Finis Europae?

Gerhard Joseph Lindenthal • 18 Juli 2020

Wir sehen das verzweifelte Ringen nationaler Staaten, wie sie dem hereinbrechenden Inferno eines epidemischen Schocks vergeblich sich entgegenzustemmen versuchen. Wir sehen das sinnlose Bemühen nationaler Politiker, wie sie auf rein pekuniärem Wege das, was sie zuvor eingerissen haben, wieder aufrichten wollen. Wir fühlen die unendliche Verzweiflung alter von ihren Gatten getrennt lebend müssender Menschen, wie die Epidemie ihnen ihre letzte Hoffnung einer zerbrochenen Zweisamkeit zu Grabe trägt. Wir hören die inneren lautlosen Schreie der Mütter, denen plötzlich das alleinige Heil und die alleinige Wohlfahrt ihrer Kinder zurückübertragen wird, deren vormalige Sorge der Staat aus ihren Händen ihnen zwangsentwand. Wir leiden in unendlichem Maße, dass ein vollkommen atheistisch gewordener Staat seinen Bürgern das Einzige, was er von seinen maßlosen und angemaßten Okkupationen ihnen beließ, die Freiheit, endgültig raubte. Ist der endgültige Raub der Freiheit durch den Staat das letzte Wort, das die Natur oder der Gott, von deren doppelter Gewalt sich das, was wir Staat nennen, emanzipierte, zu uns spricht?

Europa, um wirklichen Bestand zu erhalten, muss sich  e n t n a t i o n a l i s i e r e n, es muss in einem neuen politischen Gebilde, ähnlich dem einer von Alexander dem Großen geschaffenen hellenistischen Ökumene, wie Plutarch es De Alexandri magni fortuna aut virtute beschrieb, einer europäischen  Ö k u m e n e  aufgefangen werden, um den in dieser neu geschaffenen Ökumene lebenden Menschen das Gefühl zu geben, dass sie in einem einzigen, eigenen und vereinigten Vaterland leben. Dieser Gedanke hätte allerdings zu seiner Voraussetzung, dass die in dieser Ökumene wohnenden Menschen eine einzige Sprache sprechen müssten. Wie in der von Alexander dem Großen geschaffenen hellenistischen Ökumene von Allen Griechisch gesprochen wurde, wie in dem dieser folgenden Imperium Romanum Alle Lateinisch sprachen, so darf in einer neu zu schaffenden, nach einem sich abzeichnenden politischen Zusammenbrechen Europas, dem Britannien wohlweislich entkommen ist, Ökumene nur eine einzige Sprache gesprochen werden. Diese einzige Sprache müsste das Französische, das die alleinige Gewähr bietet, dass ihr das Rechenhafte fremd bleibt, sein.                  

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