Epochen der Menschheit

Ulf Nielandt • 7 Juni 2021
Diskussion in der Gruppe Geschichte
10 Kommentare
1 gefällt

Liebe Community,

ich lese gerade ein nicht mehr ganz so aktuelles, aber dafür faszinierendes Buch ("Eine kurze Geschichte der Menschheit" von Yuval Noah Harari)​​​​​​ und da kam mir der Gedanke, welche Epochen der Menschheit ich eigentlich - bei aller Brutalität und Grausamkeit in allen Bereichen - am faszinierendsten finde und bevor ich zu einem eigenen Ergebnis komme, wollte ich die Frage an Sie alle stellen.

Welche Epoche finden Sie am faszinierendsten?

Danke für Ihre Kommentare und Ansichten. 

LG

Ulf

Kommentare (10)

Rüdiger Eduard Böhle

ÄGYPTEN: Die religions-ideologisch virulente Epoche Echnaton/Nofretete [Theologie: Erfindung des Monotheismus] und die Restauration nach dessen Tod
GRIECHENLAND: Der ionische Aufstand und die ‚Erfindung‘ des Musischen: Kunst, Theater, Technik, Wissenschaft, Philosophie; die Kulmination Athen: ‚der Nabel der kulturellen Welt‘ und seine demokratische Selbstruinierung; Alexander. [ein heute ‚süffisantes‘ Sujet: Alexanders Urteil über Afghanistan „besiegbar, aber nicht einnehmbar!“ Alexander ist der einzige Eroberer Afghanistans, der sich keine blutige Nase holte: expliziert präzise, weshalb er hier keinen ‚griechischen‘ Staat organisierte.]
MITTELALTER: Die Reichsgründung der Karolinger versus Reichsreform der Staufer [eine besondere Epoche: Friedrich II. v. Hohenstaufen; insbesondere quaestiones siciliae, Kreuzzug und König von Jerusalem – ohne einen Schwertstreich!]
RENAISSANCE: Keinen Augenblick langweilig: Politik, Kultur, Wissenschaft, Technik, Kunst, Philosophie … Faszinierende Figuren: il Magnifico, Ficino, Mirandola; Leonardo, Michelangelo, Raffael; Savonarola, Borgia-Sippe [Rodrigo (Alexander VI.), Lucrecia; Giulia Farnese (sie vermachte ihrem Bruder, Alessandro = Papst Paul III, nach ihrem Tode ein süffisantes Detail: ihr Bett!)] Julius II., Leo X., Innocent VII. …
BAROCK / ROKKOKO: natürlich Ludwig XIV. versus Friedrich II. v. Preußen [Versailles versus Sanssouci]
EIN SPEZIFIKUM: Aufklärung ! [Herausführung des Menschen aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit]
Viel Vergnügen!
Rüdiger E. Böhle

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  • Ulf Nielandt

    Mich würde zudem interessieren: die ersten Hochkulturen wie Babylon oder auf den anderen Seiten der Welt wie Amerika / Ozeanien. Die demokratische Selbstruinierung in Griechenland werde ich verfolgen, danke dafür. Alexanders Urteil ist faszinierend über Afghanistan. Im Mittelalter noch die Ottonen und viel später der Zusammenhang von Zusammenbruch durch die Pest und eben der Renaissance.

