Die Freiheit des kleinen Mannes

Marcin Lupa • 8 Mai 2021
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Als ich im November 1975 zur Welt kam, lebte ich mit meinen Eltern in einem Vorort von Warschau. Es war die Zeit der sowjetischen Herrschaft in Osteuropa und dementsprechend waren die Freiheiten der Bürger durch das Regime beschnitten. Polen war damals nur ein Vasall der Sowjetunion und galt zwar offiziell als souverän, war es aber de facto nicht. Wir Polen lebten zeitweise in einer regelrechten Militärdiktatur. 
So sah es auch mit den Freiheiten der Bürger in unserem Land aus. Es gab keinen Parteipluralismus und gegen die kommunistische Partei durfte man weder etwas in der öffentlichen Presse schreiben, noch irgendwo mitteilen. 
Selbst in Gesprächen untereinander waren die Leute vorsichtig, man konnte nicht allen trauen, Parteispitzel waren überall und Denunziation war weit verbreitet. 
Ausländische Presse und Funk, manche Bücher und Filme waren verboten, zwar konnte man sie empfangen, allem voran das aus Deutschland in Valley an der Mangfall gesendete Radio Freies Europa, doch wurden die Frequenzen auf denen das Radio sendete, bewußt durch ausgesendete Störsignale gestört. Man wollte die Leute absichtlich desinformieren. 

Der Untergrund formierte sich, so kamen die Bürger der Republik irgendwie an Zeitungen und Bücher aus dem Ausland. Inoffiziell war man informiert, vor allem die Intellektuellen des Landes, die den Widerstand vorbereiteten.
Mit der Gründung der Arbeitergewerkschaft Solidarnosc wurde die Sache für die Regierung brenzlich und sie verhängte das Kriegsrecht zwischen 1981 bis 1983 um die Demokratiebewegung zu zerschlagen. 

In dieser Zeit arbeitete mein Vater als Direktor der Reiseabteilung beim größten Stahlbauunternehmen Polens, Mostostal.
Für meine Familie und mich war diese Tatsache mit einigen Freiheiten verbunden. So bereiste ich vor der Einschulung große Teile Polens, stets im Geiste der Freiheit erzogen. Meine Eltern beteiligten sich aktiv im Untergrund, waren Teil der Demokratiebewegung und arbeiteten mit anderen daran, das Unrechtsregime zu zerschlagen.
Die Leute waren durstig nach der Freiheit der Demokratie, nach den liberalen Werten des Westens, nach einer offenen Gesellschaft und nach der freien Marktwirtschaft. 
1984 wurde mein Vater aufgefordert der kommunistischen Partei beizutreten. Da er dies nicht tat, wurde er von seinem Posten entlassen und war plötzlich arbeitslos. Unsere Existenz war somit gefährdet. 

Zur gleichen Zeit liquidierten die Parteikader einen Bekannten von uns, den Priester Jerzy Popieluszko, der in den gleichen Untergrundringen, wie meine Eltern aktiv war.Für meine Eltern war das der Augenblick in dem sie ihr Leben in Gefahr sahen, zumal andere Aktivisten in Gefängnisse gesperrt und gefoltert wurden. Unter anderem der mit meinem Vater bekannte Adam Michnik, der heute ein großer Zeitungsverleger und Fernsehmogul in Polen ist. 

Wir flohen nach Westdeutschland. 

Die BRD war ein freies Land und intelligente Bundesbürger wußten um die Vorzüge einer offenen Gesellschaft. 
Für mich als neunjährigen Jungen war die Politik eine Welt, die ich erst betrat, angeregt durch einfach gehaltene Gespräche mit meinen Eltern. Allerdings merkte ich augenblicklich den Unterschied zur Planwirtschaft. Die Lebensmittelgeschäfte waren voller mannigfaltiger Waren; in Polen waren sie leer und man mußte sich mit Lebensmittelkarten in langen Schlangen anstellen, wenn man eine Wurst, Fleisch, Schinken oder Butter kaufen wollte. Meistens kam man zu spät. Die Produktpalette in einem polnischen Lebensmittelgeschäft war viel kleiner, als in einem ostdeutschen Konsum. 
In der BRD hingegen, die reinste Auswahl, eine unsagbare Freiheit, die meine Eltern und ich zu schätzen wußten.
Wir konnten in Deutschland auch erstmals freizügig ins Ausland reisen. In Polen wurden uns nur Aufenthalte in anderen Staaten des Ostblocks gestattet. 

