Kapstadt-Viktoriafälle, Teil 3

Bernd-J. Seitz • 2 Dezember 2021
0 Kommentare
Gesamtanzahl der Likes 2 gefällt

Kapstadt-Viktoriafälle, Teil 3

Reiseblog von wbg-Autor Bernd-Jürgen Seitz


Botswana (Botsuana) ist mit einer Fläche von etwa 582.000 km² über eineinhalbmal so groß wie Deutschland und hat nur rund zwei Millionen Einwohner - damit gehört es zu den am dünnsten besiedelten Ländern der Erde.

Seitz 01
Das Binnendelta ist Lebensraum zahlreicher Tierarten, auch für Nilpferde.

Nach einer langen Fahrt durch die Halbwüste der Kalahari erreichen wir Maun am Rande des Okavangodeltas, eines einzigartigen Binnendeltas. Der Okavango entspringt im Zentrum Angolas und fließt von dort aus nicht zum Ozean, sondern in das Landesinnere von Botswana, wo er sich auffächert und im Kalaharibecken versickert bzw. dort verdunstet. Dabei bildet er mit über 20.000 km² eines der größten und tierreichsten Feuchtgebiete Afrikas – seine Bedeutung ist umso größer, als die Flut zum Höhepunkt der Trockenzeit am Ende des Deltas ankommt. Seit 2014 gehört das Okavangodelta zum UNESCO-Welterbe.


Seitz 02
Löwen machen sich über ihre Beute her, einen Büffel.

Am Rand des Deltas liegt das fast 50.000 km² große Moremi-Wildreservat (Moremi Game Reserve), das eine große Vielfalt von Lebensräumen wie Trockenwälder, Savannen, Sümpfe, Lagunen bis hin zu dauerhaften Wasserflächen aufweist. Gleich bei der Ankunft im Reservat erleben wir, wie sich eine Löwenfamilie über einen frisch gerissenen Büffel hermacht.

Nördlich an das Moremi-Schutzgebiet grenzt der über 10.000 km² große Chobe-Nationalpark, der vor allem für seine großen Elefantenherden bekannt ist – im Jahr 2009 ergaben offizielle Zählungen rund 120.000 Tiere. Besonders wildreich ist das Gebiet des Savuti-Flusses, in dem wir wiederum Löwen und sogar einem Leoparden begegnen – für etliche in unserer Gruppe sind die „Big Five“ (Elefant, Löwe, Büffel, Nashorn, Leopard) nun erstmals komplett.


Seitz 03
Einer der „Big Five“: der Leopard

Sowohl das Okavangodelta als auch das Moremi-Wildreservat und der Chobe-Nationalpark gehören zum Kavango-Sambesi-Schutzgebiet (Kavango-Zambezi Transfrontier Conservation Area, kurz KAZA). An dem 2012 gegründeten grenzüberschreitenden Natur- und Landschaftsschutzgebiet, das insbesondere den Elefanten die freie Bewegung in ihrem natürlichen Lebensraum ermöglichen soll, sind die Länder Sambia, Namibia, Botswana, Simbabwe und Angola beteiligt. Das Schutzgebiet umfasst eine Fläche von etwa 520.000 km² und ist damit nach dem Nordost-Grönland-Nationalpark das zweitgrößte Landschutzgebiet der Erde. Das deutsche Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung unterstützt das Projekt über die KfW-Entwicklungsbank mit Fördermitteln in Höhe von rund 20 Millionen Euro.

Der Chobe-Nationalpark hat seinen Namen vom Chobe River, einem als Cuando in Angola entspringender, 1500 Kilometer langer Nebenfluss des Sambesi – in diesen mündet er am Vierländereck von Botswana, Namibia, Sambia und Simbabwe. Eine Bootsfahrt auf diesem Fluss am späten Nachmittag bis zum Sonnenuntergang bildet den tierreichen und stimmungsvollen Abschluss des „Botswana-Feuerwerks“.


Seitz 04
Vom Chobe River aus lassen sich Wildtiere und …

Seitz 05
… Sonnenuntergänge gleichermaßen gut beobachten.

