Konstantin der Große

Lara Hitzmann • 27 Februar 2022
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Konstantin der Große


An einem 27. Februar zwischen 270 und 288 n. Chr. erblickte der römische Kaiser Konstantin der Große das Licht der Welt. Heute ist Konstantin primär für den Sieg des Christentums über die traditionellen paganen Kulte bekannt. Am 28. Oktober 312 n. Chr., bei der Schlacht an der Milvischen Brücke, schmückte das Christogramm das erste Mal die Schilder römischer Soldaten, Konstantin erlangte mit Hilfe des christlichen Gottes die Herrschaft über das römische Reich. Im Zuge dessen legalisierte er die spätere Weltreligion bei der Toleranzvereinbarung von Mailand und machte den blutigen Christenverfolgungen ein Ende. 


In der Forschung wird die Regierungszeit Konstantins gern als Ende der Antike und Beginn der Spätantike gezählt. Man kann die Regierungszeit Konstantins aber kaum als den Fixpunkt werten, an dem das Christentum endgültig die Vorherrschaft erlangte – dabei handelt es sich vielmehr um einen langen Prozess, an dessen Ende sich die Regierungszeit Konstantins befindet. Vielmehr lässt sich am Beispiel Konstantins darstellen, wie offen und inklusiv sich die Religionen zu dieser Zeit in der Praxis darstellten. 

 

Eine ambivalente Beziehung zum Christentum

Architektur
Konstantinsbogen Rom

Auf diesem Triumphbogen, den Konstantin nach dem Sieg über Maxentius an der via triumphalis errichten ließ, dankt der Kaiser nicht seinem christlichen Gott für den Sieg, sondern verwendet eine neutralere Formulierung: 
„… weil er [Konstantin] durch göttliche Eingebung…“ den Sieg erlangte und den Tyrann aus der Stadt vertrieb. Konstantin brachte die Legalisierung und Toleranz des Christentums deutlich voran, aber in der Forschung wird immer wieder angemerkt, es könne sich hierbei auch um eine gute Marketingstrategie gehandelt haben – immerhin habe sich Konstantin, falls er sich überhaupt taufen ließ, erst auf dem Sterbebett dem christlichen Gott verschrieben. 

 

Der Weg zur Macht
Gerade, weil Konstantin mit dem Christentum so stark verbunden ist, wird häufig vergessen, wie der einstige Usurpator eigentlich an die Macht kam. Sein Vater Constantius regierte als Caesar in der Tetrachrie unter Maximian. Die Tetrachrie beschreibt ein Herrschaftssystem, welches von Diokletian initiiert wurde und dafür Sorge tragen sollte, dass das römische Reich durch vier Herrschende (zwei Caesari und zwei Augusti) Ruhe und Stabilität erhalten sollte. Diese Herrschaftsform sollte die instabilen Umstände zur Zeit der Soldatenkaiser nicht mehr ermöglichen können.  
Aufgrund der Stellung seines Vaters wuchs Konstantin am kaiserlichen Hof Diokletians auf, wo er von den klügsten Gelehrten seiner Zeit unterrichtet wurde. Danach verschrieb sich Konstantin dem Militär und machte durch seine Erfolge unter Kaiser Galerius auf sich aufmerksam. Als Constantius 305 zum Augustus aufstieg, kehrte Konstantin an den Hofe seines Vaters zurück, um mit ihm nach Britannien zu reisen und gegen die Pikten und Skoten zu kämpfen. Nach dieser Militäraktion starb Constantius im Lager Ebocarum jedoch unerwartet, sodass die Soldaten seinen Sohn Konstantin zum neuen Augustus ausriefen. Galerius war keineswegs bereit, Konstantin als legitimen Herrscher anzuerkennen, aber der Usurpator verfügte über die Provinzen Gallien und Britannien und daher über eine große Truppenstärke.

Im selben Jahr  wurde in Rom ein neuer Gegenkaiser ernannt, der Rom und die Provinz Africa unter seiner Kontrolle hatte: Maxentius, der Sohn des Augustus Maximians. 

Zwar kam die Tetrarchie kurze Zeit ins Wanken, aber Galerius und Maximian schafften es durch verschiedene militärische und politische Bündnisse, die Situation im Reich wieder zu beruhigen. Das Resultat dieser Bemühungen brachten Konstantin als legitimen Caesaren und Maxentius als Usurpator hervor. Mehr noch, Konstantin wurde in die Dynastie Maximians durch die Hochzeit dessen Tochter eingebunden. Die Kinder Konstantins und Faustas sollten später zumindest teilweise über das römische Reich regieren. 
Nachdem Maximian durch die Wiederherstellung der Tetrachrie seine Macht wieder verlor, versuchte er diese durch eine Finte am konstantinischen Kaiserhof wiederzuerlangen. Aber Maximian scheiterte und wählte, von Konstantin in die Ecke gedrängt, den Suizid.


Spätestens nach diesem Komplott beanspruchte Konstantin erneut den Titel des Augustus und begründete eine neue Herrschaftsdynastie. 312 beschloss Konstantin dann, Rom einzunehmen. Bereits auf dem Weg in die Hauptstadt des Reiches ergaben sich viele Städte widerstandslos. Als Konstantin dann vor der entscheidenden Schlacht von seinem Sieg durch den christlichen Gott träumte, war sein Erfolg besiegelt. Ob Konstantin diesen tatsächlich wegen seines tiefgreifenden Glaubens erreichte, ist anzuzweifeln. Aber unangefochten stand ihm nun der westliche Teil des Reiches zur Verfügung.

 

Konstantin wird Alleinherrscher

313 n. Chr. zogen die beiden verbleibenden Herrscher Maximius Daia und Licinius gegeneinander in den Krieg, letzterer ging siegreich aus der Schlacht hervor, sodass es de facto nur noch neben Konstantin nur noch einen Kaiser im römischen Reich gab. 325 n. Chr. entledigte sich Konstantin auch seines letzten Rivalen und herrschte nun allein über das gesamte römische Reich.

Im Zuge dieser beginnenden Alleinherrschaft verlegte Konstantin seinen Regierungssitz in den Osten und baute die griechische Kolonie Byzanz nach seinen Vorstellungen zu einer kaiserlichen Stadt um. Diese Stadt sollte von nun an auch seinen Namen tragen. In dieser Zeit wurden auch die verschiedensten Kunstgegenstände nach Konstantinopel gebracht, um die kaiserlichen Bauten zu schmücken. Seine Herrschaft war fortan zwar durch die Unterstützung der Religionsfreiheit geprägt -  so war Konstantin beispielsweise die treibende Kraft bei der Einberufung des Konzils von Nicäa - aber gleichermaßen auch von der blutigen Entledigung seiner Rivalen, wie vermutlich 326 n. Chr. seines Sohnes und seiner Frau Fausta. 


Kaum ein römischer Kaiser ist so berühmt und gleichermaßen so umstritten wie Konstantin der Große. 
 


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»Rosen hat ein Werk geschaffen, das seinen Platz in der trotz allem überschaubaren Zahl der gelungenen und lesenswerten Konstantinsbiografien finden wird.«
Raphael Brendel, Das Historisch-Politische Buch, Juli 2016


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