Kultur als Problem seit der Antike?

Luca Rosenboom • 8 April 2021
Diskussion in der Gruppe Geschichte
20 Kommentare
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Kultur – ein geläufiges Alltagswort, oder doch nicht? Beinahe jeder benutzt es, doch erklären kann man diesen komplexen Begriff meiner Meinung nach nicht. Dafür erscheint es umso reizender, sich ihm – zumindest überblicksartig – in einer historisch-semantisierenden Form anzunähern.

Das lateinische Wort cultura hat vielerlei Nuancen, vom „Anbau“ bis hin zur „Pflege“ resp. „Bildung“, wobei zu sagen ist, dass die Römer den Begriff Kultur, der vorwiegend einen Prozess beschreibt, eher gen seelisch-geistige Natur übertragen haben (cultura animi). Neben der cultura animi gibt es noch die Pflegekultivierung (Ackerbau) und Körperkultivierung (Sport). Hieraus lässt sich konstatieren, dass die Kultivierung immer eine Art Arbeit bzw. eine Bemühung ist, insofern ein Mensch – und dafür ist er ja gemacht – nach Entfaltung und Entwicklung seiner Potentiale trachtet, um einen höherentwickelten Zustand zu erreichen. („Durch unsere Hände versuchen wir inmitten der Natur gleichsam eine andere, zweite Natur zu schaffen“, Cicero, Tusculanen)

Dieser Prozess lässt sich gut durch den lateinischen Begriff cultus beschreiben, aus dem gewissermaßen das „Endprodukt“ durch die stetige Pflege resultiert: die höhere Lebensweise, Lebensart oder die Zivilisation (hier ist natürlich Vorsicht geboten, um nicht Gefahr zu laufen, moderne Maßstäbe heranzuziehen). Hier lässt sich mit Cäsar, wie eingangs erwähnt, eine Definition ex negativo vornehmen, indem er die ‚zivilisierte Welt‘ der Römer immer wieder durch die Charakterisierung der Barbaren (Bsp. Menschenopfer, BG 6,16. Übrigens: das altgriechische Wort βάρβαρος bedeutet „sabbelnd/stammelnd“, „ungriechisch“, „ungebildet“) hervorhebt. Dies sorgte mitunter bei den Kulturmenschen, die imstande zu lesen waren, für Abscheu und Geringschätzung, insofern den Barbaren eine gewisse Unberechenbarkeit konzediert wurde, Menschen ohne Recht und Gesetz, gottlos, frevelhaft. Mit anderen Worten: eine primitive Kultur, die man durch Romanisierung kulturell und sprachlich anpassungsfähig machen wollte (Bsp. Tacitus, Agricola). Dies darf natürlich nicht darüber hinwegtäuschen, dass diese ablaufenden Anpassungsprozesse nicht nur von römischer Seite ausgingen. Schließlich profitierten auch die Unterworfenen von einer Akkulturation an den römischen Lebensstil.

Sobald man auf andere Kulturen stieß – vor allem im östlichen Bereich – waren Probleme verschiedener Art aufgrund der vorherrschenden Rivalität zwischen Ost und West bzw. Orient und Okzident vorprogrammiert: Das propagierte imperium sine fine Vergils hatte seine Grenzen. Mit dem bellum iniustum (ungerechten Krieg) gegen die Parther 53 v.Chr. erlitt die römische Expansion und damit auch die Verbreitung ihrer Kultur einen herben Rückschlag, hatte Crassus doch das Fetialrecht, ungünstige Vorzeichen und sämtliche ethische Normen der Kriegsführung missachtet. Auch die (propagandistische) Rückgabe der Feldzeichen an den princeps Augustus konnte dies nicht wettmachen.

Generell führt(e) ein Aufeinandertreffen verschiedener Kulturen schnell zu Vorurteilen auf Grund anderer, fremder Strukturen in religiöser, politischer oder sprachlicher Hinsicht. All diese Faktoren sorg(t)en letztendlich für eine Kluft zwischen Ost und West, obwohl sich beide doch gegenseitig befruchtet haben, denken wir doch nur an Alexander den Großen, seinen Nachfolgestaaten und an das kulturelle Erbe, was letztendlich dafür sorgte, dass „wir“ doch gar nicht so verschieden sind.

