Ich wünsche Dir Glück - Blumen für die Geliebte des Ex

Ewa Holeczek-Lupa • 11 Juli 2021
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Gestern Abend, kurz vor der Dämmerung,

hüftlahm, febril-grippal, das linke Bein hinter mir her schleifend,

ein aufgequollener Schatten meiner Selbst,

mit Einkaufstüte in der Linken, an der Rechten das blasse 

schnupfende Kind,

ziehe ich durch die grauen Gassen Grafings.

Die milde Luft gaukelt im Januar den Frühling vor, in mir drin der tiefste Winter …

 

Fini´s Stimmchen in der gewohnt hohen Lage, zwischen den

surrenden Autos

zwar hörbar, aber der Sinn des Gesagten nicht erkennbar.

Sehne mich nach Ruhe, Wärme und nach meinem Bett,

in dem ich dann meine Zerbrechlichkeiten zelebrieren kann -

auch die unsichtbaren … 

 

Und dann plötzlich dringt doch ein Wort zu mir durch. 

Ganz klar und deutlich.

Irgendwie immer wieder schneidend. 

 

Ich höre den Namen der Neuen.

 

Und da steht sie vor mir. Zusammen mit dem Ex.

Unter dem Prada-Mantel zeichnet sich der 5-ter-Monat Bauch ab.

Aufgeregte Singsangstimmen, Finger, die ineinanderfließen, 

ein manikürtes Bvlgari-Nägelchen, das gegen die Scheibe klopft und auf -

ahh neeee, wie kitschig, auf die Auslage mit den Ring-Pärchen zeigt.

 

Und dann … quakt die Kröte der Peinlichkeit. Laut breit, krächzend.

In Gedanken stopfe ich ihr ruckartig meine rotzigen Taschentücher

ins spöttische Maul. 

 

Das chice parfümierte Paar starrt uns an.

Mademoiselle´s Wimpernkranz in Diademform getuscht,

fächert der Blauäugigkeit frische Luft zu.

All der Lack an ihr, an der Gestalt, den Nägelchen und an den Stiefelchen,

noch frisch und unversehrt. 

Wie ein langbeiniges, anmutiges Reh ist sie, eins, das den Schuss des Jägers noch nicht vernommen hat.

„Pass auf Dich auf, ich wünsch´ Dir Glück!“

 

Nun erstarrt das Bvlgari-Fingerchen in der Luft … 

 

Jetzt fühle ich mich wie das verrotzte Tempo in meiner Jackentasche:

zusammengeknüllt, gebraucht, vollgesaugt, aber eben alles andere als steril,

dafür mit einem Auftrag, der auch Spuren hinterlässt. 

Zur Stelle bei großen und kleinen Tränen, bei Kummer und Freude 

und Rotz auffangend,

sanftes Vlies über eine kleine Wange - und gerade jetzt total erledigt. 

Wir müssen weg hier – aber mit Tempo!

Ich drücke die kleine warme Hand in meiner Rechten, sie drückt zurück

und ich denk an Fini´s Mantra: „Superhelden schaffen alles!“

Ok, dann lass uns nach Hause fliegen, den neuen Besen lassen wir aber hier. :-)

Kommentare (6)

Marcin Lupa

Und wie steht es jetzt um den Lack? - Nach all den Jahren und den zwei Kugelbäuchen ist er mindestens zerkratzt ...
Der neue Besen, wie kehrt er jetzt?

Eine schöne poetische Retrospektive und Hommage an eine Person, die man in seinem Leben immer kennt und gerne missen würde.

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  • Andrzej Holeczek

    Die Poesie lebte immer in unserem Haus. Auch wenn die Kinder ausflogen, ihre Gedichte bleiben.

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  • Kio Viktor

    Die ersten drei Absätze finde ich richtig stark. Dicht. Intensiv. Danke!

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  • Edward Nilson

    Hut ab vor dieser Geste! Es war mir ein Vergnügen diesen Text zu lesen. Bitte unbedingt mehr davon!

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