Jeanne de la Motte und die Halsbandaffäre

Alexandra Kaal • 23 Juni 2022
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Jeanne de la Motte und die Halsbandaffäre

 

Die Halsbandaffäre ging als einer der vielen Tropfen in die Geschichte des Ancien Regime ein, der das Fass der Französischen Revolution schließlich zum Überlaufen brachte. Als solche inspirierte sie auch Goethe, Dumas und Stefan Zweig zur literarischen Verarbeitung. Doch was ist die wahre Geschichte hinter diesen fiktionalisierten Darstellungen? 

 

Jeanne de la Motte, gemalt von Élisabeth Louise Vigée le Brun, ca. 1780
Jeanne de la Motte, gemalt von Élisabeth Louise Vigée le Brun, ca. 1780

Ende des 18. Jahrhunderts war Kardinal de Rohan bei der französischen Königin Marie Antoinette in Ungnade gefallen – und somit leichte Beute für Betrüger, die ihm anboten, ihre Gunst zurückerlangen zu können. So betrat um 1784 herum Jeanne de la Motte die Bühne dieses historischen Kammerspiels. Sie entstammte aus dem verarmten Hause Valois, das von 1328 bis 1589 die französischen Könige gestellt hatte. Nachdem sie auf der Straße und in einem Ursulinenkloster aufgewachsen war, wurde ihr durch die Anerkennung ihrer adeligen Abstammung ein kleiner Unterhalt gewährt. Sie war mit Nicholas de la Motte, einem Gardeoffizier mit falschem Adelstitel verheiratet. Nun begann Jeanne de la Motte dem Kardinal gegenüber zu behaupten, sie wäre mit der Königin eng befreundet. Kurz darauf verfasste sie Briefe im Namen der Königin, und bat ihn darum ihr für den Kauf einer teuren Halskette Geld zu leihen, da sie selbst vermeintlich in Geldnöten steckte.

Eine Nachbildung der Halskette
Eine Nachbildung der Halskette

Die fragliche Halskette lag bereits längere Zeit bei den Hofjuwelieren Boehmer aus, die Probleme hatten, sie loszuwerden. Sie war ursprünglich in der Hoffnung hergestellt worden, dass der vorherige König Ludwig XV. sie seiner Mätresse Madame du Barry schenken würde. Allerdings rechneten sie weder damit, dass der König bald darauf sterben würde, noch, dass der Stil dieser Halskette bereits aus der Mode war und wegen seiner Assoziation mit Schauspielerinnen und Kurtisanen als vulgär galt. Somit war die einzige andere potenzielle Kundin Marie Antoinette, die für ihre Vorliebe für Diamanten weit bekannt war. Als Verbindung zwischen Rohan und Boehmer wirkte Jeanne de la Motte. In seiner Verzweiflung, die Halskette gut verkaufen zu können, stellte auch Boehmer ein attraktives Opfer dar. Nachdem sie Rohan gegenüber nun behauptet hatte, dass sie die Feindseligkeit der Königin abmildern konnte, fädelte sie das Komplott um die Bezahlung für die Halskette ein.

Louis, Kardinal de Rohan, gemalt von einem unbekannten Künstler
Louis, Kardinal de Rohan, gemalt von einem unbekannten Künstler

Mithilfe einer Ladenbesitzerin, die eine gewisse Ähnlichkeit mit der Königin aufwies, konnte ein Treffen arrangiert werden, um dem Kardinal vorzuspielen, er hätte die königliche Gunst zurückgewonnen. Somit konnte sie auch Boehmer davon überzeugen, die Königin hätte sie mit dem Kauf der Halskette beauftragt. Nachdem der Kardinal die Halskette zu de la Mottes Wohnung in Versailles gebracht und diese verlassen hatte, brachen Jeanne und ihr Mann die Edelsteine mit einem Küchenmesser aus der Fassung. Die Steine wurden weit unter ihrem tatsächlichen Wert in Paris und London verkauft, von dem Erlös konnten sich die de la Mottes dennoch eine prunkvolle Villa in ihrer Heimatprovinz leisten.

Doch der Kardinal begann misstrauisch zu werden – als er Jeanne fragte, warum die Königin die Halskette auch an hohen kirchlichen Feiertagen nicht trug, antwortete sie, dass Marie Antoinette noch nicht den Mut fassen konnte, dem König von dem Kauf zu erzählen. Die Rückzahlung betreffend sagte Jeanne Rohan, dass die Königin das Geld noch nicht aufbringen konnte, ihn jedoch bat ihr ein wenig zu leihen, um die Kosten decken zu können. De la Mottes Plan wurde nun zunehmend instabil, als Rohan den Kaufvertrag für die Halskette dem berüchtigten Hofalchemisten Cagliostro zeigte, welcher ihn als Fälschung erkannte, und Rohan riet, dem König reinen Wein einzuschenken. Jeanne gestand dem Juwelier die Fälschung in dem Glauben, sie wäre allen anderen voraus, und beteuerte, dass der Kardinal für die Halskette aus seinem großen Vermögen aufkommen würde. Boehmer wusste, dass das nicht stimmte, und berichtete dem König von dem Betrug. Auf Anweisung des zuständigen Ministers Breteuil – einem erklärten Feind Rohans – wurde der Kardinal als der einzige Verantwortliche dargestellt, während de la Motte zunächst außen vor blieb. Während sie sich in ihrem neuen Domizil in der Provinz aufhielt, wurde Rohan vor versammeltem Hofstaat verhaftet und in eine komfortable Zelle der Bastille gebracht. Nachdem Rohan im Verhör zugab, dass er Jeanne die Halskette gegeben hatte, wurde auch sie 1785 verhaftet. Rohan wurde ein Jahr später freigesprochen, de la Motte dagegen floh 1787 aus dem Gefängnis nach England, wo sie 1789 ihre Memoiren veröffentlichte.


Leseempfehlungen

 

 

BuchcoverMaria Theresia und Marie Antoinette | Buch | Christoph, Paul (Hrsg.) | wbg – Wissen verbindet (wbg-wissenverbindet.de)

 

 

 

 

 

 

BuchcoverDie Französische Revolution von Prof. Dr. Susanne Lachenicht | Buch | wbg – Wissen verbindet (wbg-wissenverbindet.de)

 

 

 

 

 

BuchcoverÜber das Verhalten Marie-Antoinettes unter besonderer Berücksichtigung der Halsbandaffäre (Taschenbuch), Carina Bornhäusser (hugendubel.de)

Kommentare (1)

Merchan Agaricus

Sehr interessante Schilderung der Vorkommnisse, Frau Kaal. Ich habe es genossen sie zu lesen. Das Leben der Höflinge, ihre ganze Niedertracht, ist immer sehr erfahrenswert für mich.
Haben Sie vielen Dank.


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