Ich habe versucht, viele Punkte anzuschneiden, die deutlich machen, wie vielfältig und kontrovers der Kulturbegriff eigentlich ist, wobei ich mich nur auf die Antike beschränkt habe. Letztlich bleibt mir zu sagen, dass ich mich über anregende Kommentare freuen würde!

Kommentare (20)

Marcin Lupa

Hallo Herr Rosenboom,

ich kommentiere gern, da ich Ihren Auszug sehr anregend fand. So erklärt sich mir der Kulturbegriff aus ihrer Sicht auf eine etymologische Art. Und das ist bereichernd. Die verschiedenen Felder, die der lateinische Begriff "cultura" umfasst zeigen wie Sie gesagt haben, eine deutliche Tendenz. Es geht ihnen allen auf unterschiedlichen Feldern um Entwicklung.

Im Polnischen gibt es den Begriff der "kulturystyka". Das ist übersetzt, die Körperkultur, die man anwendet, wenn man die Tätigkeit des Bodybuilders beschreibt. Aus weniger wird dabei mehr, genauer, besser, funktionaler, anschaulicher.

Sie haben geschrieben: "Hieraus lässt sich konstatieren, dass die Kultivierung immer eine Art Arbeit bzw. eine Bemühung ist, insofern ein Mensch – und dafür ist er ja gemacht – nach Entfaltung und Entwicklung seiner Potentiale trachtet, um einen höherentwickelten Zustand zu erreichen." - das stellt es sehr genau dar, was im Sinne von Kultur jeglicher Art geschieht. Es ist eine Art von Bildung und Entwicklung.

Mir sind in meinem Leben etliche Ethnien begegnet, die eine eigene Kultur hatten. Unterm Strich betrachte ich sie alle als verschieden in ihrer Mythologie, ähnlich aber in ihrem Drang zu mythologisieren.
Daher denke ich, dass Roms Barbaren genauso, wie die Völker, die ich auf meinen Reisen besuchte, eine eigene Rom ähnliche Kultur hatten, die jeweils auf einem bestimmten Stand ihrer individuellen Entwicklung war. Und dann kam es zu Fusionen, vom ersten Augenblick der ersten Begegnung an.

Was im Falle der Indigenen Ureinwohner Amerikas geschah, als die europäischen Eroberer ihre Länder betraten, ist beschämend, weil eine Kultur die andere verdrängte, sich anmaßend höherwertig zu sein, wo doch Wasser zu predigen und Wein zu trinken, wie das Christentum es damals tat, also christliche Werte und soziale-ethische Verhaltensweisen mit Gewalt, Mord und Folter zu erzwingen, nicht höherwertiger sein kann, als blutrünstige religiöse Rituale zu Ehren von Gottkönigen abzuhalten, wie Mexica, Inka und Maya es taten.

Bleibt zu hoffen, dass wir aus den Fehlern unserer Vorfahren lernen und möglichst ein Miteinander anstreben; das trotz vielerlei Kulturunterschiede. Bei uns in Bayern ist Bier das Sakrament, bei den Huicholes in Sonora, der Peyotl.
Ich habe beides probiert und habe doch ein ganz eigenes Bewusstsein und eine Vorliebe für gänzlich andere Leckereien. Und das im Geiste einer weltoffenen persönlichen Kultur.

Es grüßt Sie,
Marcin Lupa

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  • Luca Rosenboom

    Vielen Dank für ihren schönen Beitrag Herr Lupa! Mein anderer, wesentlich längerer Beitrag wurde auf Grund meiner schlechten Internetverbindung leider nicht hochgeladen. Nun denn. Besonders gefreut habe ich mich darüber, dass sie Bodybuilding - eines meiner persönlichen Leidenschaften - ins Spiel gebracht haben. Bodybuilding ist in der Gesellschaft aber leider mit einer gewissen Abwertung verbunden (meist wird man lediglich auf den Körper reduziert und es wird oft die harte Arbeit, die dafür erforderlich ist, gänzlich missachtet. Oft wird man auch, salopp formuliert, als „dumm“ abgestempelt - zumindest meiner Erfahrung nach). Dabei steckt in Bodybuilding nach dem Prinzip Ciceros so viel mehr: Es wird nicht nur der Körper, sondern noch viel mehr der Geist gestärkt, denn es ist auch eine gewisse Willensstärke erforderlich. Und nicht nur das: Auch die damit einhergehende Ernährung sorgt für ein besseres Wohlbefinden, nicht nur körperlich, sondern vor allem kognitiv.

