Gewinnspiel zum Podcast Special „Wissenschaften im Dialog“: Fragen aus den einzelnen Sessions der Pilotphase für die wbg Community

wbg Redaktion • 11 März 2021

Podcast Special „Wissenschaften im Dialog“: Fragen aus den einzelnen Sessions der Pilotphase für die wbg Community


Als größte deutschsprachige Gemeinschaft für Wissen und Bildung fördert die wbg Publikationen renommierter Historiker, Philosophinnen, Archäologen oder Theologen; sie gibt ihnen ein „Zuhause“, eine Stimme, und ist somit ein wichtiger, hochangesehener Partner der Geisteswissenschaften. Heute befindet sich die Gesellschaft insgesamt im Wandel – und mit ihr die Geisteswissenschaften. Ihre innerakademische Relevanz mag unbestritten sein… wie aber steht es um ihren Einfluss außerhalb von Academia?

In der multimedialen Gesellschaft, in der keine von allen geteilte Öffentlichkeit mehr existiert, wo es mehr Stimmen denn je gibt, die Deutungshoheit für sich beanspruchen – in einer solchen Gesellschaft scheint die Wirkung des Geisteswissenschaften ernsthaft infrage gestellt. Die wbg hat deshalb ein Exzellenz-Projekt initiiert, das geisteswissenschaftliche Fragen mit gesellschaftlichen Herausforderungen enger verzahnen soll: den „wbg Dialog“. Ziel ist es, einen Marktplatz der Ideen zu schaffen, um den Status der von außen oft unverstandenen Geisteswissenschaften klar zu machen und hervorzuheben. Einen offenen Raum, der nicht nur den Austausch zwischen unterschiedlichen geisteswissenschaftlichen Fächern fördert, sondern Geisteswissenschaftler auch in direkten Austausch über die wichtigen Fragen unserer Zeit mit hochkarätigen Experten aus dem außerakademischen Bereich bringt. Die wbg will einen Dialograum schaffen, in dem zentrale fachliche wie gesellschaftliche Fragen auf gründliche, unideologische, „multiperspektivische" Weise gestellt und diskutiert werden können. Die Inhalte des „wbg Dialogs“ stellt die wbg einerseits Mitgliedern, Autoren und Wissenschaftler zur Verfügung, um so zu einem weiterführenden Austausch einzuladen. Andererseits will das „Dialog“-Projekt dazu beitragen, aktuellen öffentlichen Debatten mehr inhaltliche Qualität und begriffliche Präzision zu verleihen.

In der Pilotphase (September bis November 2020) moderierte die Philosophin Dr. Rebekka Reinhard insgesamt fünf Dialogrunden; Leitfrage war immer die nach der Bedeutung und Relevanz der Geisteswissenschaften heute. Im virtuellen (Zoom-)Raum diskutierten in der ersten Runde: die Philosophin Dr. Mara-Daria Cojocaru, der Althistoriker Prof. Hans-Joachim Gehrke, der Historiker und Journalist Sven Felix Kellerhoff sowie der Theologe und Dogmatiker Prof. Michael Seewald – alle aus dem Kreis der wbg-Autoren. In der zweiten bis fünften Runde fanden dann Zweier-Gespräche statt: zwischen Michael Seewald und Martina Bruder, Germanistin und Geschäftsführerin eines international operierenden Informationsdienstleiters u. a. für die juristische Praxis; zwischen Sven Felix Kellerhoff und der Psychologin und Personalberaterin Stephanie Schorp; zwischen Mara-Daria Cojocaru und der Pharmazeutin Linn Born, die als Förderin bildender Künstler und Kunstsammlerin wirkt; sowie zwischen Hans-Joachim Gehrke und dem Mediziner und Experten für digitale Transformation im Gesundheitsbereich Dr. André T. Nemat.

Aus den Dialog-Runden der Pilotphase hat Dr. Rebekka Reinhard drei dort diskutierte Fragen ausgewählt, die sie an die wbg Mitglieder und alle Freundinnen und Freunde des Wissens und der Bildung weitergeben möchte:


I

Zum Kampf um Objektivität im Kontext der heutigen „Öffentlichkeit" mit allzuoft zweifelhaften Maßstäben für die Unterscheidungen objektiv/ subjektiv bzw. wahr/ falsch: Was zählen gute Gründe?


II

Zur vielfach beklagten mangelnden Präsenz von „public intellectuals“ geisteswissenschaftlicher Provenienz in öffentlichen Diskursen: Sind es eher die Geisteswissenschaftler selbst, die sich zurückziehen – oder haben sich die Rahmenbedingungen öffentlicher Debatten verändert?


