Die Klima-Diktatur

Bernd Ternes • 14 Januar 2021

Alex

Als Alex um die Ecke bog, konnte er schon den verlockenden Duft vom Hasenbraten riechen. Der Hase brutzelte über dem offenen Feuer und Alex sah, wie sein Vater den Hasen am Spieß drehte.

„Geh schon mal rein und hilf Deiner Mutter, Alex“, sagte sein Vater.

„Och Papa, hier am Feuer ist es doch viel schöner! Lass mich nur kurz den Hasen drehen und dann komme ich.“

„Na gut, dann gehe ich schon mal zu Deiner Mutter. Bring bitte den Hasen in 5 Minuten rein, dann müsste er knusprig genug sein!“

 

Chantal

„Mama, ich habe noch Hunger. Diese wässrige Suppe war nur etwas für den hohlen Zahn!“

„Chantal, Du weißt doch, dass ich fast kein Geld mehr habe, und nun nörgel nicht weiter rum!“

„Warum sind wir denn so arm? War das schon immer so?“

„Nein, als Du geboren wurdest, hatten wir genug zu essen. Dein Papa hat in einer Fabrik gearbeitet, hat gutes Geld verdient, so dass wir uns immer genug zu essen kaufen konnten, und einmal im Jahr sind wir sogar in den Urlaub gefahren. Das war eine schöne Zeit!“

„Urlaub, was ist denn Urlaub?“

„Damals, meine kleine Schildkröte, haben wir unser Auto voll gepackt und sind nach Italien gefahren, haben dort in einem schönen Hotel gewohnt, bekamen 3 mal am Tag so viel zu essen und zu trinken, wie wir wollten. Morgens und nachmittags sind wir dann ans Meer gegangen, um uns zu sonnen und zu schwimmen.“

„Hattet Ihr wirklich ein Auto? So wie die Privis?“

„Ja, damals hatte fast jede Familie mindestens ein Auto.“

„Und wann hat sich das geändert?“

„Im Jahr 2020, also vor zehn Jahren, gab es eine Pandemie. Die Regierungen gerieten in Panik und verfügten, dass durch Lockdowns das ganze Leben quasi eingefroren wurde. Alle mussten zu Hause bleiben, keiner ging mehr arbeiten, die Regale in den Geschäften wurden leerer, es gab fast täglich mehrere Stromausfälle, und dann kam der Hunger.“

„War denn die Pandemie so gefährlich?“

„Nein, eigentlich nicht. Es starben sogar weniger Menschen als in den Vorjahren.“

„Das ergibt doch gar keinen Sinn, Mama! Ihr habt Euch alles nehmen lassen, obwohl insgesamt nicht mehr Menschen starben?“

„Da hast Du recht, aber wir waren damals dumm, einfach dumm, wie die Schafe, die alles machen, was der Schäfer ihnen sagt.“

 

M34T

„Bildschirm, heute bin ich mit meiner Klasse über die Stadt der Nutzlosen geflogen und habe viele Menschen in Lumpen gesehen. Warum sind die Nutzlosen so dreckig und so arm?“

„Na. Denk doch mal nach, M34T! Das sagt doch schon der Name! Weil sie niemandem nutzen!“

„Aber warum nutzen sie niemandem?“

„Sie haben keine Arbeit, weil die Arbeit von Robotern gemacht wird. Deshalb bekommen sie von uns auch nur so viel geschenkt, wie sie zum Leben benötigen. Sie haben also die Wahl, ihr Geld für Kleidung, Essen, Zigaretten oder Alkohol auszugeben.“

„Okay, das habe ich verstanden. Dort habe ich auch mehrere Erwachsene gesehen, die Kinder in meinem Alter an der Hand hatten. Leben Erwachsene und Kinder dort zusammen?“

„Ja, sie leben in sogenannten Familien zusammen. Diese Familien bestehen aus einem Vater, einer Mutter und oft mehreren Kindern.“

 

Alex

„Mama, schau mal, was ich hier habe! Der Hase riecht köstlich, und er schmeckt bestimmt super!“

„Alex, komm erst einmal her und lass Dich drücken! Soviel Zeit muss sein!“

 

Chantal

„Mama, wie konntet Ihr Euch damals alles nehmen lassen?“

„Ganz einfach! Wir hatten damals infolge der Pandemie alle Schulden bei den Banken, und man bot uns an, dass alle Schulden erlassen würden und wir jeden Monat pro Person einen Betrag von 1.000 € steuerfrei bekämen. Die Freude war damals groß. Stell Dir vor, wir waren unsere Schulden los und hatten mehr Geld als zuvor zur Verfügung. Wir selbst mussten allerdings auf Privat-Eigentum verzichten, durften aber in unseren Häusern und Wohnungen weiter wohnen bleiben und das lebenslange Wohnrecht galt auch für unsere Kinder. Das alles nannte man den „Great Reset“.