    „Und dann kam es zu Fusionen, vom ersten Augenblick der ersten Begegnung an.“

    Sehr treffend formuliert! Die Fusionen, oder anders: die kulturellen Interferenzen sind bereits seit der mykenischen Kultur belegt, die u.a. durch die vielfältigen Handelsbeziehungen ermöglicht wurden. Doch nicht nur das: Häufig ziehen wir die römische Gesellschaft als Beispiel heran, was man angesichts der fruchtbaren Quellenlage auch nicht verübeln kann, allerdings vergessen wir oftmals den frühen Hellenismus, der vor Multikulturalität nahezu nur so strotzte. Erwähnt sei in diesem Zusammenhang nur mal Alexander der Große, den zwar viele als „den Griechen“ schlechthin sehen, der sich allerdings auch in die Kultur des Dareios (Perserkönig) stellte bzw. als siegreicher Nachfolger seines Perserreiches sah.
    Viele Grüße

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  • Marcin Lupa

    Ich halte sehr viel vom Bodybuilding und mir sind in der "Mukibude" sehr viele intelligente Menschen begegnet.
    Nicht nur Akademiker betreiben "Fitness", auch sehr viele schlaue Handwerker oder Kaufleute, etc..
    Ich habe generell großen Respekt vor Menschen mit sogenannten niedrigqualifizierten Berufen, denn oft sind es diese, die durch einen besonderen Werdegang überraschen. So habe ich gerne mit einem Altenpfleger schriftlich korrespondiert, der in seiner Freizeit nicht nur die Griechen und Römer gelesen hat, sondern auch viele interessante Artikel zum Thema Psychologie, allem voran Narzissmus geschrieben hat. Die veröffentlichte er auch in unterschiedlichen Zeitschriften als freier Journalist. Mehr online als im Bereich Print. Trotzdem waren sie gut formuliert und erweiterten mein Wissen.

    Beim "Bodybuilding" ist mir ein Bodenleger begegnet, der über ein Jahr in einem Ashran in Indien verbracht hat und dort Yoga zu einer Perfektion gebracht hatte, die einen hiesigen Yogalehrer weit in den Schatten stellt. Darüber hinaus war er ein lebenserfahrener Denker, vielleicht so etwas wie ein Philosoph ohne akademischen Abschluss.
    Er war schon etwas älter, nahe an der 60 und trotzdem fit, wie ein "Turnschuh". Sein Bizeps war darüber hinaus so groß, wie mein Oberschenkel. Ein imposante Gestalt von weisen Menschen, groß, gut trainiert, interessant.

    Bezüglich Ihrer Internetverbindung kann ich sagen, dass ich immer die Texte zuerst in einem Schreibprogramm (ich habe das kostenlose Open Office auf meinem Mac) verfasse, ehe ich sie herauskopiere und hier in die Themenfelder setze. Vielleicht ist das eine Idee, wie Sie es vermeiden Texte zu verlieren? Gerne hätte ich die Langversion Ihres Kulturbeitrags gelesen.

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  • Luca Rosenboom

    Danke, dass Sie ihre Erfahrungen teilen - man wird schon fast melancholisch, wenn man an vergangene Erlebnisse denkt. Ich hoffe, dass wir sehr bald wieder welche sammeln können und vor allem dürfen.
    Der Tipp bezüglich ihres Schreibprogramms ist mir auch eingefallen, allerdings erst nachdem die Internetverbindung gekappt wurde und der Text verschwunden war. Aus Fehlern lernt man. ;-)
    Ein schönes Wochenende wünsche ich

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  • Marcin Lupa

    Danke, Herr Rosenboom, ich wünsche Ihnen auch ein schönes Wochenende.

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  • Marcin Lupa

    Lieber Herr Rosenboom,

    ich will noch auf Ihren "mens san in corpora sano" Bezug nehmen.
    Ich selber bin so aufgewachsen, dass Literatur, Politik und Sport Hand in Hand gingen. Mein Vater (ein studierter Jurist und Philologe, der als Direktor der Tourismusabteilung beim größten Stahlbauunternehmen in Polen arbeitete) las mir in meiner Kindheit sowohl die Zeitung und einige schöne Bücher vor, nahm mich als auch zum Schwimmen, Tennisspielen mit und spielte mit mir Pingpong, Badminton, sowie Fußball.