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  • Rüdiger Eduard Böhle

    Zusatz-Anregungen:
    ###Sumer/Akkad: Gudea; Sargon d.Gr., [Präventivstrategie zur Bestandswahrung des Reiches in einer Region ohne natürlich-prägnante Grenzen, verzeichnet auf einem Oktogon; ein Anwender dieser Strategie: das moderne Israel]; erste Städte: Verwaltungs-, Wirtschafts- und Kultur-Zentren; praktisches Mittel zur Sache: Erfindung der Schrift/Keilschrift und fälschungssichere(!) Verträge.
    ###Assur/Assyrien: ‚Bibliothek von Ninive‘ [erzählt in trivialen Einkaufs-/Verkaufs-Rechnungen über Handelskorrespondenzen bis Diplomaten-Schreiben von einer ‚globalen‘ Wirtschaft]; Mythos der Innana/Ischtar, deren Tempel + Tor in Babylon
    ###Babylon: Hammurapi; Mythos des Marduk und dessen Zikkurat; das Geheimnis der ‚hängenden Gärten‘; erste ‚Welt-Stadt‘ im Handel wie in der Kultur – und, natürlich, im Entertainment! [moralischer Topos: die Hure Babylon]
    ###Ottonen: die eigenartige/süffisante ‚Notwendigkeit‘ des Romzuges und der Kaiserkrönung Otto I. wegen der ‚querulantischen Bayern‘!
    ###Pest (1346ff): Boccaccio; das Versagen der Kirche im Angesicht des Todes und die primäre Erschütterung des christlichen/kirchlichen Selbstverständnisses wie des gemeinen sozialen Bewußtseins; Zunftwesen; Judenpogrome; Flagellanten; Revolten in den Wissenschaften bis hin zur Verselbständigung der Artes Liberales (Paris 1348+1377)
    ###Hochkulturen vor 12 000 ac: vor der Folie der eruierten Geschichte bis Prähistorik ist eine Hochkultur à la Ägypten, Sumer, Assur, Babylon nicht anzunehmen: es mangeln jegliche Belege für Anzeichen, daß zu diesen Zeiten die elementaren Konditionen erfüllt werden konnten: einheitliche Ethnie, Kultur, regionaler Raum; Herrschaftsstruktur; Verwaltungskompetenz ... Hochkultur fundiert sich im Instrument der Schrift. Schrift 'erfinden' die Sumerer: Keilschrift; die Ägypter: Hieroglyphen.
    Rüdiger E. Böhle

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  • Marcin Lupa

    Lieber Herr Nielandt,

    im Prinzip hat Herr Böhle schon eine sehr gute Aufstellung geschrieben. Dieser kann man nur zustimmen.

    Für mich persönlich neuerdings noch sehr interessant ist die Vorgeschichtliche Zeit, die Prähistorie. Natürlich ist es diesbezüglich schwer viele Aussagen zu machen, da an sich nur Geologie und Archäologie für diese Zeiten vor jeglicher schriftlichen Quellenlage sprechen können. Da wird mehr interpretiert, als fundiert zusammengetragen. Aber auch diese Zeiten sind menschliche Geschichte. Wenn wir doch bedenken, dass die neolithische Revolution erst 12.000 Jahre zurückliegt und seit dieser Zeit sozusagen das meiste in unserer Menschheitsgeschichte geschehen ist, dann fragt man sich, was vor dieser Zeit geschah, zum Beispiel in den etwa 280.000 Jahren Homo Sapiens zuvor.

    Viele Grüße
    Marcin Lupa

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  • Ulf Nielandt

    Lieber Herr Lupa,

    genau, jene Prähistorie finde ich ebenfalls sehr interessant. Zudem die Lücken, die nicht erklärbar sind. So z.B.: warum sind Hochkulturen vor vor 12.000 nicht ausgeschlossen, gab es eventuell jene, die aber keine Zeugnisse hinterlassen haben?

    LG

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  • Marcin Lupa

    [~2427], da bin ich noch etwas unerfahren. Meines Erachtens rechnet man mit den ersten kulturellen Architekturen, ca. 12000 vor Christus in der heutigen Türkei in Göbekli Tepe: https://de.wikipedia.org/wiki/Göbekli_Tepe.

    Doch es könnte durchaus sein, dass man entweder keine älteren Hinterlassenschaften einer Hochkultur gefunden hat, oder aber nichts mehr erhalten ist. Das ist denkbar.

    Für mich ist die Überlegung interessant, dass Menschen schon vor 40000 Jahren Musikinstrumente bauten, Kleidung trugen und Höllenmalereien anfertigten. Insofern gab es bestimmt zu dieser Zeit schon so etwas, wie die Grundlagen der Philosophie, selbstreflektiertes Denken und Gespräche über das Sein an sich. Als Anfänge der Ontologie.
    Daher wünschte ich mir mindestens mal einen guten Roman über diese Zeit.
    Vielleicht gibt es diesen schon, nur ich habe noch nichts darüber erfahren.