Nur noch kurz ist die Fahrt vom erwähnten Vierländereck zu den Viktoriafällen, die sich Sambia und Simbabwe teilen. Der erste Europäer, der die Victoriafälle mit eigenen Augen sah, war der schottische Missionar und Afrikareisende David Livingstone. Tief beeindruckt beschrieb er den Wasserfall als „das schönste, das er in Afrika je zu Gesicht bekam“, und nannte ihn Victoria Falls, zu Ehren der damaligen britischen Königin. Die einheimischen Kololo nennen den Wasserfall wegen der aufsteigenden Sprühnebel Mosi-oa-Tunya (donnernder Rauch). In unmittelbarer Umgebung der Victoriafälle gibt es sogar einen Regenwald, der seine Existenz nur dem Sprühnebel zu verdanken hat. Dieser entsteht, weil sich die Wassermassen des Sambesi auf einer Breite von 1,7 km in eine quer zum Flusslauf liegende, 110 m tiefe und kaum mehr als 50 m weite Schlucht mit steilen Felswänden aus Basalt ergießen. Damit sind die Victoriafälle der breiteste durchgehende Wasserfall der Erde.


Seitz 06
Die Viktoriafälle, der breiteste durchgehende Wasserfall der Erde.

Seitz 07
Dieser Regenwald kann nur wegen des enormen Sprühnebels der Viktoriafälle gedeihen.

SeitzDr. Bernd-Jürgen Seitz ist promovierter Biologe und war Leiter des Referats Naturschutz und Landschaftspflege im Regierungspräsidium Freiburg. Seine beruflichen Schwerpunkte bzw. Forschungsschwerpunkte liegen auf dem Biotop- und Artenschutz, der Geobotanik und der Landschaftsgeschichte.

 

 

 


Deutschland
Zum Buch im Shop

Das Gesicht Deutschlands

Unsere Landschaften und ihre Geschichte

Vom Trockenrasen zur Alm, vom Torfmoor zum Kiefernwald, von der Heide zur Ackerfläche: Heute zeigt sich unser Land als vielfältiges Mosaik unterschiedlichster Landschaften. Doch eines ist klar: Ohne menschliches Zutun wäre Deutschland weit überwiegend von Wald bedeckt. Denn all die Landschaften, die wir heute sehen, sind vom Menschen beeinflusst - auch wenn sie uns noch so natürlich erscheinen mögen.

In diesem reich bebilderten und verständlich geschriebenen Werk führt uns Bernd Seitz durch die Geschichte unserer Landschaften. Er zeigt uns, warum unsere Landschaften so aussehen, wie sie aussehen, und was sie dabei geprägt hat, er erklärt, wie, wann und warum der Mensch in die Natur eingegriffen hat, und macht deutlich, dass Naturschutz in erster Linie den Schutz und die Erhaltung historisch gewachsener Kulturlandschaften bedeutet.

Daneben bietet er Landschaftsgeschichte zum Anfassen und gibt viele Hinweise, wo wir die Geschichte unserer Landschaften vor Ort erleben können.


Europa
Zum Buch im Shop

Das Gesicht Europas

Die Vielfalt unserer Landschaften

Bezaubernde Wiesen, rauschende Flüsse und mystische Moore - der europäische Kontinent ist ein Mosaik unterschiedlichster Landschaften und ökologischer Nischen. Ob Lüneburger Heide oder spanische Wüste, die Natur Europas präsentiert sich unendlich reich und wunderschön.

Wie vielfältig das Gesicht unseres Kontinents ist, zeigt Bernd-Jürgen Seitz in einer Mischung aus Reiseführer, Bildband und populärem Sachbuch der Landschaftskunde. Von den Azoren bis zum Ural stellt er die verschiedenen Naturräume vor und beschreibt, wie natürliche und politische Grenzen, Geologie und Klima Europa formten und welche Rolle der Mensch dabei spielt.

 


Noch wurde kein Kommentar hinterlassen.