    Später ging ich ins Tennistraining, schwamm im Verein, spielte Fußball im Verein, fuhr Ski (auch Tourenski).
    Das Klischee würde sagen, dass gerade unter Tennisspielern die meisten Intellektuellen zu finden sind. Zum Golfen bin ich nie gekommen, da mir die finanziellen Mittel gefehlt haben. Auch für den Polosport - den Sport der weißen Eliten - reichten meine Bezüge nie. Ich habe nicht einmal das Reiten gelernt und das obwohl mein Urgroßvater väterlicherseits bei der Kavallerie gedient hat (dafür reitet meine elfjährige Stieftochter gern). Er nahm mich immerhin, als ich Kind war, auf die Rennbahn mit und ließ mich auf Pferde wetten.
    Später lernte ich in der Schule Basketball und spielte es als Jugendlicher im Verein.
    In all der Zeit begleitete mich Bildung in Form von Schule und die Auseinandersetzung mit Literatur, darunter auch Philosophie.

    Dann folgte eine Phase des Absturz, die einherging mit schlechten Leistungen auf dem Gymnasium und der Hinwendung zur Musik und zu Drogen. Der Sport blieb auf der Strecke und auch kognitiv baute ich stark ab. Die Droge, die mich zusammen mit meiner Tätigkeit als Sänger einer Rockband (,die mehr schlecht als recht war, obwohl aus ihr der Gitarrist von Franz Ferdinand, Nick McCarthy, hervorging und mit Benedikt Schiefer ein begnadeter Komponist von Filmmusik) in ein geistiges Delirium stürzte, war das Cannabis.
    Ich schloß die Schule mit nur einem Fachabitur ab und beendete mein anschließendes Studium der Kameraarbeit auf der Bayrischen Akademie fürs Fernsehen nicht. Stattdessen kiffte ich mich in den Bayrischen Voralpen weg, Klettern und Bergsteigen kamen zu meinen sportlichen Aktivitäten hinzu.

    Erst als ich aufhörte Cannabis zu konsumieren, und meiner geistigen Verwahrlosung ein Ende bereitete, konzentrierte ich mich wieder mehr darauf, ein Ausbildung abzuschließen und mehr Sport zu machen. Ich stieg weiterhin in die Berge, kletterte Alpin, spielte Tennis und Basketball im Verein. Meine Auseinandersetzung mit Basketball und Bodybuilding führten dazu, dass mein Körper irgendwann einmal mit 110 kg auf 190cm verteilt, dem eines Adonis gleichkam. Auch mein Geist wurde wieder agil. Und daher kann ich nur bestätigen, dass Sport und Intellekt zusammenfinden.
    Ich schloß sogar meine Ausbildung zum Kaufmann für Tourismus und Freizeit ab und fand eine Frau, die ich geheiratet habe.

    Noch heute mache ich gelegentlich Sport, eben Bodybuilding, lese mehr als der Durchschnitt, schreibe gern und arbeite auf dem Bildungssektor als Schulbegleiter. Zwar sehr schlecht bezahlt, dennoch glücklich ob all der Freizeit für meine Bücher, Wälder, in denen ich gerne Pilze sammle (Speisepilze, keine psychoaktiven Halluzinogene mehr), für meine Eskapaden in die Berge und für mein Fitnessprogramm zu dem sich auch Yoga auf der Matte gesellt hat.

    Und so will ich geschmeidig und jung bleiben (ich bin jetzt Mitte vierzig) und möglichst lange gesund sein und alt werden. Mit Literatur im Arm, wbg Podcast im Kopfhörer und Hanteln im Gepäck.