    LG

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  • Luca Rosenboom

    Ich finde die Antike sehr spannend; mit dem Ende der Dark Ages vom 12.-8. Jh. v.Chr. und dem Beginn der Schriftlichkeit (Homer). Insbesondere reizt mich die Entwicklung der griechischen Polis und der römischen Republik bis zum Prinzipat unter Augustus. Die Agonalität innerhalb der Senatsaristokratie nimmt hier einen genuinen Stellenwert ein.

    Im Mittelalter reizen mich die Geschehnisse rund um die Goldene Bulle von 1356 und die Entwicklung der Kurfürsten, die als Handlungsverbund optisch für die Zeitgenossen, die nichts von der Politik verstanden, greifbar waren. Einhergehend damit auch das sog. Privilegium maius von Rudolf IV. v. Österreich, der sich in diesen integrieren wollte, weil er von seinem Schwiegervater missachtet wurde. Es gibt natürlich viele weitere Themen, die auch Herr Böhle aufgegriffen hat. Allerdings fielen diese mir sofort in den Sinn.
    Viele Grüße

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  • Marcin Lupa

    Ich finde Ihre Auswahl schon sehr präzise und auch für mich interessant. Mit genau diesen Abschnitten der Antike setze ich mich - wenn mir Zeit bleibt - gerne auseinander. Dazu haben Sie mir ja auch schon einige Autoren genannt, weitere habe ich über die wbg kennengelernt.

    Zur Zeit der Goldenen Bulle wäre für Sie vielleicht das neue Buch über Karl IV von Pierre Monet und der aktuelle Podcast dazu von Frau Rebekka Reinhard hier auf der wbg interessant.

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  • Rüdiger Eduard Böhle

    Herr Nieland, Herr Lupa, Herr Rosenboom - und selbstverständlich auch jeder andere Interessent an der Geschichte