III

Vor dem Hintergrund der allumfassenden Digitalisierung oder ‚Digitalität‘, die unser Leben und Arbeiten zunehmend durchdringt und (nach Marktkriterien) beherrscht: Was wird aus unserer Autonomie und Humanität – gilt das Prinzip Hoffnung? 


Was sagen Sie dazu?

Wir möchten Sie einladen, diese Fragestellungen und mögliche Antworten darauf weiterzudiskutieren!

Wir freuen uns auf ihre Beiträge hier in den Kommentaren und wir verlosen unter allen Teilnehmerinnen und Teilnehmern bis zum 31.03.2021 zehn wbg Büchergutscheine in Höhe von jeweils 25 €.

Herzliche Grüße

Ihre wbg



Kommentare (9)

Marcin Lupa

Ich komme in meinem Leben beruflich leider nicht dazu mich wissenschaftlich zu betätigen. Dafür gibt es Gründe.

Als Konsument in meiner Freizeit habe ich aber die wbg durch eine Werbung im Internet entdeckt und bin höchst zufrieden mit ihrem Angebot.
So kann ich mich als Laie mit der Wissenschaft, von der es mir die Geisteswissenschaft am meisten "angetan" hat, beschäftigen.
Ich profitiere von dem reichen Erfahrungsschatz von Publikationen und publizierenden Autoren und dem Austausch mit intelligenten Individuen, die Teil der herausfordernden und zum Denken anregenden Community sind.

Diese Art der Beteiligung habe ich immer schon gesucht. Am liebsten durch die Arbeit an einem Buch, indem ich es lese und für mich interpretiere, mit der eigenen Erfahrung und mit den eigenen Gedanken vergleiche.

Ob das wissenschaftlich ist, wohl kaum, doch es ist auch wenn es eine fragmentarische Auseinandersetzung bleibt, die Wissenschaft betreffend und dadurch ein schöner Aspekt meiner Existenz für den ich dankbar sein kann.

Ich möchte auf die Fragen eingehen:

Zu 1. als objektiven guten Grund empfinde ich (wiederum subjektiv) die etablierten Themen und all diejenigen, die zu ihnen referieren, Diskurse verfassen und im Dialog bleiben.
Im Bereich der Geisteswissenschaften bediene ich mich der Beobachtung unterschiedlicher Felder. Noch nie bin ich öffentlich in Dialog getreten, da mir auch die Qualifikationen fehlen. Allerdings lasse ich gerne die Granden der Wissenschaften auch für mich sprechen, indem ich manchmal - wenn Zeit bleibt - ihre Bücher lese, Videos mit ihnen ansehe oder die Medien da nutze, wo sie auftauchen.

Zu meinen Favoriten zählen populäre Wissenschaftler, alleine aus dem Grund, da sie in ihren Publikationen für einen Laien wie mich leichter zugängig sind.

Ihre Sichtweise ist Grund für mich meine persönlichen Blickwinkel und Gedanken anzupassen. Ich lasse mich belehren und reflektiere mein eigenes Wissen am Stand dieser Arbeiter des Geistes. Dadurch profitiere ich für die Entwicklung meiner Persönlichkeit und für meinen eigenen Wissensschatz.
Die Grundlagen der Bildung legten mir Elternhaus, Schule und Studium. Die freie Zeit im späteren Erwachsenenleben bestimmt die Selbstbildung. Ich hoffe nicht, die Einbildung allein.

Den Podcast von Frau Dr. Rekekka Reinhard genieße ich dabei sehr. Es gibt für mich unzählige Gelegenheiten ihn anzuhören.

Zu 2. Für mich selber kann ich beobachten, dass Geisteswissenschaftler doch schon präsent sind in der Öffentlichkeit. Für mich zugeschnitten sind profane Kanäle, wie einige Kanäle auf YouTube. Nur um Beispiele zu nennen: SFR Sternstunden der Philosophie, Scobel, Richard David Precht.
Für meine Zwecke bin ich bedient, liefert mir doch eine gut sortierte Buchhandlung ein Betätigungsfeld für das weder meine Lebenszeit, noch mein Intellekt reichen können.

Allerdings vermisse ich eine gewisse Struktur und Einheitlichkeit, die mir zunehmend die wbg verleiht.

An dieser Stelle die Frage, gibt es auch einen wbg Inhalt als Video? - Einen Kanal auf YouTube zum Beispiel? Wenn nicht, wäre das noch eine Anregung, diesen zu schaffen.