Eine Einschränkung der Freiheit spürten wir aber auch in der BRD – die Drangsal des kleinen Mannes, das Geld. 
Da wir anfänglich allesamt der deutschen Sprache nicht mächtig waren, mußten meine Eltern erst einmal Kurse belegen und bekamen keine Arbeit, die ihren Qualifikationen entsprach. Mein Vater hatte polnische Philologie und Jura studiert, meine Mutter arbeitete als Animateurin in touristischen Betrieben. 
In der BRD bekam mein Vater erst einmal eine Anstellung als Hausmeister, dann als Lagerarbeiter in einer Rosenheimer Firma. Meiner Mutter blieb nur der Weg als ungelernte Altenpflegehilfe ins Altenheim. 

Die Freiheiten waren gegeben, es gab Parteipluralismus, wir lebten in einer offenen demokratischen Gesellschaft, nur hatten wir neue Hürden für unser familiäres Glück. Weniger schlimme zwar, dennoch beachtliche. Die Sprachbarriere konnte zunächst nur ich überwinden, meine Eltern alsdann mühselig und bis zu ihrem frühen Tode nie ganz. Und die niedrigen Verdienste meiner Eltern schränkten uns und unsere Phantasie sehr stark ein. Dennoch sahen wir die westliche Welt, genoßen die Freiheiten, von denen wir in Polen nur träumen konnten.
Das ist der Unterschied zwischen einer offenen Gesellschaft und einer geschlossenen, den u.a. der Philosoph Karl Popper in seinem Werk „die offene Gesellschaft und ihre Feinde“ erläutert. In Hinblick auf die Freiheit des kleinen Mannes, bleibt die offene Gesellschaft mit ihren individuellen Schranken, dennoch voller Lichtstreifen am Horizont. Das Kapital determiniert unweigerlich, doch der Kapitalfluss ist wenigstens garantiert.

Auch Menschenrechte sind garantiert und so befinden sich im Grundgesetz der BRD, quer durch die Verfassung immer wieder Hinweise auf Freiheiten. 

Im ersten Kapitel des aktuellen Grundsatzprogramms des Bündnis 90 / die Grünen, steht unter der Überschrift „Selbstbestimmung“, im Artikel 32 folgender Grundsatz geschrieben: „Freiheit bedeutet Verantwortung für sich selbst und für andere. Sie ist ein individuelles wie auch ein gesellschaftliches Gut. Freiheit fordert zum wechselseitigen Respekt heraus und verlangt uns allen etwas ab. Freiheit und Selbstbestimmung finden ihre Grenze dort, wo durch sie anderen Menschen und zukünftigen Generationen Freiheit und Selbstbestimmung genommen werden. Nur demokratische und rechtsstaatliche Verfahren können Einschränkungen legitimieren. ...“

Was aber wenn den zukünftigen Generationen Freiheit und Selbstbestimmung durch korrupte Gerichte genommen wird?

In meinem persönlichen Umfeld gibt es Mütter, die einen harten Kampf um die Freiheit und Selbstbestimmung ihrer eigenen Kinder kämpfen. Diese wird ihnen anfänglich durch ihre narzisstischen Väter genommen, dann durch die befangenen Richter, die kleinen Mädchen und Jungen ihre Mütter rauben, sie ihnen entziehen. Das geschieht in Deutschland, obwohl Kinderrechte im Grundgesetz verankert sind, Selbstbestimmung durch dieses Grundgesetz garantiert wird. Doch niemanden kümmert es, dass Familienrichter in Deutschland korrupt und meistens väterfreundlich sind, befangen Urteile sprechen, die das Kindeswohl gefährden und gegen die Verfassung sind. 
Ich kenne Fälle, in denen das Kind darum flehte nicht mehr zum Vater gehen zu müssen, weil er sich an ihm sexuell vergeht, die Mutter alles in die Wege leitete, um ihr Kind zu schützen und das Gericht das Kind von der Mutter wegriß und dem pädophilen Vater überließ. Der Mutter wird das Sorgerecht entzogen und das Kind geraubt. Berufung wird vom OLG auf Grund des Mangels an Erfolg abgelehnt. Schränken solche Tatsachen nicht die Freiheiten des kleinen Mannes etwa ein? - wir leben zweifellos in einer besseren Welt, vielleicht in der bestmöglichsten, die derzeit vorstellbar ist, aber wir leben auf einer gesetzlichen und politischen Baustelle, deren Arbeiten voll im Gange sind.

