Hieronymus Carl Friedrich Freiherr von Münchhausen

Lara Hitzmann • 11 Mai 2022
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Hieronymus Carl Friedrich Freiherr von Münchhausen


Sind Sie schon mal auf einer Kanonenkugel geritten? Oder auf einem Seepferdchen? Nein?


Wir auch nicht, aber der Baron von Münchhausen hat dies und noch viel mehr erlebt! Um das gleich vorweg zunehmen: Der sog. Lügenbaron von Münchhausen hat existiert, weshalb wir seinen 302. Geburtstag zum Anlass genommen haben, Ihnen Hieronymus Carl Friedrich von Münchhausen, auch bekannt als der Lügenbaron, vorzustellen. 


Am 11. Mai 1720 wurde Hieronymus in Bodenwerder im Landkreis Holzminden als eines von acht Kindern geboren mitten im sog. Nordischen Krieg geboren. Damals befand sich dieses Gebiet im Kurfürstentum Braunschweig – Lüneburg, welches in dem Krieg involviert war, da verschiedene Parteien im nordischen Krieg versuchten, den Nordseezugang zu erlangen. Es war die Zeit des Braunschweiger Kongresses, in dem unter anderem Russland und Schweden als Kriegsparteien verhandelten. Für den weiteren Verlauf von Hieronymus Leben war dieser Krieg insofern relevant, dass er die Bedeutung des Kurfürstentums, sowie seine militärische Macht unterstreicht. 


Hieronymus wurde als Sohn der schwarzen Linie des Adelsgeschlechtes von Münchhausen geboren – er war also keinesfalls der Repräsentant des Adelshauses. Sein Vater, Georg Otto von Münchhausen, der vier Jahre nach der Geburt Hieronymus‘ starb, war Oberstleutnant der Kavallerie und so entschloss sich auch der spätere Lügenbaron nach seiner schulischen Ausbildung eine militärische Karriere anzustreben. Ganz nach dem adeligen Brauch zog der Junge im Alter von nur 13 Jahren von zuhause weg in das nahegelegene Wolfenbüttel, um dort am braunschweigischen Hof zu leben und zu lernen. Dieser Umstand ermöglichte es ihm im Alter von 17 Jahren der Page von Herzog Anton Ulrich von Wolfenbüttel zu werden. Ja, es handelt sich hierbei um den Herzog Anton Ulrich, nach welchem das braunschweigische Kunstmuseum benannt wurde. Im Zuge seiner Arbeit reiste Hieronymus seinem Herzog nach St. Petersburg nach, da sich der Welfe wegen der geplanten Hochzeit mit der russischen Thronfolgerin Anna Leopoldowna in der Oberschicht Russlands bewähren musste. 


bildRussland befand sich in dieser Zeit im Krieg mit den Osmanen, in dem der Herzog und auch sein treuer Page Hieronymus zum Schwert griffen. Diese Erfahrungen sollen Hieronymus im Wesentlichen zu seinen späteren Geschichten inspiriert haben. 
Sie kennen sicher die Szene in der Münchhausenverfilmung von 1943, in der Hans Albers auf dem Rücken einer Kanonenkugel über die feindlichen Linien fliegt, um zu prüfen, was der Feind noch für ein Ass im Ärmel hat. Nachdem er dies gesichtet hat, springt er auf eine andere fliegende Kanonenkugel, die ihn wieder zurück zu seinen Verbündeten bringt um diesen im Anschluss zu berichten, dass die Feinde langsam am Ende ihrer Kräfte angelangt sind. 

Als Inspiration dieser Geschichte diente die Belagerung der osmanischen Krim-Festung Otschakow, die durch den russischen Oberbefehlshaber von Münnich durchgeführt wurde. 


Den nächsten Abschnitt seines Lebens verbrachte Hieronymus in Riga, da er nach seiner Beförderung zum Fähnrich der russischen „Braunschweig – Kürassiere“ durch die Zarin Anna Iwanowna seinem Regimentschef Anton Ulrich in den Schwedischen Krieg (1741-1743) folgte.


Nach Hieronymus‘ Beförderung zum Leutnant eine kurze Zeit später erhoffte sich dieser vermutlich eine glänzende Karriere, denn der Sohn seines Herren hatte reelle Chancen auf den russischen Thron. Aber nachdem sich Elisabeth I., die Tochter von Peter dem Großen, gewaltsam als russische Zarin einsetzte und der Herzog und seine Familie inhaftiert wurden, kam Hieronymus‘ Karriere nur noch mühsam voran. 
Die kommenden Jahre, die er in Finnland verbrachte, waren gezeichnet von seiner Beziehung zu einer jungen Adeligen namens Jacobine von Dunten, die er schließlich 1744 heiratete. Spätestens zu dieser Zeit erlangte Hieronymus auch den Ruf als herausragender Geschichtenerzähler und so wurde er ein gern gesehener Gast der finnischen Oberschicht.


Sechs Jahre später zog Hieronymus auf sein Land nach Bodenwerder zurück und lebte dort mit seiner Frau noch vierzig Jahre. Hieronymus verbrachte seine Zeit mit der Pflege seiner Ländereien, ging jagen und lebte ein geselliges Leben. Viele Menschen nahmen durchaus lange Wege auf sich, um seinen Geschichten zu lauschen. Dabei war jedoch klar: Es handelte sich hierbei um fabelhafte Geschichten und nicht um eine schillernde Selbstdarstellung oder gar Fake News. 


