Kenia – die beiden höchsten Berge Afrikas

Bernd-J. Seitz • 14 Januar 2022
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Kenia – die beiden höchsten Berge Afrikas

Reiseblog von wbg-Autor Bernd-Jürgen Seitz


In Kenia stehen die beiden höchsten Berge Afrikas im Mittelpunkt meiner Reise. Wer sich auskennt weiß, dass der Kilimandscharo nicht in Kenia, sondern in Tansania liegt. Das Gebiet des Amboseli-Natonalparks im Südwesten Kenias würde aber ohne den Kilimandscharo völlig anders aussehen. Es gäbe nicht die zahlreichen Seen und Sümpfe, die vom höchsten Berg Afrikas gespeist werden und die vielen Tieren und Pflanzen Lebensraum bieten. Der große, alkalische Amboseli-See, der dem Nationalpark seinen Namen gab, bedeckt rund ein Drittel der Parkfläche, ist aber nur saisonal ganz mit Wasser gefüllt. Hier trifft man unter anderem Rosaflamingo und Zwergflamingo an, auch der Grauhals-Kronenkranich lebt in Wassernähe. Die Besitzer des umliegenden Landes sind Massai, die selbst nicht jagen und keine fremden Jäger in ihrem Territorium dulden, daher blieb das Reservat weitgehend von Wilderern verschont. So konnte sich hier eine Population von Elefanten mit natürlicher und nicht durch Bejagung verzerrter Altersstruktur erhalten. Allerdings ist sie dadurch beeinträchtigt, dass die Massai ihre immer stärker wachsenden Rinderherden im Amboseli-Nationalpark tränken.


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Der Amboseli-Nationalpark ist Lebensraum zahlreicher Vogelarten. Unter anderen finden sich dort Zwergflamingos und …

 


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… Grauhals-Kronenkraniche.

 

Da ich bisher noch keinen Geparden in freier Wildbahn gesehen habe, fragte ich den Guide, wie groß die Chancen hier stünden. Er machte mir Hoffnung und hielt auch die ganze Zeit nach der eleganten Katze Ausschau – die Guides verständigen sich bei einer Sichtung untereinander. Als wir schon kurz davor sind, den Park endgültig zu verlassen, wird es tatsächlich wahr: Zwei junge Männchen ruhen sich am Rand eines Gebüschs aus. Auch den Kilimandscharo bekomme ich erst am Morgen der Abreise zu Gesicht, vorher war er immer von Wolken bedeckt.

 

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Zwei Gepardenmännchen ruhen sich im Schatten eines Gebüschs aus.

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Blick auf den noch etwas bedeckten höchsten Berg Afrikas.

Nach einem Tag Pause in Nairobi breche ich zum Mount Kenya auf, mit 5199 m zweithöchster Berg Afrikas – von ihm hat Kenia seinen Namen, nicht etwa umgekehrt! Ich möchte allerdings nicht den Gipfel besteigen, sondern Einblicke in die einzigartige Vegetation der Hochlagen erhalten. Da sich für diese dreitägige Tour keine anderen Interessenten gefunden haben, bin ich alleine mit Guide, Koch und Träger unterwegs. Mein Guide Steve, ein kleiner, drahtiger Kenianer, kennt sich gut mit den Pflanzen des Bergs aus. Er sagt zu mir, dass er bisher noch niemanden geführt habe, der wegen der Flora und der Landschaft gekommen sei, bisher wollten alle nur auf den Gipfel – der Hauptgipfel kann allerdings nur von Bergsteigern bezwungen werden, für Wanderer steht ein knapp 5000 m hoher Nebengipfel offen. Die meisten besteigen den Mount Kenya daher auch nur als Training für die Besteigung des knapp 5900 m hohen Kilimandscharo.

Wir beginnen unseren Aufstieg bei einer Höhe von 3300 m, die man von dem bereits auf ca. 2000 m liegenden Hochland mit dem Auto erreicht. Die Waldzone an der Basis des Mount Kenya erlebe ich nur aus dem Fahrzeug, bei unserer Wanderung werden die Flächen zunächst von Heidemooren eingenommen, weiter oben von Grasland. Ich habe es vor allem auf die großen Senezien und Lobelien abgesehen, die es nur am Mount Kenya gibt. Ab einer Höhe von rund 3500 m ragen einzelne Baumsenezien empor, zunächst von der kleineren Art Dendrosenecio keniensis, in größerer Höhe gesellen sich die beiden Lobelien Lobelia telekii und Lobelia deckenii hinzu (die Arten haben keine deutschen Namen). Schließlich sehen wir die ersten wirklich baumförmigen Exemplare von Dendrosenecio keniodendron - um 4000 m kommt vor allem diese Art in größeren Gruppen vor. 


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Eine Gruppe von Dendrosenecio keniodendron auf etwa 4000m Höhe.

Der Anblick, der sich am zweiten Tag bietet, stellt alles in den Schatten (vom Wetter her eher in die Sonne), was ich erwartet habe: Bizarre Baumsenezien in der Dichte von Bananenpflanzungen, dazwischen immer wieder Lobelien – vor allem Lobelia telekii mit ihrem in der Sonne leuchtenden behaarten Blattschopf, dessen unscheinbare und unter den Blättern versteckte Blüten vom Lobelien-Nektarvogel bestäubt werden. Die Landschaft ist atemberaubend, häufig bleibe ich stehen und mache ein Foto mit wechselndem Vordergrund, die schneebedeckten Gipfel des Mount Kenya bilden fast immer den Hintergrund. Obwohl die beiden Nächte auf 4000 m mit ihren Minusgraden auch mit warmem Schlafsack eine Herausforderung sind (in der ersten Nacht schlafe ich auch wegen der Höhe sehr schlecht), bin ich sehr dankbar, eine solch einmalige Landschaft am Ende meiner neunwöchigen Afrikareise erleben zu dürfen.


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Ein Nektarvogel im behaarten Blattschopf einer Lobelia telekii.

 


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Blick auf den fast 5200 m hohen Mount Kenya, im Vordergrund Baumsenezien und Lobelien.

SeitzDr. Bernd-Jürgen Seitz ist promovierter Biologe und war Leiter des Referats Naturschutz und Landschaftspflege im Regierungspräsidium Freiburg. Seine beruflichen Schwerpunkte bzw. Forschungsschwerpunkte liegen auf dem Biotop- und Artenschutz, der Geobotanik und der Landschaftsgeschichte.

 

 

 


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Kommentare (2)

Ulrike Mack

Lieber Herr Seitz, freue mich wieder von Ihnen zu hören. Da sind Ihnen spektakuläre Tieraufnahmen gelungen. Die Landschaft muss einzigartig sein! Hoffentlich lesen wir bald noch viel mehr von Ihnen. Planen Sie wieder ein Buch zu schreiben?

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  • Ernst Stegmaier

    Hallo Bernd,
    schön von Dir zu sehen und zu lesen. Offensichtlich bist Du gut und gesund ins neue Jahr gekommen, und im wahrsten Sinne des Wortes auf dem Höhepunkt Deiner Reise angekommen:
    tolle Fotos vom Mt. Kenya, v.a. die Lobelien!
    Wann kommst Du wieder in die Oberrhein-Ebene?
    LG Ernst

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