    Ich grüße Sie erneut
    Marcin Lupa

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  • Luca Rosenboom

    Lieber Herr Lupa, erneut vielen Dank, dass sie Ihre (persönlichen) Erfahrungen teilen.
    Sport kann eine wesentliche Funktion im Leben einnehmen, wie auch bei Ihnen deutlich wird. Als eine Art Stütze im Leben oder Auffangbecken; es wird nicht umsonst von vielen Ärzten als unterstützende Therapie gegen Depressionen, o.ä. unschönen Krankheiten verschrieben. Ich merke an mir selber, dass Sport einem in schwierigen Lebensphasen Halt gibt, quasi als Therapie fungiert – vor allem in Zeiten wie diesen.
    Zum Geld: Ich bewundere Ihre Einstellung, zumal Geld keinen unwesentlichen Bestandteil in unserem Leben einnimmt. Man kann natürlich wie Seneca daherkommen und sagen „philosophiere, nur das führt dich zum Glück“ – aber was nützen einem diese Worte (die, am Rande gesagt, von einem stinkreichen Mann kamen), wenn man ums nackte Überleben kämpfen muss? Allerdings finde ich, dass, solange man Geld zum Überleben hat und man sich vielleicht ab und zu mal etwas Schönes leisten kann (sei es ein Buch, Ausflug, vielleicht auch eine leckere Speise…), es viel wichtiger ist, sein Leben zu genießen, wie Sie es tun – egal was die Definition von genießen sein mag.
    Viele Grüße

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  • Thomas Henkel

    Hallo Herr Rosenboom,

    herzlichen Dank für Ihren interessanten und lehrreichen Ausflug in die römische Antike anhand des Kulturbegriffs. In Ihrem Beitrag klingt der Unterschied zwischen "cultura" (lat. colere) als etwas von Menschen Geschaffenem und "natura" als etwas Geborenem (lat. nasci) bereits an. Wenn ich noch Zeit finde, werde ich diesen Unterschied in einem eigenen Beitrag ein wenig beleuchten.

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  • Luca Rosenboom

    Guten Abend Herr Henkel,
    ich hatte mich dazu auch ein wenig eingelesen, allerdings fehlt mir die Zeit angesichts des jetzt anstehenden Semesters. Von daher würde ich mich sehr über einen tiefergehenden Beitrag freuen!
    Viele Grüße

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  • Marcin Lupa

    Lieber Herr Rosenboom,

    dass ich so wenig Geld habe, schmerzt mich sehr. Ich hatte nur nie die Möglichkeiten die Gelegenheiten Karierre zu machen - und sie waren mehrfach vorhanden, in meinem Leben - zu ergreifen, weil meine Natur mich davon abhielt.

    Ich versuche mein Schicksal jedoch so positiv zu deuten, wie es mir zu gelingen vermag. Da fällt mir als Schulbegleiter einzig das imense Pensum an Freizeit ein.

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  • Jan Siemens

    Besonders interessant fand ich den kulturellen Aspekt zum "bellum iniustum". Cicero fordert in seinen Schriften ja, dass die staatstragenden Politiker 'gerecht' agieren sollen - es wird also ein gewisser ethnischer Anspruch angestrebt. So dürfe man Krieg nur beginnen, wenn man "Unrecht erleide", was besser sei als "Unrecht tun", wie Platon in seiner Schrift "Gorgias" formuliert hat.

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  • Marcin Lupa

    Meinten Sie, "ethischer" Anspruch oder "ethnischer" Anspruch?
    Auch in Alcibiades spricht Platon von dem Unterschied, einen gerechten Krieg oder einen ungerechten Angriff zu führen.

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  • Jan Siemens

    Lieber Herr Lupa - leider kann ich nicht direkt auf ihren Beitrag antworten, daher ein neuer. Gut aufgepasst, danke! Natürlich meinte ich "ethisch", allerdings würde "ethnisch" genauso gut passen, insofern sich dieser Brauch, den ich gar als kulturelle Errungenschaft bezeichnen würde, von den Vorfahren herleitet. Diese "Ethnie" hat sich im Laufe der Zeit aus den Etruskern entwickelt und ein eigentümliches Selbstverständnis entwickelt mit teils eigenen, teils übernommenen Bräuchen. Fest steht jedenfalls, dass, wenn ein Brauch oder eine Sitte eingeführt wurde, diese niemals einfach 'abgesetzt' wurde. Eine Missachtung wie Herr Rosenboom angeführt hat in Bezug auf 53 v.Chr. wurde im Volk kritisiert und zutiefst verachtet.

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  • Marcin Lupa

    Lieber Herr Siemens, genau, da eignen sich beide Begriffe - daher war ich mir nicht sicher.
    Ihren Ausführungen kann ich folgen, demnach setzen sich Bräuche in den Handlungsweisen der Nachfahren einer bestimmten Ethnie fort. So dass sie zum Charakter der Nachfahren gehören. So oder so ähnlich.

