High-Tech für die Steinzeit

Holger Kieburg • 12 Juli 2022
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Archäologische Holzfunde zu konservieren und gleichzeitig verwertbare Informationen für deren Datierung zu erhalten ist ein kompliziertes Unterfangen: Das Objekt nach der Bergung vor Mikroorganismen zu schützen und vor dem schnellen Verfall zu bewahren, ist ein Wettlauf gegen die Zeit und wird mit Hilfe von gängigen konservatorischen Maßnahmen erreicht. Bisher erfolgte die Altersbestimmung von Holzobjekten meist durch das Verfahren der dendrochronologischen Datierung, wobei bei dieser Methode allerdings ein Eingriff in die Substanz der Objekte erforderlich ist. Das interdisziplinäre Projekt „Cutaway – Konservierungs- und Materialanalyse von archäologischem Holz“ geht nun der Frage nach, welche Verfahren am besten geeignet sind, die seltenen Holzobjekte zu stabilisieren und erprobt die zerstörungsfreie Datierung der Objekte anhand computertomographischer Untersuchungen (DendroCT). Hierfür werden acht steinzeitliche Radfunde aus der Region der Alpenländer untersucht, darunter eines der ältesten Holzräder aus dem Laibacher Moor in Slowenien sowie über achtzig weitere konservierte Holzproben aus der Referenzsammlung des Römisch-Germanischen Zentralmuseums, Leibniz-Forschungsinstitut für Archäologie (RGZM) in Mainz. Das DendroCT-Verfahren wird derzeit gemeinsam mit Physikern und Ingenieuren an der Hochschule Luzern (HSLU) und Dendrochronologen aus dem Landesamt für Denkmalpflege im Regierungspräsidium Stuttgart umgesetzt.

Erstmals wurden die ältesten Holzräder aus dem Alpengebiet mit der Computertomographie untersucht mit dem Ziel diese wertvollen Funde direkt zu datieren. „Das DendroCT-Verfahren macht das Innere von Objekten sichtbar und ermöglicht uns, die gesuchten Strukturen zerstörungsfrei zu vermessen. Diese Daten sind die Grundlage für eine präzise Altersbestimmung, “ so die Projektleiterin und Spezialistin für die Konservierung von archäologisch-organischen Objekten Dr. Ingrid Stelzner (RGZM). Prof. Dr. Philipp Schütz, Physiker an der Hochschule Luzern (HSLU) ist für die Umsetzung der DendroCT-Methode verantwortlich und ergänzt: „Wir können nun mit der DendroCT-Methode problemlos die archäologischen Holzfunde auch im Inneren untersuchen. Dies geschieht ohne in die Substanz einzugreifen und das Objekt zu verändern oder zu zerstören.“

Die Idee der zerstörungsfreien Datierung archäologischer Holzfunde mittels CT wurde seit den 1990er Jahren verfolgt und hat mir der technischen Verfeinerung des Verfahrens eine neue Qualität erreicht. Mittels medizinischer CT war die Erfassung von feinen Jahrringen, durch deren Auswertung das Alter der Holzobjekte nachvollzogen werden kann, nicht möglich. Erst durch die Weiterentwicklung im Bereich der industriellen CT-Verfahren können diese Jahrringe sichtbar gemacht und ausgewertet werden. mehr ...

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