    Es ist schon eine Weile her, daß hier über die Geschichte disputiert wurde: leider! Wobei ich sofort ‚mea culpa‘ bekenne, denn ich achtete auch nicht auf den Fortgang in der Sache. Doch möchte ich die Sache nicht einfach so stehen lassen, sondern dazu anregen, der Sache GESCHICHTE etwas intensiver nachzugehen.
    Was auch immer die Prähistorik, die Archäologie, die Historik überhaupt an der kulturellen Entwicklung des Menschen eruiert und zur Geschichte miteinander verwebt, so attraktieren insbesondere die Ereignisse, an denen sich dem Betrachter eine Bruchstelle im Fortgange der Ereignisse anzeigt: was bewog das Bewußtsein der Menschen, in der Malerei sich auszudrücken (Höhlen von Lascaux); ihre Weltbegegnung in meta-physisch bedeutenden und nicht in ‚objektiven‘ Gestalten zu fassen und so ein in realitate Vorübergehendes ‚dauerhaft‘ zu machen. Insbesondere etwas ‚ins Bild zu bringen‘, das gerade nicht gegenständlich vorhanden ist, sondern eben ‚meta-physisch‘.
    Und dann Solches ‚spekulativ‘ zu bedenken: welche ‚meta-physische‘ Sphäre klingt da an, wenn wir von einem „dicken Mercedes“ sprechen; beim Wort „Rolls Royce“ und seiner Emily …? Ganz trivial: das Wort „Chef“ führt eine ganz andere Sphäre mit sich als dessen bürgerliche Name. Seine Zeitgenossen wußten, welch ein Lügner, Betrüger, Verbrecher ein Alexander VI. war – und doch beugte jeder profane Herrscher sein Knie vor ihm und suchte ihn als Verbündeten!
    Was bewog die Studenten von 1353 den Aufstand gegen die Herrscherin an der Universität, die Theologie, zu proben und 1377 zu wiederholen und dann auch erfolgreich zu sein: die artes liberales verwiesen die Theologie nicht nur in die Schranken, sondern entthronten sie. Vorzüglich die einstige Magd der Theologie, die Philosophie, legte ihre oktroyierte Demut ab und etablierte sich in der immer schon reklamierten Souveränität.
    Ereignisse, in denen sich ein Selbstverständnis, ein Bewußtseinsstatus spiegelt – und nicht nur der Zeit, da Solches sich ereignet: ein Spiegel spiegelt – gemäß dem Blicke in den Spiegel.
    Das Folgende könnte ich schon an andere Stelle der wbg-foren erwähnt haben; es sei dennoch hier, der Geschichte entsprechend, dennoch angezeigt:
    Auch – heute längst vergessene, zu Ihrer Zeit aber aufwühlende – Ereignisse vermögen unser gegenwärtiges Selbstverständnis ‚in Frage zu stellen‘: so etwa der Disput um ‚die schöne Gisela‘, die Gemahlin des Saliers Konrad II. (Speyer) und den Vorwurf des Bastards seitens des Erzbischofs von Mainz, Aribo, und die – per Umwidmung des Erzbistums von Mainz nach Köln bestens ‚honorierte Güte‘ des Pilgrim von Köln, Gisela zu krönen. Nicht diese Affäre, gleich ein Politspektakel, stellt unser Selbstverständnis in die Frage, sondern ein süffisantes Detail des Disputes um den Bastard-Vorwurf: ist es möglich so etwas nach der Mitte Dezember dann wieder so um die Mitte Januar wiederum eine Urkunde in Rom zu zeichnen – und zwischen diesen Daten mal kurz über die Alpen zu galoppieren, um in Schwaben mit der Gattin der Liebe zu pflegen? Im gesamten Disput kam an keiner Stelle der Hinweis, daß da zwischen Rom und Schwaben ja die Alpen liegen und zwischen den Urkunden-Daten in den Alpen gerade mal Winter ist! Winter und Schnee kam nicht vor!
    Und da ist ja auch noch Canossa, das zur Zeit jenes welthistorischen Ereignisses ein Zeichen Gottes erfuhr, da es ganz unmöglicher Weise im Oktober schneite und so die beiden Kontrahenten nötigte, bei ihrer gemeinsamen Bekannten, Mathilde von Tuszien, einen von dieser Dame mediatierten politischen Plausch zu halten!
    Na ja, da erinnert man sich an Dürers Wanderung von Nürnberg nach Venedig zu seinem Kollegen Bellini; auf dieser Reise ‚erfand‘ Dürer das Aquarell, die schnelle Notiz eines Eindrucks und dokumentiert, daß uns geläufig gletschergefüllten Täler, um die für uns klimatechnische Problematiken anzeigen, zu Dürers Zeiten so ganz ohne Eis sich zeigten.
    Vor dieser historischen Folie zeigt sich unsere Klimadiskussion ‚in einem ganz anderen Lichte': wozu auch sollte Geschichte taugen, wenn nicht zum Anstoße, das gegenwärtig Problematische ‚in einem größeren Zusammenhange‘ zu bedenken!
    Bei diesen, zumeist in der Zeit etwas weiter entlegenen Ereignissen, die dennoch zum Spiegel für die Gegenwart, dem aktuellen Resultat der Geschichte, taugen, möchte ich es belassen.
    Mit freundliche Grüßen
    Rüdiger E. Böhle

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  • Marcin Lupa

    Lieber Herr Böhle,

    sicherlich haben Sie Recht, wenn Sie schreiben, Geschichte ist Kirchengeschichte und auch Kunstgeschichte, vor allem aber wenn Sie schreiben: "wozu auch sollte Geschichte taugen, wenn nicht zum Anstoße, das gegenwärtig Problematische ‚in einem größeren Zusammenhange‘ zu bedenken!" - denn eben um den Spiegel der Gegenwart zu erhalten, bediene ich mich des autodidaktischen Studiums der Geschichte und der Philosophie.

    Leider kam für mich niemals ein Universitätsstudium in Frage, da ich nur das Fachabitur besitze.

    Für die Fehler meine Jugend - als ich es für nicht nötig befand, auf dem Gymnasium zu lernen und in der 10. Klasse abgehen musste - kann ich nicht in alle Ewigkeit zur Verantwortung gezogen werden. Daher meine späte Einsicht und Herausforderung im Sinne des heutigen Interesses. Und sicherlich kann dieses "Studium" nicht annähernd so isoliert und profund geschehen, wie gewünscht und nötig, damit es von Erfolg gekrönt würde. Das wiederum ein Teil meiner persönlichen Geschichte.

    Die falschen Fakten, die Sie herauskristallisieren, fallen mir dementsprechend gar nicht auf. Leider.

    Mit freundlichen Grüßen
    Marcin Lupa

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