Friedrich Barbarossa zum 900. Jubiläum

Alexandra Kaal • 1 August 2022
Blogbeitrag in der Gruppe Geschichte
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Friedrich Barbarossa zum 900. Jubiläum

 

Bereits sein Vater hatte vergeblich nach der Königskrone gestrebt, blieb jedoch ohne Erfolg – erst Friedrich Barbarossa wurde der erste deutsche staufische König und Kaiser. Bis heute ist er einer der bekanntesten deutschen Könige und Kaiser des Mittelalters, nicht zuletzt wegen der romantischen Verklärung des 19. Jahrhunderts. Hier erinnert die wbg anlässlich seines 900. Jubiläums an den berühmten Staufer.

Zwar ist sein genaues Geburtsdatum nicht bekannt, aber man weiß mit ziemlicher Sicherheit, dass er vor genau 900 Jahren zur Welt kam. Friedrich war der einzige Sohn des schwäbischen Herzogs Friedrich II. und seiner bayrischen Frau Judith. Als Spross der großen Adelshäuser der Staufer und Welfen versuchte er zeitlebens zwischen seinen streitenden Verwandten zu vermitteln.

Friedrich II. sah sich wahrscheinlich aufgrund seiner Verwandtschaft mit König Heinrich V. als geeigneten Kandidaten für die Monarchie an und ließ sich am 24. August 1125 bei der Versammlung in Mainz zur Wahl als König stellen. Die Fürsten entschieden sich jedoch für Lothar III., Herzog von Sachsen. Am 9. März 1152 wurde Barbarossa selbst schließlich in Aachen zum deutschen König gekrönt. Dabei war außergewöhnlich, dass beide Söhne seines Vorgängers und Onkels Konrad III. in der Erbfolge übergangen wurden. Zwar war sein Sohn Friedrich erst sieben Jahre alt, doch waren minderjährige Könige keineswegs eine Seltenheit: Konrad III. war bei seiner Thronbesteigung selbst erst 13 Jahre alt. Der Unterschied dabei war, dass in diesen Fällen die Wahl noch zu Lebzeiten des Vaters des neuen Königs stattfand.

Zwar hatte Friedrich bereits 1147 seine Frau Adela von Vohburg geheiratet, doch ließ er sich 1153 wieder vom Papst annullieren, weil die Ehe kinderlos geblieben war, dies wurde jedoch offiziell mit ihrer zu nahen Verwandtschaft miteinander begründet. 1156 heiratete er Beatrix von Burgund, die verwaiste Tochter des Pfalzgrafen von Burgund. Dass sie im gleichen Grad mit ihm verwandt war wie seine erste Frau, schien dabei keine Rolle zu spielen. Seit der Regierungszeit des Saliers Otto I. regierte der deutsche König auch über Ober- und Mittelitalien. Da die dortigen Städte stark auf ihrer Unabhängigkeit beharrten, hatte er zunächst Schwierigkeiten seinen Herrschaftsanspruch durchzusetzen. Den Erfolg beim Italienzug, den er deswegen 1154/55 antrat, hatte er auch der militärischen Hilfe seines Vetters Heinrichs des Löwen zu verdanken. Dieser wurde für seine Dienste mit dem Herzogtum Bayern belohnt. Wegen seiner neu dazugewonnenen Macht glaubte er sich jedoch mit Barbarossa ebenbürtig, was dieser als Anmaßung auffasste. So verweigerte Heinrich seinem Vetter 1176 auch militärische Hilfe in Italien, weil Barbarossa ihm nicht die Kaiserpfalz Goslar mit ihren einträglichen Silberminen überlassen wollte. Da andere Fürsten durch seinen Machtausbau zurückstecken mussten, wurde er auf ihr Betreiben geächtet. Weil er bei den Reichstagen, auf denen diese Angelegenheit geregelt werden sollte, nicht erschien, wurden ihm auch die Herzogtümer aberkannt. 1181 ergab sich Heinrich in einem Prozess der als „Kniefall von Chiavenna“ in die Geschichte einging.

1155 wurde Friedrich von Papst Hadrian IV. auch zum Kaiser gekrönt, wie es für die deutsch-italienischen Könige üblich war. Allerdings kam es im Zuge dessen fast zu einem diplomatischen Eklat, als Friedrichs Kanzler Rainald von Dassel beneficium in der päpstlichen Urkunde statt mit Wohltat als Lehen übersetzte. Damit wurde ein bereits seit Jahrhunderten schwelender Konflikt zwischen Kaiser und Papst fortgesetzt, bei dem es um die Frage ging, ob der Kaiser seine Macht direkt von Gott oder durch den Papst erhalten hat. Somit war die Frage vor allem ob Kaiser und Papst gleichberechtigt sind oder ob ein Machtgefälle vorherrschte. Dieser Konflikt kann auch als eine der vielen Ursachen für das Schisma von 1159-1177 gesehen werden.

