Freiheit im 21. Jahrhundert

Wichert Kohler • 20 Juni 2021
Diskussion in der Gruppe Geschichte
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Freiheit im 21. Jahrhundert

Es gibt keinen Zweifel, daß wir in Europa heute durch über 70 Jahre Frieden und die Entstehung von einer Großzahl von Ländern mit einer demokratischen Gesellschaft mit verbürgten Menschenrechten optimale Voraussetzungen für die Entwicklung und Entfaltung von individuellen Freiheiten haben. Auf der Basis von diesen geschichtlichen und gesellschaftlichen Voraussetzungen ist es möglich, daß große Teile der Gesellschaft ohne größere existentielle Not leben und sich entfalten können. In den entstandenen demokratischen bzw. liberalen Gesellschaften besteht ein Recht auf Individuelle Bildung und ein freier Zugang zum öffentlichen Bildungswesen. Damit kann jeder , der sich zielstrebig an seiner beruflichen Aus- und Weiterbildung engagiert, seine berufliche Orientierung frei selbst bestimmen, d. h. die Gestaltung seiner Zukunft selbst in die Hand nehmen . In dieser Hinsicht haben wir heute günstigere Ausgangsbedingungen als es in den früheren Jahrhunderten der Fall war.
Allerdings kann sich kein Mensch sein Elternhaus bzw. und damit die eigenen Startbedingungen, und damit verbundenen Lebens- und Entwicklungschancen wählen.
Nur kann man sich ein Leben lang sich aufregen und damit aufhalten, sich über eventuell individuell ungünstigere Startbedingungen als Andere zu beklagen; oder man kann allen widrigen und ungünstigen Ausgangsbedingungen zum Trotz zielstrebig und mit aller verbleibenden positiven Energie vorwärts streben und sein Leben und Schicksal versuchen, selbst so positiv wie möglich zu gestalten.Ich denke, wir können uns hier an den vielen Menschen mit Behinderung ein Beispiel nehmen, die nicht selten glücklich leben und sich ihrer Behinderung zum Trotz nicht daran hindern lassen, sich individuell und frei zu entfalten.

Es gibt zwei Begriffe, die wie ich meine maßgeblich sind für die Entstehung von Freiheit und Freiräumen beim Individuum von heute :
Resilienz und Gelassenheit bzw. Innerer Frieden – Kräfte, die die Überlebensfähigkeit des Individuums beschreiben und bestimmen; ich meine, man kann beide sich ein Stück selbst erschließen.Lebenspraktisch gesehen hat dabei einen wesentlichen Anteil, ob es mir gelingt, für mich meine eigenen Begabungen zu entdecken und vorhandene Fähigkeiten zu entwickeln. Und dazu bietet unsere Gesellschaft heute genügend Freiräume. Wichtig dafür ist es auf der anderen Seite, die eigenen Schwächen bei mir zu erkennen, und Fehler, die ich mache, als solche mir selbst zuzugeben und die Chance darin zu sehen, daraus zu lernen und sie womöglich zu verbessern bzw. wiedergutzumachen. Das bedeutet konkret, sich selbst mit seinen ( mehr oder weniger) begrenzten Möglichkeiten zu akzeptieren , ja anzufreunden und zu versöhnen. Wir sollten nie vergessen, daß zum Menschsein dazugehört, Fehler zu machen, alleine schon deshalb, weil in ihnen die Chance liegt, daraus und daran zu lernen und als Person zu reifen. Und man kann sogar bei schwierigen Startbedingungen und widrigen Lebensgrundlagen sich mit ihnen als gegeben anfreunden anstatt ständig darüber zu klagen - ja sie als Herausforderungen erkennen und den Kampf dagegen aufzunehmen.

Es gibt ,wie ich meine, kein noch so großes Mißgeschick und sogar Leid , aus denen man als Gestrauchelter, seelisch Verletzter, Behinderter oder vermeintlich Benachteiligter nicht wieder aufstehen, sich aufrappeln kann, - und wo man sich keine Hilfe holen kann. Gefragt sind hier mögliche Kraftquellen, innerliche sowie außerhalb von mir selbst- wenn ich innerlich so erschöpft bin und dar- niederliege. Wer oder was hilft mir, mich neu aufzurichten, neue Kräfte - allen Niederschlägen zum Trotz – zu schöpfen.
Ich meine – es liegt schon im Wort : der Schöpfer, Gott, der Quelle allen Lebens ist. Er sendet sein Licht jeden Tag neu in alle Finsternis. Er bietet allen Widersachern, allem Mißgeschick zum Trotz beständig heilende Worte, Erfahrungen und Beziehungen an.
Nur – diese zu suchen bzw. aufzusuchen liegt in unserer eigenen Entscheidung und Wahl,
diese Freiheit kann uns jedoch auch keiner nehmen! Und sogar die freie Auswahl unserer Freunde und Berater liegt allein in unserer eigenen Hand.

Der größte Feind und Gegensatz zur Freiheit ist die Angst – ganz speziell die Angst vor dem Tod – als dem letzten unausweichlichen Schicksal aller Menschen und Lebewesen.
Und – kein noch so reicher, Mächtiger oder selbstherrlicher Mensch kommt an dieser Begrenzung vorbei.
Es gibt aber auch hier einen Lichtblick, auch hier sind wir , wie ich meine, nicht letztlich der Todesangst hoffnungslos ausgeliefert : Ich persönlich kann nur von meinem eigenen Nahtoderlebnis und dem , was ich da erlebt habe , bezeugen : es gibt ein Leben nach dem Tod ! ( Näheres gerne auf persönliche Nachfrage ) .
Zumindest bin ich heute von dieser Angst befreit, weil ich weiß, daß jemand schon jetzt gegenwärtig ist und nach meinem leiblichen Tod mir ewiges Leben schenken will, der mich und alle Menschen / Kreatur unendlich liebt.
Wer den Tod nicht nicht mehr als Ende von allem fürchten muß, sondern weiß, daß dies nur einer Türe, eine Brücke, ein Übergang in eine ewige Existenz ist – der ist ganz frei !

Kommentare (4)

Kio Viktor

Hallo Wichert, deinen Text habe ich mit Interesse gelesen. Ich finde es spannend, dass du dich dem telelogischen Ansatz und der inneren Freiheit annäherst. Mit dem zielgerichteten Ansatz und der inneren Freiheit habe ich mich zuletzt intensiver auseinandergesetzt - und damit auch mit dem gegenüberstehenden Determinismus bzw. der Ätiologie (also der Suche nach Gründen).

Du nennst die Angst als größten Feind der Freiheit - aber ist sie nicht ein Freund, ein Verbündeter, ein Wegweiser? Du beschreibst es quasi mit deinen eigenen Worten. Angst ist der größte Befähiger der inneren Freiheit. Sie zeigt dir auf, wo aus Angst Mut werden kann, die es braucht, um innere Freiheit zu erlangen.

Danke!

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  • Wichert Kohler

    Hallo Viktor Kio,
    das mag in manchen Fällen so sein, z. B. wenn der Betroffene mit seiner Angst konstruktiv umgehen kann. Nur hatte ich selbst als Kind viel Angst und habe dies überhaupt nicht als befreiend erlebt. Die Folgen waren damals Verunsicherung, Bedrohung und Einengung und viele sehr stressige Erlebnisse. Ich muß eine große Resilienz gehabt haben,
    und meine Familie gab mir große Sicherheit. Danke jedoch für Deine Rückmeldung , . . . . . . . m.f.G., Wichert

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