Zu 3. Auch digital gelingt es mir, human und autonom zu bleiben. Vielleicht bilden sich Monopole des Wissenstransfers. Es gibt im deutschsprachigen Raum einige gute Zeitungsredaktionen, einen breit und tief sortierten Buchhandel und jede Menge guter Verlage, die ihn beliefern, sowie einige gute Fernsehsender und neuerdings das Internet, das mir persönlich mittlerweile ein sehr profundes Tätigkeitsfeld liefert. Mehr Autonomie bei der Auswahl meiner Kanäle bedarf ich nicht. Darüber hinaus greife ich auf einige analoge Kanäle zurück, allem voran menschliche Bekannte, mit denen ich im Dialog bleibe, die allerdings wiederum digital "inspiriert" sind und sich von den digitalen Medien speisen lassen.

Insofern fließen die digitalen Medien in meinen persönlichen geistigen Austausch stark ein. Sie beeinflußen mich, ohne mich gefangen zu nehmen. Ich empfinde dabei nichts totalitäres, schon eher in der Gesetzeslage der legislativen Gewalt, die mich notgedrungen und auf vielen Feldern zweckmäßig einschränkt.
Im gewissen Sinne gibt der Staat und die Politik die Themen vor, das Denken selbst bleibt aber frei. So kann ich mir vorstellen, dass Autoren wie beispielsweise Steven King sich die Freiheiten nehmen, Kuscheltiere vom Tod auferstehen zu lassen. Auch gibt es Geisteswissenschaftler, die Konventionen des Denkens überschreiten.

Was die Humanität angeht, so muss ich berichten, dass ich das soziale Medium Facebook mittlerweile in den Sumpf der Inhumanität absinken sehe, weshalb ich es mittlerweile "Streitbuch" oder "Buch der Diffamierungen und Beleidigungen" nennen möchte, mich zugleich immer stärker davon zurückziehend und von dem Gebrauch dieses Massenmediums verabschiedend. Noch vor Jahren habe ich es stark gebraucht, mittlerweile habe ich einschließlich Familie 19 Freunde und versuche diese Freundesliste eher schrumpfen zu lassen, als sie zu erweitern. Kriterium ist dabei für mich die Beschäftigung mit meinen Inhalten. Wer monatelang keinen "Like" vergibt, muss auch nicht in der Freundesliste bleiben.

Da kommt mir die wbg Community, wie gerufen, da ich hier sehr geistreich in Empfang genommen werde. Wenn ich kritisiert werde, dann auf vornehme Art. Das genügt mir gut.

  • Anmelden oder Registieren, um Kommentare verfassen zu können
  • Rebekka Reinhard

    Lieber Marcin Lupa, vielen Dank für Ihre guten, inspirierenden und wertschätzenden Gedanken... und Ihre Anerkennung! Herzlich, Rebekka Reinhard

  • Anmelden oder Registieren, um Kommentare verfassen zu können
  • Luca Rosenboom

    Sehr treffend formuliert finde ich die Anmerkung zu Facebook. Ist jedenfalls ein Grund, alles, außer eventuell Nachrichtensender/Informationsseiten, zu ignorieren.

  • Anmelden oder Registieren, um Kommentare verfassen zu können
  • Marcin Lupa

    [~3175], genau, so verfahre ich. Ich schaue mir die Nachrichtenseiten auf FB an. Der Fehler, den ich begehe, ist manchmal sich verleiten zu lassen, zu kommentieren. Und da sitzen schon die Haie, die sich auf so einen Kommentar losstürzen, um ihn zu zerfleischen und auch gleich dazu, meine Person zu beleidigen. Zum Teil ohne jegliche Argumentation oder die Möglichkeit einer Verteidigung einzuräumen, einer Erläuterung, wie es ein offener Diskurs tut. Und sehr perfide in der Formulierung.

    Dabei endet doch jede Feststellung oder jedes finale Statement automatisch mit einem "oder, was sagen Sie dazu?" - ich habe es auf meinen Reisen in der Schweiz sehr genossen, dass viele vorsichtige Redner nach ihren Ausführungen mir gegenüber stets - vielleicht letztendlich doch zu oft - ihre Sätze mir einem "oder" endeten (z.B. "die Überbevölkerung auf unserem Planeten und die ständige Zunahme der Reproduktionsgeschwindigkeit bei uns Menschen ist die Hauptursache für den Klimawandel und das rasante Artensterben. Oder?") - dieses "oder" räumt ein, dass das Gegenüber nicht indoktriniert wird, sondern die Freiheit der Entscheidung und einer gegenteiligen Meinung weiterhin besitzt.

    Und das vermisse ich auf FB zunehmend, da immer mehr Haifische im (a)sozialen Becken herumschwimmen.

