Kultur – kommt darauf an, was man damit anfängt und wo dies endet

Jürgen Germann • 6 April 2021

Je nach Blickwinkel und Sprachgebrauch kann man den Ausdruck „Kultur“ sehr allgemein und breit verwenden und detailreiche Definitionen und Sachartikel verfassen. Um solche Wissenschaft geht er mir hier nicht. Sondern um die praktischen und nützlichen Seiten von dem, was wir mit „Kultur“ anfangen.

Grober kategorisiert, stellt „Kultur“ dreierlei dar:

  • was überliefertist an besonders wertvollen, kunst- und geistreichen „Kultur“-Gütern, Objekten und Bräuchen– und was (nur) bewahrt, aber auch praktisch gebraucht und gepflegt wird, wo und wie auch immer
  • was man als „Kultur“ der eigenenwie anderer Nationen im Bewusstsein hält und zur Identität, zum Selbstbewusstseinbeiträgt, das jeweils in relativ engen Grenzen geschätzte Kulturgutvon Bürgern eines Gemeinwesens, die mit Stolz auf diese Leistungen (meist von Vorfahren) blicken
  • was man an „Kultur“ praktisch wahrnimmt, rezipiert und was man selbst daraus macht– im weiteren Sinn die tägliche und lebenslange kulturelle Praxis, der Umgang mit Kulturen und Kulturgütern, der eigene Beitrag dazu – für das eigene Leben und die Kultur des eigenen Landes, .... und das in so vielen Bereichen wie Spiritualität | Religion, Wissenschaft, Bildung und Lernen, Philosophie, Umgangsformen und Ethik, Werke der Musik, Literatur, bildenden Kunst, Medien und deren Dutzende Facetten, Baukunst und Stadtkultur, Sport, Körperkultur, Mode, aber auch Sprache, Ernährung,  regionale Küche, Kochkunst und Keramik, Tisch- und Wohnkultur, Gesprächskultur, Sport und Spiele ... und manches mehr.

 

Als weitere Dimension von Kultur ist die Graduierung und die jeweilige Qualität: Güte, Breite, Art und Beschaffenheit, Ausmaß, Verfügbarkeit von Kulturgütern und die Intensität ihrer jeweiligen praktischen Nutzung und  Vollzüge zu betrachten.

Jegliche Art, Form und Typus von Kultur kann in allen historischen Stadien von regionalen Kulturen der Welt im besten Sinn „guter Brauch“ und „wertvolles Gut“ sein,–  es gibt aber auch die Abgründe der minderen oder  schädlichen Auswirkungen von schlechten Kultur-Praktiken.

Erinnert sei hier nur an inhumane Exzesse von ideologischen, religiösen und politischen Vereinigungen, an den Missbrauch von Wissenschaft(en) und Wissenschaftlern für Munition, Waffen, Kriege, Folter, von dominanter Eroberer-Kultur für Unterwerfung, Versklavung, Ausbeutung und Betrug, aber auch die ausufernde Schaffung von industriellen Kunststoffen, weltweiten Rohstoffverschleiß, industrielle und chemische Produktion in übergroßem Ausmaß und die Exzesse von Profit-Gierigen. Nicht zu vergessen „Pseudokunst, Pomp, Ramsch und Kitsch“.

Nicht zuletzt zu nennen: die Kultur maßlosen Massen-Konsums, Reisens, der Telekommunikation, Big DATA und KI, der Unterhaltung ... durch Milliarden freiwilliger Konsumenten – und der so genannte "zu fördernde weltweite  Wohlstand", sofern alles Maß des Verträglichen bedrohlich überschritten wurde.

 

Alles weitere sei diversen Kultur-Diskursen Interessierter überlassen. Die vielfältigen Stärken und Probleme lassen sich weder kurz abhandeln noch einfach und schnell lösen.

Auch soll hier nicht besserwisserisch geurteilt werden. Worauf es mir bei der Frage „Was ist Kultur“ ankommt, ist eine Anwendung dieser Frage auf uns Menschen, lebendige Personen, auch auf mich.

Was trage ich – was jeder andere Mensch auf seine Weise ebenso – zur Kultur bei?

Das mag jeder für sich beantworten. Jedenfalls weiß ich meine Beteiligung daran:

  • Ich | wie jeder Mensch –  bin Teil der kleinen wie großen Ökonomie, in denen wir alle und jeder zumindest als Konsumenten an allem mitwirken, was vermeintlich nur im Namen der „Wirtschaft“ geschieht. Wer sonst noch alles als Produzent –  Arbeitnehmer und Arbeitgeber  – sowie als Distribuent (Händler), mannigfaltige Dienstleister, als Sparer | Anleger und als staatliche wie private Verwalter und als universelle(r) Wissenschaftler(in), Techniker und Erfinder mitwirkt, sei hier nur angedeutet.
  • Ich habe Anteil an der nationalen Bildung und Wissenschaft genossen und mir eigene Bildung und Kultur angeeignet, ich habe Zugang zu Kulturgütern aller Art im Land und im Ausland und kann sie auf meine Weise nutzen, auch anverwandelnd eigene Kulturgüter schaffen oder dazu beitragen, indem ich schreibe, kunstwerkele, disputiere, in kleinen oder großen Kreisen mitwirke ... und Publikum bin.
  • Meine täglichen Beiträge zur ökonomischen und Umwelt-Kultur (und Unkultur) wirken: von Konsum (auch kultureller Güter), Wohnung und Ernährung über Gespräche mit Zeitgenossen / Nachbarn  bis zu den Fahrten mit Automobil (Diesel und Elektro-Auto), Fahrrad, öffentlichen Verkehrsmitteln – bis hin zum Abfall, den die lokale Behörde wegschaffen lässt. Auch die sehr geringe Zahl von Reisen ist (m)ein Beitrag zum großen Ganzen.

Eigentlich möchte ich meine (wbg- und) Zeitgenossen, Nachbarn und Mitbürger nur einladen, sich möglichst Gutes von Kulturen anzueignen und schätzen zu lernen. Möchte zu Gesprächen über uns und unsere Welt(en) einladen. Hoffe, dass wir uns im Denken treffen und verständigen, aus Respekt vor dem Nächsten zuhören und erkennen, dass wir in Gesprächenund Denken einander begegnen und miteinander weiter kommen.

Jürgen Germann

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