Da durch Barbarossas Italienzug seine Herrschaftsrechte im nördlichen Italien wieder gefestigt wurden, hatte das auch Auswirkungen auf die Macht des Papstes in diesen Gebieten. Dies führte zu einem neuen Streit, der jedoch nicht juristisch beigelegt werden konnte und der dazu führte, dass sich der Vatikan zunehmend einem Bündnis mit den im Süden Italiens regierenden Normannen zuwandte. Als Papst Hadrian IV. schließlich kurz davor war, den Kaiser zu exkommunizieren, verstarb er. Bei der Wahl des neuen Kirchenoberhauptes waren die Kardinäle zwischen einer Aussöhnung mit dem Kaiser und dem Bestehen auf dem Normannenbündnis gespalten. Infolgedessen wurden Viktor IV. und Alexander III. zum Papst gewählt. Victor IV. positionierte sich auf der Seite Barbarossas, dagegen wurde er von Alexander III. exkommuniziert. Barbarossas Versuche, Victor IV. auch außerhalb des Deutschen Reiches zu stärken waren erfolglos – Alexander III. hatte mit den Normannen Süditaliens, verschiedenen europäischen Herrscherhäusern und Friedrichs alten Gegnern, den oberitalienischen Städten, mächtige Verbündete. Als Victor IV. nach nur fünf Jahren im Amt verstarb, folgten Paschalis III. und Calixt III. Ihre kurzen Amtszeiten wurde von den Anhängern Alexanders III. als göttliches Zeichen zu seinen Gunsten gewertet und bestärkte ihre Position. Nach langen Verhandlungen wurde 1177 schließlich Frieden zwischen den Konfliktparteien beschlossen.

Der Aufruf zum dritten Kreuzzug durch Papst Gregor VIII. erreichte Barbarossa wahrscheinlich gegen Jahresende 1187: Sultan Saladin hatte Jerusalem eingenommen. 1188 kam der Kaiser dem Kreuzzugsaufruf mit seinen notwendigen Vorbereitungen nach. Die Strecke durch das byzantinische Reich war von vielen Raubüberfällen auf den Tross geprägt, was die Vorräte des Heers stark verringerte. Das gegenseitig misstrauische Verhältnis zwischen dem byzantinischen Herrscher und Kreuzfahrern war dabei nicht zuträglich. Dies sorgte schließlich auch dafür, dass das Heer Barbarossas bei Philippopel und Adrianopel festsaßen weil die Überfahrt über den Bosporus verweigert wurde. Erst als das Heer plünderte und verwüstete und der Kaiser drohte, Konstantinopel anzugreifen, wurde eingelenkt. Doch auch danach blieb die Weiterfahrt strapaziös. Am 10. Juni 1190 ertrank der Kaiser im Fluss Saleph nach der Überquerung des armenischen Hochlandes.

Doch mit seinem Tod war sein Einfluss noch lange nicht beendet: durch die Begründung der Geschichte als eigene Wissenschaft und das zunehmende Interesse an Nationalstaaten am Ausgang des 18. Jahrhunderts wandten sich vermehrt auch Dichter und Künstler Friedrich Barbarossa als Idealtypus eines Königs zu. Die Grundlage dafür war bereits vorhanden, galt seine Regierungszeit doch als eine Art „goldenes Zeitalter“. In diesem gesellschaftlichen Klima verfasste Friedrich Rückert sein Gedicht 1817 „Der alte Barbarossa“: 


»Er ist niemals gestorben; er lebt darin noch jetzt. er hat im Schloß verborgen zum Schlaf sich hingesetzt. Er hat hinabgenommen des Reiches Herrlichkeit und wird einst wiederkommen mit ihr zu seiner Zeit. «


Rückerts Gedicht war nur eines der vielen Werke die zur Barbarossasaga im 19. Jahrhundert beitrugen. Da laut den meisten Versionen der Sage Barbarossa im Kyffhäuserberg in Thüringen für seinen Jahrhundertschlaf ruhte, wurde der Berg bald zu einer sehr beliebten Touristenattraktion. 1896 wurde auf dem Berg das Barbarossa-Denkmal errichtet, das bis heute besichtigt werden kann. 

 

Leseempfehlungen


 
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Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz / Bernd Schneidmüller (Hrsg.)