  • Anmelden oder Registieren, um Kommentare verfassen zu können
  • Karin Walter

    Zu Punkt 1: Ich denke, dass gute Gründe auch in der heutigen Zeit noch zählen. Entscheidend ist die Art und Weise ihrer Vermittlung in der Öffentlichkeit, da meines Erachtens die Mehrheit der Menschen sich grundsätzlich nicht mit Oberflächlichkeiten oder gar Unwahrheiten abspeisen lassen möchte.

    Zu Punkt 2: Sicher haben sich durch die Digitalisierung und die Nutzung der sozialen Medien die Rahmenbedingungen öffentlicher Debatten verändert, aber ich teile die Meinung nicht, dass sich die Geisteswissenschaftler zurückziehen. Wichtig ist, dass sie eine zeitgemäße Präsenz auf allen Kanälen zeigen, um auch Menschen zu erreichen, die sich bisher (noch) nicht mit ihren Positionen beschäftigt haben. Denn sie haben auch heute noch viel zu sagen!

    Zu Punkt 3: Unsere Autonomie und Humanität sehe ich nicht in Gefahr. Die Digitalisierung und Automatisierung unserer Gesellschaft ist zwar nicht aufzuhalten, dennoch liegt es stets in erster Linie in der Hand jedes Einzelnen, wie er neue Technologien nutzt. Eine gute Medienbildung in den Schulen halte ich deshalb für unerlässlich. Möglicherweise hat auch die Corona-Krise mit ihren zahlreichen Einschränkungen das allgemeine Bewusstsein für die wesentlichen Themen des "realen" Lebens wieder geschärft!

  • Anmelden oder Registieren, um Kommentare verfassen zu können
  • Marcin Lupa

    Liebe Frau Walter, das haben Sie sehr schön geschrieben. Ich stimme Ihnen völlig zu.

  • Anmelden oder Registieren, um Kommentare verfassen zu können
  • Luca Rosenboom

    1) Objektivität wird es vermutlich nie geben, denn jede Person ist wesentlich von ihrem sozialen Umfeld – und das soll mehrere Faktoren einschließen, sei es in wirtschaftlicher, kultureller,… Hinsicht – geprägt. Alle besitzen unterschiedliche Charakterdispositionen, aus denen allerdings durch einen Diskurs zumindest eine gewisse objektive Richtung eingeschlagen, vielleicht sogar im platonisch-sokratischen Sinne erlangt (?), werden kann.

    2) Es ist schwer zu sagen, ob sich die Rahmenbedingungen öffentlicher Debatten verändert haben. Frau Walter ist sicherlich dahingehend zuzustimmen, dass die Digitalisierung einen enormen Wandel mit sich gebracht hat. In Zeiten wie diese, die maßgeblich von politischen Diskursen geprägt sind, sind aber gewiss besonders auch Geisteswissenschaftler gefragt. Politik bestimmt schließlich seit jeher – zu nennen sei nur die ausgehende Römische Republik – die Öffentlichkeit. Ich selbst habe von einem Rückzug der Geisteswissenschaftler nichts mitbekommen, allerdings kommt es auch auf das Milieu an, in dem man verkehrt. Es sollte jedenfalls die Devise sein, sich als Geisteswissenschaftler nicht zurückzuziehen, zumal „die Geschichte“ uns auch heute noch viele Präzedenzfälle zu geben vermag.

    3) Hoffnung ist, wie ich finde, ein schwammiger Begriff – klar sollte „dum spiro, spero“ auch heute m.M.n. noch gelebt werden. Wir haben allerdings das Glück, auch gerade wegen der Digitalisierung in einen breiteren Diskurs zu treten mit Menschen verschiedener Gesellschaften. In anderen, ein schönes Beispiel für Unterdrückung wäre sicherlich China, muss man allerdings (vergeblich) um Autonomie kämpfen. Durch die Digitalisierung ist es aber möglich, jedenfalls auf Missstände in einem größeren Ausmaß hinzuweisen, siehe z.B. die WM in Katar 2022.

    Vielen Dank für Ihre Kommentare und eine schöne Woche!

  • Anmelden oder Registieren, um Kommentare verfassen zu können
  • Rita Lipelli

    Liebe Damen und Herren, bei der Objektivität zu bleiben denke ich, dass es dort ein richtig und falsch geben mag, aber subjektiv ist dieses stets anders zu bewerten. Eigene Gründe wären meiner Meinung nach noch mit Gut und Böse zu ergänzen, je nach Charakter. Auch das Böse mag für sich entsprechende Gründe haben. Verzeihen Sie bitte, wenn ich die Frage nicht besser beantworten kann, ich hoffe, es ist so in Ordnung.

  • Anmelden oder Registieren, um Kommentare verfassen zu können