Gefährdet die neue Polarisierung die Gesellschaft?

Joy Hofmann • 21 Februar 2020
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Die Welt wandelt sich ständig und das schneller als je zuvor. Das Internet und die daraus folgende Informationsüberflutung und die Globalisierung und Digitalisierung tragen dazu bei, dass die Welt immer unübersichtlicher wird und die Menschen sich nach Zugehörigkeit, Sicherheit und Kontinuität sehnen. Die dauerhafte Vernetzung führt zu immer mehr Konfliktlinien. Diese Konflikte sind nicht mehr primär ökonomischer Natur, sondern kultureller Natur. Identität gewinnt immer mehr an Bedeutung. Das wirkt sich auch auf die politische Landschaft aus. Immer mehr steht der Pessimismus im Vordergrund. Der Weltuntergang, so scheint es, wird entweder durch die Gletscherschmelze oder die Welle von Migranten herbeigeführt. Angst wird immer mehr als Medium in der Politik eingesetzt. So ist es nicht verwunderlich, dass Donald Trump Präsident der Vereinigten Staaten wurde oder die Briten am 23 Juni 2016 für den Brexit stimmten. Auch die Medien lenken immer mehr Aufmerksamkeit auf Krisen, Kriege, Terrorismus und Krankheiten und tragen so zur Angstverbreitung bei. Kriege, Terrorismus und Krankheiten gab es natürlich schon alles vorher, nur das ist vielen egal. Heutzutage werden diese Themen mit Hilfe der Medien polarisiert. So kann es passieren, dass das Coronavirus Grund für Rassismus gegenüber Asiaten in Deutschland wird oder Migranten grundsätzlich als Terroristen abgestempelt werden. Auch Bewegungen wie Fridays For Future polarisieren und nutzen Emotionen wie Angst, um Handeln herbeizuführen. Trotzdem scheint dies zumindest bei jungen Menschen akzeptiert zu werden und gilt erstmal nicht als gesellschaftsgefährdend. 

Was denken Sie, ist die offenen Gesellschaft durch die neue Polarisierung gefährdet? Was kann dagegen unternommen werden? Welche Rolle haben die Globalisierung und Digitalisierung?

Was denken Sie über die Identitätskultur? Sehen Sie darin eine Gefahr für die offene Gesellschaft?

 

Ein paar spannende Literaturtipps:

https://www.wbg-wissenverbindet.de/16324/die-angst-unternehmer

https://www.thalia.de/shop/home/artikeldetails/ID140505995.html

https://www.wbg-wissenverbindet.de/14801/koenigreich-der-angst?number=1021602

Kommentare (4)

martin Dünkelsbühler

... Themen mit Hilfe der Medien polarisiert: das klingt so, als ob erst die Medien die Pole erzeugten. Vorhandene Pole zu instrumentalisieren ist erst mit dem verbundenen gewollten? Ziel/Ergebnis zu beurteilen. Selbst das Mittel der Angst als starker Motor muß parallel mit dem Gegenpol der Verharmlosung als Hüter des status quo als, vielleicht ebenfalls, unlauteres Mittel der Einflußnahme betrachtet werden. - Was ist ein akzeptiertes Mittel der Einflußnahme unter der Annahme, eine nicht zu vernachlässigende Zahl von Adressaten, reagiere nicht adäquat auf einen aufgeklärt-diskursiven Versuch der berechtigten Einflußnahme?
Unter 'berechtigt' möchte ich hier eine Erkenntnis mit anerkanntem Handlungsbedarf bezeichnen, was der ehemalige Bundesverfassungsgerichts- und Bundespräsident Roman Herzog mit den Worten 'wir haben kein Erkenntnisproblem, sondern ein Umsetzungsproblem' beschrieb.
Als Beispiele werden der Klimawandel und die Migration angeführt. - Die Polarisierung sowohl im Bezug auf den Klimawandel als auch auf die Migrationsfrage ist offensichtlich und es spricht nicht für die Protagonisten einer offenen Gesellschaft, wenn nichtargumentativ der Antipode dämonisiert wird: nicht das Vertreten einer politisch vielleicht inkorrekten, jedenfalls unerwünschten, Sicht sondern deren Ausgrenzung ist Verrat an der Idee der 'offenen Gesellschaft'.
Erkenntnisse, die, manchmal bevor im Mainstream angekommen, nicht politisch wahr genommen werden, suchen die Umsetzung vielleicht von außerhalb der Instanzen (68er) in diese: Polarisierung. - Vorausgegangen ist ein Politikversagen.
Kann nicht ein Versagen der politischen Klassen der Welt, die die offene Gesellschaft für sich proklamieren, darin gesehen werden, daß die sogenannte gemäßigte politische Mitte den Kontakt zum Volk verloren hat? Die lateinische Vokabel für Volk ist 'populus' und bezeichnender Weise wird derjenige, der versucht, vom 'einfachen' Bürger verstanden zu werden als 'Populist' beschimpft. - Daß die Abwertung einer Schicht nicht neu ist macht der Begriff des 'Pöbels' deutlich. Wenn ein langjähriger SPD-Vorsitzender von 'Pack' diesbezüglich sprechen oder ein ehemaliger Pastor als Bundespräsident meint, 'nicht die Eliten seien das Problem, sondern das Volk', verführt das leicht zu der Vermutung, die 'politische Klasse' folge einer entkoppelten Agenda. Ohne diese Agenda weiter thematisieren zu wollen, wenn die politische Mitte, oder das was sich selbst so bezeichnet, in ihrem Handeln den Vorstellungen des Wahlvolkes wenig entspricht, wird sie sich selbst schwächen und die jeweiligen Pole stärken: Polarisierung.
Als deutliches Zeichen mag hier der POTUS Trump gelten, der ohne den volksfernen parteiinternen Hickhack, gegen Berni Sanders damals, vielleicht heute nicht Präsident wäre. Hier haben die 'Demokraten', weil sie einer Agenda am Wähler vorbei folgten, einem Kandidaten, den ursprünglich auch die 'Republikaner' nicht wollten, zu Macht verholfen.
- Trump, der sicher polarisiert, ist durch ein Politikversagen der 'Demokraten' erst möglich geworden. Dieses Politikversagen der 'Demokraten', deren Markenkern die liberale und offene Gesellschaft waren, macht genau diesen Verrat an der offenen Gesellschaft deutlich.
- Die Polarisierung ist das Ergebnis und produziert weitere Polarisierung.
- Die Polarisierung zu benennen ist erst hilfreich, wenn damit eine verbale Abrüstungsstrategie in Angriff genommen wird: wie eine Ausgrenzung, Polarisierung kennzeichnen (stigmatisieren)? ohne ausgrenzen??
- Toleranz dem Intoleranten? - nein, gleiche Regeln für alle.
- Intoleranz der doppeldeutigen, intransparenten und leeren Sprache.

Frank Schwarzer

Wer heute, das gestern kennt, kann besser in das morgen gehen.

Felix Wohlfrohm

Ein Hoch auf die Geschichtswissenschaft in einem Satz, danke


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