Der kleine Mann wird gerne übersehen, er ist nahezu bedeutungslos, um ihn geht es in diesem Leben nicht. Es geht viel mehr um all die Leute die das Sagen haben, Politiker, Medienaktivisten, Schauspieler, Unternehmer und Lobbyisten. Der ganze Medienzirkus hält die Maschinerie am Laufen und der kleine Mann, der um seine Freiheiten kämpft, wird abgehängt, dient als billige Arbeitskraft um die Maschinerie am Laufen zu halten. 

Wenn es jedoch um die Rechte der kleinsten Männer in unserem Staate geht und die Einschränkung derer Freiheiten, unserer Kinder, dann tun Machtmissbrauch und Korruption am meisten weh, vor allem wenn man selbst beteiligt ist. 

Genießen wir unsere Freiheiten, so lange wir sie haben. Wir haben hart gekämpft für sie, müssen sie jeden Tag aufs Neue verteidigen und garantiert sind sie uns trotz Verfassung und Grundgesetz dennoch nie bis zuletzt. Da die Praxis von der Theorie bisweilen sehr stark abweicht. Macht schafft auch dem Bösen die Freiheiten, die es niemals haben sollte. 
Und so bleibt der Existenzkampf, die Fahne der Freiheit darin weht. Vom Wind getragen, mal in die eine, mal in die andere Richtung, wie die einzelnen Willen und Gemüter gerade pusten und ziehen.

Derjenige am Ende lacht, der die längste Puste und den stärksten Zug gehabt haben wird. 

Schließen möchte ich mit den Worten von Michel Foucault: „Es ist eine dringende, grundlegende und politisch unabdingbare Aufgabe … eine Ethik des Selbst zu begründen, wenn es denn wahr ist, dass es keinen anderen, ersten und letzten, Punkt des Widerstandes gegen die politische Macht gibt als die Beziehung seiner selbst zu sich.“. 

So bleibt es uns selbst überlassen, den Widerstand gegen jegliche Korruption von Staatswegen in unserer Ethik und Moral zu verankern, so dass wir gegen Unrecht, und sei es von Institutionen kommend, die Recht sprechen, stets gewappnet sind.

Auch das ist und bleibt im gegenwertigen Augenblick unsere Freiheit.

Kommentare (31)

Marcin Lupa

Blanker Humanismus.

"Anders als die Tyrannei durchdringt der Totalitarismus alle Gebiete des Lebens, beraubt die Individuen durch Zwang und Drohungen ihrer Freiheit und setzt eine extremistische Ideologie durch. Er bezeichnet kein despotisches Regime, sondern das Projekt einer totalen Herrschaft: Was auf dem Spiel steht, ist die Vernichtung der Individualität und der Spontaneität, der Mord an der juristischen und der Rechtsperson, die absichtliche Zerstörung ihrer Würde." (Corine Pelluchon)

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  • Ben Maier

    Eine persönliche Geschichte - mit Gegenwartsbetrachtung - die gut aufzeigt, wie viel Freiheit uns Wert sein sollte, auch wenn sie beschränkt ist.

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  • Marcin Lupa

    Vielen Dank, Herr Maier. Diese Intention hatte ich auch. Aufzuzeigen, wie gern wir an etwas schwer erkämpften festhalten und wie dankbar wir für jeden Augenblick sind, da wir dieses Gut unser Eigentum nennen dürfen.

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  • Túlio Augusto Lobo

    Es gibt heute eine Bewegung auf der Welt, die Freiheiten unterdrückt, und wir müssen dagegen ankämpfen. Unglaublicher und sehr tiefgründiger Text mein lieber Marcin Lupa

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  • Marcin Lupa

    Vielen Dank, Herr Alves Silva. In der Tat muss man sich gegen vieles zur Wehr setzen in der Welt. Sie tun das, wir tun das. Gut, dass es Leute wie uns gibt.

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  • Maike Hinrichsen

    Vielen persönliche Geschichten mangelt es an Qualität, vielen qualitativen Texten mangelt es an Persönlichkeit, hier ist beides vorhanden, vielen DANK!

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  • Marcin Lupa

    Vielen Dank für Ihre Einschätzung, Herr Lampi.

    Und Ihr löblicher Kommentar, Frau Hinrichsen ist reinster Honig.

    Vielen Dank Ihnen beiden. Danke auch Ihnen, dass Sie sich die Mühe gemacht haben meinen Text durchzulesen.

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  • Ulf Nielandt

    Ganz wunderbarer Beitrag und ein schönes Plädoyer wider der Macht des Blsen

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  • Marcin Lupa

    Die erste allgemeine Verunsicherung (EAV) sang einmal: "das Böse ist immer und überall". Darauf kann ich antworten, das Gute auch und es ist vielmals klüger.