„Das hört sich doch eigentlich ganz gut an. Wie ging es dann weiter?“

„In der Nähe der Großstädte wurden Bereiche abgetrennt, neue Häuser gebaut, die energieautark waren und eine eigene Strom- und Wasser-Versorgung hatten. Dorthin zogen die Privis, die Privilegierten der Klassen 1 bis 4. Wir akzeptierten den Schuldenerlass und blieben in unseren Häusern. Wer den Schuldenerlass nicht akzeptierte, wurde zu einem Wilden erklärt und konnte sich innerhalb von 6 Monaten in einem Dorf ansiedeln oder er wurde in ein Camp gesteckt. Diese Wilden verwahrlosten total, so dass sie jetzt alle in ein Camp gesteckt werden, um sie zu schützen. Sie verstecken sich aber, sehen widerlich aus, fast wie Tiere. Wenn Du aber einem begegnen solltest, dann rufe schnell die Roboter-Polizei. Diese Wilden sind der absolute Abschaum, aber wer dafür sorgt, dass ein Wilder ergriffen wird, bekommt 10% mehr Geld pro Monat“

 

M34T

„Bildschirm, warum gibt es bei uns keine Familien?“

„Die alte Form von Familien begünstigte Hass und Gewalt. Stell Dir einmal vor, dass früher Kinder total von den Erwachsenen abhängig waren. Es kam sehr oft zu Gewalt, Kinder wurden geschlagen und misshandelt. Unser geliebter Staat konnte die Kleinen nicht beschützen und deshalb war es alternativlos, sie vor ihren brutalen und gewalttätigen Eltern zu retten. Heute werden die Kinder direkt nach der Geburt in den bewährten Geschwister-Einheiten aufgezogen.“

„Ja, ich weiss. Zuerst waren wir zu viert, mit 8 Jahren zu zweit, und wenn ich 14 Jahre alt bin, dann werde ich mein eigenes Zimmer bekommen.“

„Genau richtig! So sind Deine Interessen immer gewahrt, und Du kannst ohne Gewalt, frei und ohne Einschränkungen aufwachsen.“

 

Alex

„Mama, Dein Kartoffel-Auflauf ist wieder traumhaft geworden! Das Beste, was man zu einem Hasenbraten essen kann!“

„Es freut mich, dass es Dir schmeckt! In der nächsten Woche werden wir gemeinsam den Kartoffel-Auflauf zubereiten, damit Du es lernst und ihn selber machen kannst. Nun geh aber mit Papa aufs Feld, um den Kohl zu ernten“

 

Chantal

„Mama, warum gibt es hier keine kleinen Kinder?“

„Das wissen wir auch nicht so genau. Nach dem Schuldenerlass und nachdem die Häuser für die Privis gebaut wurden, sind nur noch wenige Kinder geboren worden. Früher gab es Verhütungs-Mittel, damit jede Frau entscheiden konnte, wie viele Kinder sie haben wollte. Vielleicht tun die Privis uns ja etwas ins Wasser, damit wir keine Kinder mehr bekommen. Oder es sind die „Nuggets“, die wir bekommen haben?“

„Was sind denn Nuggets?“

„Gib mir mal Deinen Arm. Fühlst Du hier etwas, wenn ich drauf drücke?“

„Ja, da ist so ein Knubbel“

„Das ist ein Nugget, der elektronisch gelesen werden kann. Du hast einen Nugget bei der Geburt eingepflanzt bekommen und alle Erwachsenen bekamen einen beim „Great Reset“. Nun benötigen wir keine Ausweise und auch kein Geld mehr. An der Kasse im Supermarkt wird der Betrag einfach über den Nugget abgebucht.“

„Dann lass uns doch in den Supermarkt gehen, einkaufen und dann essen wir uns richtig satt, Mama!“

„Das geht leider nicht, weil wir keinen Kredit mehr auf den Nuggets haben.“

„Aber vorhin sagtest Du doch, dass Ihr nach dem Schuldenerlass mehr Geld als zuvor hattet, und damals konntet Ihr Euch ja auch satt essen!“