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  • Juri Rosenboom

    Hallo Luca,

    herzlichen Dank, dass du uns mit deiner erquickenden Sichtweise den Kulturbegriff näher gebracht hast.
    Durchaus lehrreich fand ich die Pointe zu Alexander dem Großen.

    Auch wenn die Begrifflichkeit sehr vielfältig und und kontrovers diskutiert werden kann, erschloss sich mir diese besonders anhand der Prinzipien Ciceros und durch den aphoristischen Stil deines Beitrages.

    Herzliche Grüße
    Juri

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  • Luca Rosenboom

    Hallo, ich würde mich hier mal einschalten: Vielen Dank für die nennenswerten Ergänzungen.

    Platon ist ein gutes Stichwort, an dem ich gerne anknüpfen würde. In seiner Politeia hat er nämlich nicht nur die ethischen Voraussetzungen des Krieges analysiert, sondern ist vor dem Hintergrund der „Polis-Ausdehnung“ vorgegangen. Durch die stetig steigende Einwohnerzahl musste konsequenterweise mehr Land her, das Bedürfnis nach (Luxus-)Gütern steigt. Aus einer „gesunden Stadt“ (ἥ ὑγιεινή – hier übrigens das entlehnte Wort Hygiene) entsteht also eine „ungesunde Stadt“ – paraphrasiert: eine gute wird zur sittlichen schlechten Stadt. Die notwendigen Bedürfnisse werden des Luxus wegen außenvorgelassen. Die Stadt verfällt zwangsläufig in Maßlosigkeit, weswegen eine notwendige Folge Krieg ist.

    Aber dabei gibt es auch noch eine Unterscheidung zwischen dem im Text von mir angesprochenen βάρβαρος („Nicht-Hellene“). In der Politeia 470b erläutert er nämlich die Unterscheidung von Fehde und Krieg. Fehde wird nur bei „Freunden“ praktiziert, denn alle Hellenen untereinander sind verbündet – das Ziel sei schließlich auch der Friede untereinander. Nur mit „Nicht-Hellenen“ kann man Krieg führen, da man von Natur aus miteinander verfeindet sei.
    Man sieht also mal wieder: Kultur ist extrem vielfältig und Geschichte ist ein eminent wichtiger Bestandteil unseres heutigen Lebens, um die notwendigen Lehren und Schlüsse zu ziehen. Ich für meinen Teil sehe wiedermal bestätigt, was ich zuvor schon geschrieben habe: „Das Maß ist die Tugend des Menschen, das Unmaß sein Laster.“ (H. Kesten)
    Viele Grüße und danke für die erfreulichen Kommentare!

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  • Marcin Lupa

    "Kultur ist extrem vielfältig und Geschichte ist ein eminent wichtiger Bestandteil unseres heutigen Lebens, um die notwendigen Lehren und Schlüsse zu ziehen." - offensichtlich ist das so. Und es ist die Vielfalt, die uns lehrt das richtige Maß erst zu finden und zu etablieren, weil es unsere eigenen Schranken weist und auch Wege sie zu öffnen, um weiter zu schreiten. Transzendenz? - Während Geschichte die Vielfalt des Vergangenen benennt, aufzeigt, deutet und deren Einflüsse auf die Gegenwart und Zukunft hervorhebt.

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  • Luca Rosenboom

    Was genau meinen Sie in diesem Zusammenhang mit Transzendenz? Wenn es lediglich ein Einwurf sein soll, finde ich ihn passend. Eine göttliche Macht, wie sie z.B. Plotin in seinen Enneaden beschreibt - "das Eine", was normalerweise unsagbar ist, und nur auf der via analogiae (z.B. "König) oder via eminentiae ("über-schön", "über-seiend") beschreiben werden kann - ist gewiss wichtig, um ein Gewissen aufzubauen. Natürlich auch übertragbar auf das Christentum oder andere Religionen.

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  • Marcin Lupa

    [~3175], ich habe in der Tat einen Einwurf formuliert und beziehe Transzendenz in meinem Satz auf ihre ursprüngliche Bedeutung als Übertritt (Überschreiten) von Grenzen der Mentalität, der Weltanschauung oder des Verständnisses von Sittlichkeit.

    Ein sich nähern der unterschiedlichen, vielfältigen Kulturen und Seinsweisen, Einstellungen, Anschauungen.

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