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  • Marco MCV

    [~2055] das Gute ist überall und vielmals klüger??? JAAAAAAA!!!! So gut, so richtig und wichtig zu sagen!!!

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  • Michael Buchs

    Von mir auf jeden Fall die Stimme namens "GUT", da der Beitrag äußerst informativ ist.

    Zwei Punkte:

    Die Grünen sind nicht die einzigen, welche sich die Freiheit und Verantwortung auf die Fahnen geschrieben haben. Wir wissen, dass die AfD dies überhaupt nicht tut oder kann oder will, aber alle anderen Parteien sind sich doch der Verantwortung bewusst. U

    Bei allen persönlichen und höchst tragischen Erfahrungen würde ich, Herr Lupa, nicht grundsätzlich den Gerichten Korruption unterstellen, dies ist ein sehr, sehr harter und meiner Ansicht nach nicht gerechtfertigter Vorwurf. Vielleicht liege ich falsch, vielleicht auch richtig, daher nur meine "Notiz"...

    Ihnen alles Gute im Kampf gegen die von Ihnen geschilderte Situation

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  • Eberhard Nix

    Gut, sehr gut... Danke, Herr Lupa.

    [~6336] "Was aber wenn den zukünftigen Generationen Freiheit und Selbstbestimmung durch korrupte Gerichte genommen wird?" Ich denke, Herr Lupa bescheinigt nicht allen Gerichten per se Korruption, sondern warnt vor Machtmißbrauch?

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  • Juri Rosenboom

    Sehr geehrter Herr Lupa,
    kurz und bündig - ein ausgesprochen schöner, tiefgründiger Beitrag, wie immer. Ich, als stiller Gast, erfreue mich immer wieder an Ihren Beiträgen, und Ihren lebhaften Diskussionen folgen zu können. Herzliche Grüße

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  • Marcin Lupa

    Sehr geehrter Herr Rosenboom,

    danke für Ihre netten Zeilen. Ich selber profitiere sehr von den Gesprächen mit Ihrem Bruder, der meines Erachtens hier dauernd exzellente Beiträge einreicht und bereits in seinen jungen Jahren über ein sehr präzises und fachspezifisches Wissen verfügt, dass er jeweils einbringt.

    Schön, dass auch Sie als stiller Gast diesen Dialogen lauschen. Man kann dabei nur fürs Leben lernen (Pro vita discimus).

    Die wbg Community bündelt sehr viele thematische Ihnalte, die aus dem Leben gegriffen sind, beschäftigen oder sogar begeistern. Und sie läßt auch Menschen zu einander finden, die nicht nur Interesse an den Inhalten haben, sondern auch selber interessante Persönlichkeiten sind. Davon gibt es hier sehr viele.

    Herzliche Grüße

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  • Anna Sou

    Guter Beitrag und wie ich eben im Dialog mit Herrn Rosenboom und dem Nachbarbeitrag im Dialog erfahren durfte nicht zu knapp von einem reflektierten intelligenten Autor. Danke!

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  • Marcin Lupa

    Vielen Dank Ihnen allen. Es ehrt mich sehr, dass Sie meinen Beitrag mögen.

    Herrn Buchs möchte ich beruhigen, natürlich sind nicht alle Gerichte und Richter korrupt. Es gibt dennoch einiges was schief läuft, darauf und nur darauf will ich aufmerksam machen.

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  • Wichert Kohler

    Danke für den Einblick in Ihr Erleben, ich denke, der Kampf um die individuellen Freiheiten und Rechte ist letztlich auch für das eigene geistige Überleben wichtig. Für mich wird zu oft nur die eine Seite der Medallie gesehen, die Rechte - und vergessen, daß diese auch jeden von uns in die Verantwortung ziehen, die Verpflichtung bedeuten, zu berücksichtigen, daß die bestehenden Rechte auch für jedes andere
    Individuum gelten.

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  • Marcin Lupa

    Da haben Sie völlig Recht, Herr Kohler. Was ich allerdings beobachtet habe, ist die Tatsache , dass diejenigen die Wasser predigen selber Wein trinken. Auf die Rechte und Pflichten bezogen bedeutet dies, dass Gesetzeshüter sich oft nicht an ihre moralischen Pflichten und was mehr wiegt, an die formalen Gesetze halten, während sie andere sehr wohl in die Pflicht nehmen.

    Grundsätzlich besteht aber eine Rechtsstaatlichkeit nicht alleine aus Rechten, dazu gehören sehr wohl auch Pflichten für die Bundesbürger. Eben auch für Gesetzesvertreter.