Zwei seiner Gäste, Graf Rochus Friedrich zu Lynar und Rudolf Erich Rapse, der zu dem Zeitpunkt das Museum in Kassel leitete, publizierten Hieronymus‘ Geschichten teils aus eigener Geldnot, auch im englischsprachigen Raum. 


Hieronymus, der nach dem Tod seiner geliebten Ehefrau erneut heiratete und sich schnell wieder Scheiden ließ, stand wegen letzterem selbst nun an der Schwelle des finanziellen Ruins. Sein Lebensabend war zudem nun von Spott wegen dieser Publikationen gezeichnet. 

Und so wurde Hieronymus berühmt – als der Lügenbaron von Münchhausen, der auf Seepferdchen und Kanonenkugeln geritten haben soll. Dabei hatte er dies nie mit Überzeugung von sich behauptet und ein Baron war er schon gar nicht gewesen. 
Aber von Münchhausen war im Gespräch – und ist es bis heute noch. Neben zahlreichen Verfilmungen lebt sein Name in der Bezeichnung zweier psychischer Krankheiten, dem „Münchhausen-Syndrom“ und dem „Münchhausen – by proxy“ weiter.

 


Leseempfehlungen


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Bürger, Gottfried August / Müller, Thomas M. (Illus.)

Wunderbare Reisen zu Wasser und Lande, Feldzüge und lustige Abenteuer des Freiherrn von Münchhausen

Mit Illustrationen von Thomas M. Müller

Den berühmten Freiherrn hat zu Lebzeiten nichts und niemand aufhalten können, aber gegen das Corona-Virus wäre er womöglich auch nicht gefeit gewesen. Die Umstände der Produktion der neuen Ausgabe seiner Erinneungen sind es jedenfalls nicht, weshalb sich das Erscheinen des Buches auf den 18.5.verschiebt. Wir bitten um Verständnis.

"Besuchen Sie mich alsdann, und an Unterhaltung soll es Ihnen gewiss nicht fehlen." So endet die Erzählung des Freiherrn von Münchhausen. Für den Künstler Th. M. Müller eine Einladung, die er nutzt, dem närrischen Fabulierer und "Lügenbaron" eine Varieté-Bühne zu bauen und uns an seinen Späßen und Lügen teilhaben zu lassen. Wer kennt sie nicht, die unglaublichen Geschichten des "Baron von Münchhausen" als literarische Figur, der bekanntermaßen nach der historischen Person, Hieronymus Carl Friedrich Freiherr von Münchhausen, geformt wurde. Münchhausen wurde am 11. Mai 1720 in Bodenwerder geboren, und wir gedenken daher in diesem Jahr seines 300. Geburtstages. Nach Ausbildung und Karriere als Offizier im Dienste der russischen Zarin, kehrte er 1750 auf sein Gut zurück und verwaltete es bis zu seinem Tode im Jahre 1797. Bereits zu Lebzeiten rühmte man ihn über die Landesgrenzen hinaus als brillanten, humorvollen Erzähler.


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Die Andere Bibliothek (Band 435)

Münchhausen

Eine Geschichte in Arabesken

Immermann verwandelt die phantastischen Legenden des berühmten »Lügenbarons« zu einer in der deutschen Literatur bis dahin unbekannten Form des Romans: zeithistorisch, gesellschaftskritisch, komisch und scharf-satirisch, eine anspielungsreiche, schillernde Verbindung aus Zeit- und Kulturkritik. Immermanns Münchhausen erneuert den Roman seiner Zeit und ist eines der bedeutendsten epischen Werke der deutschen Literatur. Karl Leberecht Immermann, heute fast vergessen, nimmt Abschied vom Bildungs- und Erziehungsroman der klassischen und romantischen Literatur. 1838/39 erschienen und nicht nur von Heinrich Heine bewundert, ist sein origineller Münchhausen eine virtuos verschlungene »Geschichte in Arabesken«.

Bei Immermann ist Münchhausen ein »Erzwindbeutel«, ein »Cäsar der Lügen« und ein »Don Juan der Erfindung « – einer, der in seinem Tun und Erzählen die Wahrheit beansprucht und den Leser, angesprochen und immer wieder ins Geschehen einbezogen, zur Wahrheitsfindung auffordert. Laurence Sternes komischer Roman Tristram Shandy ist dabei das große, vom Erzähler herbeizitierte Vorbild. Münchhausen ist zugleich ein Doppelroman, der auch vom »Oberhof«, einem reichen westfälischen Gutshof, und vom Kosmos der damaligen ländlichen Lebenswelt erzählt; im Zentrum der »Hofschulze« und ein »Jäger Oswald« – die Gegenwelt zur verfallenden Welt des Adels, in der der Münchhausen-Enkel und sein Diener Karl Buttervogel vor dem Herrn von »Schloss Schnick-Schnack-Schnurr«, vor Tochter und Dorfschulmeister schwadronieren. Eingebunden wird das ausschweifende Geschehen in eine Ehe- und Liebesgeschichte, erzählt werden die ineinander verschlungenen Welten in einem Zeitraum von wenigen Wochen.

Und was bedeutet es, wenn Immermann von einer »Geschichte in Arabesken« spricht? »... wer dabei den Verstand behalten will, der muss einen weniger geordneten Kopf haben, als ich leider besitze. Herr von Münchhausen beginnen zu erzählen; dann fangen wieder andere Personen an, in diesen Erzählungen zu erzählen; wenn man nicht schleunigst Einhalt tut, so geraten wir wahrhaftig in eine Untiefe des Erzählens hinein, worin unser Verstand notwendig Schiffbruch leiden muss. Bei den Frauen, die mit Schachteln handeln, stecken oft vierundzwanzig ineinander ...«

 

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