„Ja, am Anfang schon, aber dann stiegen die Preise, und wir konnten uns kaum noch etwas kaufen. Nach dem damaligen Wert von 1.000 € konnte man sich im Supermarkt etwa 2.000 kg Weizenmehl kaufen, und heute bekommst Du pro Monat nur noch 20 kg Weizen.“

„Aber dann seid Ihr ja betrogen worden!“

„Nein, wir haben uns selbst betrogen. Wir sind Leibeigene geworden und sind nun vom Wohlwollen der Privis abhängig.“

„Was, dann sind wir ja Sklaven der Privis!“

„Nein, Sklaven hatten für ihre Herren gearbeitet und besaßen deshalb einen gewissen Wert. Wir hingegen sind nutzlos, deshalb werden wir von den Privis ja auch „Nutzlose“ genannt.“

 

M34T

„Bildschirm, warum gibt es so viele Nutzlose?“

„Früher war es so, dass sich die Menschen so vermehren konnten, wie sie es wollten. Die Mütter bekamen bis zu 10 Kinder, so dass die Bevölkerung auf etwa 8.000.000.000 Menschen anwuchs. Die Menschen stießen so viel CO2 aus, dass ein Weltuntergang prophezeit wurde. Als wir die Nutzlosen befreiten und ihnen einen Schuldenerlass gaben, bekamen sie alle einen Nugget eingepflanzt. Diese Nuggets waren unter anderem Nano-Roboter, die dafür sorgten, dass nur noch die Frauen Kinder bekamen, die wichtig für unser aller Wohl sind. So konnte das Problem der Überbevölkerung gelöst werden, und alle, ob Nutzlose oder Privilegierte profitierten davon.“

 

Alex

„Papa, gestern habe ich einen Hubschrauber am Waldrand gesehen, aus dem einige Menschen ohne Waffen ausgestiegen sind.“

„Das waren bestimmt Privis. Die dürfen alle einmal in ihrem Leben einen richtigen Wald sehen. Aber die kommen nie alleine. Es ist eigentlich immer ein Hubschrauber mit bewaffneten Polizei-Robotern dabei. Hast Du den auch gesehen?“

„Natürlich! Ich habe auch dafür gesorgt, dass sie mich nicht sehen! Die Privis liefen herum, wie aufgeschreckte Hühner, rissen Blumen heraus und fotografierten sie. Nach etwa einer Stunde sind sie wieder abgeflogen.“

 

Chantal

„Mama, kann ich mir mal die Häuser der Privis ansehen?“

„Auf keinen Fall! Wenn Du in die Nähe der Häuser kommst, wirst Du zuerst aufgefordert, umzudrehen, und wenn Du das nicht machst, wirst Du von den Polizei-Robotern festgenommen. Dafür bekommst Du eine Strafe, und Dir werden 10% von Deinem monatlichen Geld für immer abgezogen. Dann kannst Du nur noch hungern!“

„Aber ich habe sowieso immer Hunger!“

„Das ist nur, weil Du noch wächst. Deshalb isst Du ja auch doppelt so viel wie ich.“

 

M34T

„Bildschirm, wie war es am Anfang, als die Privilegierten ausgewählt wurden?“

„Alle wichtigen Menschen, die systemrelevant waren, wurden für die Klasse 1 ausgewählt, wie zum Beispiel 20% der besten Ärzte, Krankenpfleger, Ingenieure, Techniker und Wissenschaftler. Zudem noch alle Politiker, Polizisten und der gesamte Klerus. In die Klasse 2 kamen nur diejenigen, die ein Vermögen von über 10 Millionen € hatten und für die Klasse 3 benötigte man ein Vermögen von 1 Milliarde €. Über die Klasse 4 kann ich Dir nichts sagen, weil dies geheim ist. Insgesamt waren dies etwa 500 Millionen Privilegierte.“

„Also waren etwa 7,5 Milliarden Mensch nutzlos geworden?“

„Ja genau, so war es am Anfang.“

„Wieso nur am Anfang?“

„Am Anfang brauchte man noch Polizisten, die dafür sorgten, dass die Nutzlosen mit den Privilegierten nicht zusammen kamen. Durch den Fortschritt der Technik, und nachdem den Nutzlosen die Nuggets eingepflanzt wurden, brauchte man nur noch die Polizei-Roboter, und die Polizisten wurden nutzlos.“

„Was passierte dann mit denen?“

„Die wurden umgesiedelt.“

„Wohin wurden sie denn umgesiedelt?“

„In ein Erfüllungs-Camp. Dort können alle Menschen so lange leben, bis sie die Erfüllung erleben.“

 

Chantal

„Mama, ich habe Frau Mäkel gar nicht mehr gesehen. Weißt Du, wo sie ist?“

„Mein Schatz, Frau Mäkel ist in ein Erfüllungs-Camp gefahren.“

„Was ist denn ein Erfüllungs-Camp?“

„Wenn Du 65 Jahre alt wirst, gehst Du in ein Erfüllungs-Camp. Was dort genau passiert, weiß keiner, weil noch niemand aus solch einem Camp zurück gekommen ist.