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  • Wichert Kohler

    Ich habe viele Jahre in der Jugendhilfe als Psychologe gearbeitet , nicht wenige Jugendliche waren in unserer Einrichtung zum Schutz vor dem Streit der Eltern um das Sorgerecht. Ich möchte nicht in der Haut von den Jugend- u. Familienrichtern stecken, die häufig hilflos zwischen die Fronten solcher - angeblich für ihre Kinder - verbissen kämpfender
    Elternteile kommen. Solange die Kinder in unserer Gesellschaft als Besitz der Eltern angesehen werden, und es folglich bei Trennungen um den Besitzanspruch von Eltern und viel zu selten um das eigentlich wichtige Kindeswohl geht, und dabei oft auch noch um Geld - z. B. Kinder- u. Erziehungsgeld - und der Rechtsweg wichtiger als therapeutische Maßnahmen gesehen wird , wird sich da wohl nichts ändern. Ich will keine Richter verteidigen - bei diesen gibt es wie in jedem Beruf auch Licht und Schatten.

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  • Marcin Lupa

    Es gibt verschiedene Richter, so wie es unterschiedliche Menschen gibt. Manche Menschen sind moralisch und rechtschaffen, manche nicht. Das gilt auch für Richter.

    Ein Wechselmodel ermöglicht oft dem Elternteil, dass an sich am Kind uninteressiert war, über den anderen Elternteil Macht zu bekommen. Und darunter leidet das Kind.

    Die heilige Dreifaltigkeit (Richter, Jugendamt und Verfahrensbeistand) sprechen sich oft vor der Verhandlung ohne die Hintergründe zu kennen, ab.
    Meine Frau ist Psychologin/Kindertherapeutin und meine Schwiegermutter ist Rechtsanwältin. Sie kennen Fälle, in denen den patriarchalen Strukturen geschuldet, dem Vater zugearbeitet wird, ohne Rücksicht auf die Wünsche des Kindes. Dabei ist der soziale Status des Vaters ausschlaggebend und die Mutter wird zurechtgewiesen. Diese Strukturen beklage ich in meinem Beitrag.

    Ich gehe davon aus, dass die Entscheidungen der Richter umgekehrt proportional zu den Kinderwünschen getroffen werden. Während das Kind meistens bei der Mutter verweilen will, wird sie dem Vater zugesprochen. Das ist fatal, für die gesamte Entwicklung des Kindes.

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  • Wichert Kohler

    Oder wie im Rahmen meiner Erfahrungen, wagt es das Jugendamt, ein Kind in einer Einrichtung der Jugendhilfe unterzubringen . Quasi als neutraler Aufenthaltsraum, von wo aus 14 tägig abwechselnd der Besuch bei der Mutter oder dem Vater übers Wochenende stattfand.
    In Diesem Falle hatte die Mutter jeglichen Zugang für den Vater zu seiner Tochter unmöglich gemacht. Wie schon gesagt, ist für mich das Hauptproblem der in Besitznahme des Kindes durch ein oder beide Elternteile. Also auch Einforderung der eigenen Rechte bei Vernachlässigung der Pflichten, wie z. B. sich mit den Partner über ein
    gemeinsames Erziehungsrecht zu einigen und ein Besuchsrecht des Kindes zu beiden Eltern zu gewährleisten.
    Was den von Ihnen beklagten Notstand anbetrifft : was muß getan werden ? Wer kontrolliert die Kontrolleure ?! ich kann leider nicht erkennen, daß es innerhalb der Justiz eine z. B. demokratische ( Selbst ) Kontrolle bzw. Ansätze dazu gibt.

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  • Marcin Lupa

    Diese demokratische Selbstkontrolle gibt es in der Tat nicht. Alles beruht auf Sympathie und ist somit der Vetternwirtschaft überlassen. Wenn der vom Status und finanziell stärkere Vater, wie in unserem Fall ein Verbrechen begeht und das Kind um Schutz bei der Mutter sucht, sie bittet, die Umgänge zu stoppen, die Mutter den Vater schließlich anzeigt und das Familiengericht bittet, einer Therapie zuzustimmen, die der Vater - wohl wissend was ihm dabei blüht - verbietet, macht sich das Gericht selber strafbar, wenn es auf die Forderungen der Mutter nicht eingeht.

    Leider ist das kein Einzelfall. Es gibt alleine in meinem Umfeld viele Kinder, die Schutz vor ihren gewalttätigen Vätern bei den Müttern suchen und diese von den Gerichten gemaßregelt werden, die Umgänge nicht zu vereiteln. Bis hin zu Verurteilungen und Gefängsnisstrafen für die Mütter. Klassische Opfer-Täter-Umkehrung.

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