Die Kaiser und die Säulen ihrer Macht

Von Karl dem Großen bis Friedrich Barbarossa 

Ehrfurcht gebietende Herrscher, Beauftragte Gottes, unerbittliche Feldherren und geschickte Politiker: Über fünf Jahrhunderte lang prägten deutsche Kaiser die Geschicke halb Europas. Von den Karolingern über die Ottonen und Salier bis Friedrich Barbarossa beleuchtet das Buch ausgewählte Kaiserpersönlichkeiten, ihren Kampf um die Macht und ihre Vorstellung von Herrschaft. Dabei rückt Rheinland-Pfalz und die Region am Rhein als zentraler Ort historischer Ereignisse in den Mittelpunkt. Ohne die Säulen ihrer Macht hätten die Kaiser im Mittelalter sich nicht als Herrscher etablieren können. Sie nutzten ein tragfähiges Netzwerk aus Fürsten, Bischöfen, den jüdischen Gemeinden der SchUM-Städte Speyer, Worms und Mainz und den Bürgern der erstarkten Städte. Auch das trug dazu bei, dass sie sich als einzigartig in der westlichen Christenheit verstanden. Detaillierte Abbildungen und Informationen zu hochkarätigen Exponaten illustrieren das kaiserliche Selbstverständnis: die berühmte Heidelberger Liederhandschrift, der sogenannte Codex Manesse, das Armreliquiar Karls des Großen, die kostbare Heiratsurkunde der Kaiserin Theophanu und die Mainzer Goldene Bulle.

 

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Ferdinand Opll

Friedrich Barbarossa

Friedrich Barbarossa (1122-1190), dem Ferdinand Opll seine Biographie widmet, gehört bis heute zu den bekanntesten mittelalterlichen Herrscherpersönlichkeiten. Er kämpfte für die machtvolle Erneuerung des Heiligen Römischen Reiches und die Festigung seiner kaiserlichen Stellung. Mit Diplomatie ebenso wie mit zahlreichen Feldzügen führte er sein Herrschaftsgebiet aus bürgerkriegsähnlichen Wirren zu einem Höhepunkt der ›Weltgeltung‹ staufischer Macht. Auf breiter Quellenbasis beschreibt der Autor Leben und Werk des populären Kaisers. Aber auch die markanten strukturellen Rahmenbedingungen der Epoche nimmt er in den Blick, um so Person und Politik des legendären Staufers umfassend zu erklären.

 

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Knut Görich

Die Ehre Friedrich Barbarossas

Kommunikation, Konflikt und politisches Handeln im 12. Jahrhundert

Knut Görich zeigt an einem Lieblingsthema der deutschen Mediävistik, der Herrschaft Friedrich Barbarossas, und an einem der zentraleren Prinzipien seines Herrschaftshandelns, welche grundsätzlich neuen Perspektiven einem scheinbar umfassend erforschten Feld abzugewinnen sind, wenn man in Abweichung von den üblichen Forschungsansätzen die ›Bedeutung der Ehre‹ für das politische Handeln Barbarossas ins Zentrum der Untersuchung stellt. Die Ehre als vergleichsweise ›archaische‹ Handlungsnorm hatte auf die Politik des Staufers große Auswirkungen. Umfassend diskutiert Görich, in welchen Zusammenhängen und mit welchen Bedeutungen der Begriff ›honor‹ im Spektrum des politischen Handelns Friedrich Barbarossas erwähnt wird, inwieweit sein herrscherliches Handeln durch Anforderungen dieses ›honor‹ bestimmt war, welche Sanktionen auf Verletzung des herrscherlichen ›honor‹ zu gewärtigen waren. Damit gewinnt Görich einen Schlüssel zu den Handlungsmaximen Barbarossas, der seine Herrschaft in einem völlig neuen Licht zeigt.
 

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Jonathan Riley-Smith

Die Kreuzzüge

Traditionell interpretierte die Geschichtsschreibung die Kreuzzüge als Heilige Kriege gegen die islamischen Ungläubigen in Kleinasien. Diese Deutung findet sich bis heute in Geschichtsbüchern, in Filmen und Romanen. Mit seinem Meisterwerk „Die Kreuzzüge“ bricht Riley-Smith mit dieser Darstellung. Ungläubige in Jerusalem, Heiden in Osteuropa und Feinde des Papstes - die Kreuzzüge waren ein politisch-religiöses Instrument, das gegen eine Vielzahl von Gegnern zum Einsatz kam. Riley-Smiths These basiert auf einer pluralistischen Kreuzzugsgeschichte, die Raum und Zeit erweitert. Er erzählt die Geschichte der Kreuzzüge als ein Panorama, das von den Kreuzfahrerstaaten des Mittelalters im Heiligen Land über die Kreuzzüge im Baltikum bis zum Verschwinden der Kreuzzugs-Idee im 18. und 19. Jahrhundert reicht. Profund, lebendig und spannend schildert Riley-Smith die Geschichte der Kreuzzüge, ihre Ursachen, Motive, Akteure und Verflechtungen - eine Pflichtlektüre für Historiker und Mittelalter-Fans!

