhalten.
    Darüber gibt es sicherlich Diakussionen bei philosophischen Seminaren. Kann der Mensch seine Würde überhaupt verlieren oder bleibt sie, wie in Artikel 1 des GG vereinbart, unantastbar?

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  • Tim-Niklas Zimmer

    Selbstverständlich kann der Verlust der Menschenwürde diskutiert werden, dies wird auch im rechtswissenschaftlichen Studium behandelt. Meine Haltung ist diesbezüglich aber sehr klar, die Würde des Menschen muss stets gewahrt bleiben, auch wenn dies manchmal schwer fällt und auch wenn es auf tatsächlicher Ebene immer wieder zu Verstößen kommt.

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  • Marcin Lupa

    [~274], es freut mich, wenn Sie darin unbeirrbar sind. Das ist moralisch sehr löblich.
    Ich gehe nun davon aus, dass Sie selber ein Jurist sind oder zumindest ein rechtswissenschaftliches Studium absolviert haben.

    Ich bin nur ein Laie, was die Rechtsstaatlichkeit betrifft. Als moralischer Mensch, kann ich Ihre Argumentation nachvollziehen. Jedoch regt sich in mir eine Empfindung - ich bin mir dessen bewußt, dass in unserer Welt der Rationalität, Empfindungen schlechten Stand haben -, dass einige Verbrechen gegen die Menschlichkeit nicht gesühnt werden können. Daher ist für mich persönlich die Menschenwürde verhandelbar. Auch wenn ich natürlich den Weg der Anpassung wähle und nicht gegen eine staatlich verhängte Regelung protestiere. Ich erkenne klar, dass die Zukunft dahin geht, noch mehr das Grundgesetz und die Verfassung zu stärken und das ist angesichts der Gefahren, die von individuellen Meinungen und Affekten ausgehen, auch sehr gut.

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