„Mama, dann will ich nie dorthin!“

„Das kann sich leider niemand aussuchen. Wenn Du 65 Jahre alt wirst, kannst Du mit Deinem Nugget nicht mehr bezahlen, und wenn Du nicht verhungern willst, dann musst Du Dich melden und in den Zug zum Erfüllungs-Camp einsteigen.“

 

M34T

„Bildschirm, gingen nur die Polizisten ins Erfüllungs-Camp?“

„Nein, die ersten waren eigentlich die Politiker und Kleriker, weil man schnell erkannte, dass sie nicht nur nutzlos waren, sondern durch Lügen und staatszersetzende Aussagen sogar Unfrieden stifteten. Dann kamen auch viele Professoren, Lehrer und erst sehr viel später Ärzte und Pfleger.“

„Wieso denn Professoren und Lehrer“

„Der Unterricht an den Universitäten wurde früher vollkommen ineffektiv abgehalten und war subjektiv vom Professor geprägt. In den 2020er Jahren hat man festgestellt, dass der Unterrichtsstoff digital viel besser zu vermitteln ist. Als man anfing, die digitalen Lehrinhalte von 10 verschiedenen Professoren pro Fach anzubieten, kamen die Studenten nicht mehr in die Uni, weil sie sich den Professor mit den besten digitalen Vorlesungen und Übungen aussuchten. Damals wurde entschieden, die 3 akzeptiertesten Professoren weiter zu beschäftigen. Alle anderen wurden nutzlos und kamen ins Erfüllungs-Camp. Ähnliches passierte mit den Ärzten, weil der Fortschritt mit Nano-Robotern sie überflüssig und nutzlos machte.“

„Wie viele Privilegierte gibt es denn jetzt noch?“

„Es gibt etwa 100 Millionen Privilegierte, davon 99 Millionen in der Klasse 1, also in Deiner Klasse.“

„Warum gibt es denn so viele Privilegierte in der Klasse 1?“

„Alle aus Klasse 1 sind systemrelevant und sorgen dafür, dass alles läuft.“

„Sind wir dann die Diener der Klassen 2 bis 4?“

„Nein, ganz und gar nicht.“

 

Alex

„Papa, kann ich mir mal eine Stadt der Privis ansehen?“

„Nein, auf keinen Fall! Wenn sie Dich orten, nehmen sie Dich fest und schicken Dich in eines der Erfüllungs-Camps.“

„Was ist denn ein Erfüllungs-Camp?“

„Dorthin kommen Alte und Straftäter.“

„Woher weißt Du das?“

„Dein Onkel Edi war dort, konnte aber fliehen, weil die Zäune damals noch im Aufbau waren. Heute kommt da wohl kaum noch einer raus.“

„Was passiert denn dort mit den Menschen?“

„Wenn sie alle Regeln beachten, können Sie dort jahrelang leben.“

„Und wenn sie eine Regel brechen?“

„Dann wird die Essens-Ration reduziert.“

„Gibt es denn viele Regeln?“

„Da solltest Du lieber mit Deinem Onkel Edi sprechen. Er sagte mir nur, dass die Regeln eigentlich gar nicht eingehalten werden können. Wenn man zu spät zur Arbeit oder zum Essen kommt, wird man bestraft. Die Tür zur Kantine wird beispielsweise nur 10 Minuten geöffnet. Wer in der Zeit nicht reinkommt, bekommt nichts zu essen und wird bestraft. Irgendwann sind die Menschen so schwach, dass sie nicht mehr zum Essen gehen können. Damals hatten sie die Möglichkeit, sich einen Erfüllungs-Trank geben zu lassen. Edi glaubt, dass in dem Trank eine Droge war, weil die Menschen mit einem Lächeln im Gesicht starben.“

„Das ist ja Mord!“

„Das nennen die Privis eine „Freie Entscheidung“, weil sich ja jeder an die Regeln halten kann und weil niemandem der Erfüllungs-Trank aufgezwungen wird.“

 

Fortsetzung folgt ….

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