 

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Franco Cardini / Antonio Mussarra

Die große Geschichte der Kreuzzüge

Von den Soldaten Christi bis zum Dschihad

Kreuzzüge sind nicht nur ein Phänomen des 12. und 13. Jahrhunderts in der Levante. Diese Form religiös überformter Kriege durchzieht die europäische Geschichte vom Hochmittelalter bis in die Neuzeit. Franco Cardini und Antonio Musarra legen die erste Gesamtdarstellung europäischer Kreuzzüge vor, die die Thematik in ihrer ganzen Breite erfasst: militärisch, politisch und kulturell. Vom ersten Aufkommen des Kreuzzugsgedankens über den Kampf gegen Häresien, Luthers »Türkenbriefe« bis zur neuzeitlichen Verteidigung der balkanischen und mediterran-östlichen Grenzregionen. Ob christliche Kreuzfahrer, Ketzerverfolger oder moderne Dschihadisten - sie alle legitimierten die Gewalt mit religiösen Argumenten. Im Zentrum der Darstellung stehen die verschiedenen kriegerischen Auseinandersetzungen im Mittelmeer-Raum. Die europäische Perspektive wird ergänzt um eine abschließende Betrachtung der Kreuzzüge aus Sicht der Araber. Mit 185 Abbildungen bebildert und glänzend erzählt, ist »Die große Geschichte der Kreuzzüge« das Standardwerk zu einem der Zentralthemen der Geschichte!

 

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Schneidmüller / Weinfurter (Hrsg.)

Die deutschen Herrscher des Mittelalters

Historische Portraits von Heinrich I. bis Maximilian I. (919-1519)

Könige und Kaiser - und bisweilen auch die Legenden, die sich um sie ranken - haben unser Bild vom Mittelalter geprägt. Die Spuren ihrer Herrschaft, die sie überall im Reich hinterlassen haben, sind bis auf den heutigen Tag allgegenwärtig. Jenseits von Reichskrone, Zepter und heiliger Lanze erscheinen die Herrscher in starkem Maße eingebunden in das Machtgeflecht geistlicher und weltlicher Fürstenherrschaft, aber nicht selten auch bedroht von den Ränken der engsten Verwandten. Die Beiträge dieses Bandes lenken deshalb immer wieder den Blick auf die Strukturen und zentralen Problemfelder weltlicher und geistlicher Herrschaft im Mittelalter. Sie zeichnen die Konfliktlinien zwischen einzelnen Adelsgeschlechtern nach, erhellen die politischen Kraftfelder außerhalb der Reichsgrenzen, erklären die Brisanz theologischer Vorstellungen, erläutern die ungeschriebenen Gesetze und lassen uns die Macht mittelalterlicher Rituale und Symbole verstehen. So ist dieses Buch weit mehr als eine Sammlung eindrucksvoller Biographien, in denen der Leser so berühmten Herrschern begegnet wie Otto dem Großen auf dem Lechfeld, Heinrich IV. vor Canossa und Friedrich Barbarossa auf seinem Zug ins Heilige Land - es ist ein Grundlagenwerk für jeden, der die Geschichte des Mittelalters verstehen will.

Kommentare (3)

Kira Geiger

Vielen Dank für diesen höchst interessanten Beitrag. Vor einigen Jahren war ich im Kyffhäuser und habe das Grab Friedrichs besichtigt.
Es ist doch faszinierend, wie sich einiges zum Volksmythos entwickelt. Welches der Bücher könnten Sie besonders zu Friedrich empfehlen, liebe Frau Kaal?

Alexandra Kaal

Vielen Dank für Ihren Kommentar! Der Ausstellungskatalog (erstes Buch auf der Liste) stellt Barbarossa und andere Kaiser sehr interessant und anschaulich dar. Görichs Buch habe ich persönlich zwar nicht gelesen, aber seine Biografie Barbarossas ist sehr ausführlich und gut zu lesen.

Kira Geiger

Alexandra Kaal Ich danke Ihnen für die Empfehlung! Herzliche Grüße K. Geiger


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